„Erlöse mich“ von Michael Robotham – Muss nich´

Buch: „Erlöse mich“

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 446 Seiten

Der Autor: Michael Robotham, geboren 1960 in New South Wales, ist ein australischer Schriftsteller. Er arbeitete in Sydney als Journalist und ging später nach London, wo er unter anderem für „The Daily Telegraph“, „Daily Mail“ und „Sunday Times“ schrieb. 1993 verabschiedete er sich vom Jounalistendasein und schrieb stattdessen als Ghostwriter Biografien für Prominente, unter anderem für Geri Halliwell. Die Älteren werden sich erinnern: Spice Girls, „Girl Power“ und so! Na ja… Durch den Erfolg der von ihm verfassten Biografien ermutigt, entschloss sich Robotham zum Wechsel in die fiktive Literatur. Im Jahr 2005 erschien sein erster Roman „Adrenalin“ (engl. „The suspect“) und wurde ein großer Erfolg. Seitdem erschienen noch neun weitere Romane, häufig mit dem Psychologen Joe O´Loughlin und dem Detective Inspector Vincent Ruiz als Protagonisten.

Das Buch: Seit ihr Mann Daniel vor einem Jahr spurlos verschwand, leidet Marnie Logan nicht nur unter der Ungewissheit, was mit Daniel geschehen ist, auch die finanziellen Nöte machen ihr zu schaffen. Immer wieder beschleicht sie die Angst, hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Deshalb sucht sie den Psychologen Joe O’Loughlin auf, der aber schnell den Verdacht hat, dass Marnie etwas verschweigt. Als ein Album mit Fotos alter Freunde entdeckt wird, das Daniel seiner Frau schenken wollte, kommt die grausame Geschichte dahinter heraus, die Joe zutiefst erschüttert. (Quelle: Goldmann)

Fazit: Unter normalen Umständen greife ich eigentlich nicht zu Büchern, die einen Titel tragen wie „Erlöse mich“, weil das irgendwie klingt, als würde ein präfinaler GI in einem zweitklassigen Antikriegsfilm einen letzten kitschbeladenen Dialog mit einem Kameraden führen, bevor er sein Leben aushaucht oder wie eine zwischen Buchdeckel gepresste bluttriefende Gewaltorgie. Da aber einerseits absehbar war, dass es sich bei „Erlöse mich“ weder um das Eine noch um das Andere handelt und ich andererseits vor geraumer Zeit bereits „Um Leben und Tod“ von Robotham gelesen habe, war das Risiko überschaubar.

So ganz zufrieden war ich mit meiner zweiten Erfahrung mit dem Werk des australischen Schriftstellers allerdings nicht. Das liegt weniger am durchaus überzeugenden Schreibstil, der mir mit seinen guten Dialogen und mit der Spannung, die Robotham bereits frühzeitig in seinem Psychthriller erzeugt gut gefallen hat. Schade, dass er diese Spannung nicht über einen längeren Zeitraum halten kann.

Zumindest die beiden ermittelnden Hauptfiguren joe O´Loughlin und Vincent Ruiz überzeugen ebenfalls. Man merkt, dass sich da zwei Charaktere schon länger kennen, die sich auch mal ohne große Worte verstehen. Schon nicht mehr so gut sieht das dann z. B. bei der Protagonistin Marnie Logan und ihren Kindern aus. Marnie selbst ist recht nichtssagend, auch ihr Handeln zu Beginn des Buches kann ich auch nach längerem Nachdenken nicht nachvollziehen, aber dazu später. Ihr junger Sohn Elijah – von dem so häufig festgestellt wird, dass er an einer Laktoseintoleranz leidet, dass es irgendwann störte und auch unfreiwillig komisch wirkte – ist bestenfalls als wunderlich zu bezeichnen und ihre Tochter ist zwar einerseits eine typische Teenie-Zicke, aber andererseits auch eigentlich ein ganz helles Köpfchen. Umso unverständlicher, dass sie im Laufe des Buches manchmal plötzlich auf eine naive bis blitzdumme Art handelt.

Der böse Antagonist wiederum überzeugt mich ebenfalls nicht wirklich, vor allem nicht, als der Leser erfährt, warum dieser Mensch denn nicht so ganz rund läuft. Die Begründung, warum in der Psyche dieses Menschen so einiges aus dem Ruder gelaufen ist, ist – ohne zu viel zu verraten – dermaßen ausgelutscht und überstrapaziert, dass ich nur noch resigniert die Augen verdrehen konnte.

Neben diesen unzugänglichen Figuren konnte ich auch mit der Handlung nicht viel anfangen, schon mit der Ausgangssituation zu Beginn nicht. Marnies Mann ist also von heute auf morgen verschwunden und niemand weiß, wo er ist. Was er Marnie hinterlassen hat, sind eine Menge Spielschulden bei einem ortsansässigen Kriminellen, die nun, nach dessen Meinung, auf Marnie übergegangen sind. Die wiederum geht aber nicht zur Polizei oder ähnliches, nein, Marnie geht im Auftrag dieses Kriminellen lieber anschaffen! Ich persönlich würde ja lieber in ein Zeugenschutzprogramm als anschaffen gehen, aber vielleicht habe ich da andere Maßstäbe als die Protagonistin.

Davon abgesehen plätschert die Handlung dieses Psychothrillers so dahin. Da hilft auch nicht, dass der Autor einem seiner Charaktere plötzlich eine psychische Erkrankung andichten möchte, die sogar nach Aussage des Roman-Psychologen in Romanen öfter vorkommt als in der Realität.

Nein, „Erlöse mich“ war über weite Strecken einfach mal ein Fehlgriff für mich, was bedeutet, dass ich meinem Instinkt hinsichtlich – meiner Meinung nach – bescheuerter Buchtitel vielleicht doch eher vertrauen sollte.

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Wenn ich Dich hole“ von Anja Goerz.

 

3 Kommentare zu „„Erlöse mich“ von Michael Robotham – Muss nich´

  1. Damit dürfte ich die Merkliste rund um diesen Autor mal eben löschen dürfen. Denn wenn ich mir Deine Rezension so durchlese, bin ich ganz bei Dir und sage mir, nein brauche ich nicht. Wobei die Sache mit den Assoziationen rund um „Erlöse mich“ bei mir in noch andere Richgungen lief. ;D

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