„Alles so hell da vorne“ von Monika Geier –

Buch: „Alles so hell da vorne“

Autorin: Monika Geier

Verlag: Ariadne

Ausgabe: Taschenbuch, 412 Seiten

Die Autorin: Monika Geier, Jahrgang 1970, wurde in Ludwigshafen geboren. Nach dem Abitur folgte eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Für ihr Deüt „Wie könnt ihr schlafen“ wurde sie mit dem Marlowe geehrt. Inzwischen ist sie Diplomingenierin für Architektur, Mutter von drei Jungs, freie Künstlerin und Schriftstellerin. (Quelle: Klappentext)

Das Buch: In einem Frankfurter Bordell wird ein Polizist von einer jungen Prostiuierten erschossen. Einerseits war der Beamte nicht aus beruflichen Gründen, sondern zu seinem Privatvergnügen vor Ort, andererseits gehörte er zur Polizei Kaiserslautern und war ein Kollege von Teilzeit-Kriminalkommissarin Bettina Boll. Daher wird Boll mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt, um sich mit dem Fall zu befassen.

Doch damit nicht genug. Die entflohene Mörderin betritt kurze Zeit später die Schule eines kleinen Dorfes und erschießt vor Dutzenden von Zeugen den Schuldirektor.

Bettina Boll ermittelt in einem verstörenden Umfeld von sehr jungen Prostituierten, um heraus zu bekommen, was es mit der jungen Mörderin und ihren Beweggründen auf sich hat.

Und nebenbei, ja, so nebenbei versucht sie auch noch, ein geerbtes Haus zu verkaufen und sich um ihre Kinder zu kümmern.

Fazit: Die liebe Christina zeichnet nicht nur für den Blog „Die dunklen Felle“ verantwortlich – den ich nicht nur den Liebhabern guter Krimalliteratur wärmstens empfehlen kann -, sondern ist darüber hinaus auch noch eine ganz sympathische Zeitgenossin. Und zwischendurch gibt es bei ihr sogar etwas zu gewinnen. Und da ich eindeutig in die Kategorie „Ich-gewinne-nie-etwas“ gehöre, nehme ich bei solchen Auslosungen mittlerweile ziemlich schmerzfrei teil. Und siehe da: Ich habe doch tatsächlich etwas gewonnen, nämlich „Alles so hell da vorne“ von Monika Geier. An dieser Stelle nochmal einen lieben Dank an Christina!

Zugegeben, der Gewinn des besagten Buches liegt jetzt schon eine Weile zurück. Mehrere Monate, um genau zu sein. Und ich könnte jetzt so etwas schreiben wie, „Ich kam einfach vorher nicht dazu, es zu lesen!“, was aber schlicht gelogen wäre,  denn ich habe in der Zwischenzeit einfach nur andere Bücher gelesen. :-)

Jetzt griff ich aber endlich zu diesem Krimi und habe die selbe Erfahrung gemacht, wie bei vielen anderen Büchern, die länger bei mir herumlagen: Ich hätte es schon längst lesen sollen!

Der Einstieg fiel mir, um ehrlich zu sein, allerdings nicht gerade leicht. Wenn die Protagonistin auf den ersten zwei Seiten ihre Gedanken in einer Art innerem Monolog einer Eibe mitteilt, dann muss ich das vielleicht nicht verstehen. Aber schon da machte sich die Befürchtung breit: „Oha, geht das jetzt in diesem Stil so weiter?“ Nein, natürlich nicht!

Im Gegenteil, stilistisch läuft die Autorin zu hoher Form auf. So schafft sie es, die eigentlich recht düstere Handlung immer wieder mit eher heiteren Passagen aufzulockern, die ihren ganz eigenen Charme haben, beispielsweise wenn Boll ihr unbekannten Kollegen einer fremden Dienststelle zugewiesen wird, um Ermittlungen zu starten, diese Kollegen aber den halben Vormittag erst mal lang und breit über die praktikabelste Art der Essensbeschaffung für die Mittagspause philosphieren. Und dabei findet Monika Geier in jeder Passage den entsprechenden passenden Ton.

Den passenden Ton legt die Autorin auch ihren Charakteren in den Mund. Die eben erwähnten Polizeikollegen überzeugen mit ihrer pfälzischen Mundart – die glücklicherweise auch für mich als norddeutschem Torfkopf gut zu verstehen war-, die beiden jungen Prostituierten Olga und Nini mit einer Sprache, die zwar authentisch sein mag, die mich aber immer wieder schaudern ließ und den Drang auslöste, einen Duden zu überreichen. Oder wenigstens eine Tageszeitung. Mit den Worten: „Fangt damit erst mal an!“ Aber auch die beiden Mädels muss man als Leser nach einer gewissen Zeit irgendwie gern haben.

Das größte Plus im Bereich der Charaktere ist aber die Protagonistin, Bettina Boll, Polizeikommissarin in Teilzeit. Sie hebt sich sehr angenehm von den oft bemühten alokolkranken Ermittlern mit zerütteter Familie ab. Und dabei läuft auch nicht alles glatt in ihrem Leben. Den Job, die Kinder und den Hausverkauf unter einen Hut zu bekommen, stellt sie vor sichtliche Probleme und macht sie nur umso menschlicher. Warum sie ihren beiden Kindern bei jeder sich bietenden Gelegenheit allerdings Pizza, Fast Food und Ähnliches vorsetzt, das wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht erfährt man das ja auch, wenn man die vorherigen Bände der Reihe gelesen hat, was ich nicht habe, aber ernsthaft zu tun in Betracht ziehe.

Zumindest wenn Geier auch in den anderen Büchern solche spannenden Handlungen ersonnen hat. Sogar die Nebenhandlung hat ihren Reiz: Bei der Besichtigung des geerbten Hauses stellt sich heraus, dass dort eine verschlossene Tür in einen nicht verzeichneten Raum führt. Die Nebenschauplatz um die Frage, was sich hinter dieser Tür verbirgt, macht beinahe genau so viel Spaß wie die eigentliche Handlung. Und eigentlich weisen beide Handlungen Parallelen auf. Auch bei der eingangs erwähnten Mörderin stößt Boll im übertragenen Sinn auf verschlossene Türen, als sie versucht, hinter die Person zu blicken, die die Mörderin zu sein vorgibt. Vielleicht überinterpretiere ich das aber auch…

Der langen Rede kurzer Sinn: Liebhabern von gut geschriebenen Krimis mit außergewöhnlichen Charakteren kann ich nur empfehlen, bei „Alles so hell da vorn“ zuzugreifen. Denn ich teile Christinas Meinung, „dass unbedingt mehr Leute Monika Geier lesen sollten“.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Küstenfluch“ von Hendrik Berg ooooder, wenn ich mein Lesetempo halte, „Origin“ von Dan Brown.