„Die Petrusmünze“ von Daniel Holbe – Luft nach oben

Buch: „Die Petrusmünze“

Autor: Daniel Holbe

Verlag: atb

Ausgabe: Taschenbuch, 364 Seiten

Der Autor: Daniel Holbe, Jahrgang 1976, lebt mit seiner Familie in der Wetterau unweit von Frankfurt. Einem großen Publikum wurde er bekannt, als er in den Romanen „Todesmelodie“ und „Teufelsbande“ die Figuren des verstorbenen Krimiautors Andreas Franz weiterleben ließ. Zuletzt veröffentlichte er die Bestseller „Schwarzer Mann“ und „Der Fänger“.Im Aufbau Taschenbuch ist sein Thriller „Die Petrusmünze“ lieferbar. (Quelle: Aufbau Verlag)

Besondere Sympathien gewinnt Holbe bei mir dadurch, dass er einen von zwölf Thrillern zu einem Buch mit dem wunderschönen Titel „Den Nächsten, der FROHE WEIHNACHTEN zu mir sagt, bringe ich um“ geschrieben hat. Wer mich kennt, weiß warum! :-)

Das Buch: Die deutsche Historikerin Marlene Schönberg erhält einen geheimnisvollen Anruf. Ein Mann erklärt, er besitze Informationen über eine Reliquie, die den Vatikan ins Wanken bringen könnte. Als Marlene den Mann besuchen will, findet sie sich vor einem Gefängnis in Marseille wieder. Robert Garnier steht in Verdacht, seinen Vater vor dem Papstpalast in Avignon getötet zu haben. Zusammen mit seinem Anwalt beginnt Marlene zu ermitteln: Es geht um eine Münze – die Petrusmünze, an der man den wahren Papst erkennt. Ein erster fehlgeschlagener Anschlag auf sie verrät Marlene, dass sie auf der richtigen Spur ist.  (Quelle: Klappentext)

Fazit: „Die Petrusmünze“ ist nicht nur Holbes erstes Buch, dessen Erstauflage bereits 2009 erschien, es ist auch das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe. Und es lässt mich mit durchaus gemischten Gefühlen zurück.

Der Autor gestaltet den Einstieg in das Buch auf die denkbar schwierigste Art und Weise. Zu Beginn wechselt „Die Petrusmünze“ ständig zwischen verschiedenen Zeitebenen, Orten und handelnden Personen. Dazu sind die Kapitel eingangs sehr kurz, so dass ich mich permanent auf eine neue Situation einstellen musste, ohne dass so etwas wie Lesefluss aufkam. Für das Erkennen von Zusammenhängen war das eher hinderlich und erinnerte mich so ein bisschen an den Schnitt des Videos zu „Live and let die“ von Guns ´N Roses aus den 90ern, in dem gefühlt sieben Einstellungen pro Sekunde auftauchten – die Älteren werden sich erinnern.

Im späteren Verlauf ändert sich das dann glücklicherweise und man merkt, dass sich Daniel Holbe da mit einer sehr spannenden Geschichte beschäftigt. Diese ist – und das sagt der Autor auch selbst – von Dan Browns Büchern inspiriert und das merkt man auch. Im Gegensatz zum großen Vorbild ist hier allerdings alles eine Nummer kleiner – zum Glück. Hier geht es nicht um weltumwälzende Revolutionen religiöser Art, hier geht es mehr um die Rolle der katholischen Kirche in der Geschichte und um Ansprüche, die daraus vermeintlich entstanden sind.

Die Geschichte basiert auf der Grundlage des Großen Abendländisches Schismas, als es im 14. Jahrhundert ganz plötzlich zwei – später sogar drei – Päpste gab. Ich hätte es positiv empfunden, wenn der Autor den Leser diesbezüglich mit etwas mehr Informationen versorgt hätte. Die gegebenen reichen, um der Handlung zu folgen, aber nicht immer ist weniger mehr. Insgesamt aber überzeugt die Story durchaus, und das nicht nur weil sie spannend ist, sondern auch, weil sie interessante Fragen zur Verantwortung der Kirche für in der Vergangenheit begangenes Unrecht aufwirft.

