„Küstenfluch“ von Hendrik Berg – Stimmungsvoll, aber…

Buch: „Der Küstenfluch“

Autor: Hendrik Berg

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 316 Seiten

Der Autor: Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln. (Quelle: Goldmann)

Das Buch: Als ein Orkan über Nordfriesland hinwegfegt, taucht ein rostiges Schiffswrack im Wattenmeer auf – und plötzlich häufen sich mysteriöse Todesfälle an der Küste. Der Bauer Jessen ist eines der Opfer. Doch war sein Tod ein Unfall oder Mord? Und was hat es mit Jessens kleinem Neffen Jan auf sich, der von furchtbaren Albträumen heimgesucht wird? Kommissar Theo Krumme ermittelt zusammen mit einer jungen Kollegin und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten in der Familie. Dann verschwindet Jan, der sich von dem Schiffswrack magisch angezogen fühlte – und seine Spur führt direkt ins Watt… (Quelle: Goldmann)

Fazit: Wer öfter eine meiner Rezensionen liest, der weiß, dass ich in regelmäßigen Abständen über Aufkleber auf Büchern meckere, vorzugsweise über solche mit eher sinnfreien Aufschriften wie „Vom Autor von…“. Häufig unterstelle ich den Verlagen, die deutsche Leserschaft für zu dusselig zu halten, sich einen Autorennamen merken zu können.

Erinnert mich bei Gelegenheit daran, das nie wieder zu tun! :-)

Denn im vorliegenden Fall gilt: Wo sind diese bescheuerten Aufkleber, wenn man sie mal braucht? Zur Erklärung sei gesagt, dass ich vor etwas über zweieinhalb Jahren eine Rezension des Buches „Das Küstengrab“ des Schriftstellers Eric Berg schrieb. Aufgrund des selben Nachnamens, einer ähnlichen Gestaltung sowie des ähnlichen Buchtitels – das machen Autoren und Verlage nämlich auch so, sie geben den einzelnen Teilen einer Krimireihe möglichst ähnlich klingende Titel, weil sie die deutsche Leserschaft für zu dusselig… – lassen wir das – war ich also der Meinung, ein Buch des o.g. Autoren Eric Berg erstanden zu haben. Dem war aber nicht so. Glücklicherweise war „Küstenfluch“ dennoch kein kompletter Fehlgriff.

„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Krimi rund um den Kommissar Theo Krumme. Den einstigen Berliner hat es mittlerweile in den hohen Norden verschlagen, wo er versucht, sich langsam einzuleben und mit der eher einsilbigen Bevölkerung zurecht zu kommen. Da ich die ersten beiden Bücher nicht kenne, ist es mir nicht möglich, die Entwicklung von Theo Krumme genauer zu beurteilen, aber wenn ich mich nur auf „Küstenfluch“ beschränke, muss ich sagen: Ich mag ihn! Der Gute hat es nicht leicht in der norddeutschen Tiefebene, hat noch recht wenig soziale Kontakte, muss dafür aber regelmäßig den Avancen seiner Vermieterin entfleuchen. Krumme ist ein Charakter, wie ich ihn mir in einem solchen Krimi wünsche.

Leider gilt das nicht für die weiteren Charaktere. Da findet sich ein zum Beispiel der Betriebshelfer – früher hätte man „Knecht“ gesagt – Harke, der davon überzeugt ist, in Kontakt mit einem Hausgeist namens Nis zu stehen. Da hätte man zum Anderen den achtjährigen Jan, der von düsteren Vorahnungen geplagt ist und in Alpträumen, ja, man könnte sagen „Visionen“ hat.

Das was für diese beiden exemplarischen Charaktere gilt, das gilt auch ebenso für die Handlung: Das war mir irgendwie alles zu mystisch angehaucht. So etwas kann ich eher verzeihen, wenn ich Bücher von Aaronovitch lese – was ich nicht tue – aber in einem ansonsten eher bodenständigen Krimi mit nordeutschem Schauplatz und Charme, da wirkt das Ganze irgendwie eher deplaziert. Vielleicht war der Autor der Meinung, diesen mystischen Einschlag einbauen zu müssen, die eigentliche Krimihandlung abseits davon empfand ich nämlich auch als nicht unbedingt fesselnd.

Dennoch: Schreiben kann Hendrik Berg. Der Autor vermittelt sehr stimmtig die raue Atmosphäre des Nordens, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit des Bauernhofs vom Mordopfer Jessen. Auch die recht launigen Passagen, in denen der Autor die Eingewöhnungsschwierigkeiten des Komissars beschreibt, haben mir gut gefallen.

Letztlich ist „Küstenfluch“ ein Buch, das für mich an seinen allzu seltsamen Charakteren und der überschaubaren Geschichte scheitert. Sollte ich bei einem Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens also das nächste Mal über den Namen Berg stolpern, werde ich mich vorher nochmal genau vergewissern, um welchen es sich denn jetzt handelt.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Im finsteren Eis“ von  Bracken MacLeod

3 Kommentare zu „„Küstenfluch“ von Hendrik Berg – Stimmungsvoll, aber…

  1. Oh ja, diese Aufkleber liebe ich auch.
    Gut sind aber auch die oftmals sinnfreien Aussagen und Empfehlungen namhafter Promis und Autoren auf den Klappentexten der Bücher.
    Wie etwa: „Stephen King sagt über das Buch von XY: It rocks!“ oder „B. Schöneberger sagt zum Buch XYZ: Eine Offenbarung!“
    Absolut nervig.
    Ich mochte auch ein Buch von Eric Berg sehr gerne und das war „Das Nebelhaus“.
    Liebe Grüße 😃

    Gefällt 1 Person

    1. Au ja, diese „Empfehlungen“ haben eine ganz besondere Qualität! Mein Favorit in dem Bereich:

      „Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!“ – Emma Watson.

      In der anschließenden Rezension habe ich ihr einen Besuch beim Orthopäden empfohlen. ;-)

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