„Im finsteren Eis“ von Bracken MacLeod –

Buch: Im finsteren Eis

Autor: Bracken MacLeod

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 414 Seiten

Der Autor: Bracken MacLeod arbeitete als Anwalt, Philosophielehrer und Martial-Arts-Trainer. Doch sein Herz gehört dem Schreiben. Zahlreiche seiner Kurzgeschichten sind in renommierten Genremagazinen erschienen, in Amerika gilt MacLeod schon jetzt als eine der aufregendsten Neuentdeckungen in der Spannungsliteratur. (Quelle: Heyne)

Das Buch: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes „Arctic Promise“ plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses … (Quelle: Heyne)

Fazit: Eben noch hatte ich einen halbwegs brauchbaren Einstieg in diese Rezension, dann schrie mich zum wiederholten Male Trude Herr aus dem TV an, um mir mitzuteilen, dass sie keine Schokolade wolle. Und schon war der geschliffen formulierte Einstieg aus dem Kopf verschwunden.

Aber da wir schon bei Einstiegen sind, beschäftigen wir uns mal mit dem in MacLeods „Im finsteren Eis“. Der gelingt nämlich erfreulich gut. Zu Beginn stellt der Autor der Leserschaft seinen Protagonisten vor, den Seemann Noah Cabot. Und Cabot hat es nicht leicht an Bord der „Arctic Promise“. Die Mehrheit der Besatzung beäugt ihn skeptisch, weil sie ihn für den Unfalltod eines Kollegen verantwortlich macht. Darüber hinaus steht die „Arctic Promise“ unter dem Kommando William Brewsters, und der wiederum ist Noahs Schwiegervater und ebenfalls nicht gerade begeistert von Cabot.

Insgesamt erfährt der Leser recht viel über den jungen Noah Cabot – den ich übrigens beharrlich „John“ nennen möchte, obwohl dieser John Cabot eigentlich Giovanni Caboto hieß, ebenfalls Seefahrer war und im 15. Jahrhundert den Sankt-Lorenz-Strom befuhr, nur damit ihr hier auch was lernt -, man erfährt also recht viel, auch was Cabots Leben vor der Seefahrt angeht. Insgesamt ist dem Autoren der Protagonist ziemlich gut gelungen. Hätte sich MacLeod doch nur ähnlich intensiv mit seinen anderen Charakteren oder gar seiner Geschichte beschäftigt…

Neben Cabot gibt es eigentlich nur noch zwei weitere wichtige Charaktere. Zum Einen seinen bereits erwähnten Schwiegervater, zum Anderen den Bootsmann Serge Boucher. Alle anderen Männer der Schiffbesatzung vermischten sich für mich während der Lektüre nach einer Phase des „Wer war das noch gleich?“ der Einfachheit halber zu einem einzigen großen Charakter namens „Schiffsbesatzung“.

Neben dem guten Einstieg hinsichtlich der Charaktere gelingt Bracken MacLeod dies auch im Hinblick auf den Stil und die Handlung. MacLeod kann tatsächlich richtig gut schreiben, er hat ein Händchen dafür, Stimmungen gut herüberzubringen. Das gilt für die langsam angespannter werdende Atmosphäre auf dem Schiff genaus so wie für seine Beschreibungen der rauen Umgebung, in der sich die Mannschaft der „Arctic Promise“ befindet. Gelegentlich hatte ich beim Lesen irgendwie das Gefühl, dass mir gerade kälter ist, als mir angesichts der Außentemperatur sein sollte.

Leider ist es sehr schwierig, ein ganzes Buch nur mit einem Händchen für Stimmungen zu füllen, irgendwann sollte dann auch mal die Handlung zum Tragen kommen und da liegt leider das große Problem des Buches. Bis zu dem Zeitpunkt als die Mannschaft zu dem vermeintlichen Schiff aufbricht, dass die Seeleute am Horizont sehen, bietet „Im finsteren Eis“ solide bis gute Unterhaltung. Dann jedoch driftet der Roman irgendwie in eine Art Mystery-Thriller ab. Das letzte Viertel des Buches erinnert schließlich an eine im ewigen Eis stattfindende Version von „Resident Evil VII“. „Muss man mögen“, um es mal mit den Worten von Vince Ebert zu sagen…

Die Wendung in die Mystery-Richtung, die das Buch nimmt, die muss ja keine schlechte sein, aber es wäre so schön gewesen, wenn der Autor sein Szenario am Ende des Buches irgendwie aufgeklärt oder erklärt hätte – wenigstens im Ansatz, gegen die eine oder andere offene Frage ist ja nichts einzuwenden. Aber nein, das Buch endet ohne eine einzelne Erklärung, was, zum Geier, denn da jetzt auf den vorhergehenden gut 400 Seiten passiert ist. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass MacLeod der berechtigten Meinung war, eine ganz brauchbare Geschichte im Kopf zu haben. Also hat er einfach mal angefangen, drauflos zu schreiben, in der sicheren Annahme, ihm würde im Laufe der Zeit schon noch ein überzeugender Schluss einfallen. Leider war das nicht der Fall.

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Das hätte Brecht vermutlich zu „Im finsteren Eis“ gesagt. Schade!

Wertung:

Handlung: 5,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnöchst in diesem Blog: „Die Petrusmünze“ von Daniel Holbe.

6 Kommentare zu „„Im finsteren Eis“ von Bracken MacLeod –

  1. Hihi offenbar haben ja viele Schriftsteller das Problem nach einem recht guten Anfang das Buch einigermaßen spannend fortzuführen. Naja niemand ist vollkommen. Grüß Dich lieb Fraggle

    Gefällt 1 Person

    1. Ich hatte das Trude-Herr-Gebrülle gerade aus meinem Kopf gekriegt… ;-)

      Ich fürchte nicht, dass davon eine Fortsetzung geplant ist, das gibt das Ende nicht her. Und selbst, wenn: Ich würde sie nicht lesen. :-)

      Gefällt 1 Person

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