„Der Präsident“ von Sam Bourne – Erschreckend aktuell

Buch: „Der Präsident“

Autor: Sam Bourne

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 477 Seiten

Der Autor: Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Nach Stationen u.a. bei der BBC, der Washington Post, der New York Times, Newsweek und der Los Angeles Times, arbeitet er heute überwiegend als Redakteur und Kolumnist beim Guardian. Er schreibt regelmäßige Beiträge für die New York Times Review of Books und den Jewish Chronicle. Zudem präsentiert er die wöchentliche Radiosendung The Long View bei BBC Radio 4. Freedland ist Autor diverser Sachbücher und Thriller. Mit seinem Thrillerdebüt Die Gerechten war er monatelang Nummer 1 der Sunday-Times-Bestsellerliste mit über einer halben Million verkaufter Exemplare. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: Kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA zeigt sich, wen sich die Amerikaner da in dieses prestigeträchtge Amt geholt haben, als der neue Präsident mitten in der Nacht aufgrund einer unfreundlich formulierten „Verlautbarung“ aus Pjöngjang einen cholerischen Anfall bekommt und verlangt, in die Kommandozentrale des Pentagons durchgestellt zu werden. Er will den Angriff auf Nordkorea und China mittels des gesamten amerikanischen Atomwaffenarsenals befehlen – was nichts anderes als den Untergang für den Großteil der Menschheit bedeuten würde.

In quasi letzter Sekunde kann die Situation entschärft werden, der Präsident beruhigt sich. Doch für die Minister Kassian und Bruton ist klar: So kann es nicht weitergehen! Sie loten die Möglichkeiten aus, den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Man könnte medizinische Gründe anführen und ihn für unzurechnungsfähig erklären lassen. Man könnte ihn aber auch…

Maggie Costello ist seit Jahren Mitarbeiterin im Weißen Haus, steht dem Präsidenten aber ebenfalls mit tiefer Abneigung gegenüber. Nachdem der Leibarzt des Präsidenten tot aufgefunden wird,  soll sie im Auftrag des Präsidentenberaters Crawford „Mac“ McNamara Nachforschungen anstellen und gerät dabei Plänen für ein Attentat auf den Präsidenten auf die Spur. Soll sie schweigen und damit dazu beitragen, die Welt vom cholerischen Tyrannen zu befreien oder soll sie die Pläne vereiteln?

Fazit: Nein, ich werde mich jetzt nicht zu Donald J. Trump oder der Politik der USA äußern. Das wäre zu einfach, zu ausschweifend und würde wahrscheinlich eine vollkommen niveaulose Richtung einschlagen. Dass die derzeitige weltpolitische Lage – in der gefühlt zweimal pro Woche ein nordkoreanischer Marschflugkörper über den Pazifik fliegt und der amerikanische Präsident die Segnungen des Mediums Twitter für sich entdeckt hat, weil man für 140 Zeichen nicht lange nachdenken muss  – die Hauptursache für mich war, diesen Roman zu lesen, das gebe ich gerne zu.

Sam Bourne hält sich bei manchen seiner handelnden Personen sehr nah an die tatsächlich existierenden „Vorbilder“. Auch wenn auf 477 Seiten nicht einmal der Name des Präsidenten genannt ist, so weiß man doch, wen der Autor damit meint. Der Präsidentenberater McNamara wiederum erinnert den kundigen Leser an Steve Bannon – auch wenn der unter dem „hire & fire“ -Präsidenten schon wieder Geschichte ist; ein Schicksal, dass er mit den Herren Priebus, Spicer oder Flynn teilt, die aber wiederum allesamt wenigstens länger durchgehalten haben als Anthony Scaramucci…

Das Problem der auf realen Personen beruhenden Charaktere ist nur, dass sie deutlich überzeichnet sind. Ich gebe allerdings zu, dass das durchaus so gewollt sein kann, denn „Der Präsident“ trägt eindeutig auch satirische Züge. Aber wenn ein Präsidentenberater im Weißen Haus derartig sexistisch, rassistisch und ekelhaft herumprollt, wie das McNamara tut, dann ist das vielleicht doch schon etwas zu viel des Guten.