An manchen Stellen allerdings meldete sich meine linke Gehirnhälfte und brachte die Logik hinsichtlich einiger Szenen sowie des Handelns der Protagonistin zur Sprache. So zum Beispiel an der Stelle, an der sich ein Charakter wegen einer Schusswunde behandeln lässt. Der „eilig herbeigerufene Arzt“ kümmert sich um die Wunde und verschwindet – das war´s. Jetzt bin ich mit der französischen Justiz nicht vertraut – wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt der Handlung in Frankreich – aber wenn ich hierzulande angeschossen werde und ich marschiere damit zum Hausarzt, um mich nur mal kurz tackern zu lassen, dann lässt der mich sicherlich nicht einfach wieder gehen! Klar, Probleme mit den Behörden wären der Dynamik der Handlung eher abträglich, aber dennoch…

Darüber hinaus hat sich mir während der Lektüre nie erschlossen, wieso die Polizei denn nun Robert Garnier verdächtigt, seinen Vater getötet zu haben. Es mag möglich sein, dass ich es überlesen habe, aber meines Wissens wird nirgendwo ein Motiv genannt, mir selbst fiele auch keines ein.

Auch die Protagonistin muss man nicht immer nachvollziehen können. Dass diese Hals über Kopf nach Frankreich reist, weil sie jemand, den sie nicht kennt, aus einem französischen Gefängnis anruft und um Hilfe bittet, erschließt sich mir einfach nicht. Gut, sie ist von ihrem Job gelangweilt – den ich übrigens jederzeit gegen meinen eigenen eintauschen würde. Aber reicht das, um sich stante pede auf eine Reise zu begeben, ohne zu wissen, warum eigentlich? Meiner Meinung nach nicht. Auch dass die studierte Historikerin später ohne jegliche Skrupel Löcher in historische Gebäude hämmert und später an einer Buddelei teilnimmt, die jedem anständigen Raubgräber die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen würde, muss ich nicht verstehen.

Auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptpersonen kommt irgendwie aus dem Nichts und hätte überhaupt nicht sein müssen. Dass ich dagegen den im Buch vorkommenden Charakter Anton Schönberg beharrlich mit Arnold Schönberg verwechselt und deswegen gruseligste Erinnerungen an die Zwölftonmusik hatte – nein, dafür kann Daniel Holbe nun wirklich nichts, das ist mein eigenes Problem.

Während man also einige fehlenden Hintergrundinformationen in der Handlung sowie die Tatsache, dass die Charaktere mich durch die Bank kalt gelassen haben, bemängeln kann, ist Daniel Holbe allerdings stilistisch über jeden Zweifel erhaben. Er schreibt schnörkellos und temporeich mit überzeugenden Dialogen. Und das ist letztlich auch der Grund, warum „Die Petrusmünze“, trotz aller Kritikpunkte, zwar das erste aber nicht das letzte Buch ist, das ich von ihm gelesen habenn werde. Auch wenn das nächste dann vermutlich ein Krimi sein wird.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Erlöse mich“ von Michael Robotham

 

P.S.: Das war mein 200. Beitrag! *Konfetti* :-)

19 Kommentare zu „„Die Petrusmünze“ von Daniel Holbe – Luft nach oben

  1. Zuerst: Herzlichen Glückwunsch zum 200. Beitrag! Mach weiter so!

    Zweitens: Interessente Litertaur. Das Buch hier behalte ich mal im Hinterkopf, bin ich doch immer auf der Suche nach was Neuem, auch wenn du an einigen Stellen ja durchaus skeptisch warst. :)

    lg Pia

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  2. *schmeißt auch Konfetti*
    Aber man sieht: Es gibt auch in der Literatur ganz ganz viele Trends … So einen Roman würde thematisch heute ja kaum jemand mehr schreiben. Aber ich wette, wir haben alle gleich mehrere zum Thema „Katholische Kirche“ und „Verschwörung“ im Bücherregal. *g*

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  3. Hm, ich tendiere jetzt eher doch zu dem Buch mit dem Titel “ Der nächste der….“. Liegt aber auch daran, dass mir Dan Brown uns seine Verschwörungstheorien so langsam über sind, da brauche ich keine ähnlich gearteten Bücher.

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