Die rein fiktiven Charaktere haben mich mehr überzeugt. Lediglich, dass die Minister Kassian und Bruton bei ihrem Versuch einen Staatsstreich zu planen quasi dauerhaft mit der Verfassung herumfuchteln, mit der das ja alles in Einklang gebracht werden müsse, wirkt etwas scheinheilig, haben die USA doch sonst eher weniger Probleme damit, Regierungen zu stürzen oder stürzen zu lassen. Nur eben in anderen Ländern. Ach, ich wollte mich ja gar nicht zur Politik der USA äußern…

Stilistisch habe ich an „Der Präsident“ wenig auszusetzen. Bourne erzählt spannend und temporeich, die überschaubaren Kapitellängen sind für das Tempo ebenfalls hilfreich.

Im Vordergrund des Buches steht allerdings, wie könnte es anders sein, diese bemerkenswerte „was-wäre-wenn“-Handlung. Eine Handlung die durchweg spannend ist, die den Leser aber auch dazu bringt, sich seine eigenen Gedanken zu machen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Über die Folgen, die ein solches Szenario hätte. Über die eigenen moralischen Grundsätze, den eigenen moralischen Kompass. Schließlich habe ich selbst schon mal gesagt: „Wo ist John Wilkes Booth, wenn man ihn mal braucht?“, wollte damit allerdings auch nur einen billigen Scherz machen. Kam nicht gut an…

Wer ein actionlastiges Buch erwartet, das man vielleicht mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmen könnte, der liegt bei „Der Präsident“ grundfalsch. Wer aber ein zwischen Politsatire und Thriller changierendes Lesevergnügen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Alles so hell da vorn“ von Monika Geier.

 

8 Kommentare zu „„Der Präsident“ von Sam Bourne – Erschreckend aktuell

  1. Ich bin 140 Zeichen unkompatibel – was ja, wenn man so sieht, wer alles was twittert, vielleicht eine sehr gute Eigenschaft ist… :-)
    Und ich bin schon gespannt – als nächstes steht da ja Monika Geier… bin schon sehr neugierig, ob Dir das Buch gefallen hat. Ob es überhaupt Dein Geschmack war.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann mich auch nie auf 140 Zeichen beschränken. Warum sollte man auch? Man stelle sich vor, der große Mathematiker Pierre Fermat hätte über seinen „Großen Satz“ getwittert: „Ich habe dafür einen wahrhaft schönen Beweis gefunden, aber der passt nicht in diesen Tweet!“ ;-)

      Ich könnte Dir meine Meinung zu Monika Geiers Buch schon vorab mitteilen – das wäre aber doch langweilig… :-)

      Gefällt 1 Person

  2. Hinsichtlich der lebenswichtigen Organe würde ich mich bei Donald J. auf die Leber fokussieren… ;-)

    Aber, ja, das ist genau das, was ich meine. Im Grunde meines Herzens kann ich die von Dir erwähnten Herren ebenfalls nicht leiden. Aber gleich umnieten? Zwischen „im Amt lassen“ und „umnieten“ muss es doch noch eine friedfertige Zwischenlösung geben. ;-)

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  3. Gut, das Buch steht auf der Wishlist. Du nennst Namen, ich frage rundheraus, warum der blonde Affe noch lebt und ihm noch keiner das … ok, Hirn geht nicht, da ist nix, Herz genausowenig… also, warum noch keiner irgendwelche lebenswichtigen Organe weggeschossen hat. Und habe kein Problem damit. Derjenige welcher kann direkt in Nordkorea weitermachen. Der Oberboss von Russland benimmt sich nach wie vor noch relativ zivilisiert, auch wenn ich den gleichfalls lieber 5 Fuß tiefer sehen würde. Preisfrage ist nur, was kommt nach?
    Moralische Grundsätze gehen da bei mir völlig flitzen. Da stehe ich auch zu. :)

    Gefällt 1 Person

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