Freitagsfragen #12

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

schon wieder ist eine Woche fast vorbei. Hartnäckig hält sich bei mir die Hoffnung auf drei, vier Tage die man guten Gewissens als „Spätsommer“ bezeichnen könnte. Bis die es aber geschafft haben, sich gegen das, was sich da draußen euphemistisch „Wetter“ nennt, durchzusetzen, beschäftige ich mich mit der nächsten Ausgabe der „Freitagsfragen“ im Brüllmausblog. Die heutigen Fragen lauten:

1.) Ein Meteorit fällt vom Himmel und löscht in einer Stunde alles Leben auf der Erde aus. Was tust Du?

2.) Ein Nachbar, mit dem du außer „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ nie Worte gewechselt hast, bittet Dich um Hilfe: Er hat sich das Bein gebrochen und kann für die nächsten Wochen weder einkaufen noch den Haushalt schmeißen und hat sonst niemanden, der ihm helfen kann. Wie reagierst Du?

3.) Ein Komitee tritt an Dich heran: Du sollst den tollsten Menschen des Jahres bestimmen, der mit 100.000€ und ein bisschen Medienrummel mit 3 Interviews und einer Sondersendung inklusive Danksagung des Bundespräsidenten geehrt wird. Wer ist Dein Mensch des Jahres?

4.) Die Wahl der Qual: Ständig im Satz unterbrochen werden oder nach einer Umsortierung der Wohnung durch einen Fremden nichts mehr wiederfinden?

Antwort zu 1: Was ich tue? Meine Steuerklärung ausfüllen! Zu den Klängen von „How far we´ve come“ von „Matchbox Twenty“. Nimm das, Meteorit! Du bringst mich nicht aus der Ruhe! „I´m waking up at the start of the end of the world…“  *lalalaaa*

Nein! Natürlich nicht!

Sich in einer solchen Situation mit finanz- und verwaltungstechnischen Notwendigkeiten zu befassen, wäre ja seltsam. Ich nutze die verbleibende Stunde gänzlich anders:

Während die ganze Menschheit händeringend und Hilfe rufend im Kreis läuft – eine Handlungsweise die noch nie hilfreich für die Lösung eines Problems war -, bleibe ich ruhig und besonnen. Zuerst rufe ich mal meine guten Freunde Bruce Willis und Ben Affleck an – wir haben sowieso schon wieder viel zu lange nicht geplaudert – und schildere ihnen die Situation, auch wenn selbige den beiden bereits bekannt sein dürfte. Dann bitte ich sie schlicht, sich um die Angelegenheit zu kümmern, schließlich haben die Jungs das schon mal erfolgreich getan. Gut, die Vorlaufzeit ist diesmal vielleicht etwas kurz, aber es sind ja auch fast 20 Jahre nach deren letzter Weltenrettung vergangen, mittlerweile geht so etwas schneller.

Bruce sträubt sich ein wenig – was vielleicht verständlich ist -, aber letztlich erkläre ich ihm, dass man bei der Rettung der ganzen Menschheit keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen kann. Während sich die Herren um das Problem kümmern, flirte ich ein bisschen mit Liv Tyler, während im Hintergrund leise Musik von „Aerosmith“ läuft.

Später dann, Wochen und Monate nach der erneuten erfolgreichen Weltenrettung, dringt in die Öffentlichkeit durch, dass Willis und Affleck nur die Ausführenden eines ausgeklügelten Plans eines genialen Masterminds, also mir,  waren. Dass in der Folge dann Straßen, Plätze, Gebirgszüge, Weltwunder, Raumsonden, Himmelskörper und extraterrestrische Kolonien nach mir benannt werden, nehme ich ebenso zu ruhig und besonnen zur Kenntnis wie die Verleihung der Ehrendoktorwürde aller 9.516 weltweit vorhandenen Universitäten und meine Wahl in das Bundespräsidentenamt – dafür braucht es nicht mal mehr eine Grundgesetzänderung, weil ich dafür erschreckenderweise mittlerweile alt genug bin.

Nach Ablauf meiner Amtszeit wird mir der Trubel allerdings doch zu viel, weswegen ich, in der Hoffnung, dort meine Ruhe zu haben, nach Pitcairn auswandere. Vorher mache ich noch meine Steuererklärung.

Antwort zu 2: Das ist mal eine Frage, die direkt aus meinem Leben gegriffen zu sein scheint. Denn zu meinem Nachbarn sage ich noch nicht mal „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“. Das liegt einerseits daran, dass der Herr ein nicht sonderlich diskussionsfreudiger oder gar frustrationstoleranter, dafür aber recht cholerischer Spinner ist. Zweitens ist er im Besitz einer Wumme. Die Kombination „cholerischer Spinner“ + „Wumme“ ist keine gute! Grund genug, den Kontakt – und damit das Risiko, über den Haufen geschossen zu werden – auf ein notwendiges Minimum zu beschränken.

Insofern würde ich möglicherweise von seinem Beinbruch erfahren, aber wohl eher weniger davon, dass er sonst niemanden hat, der ihm helfen könnte. Erführe ich allerdings davon, bestünde theoretisch sogar die Möglichkeit, dass ich ihm anböte, zu hülfen, äh, helfen. Vielleicht. Sehr vielleicht.

Antwort zu 3.: Zugegeben, ich kenne in meinem Umfeld die eine oder andere Person, die das Geld und die damit verbundene Ehrung durchaus verdient hätte. Ich bezeichne die mir nahestehendsten Menschen innerhalb dieses Blogs allerdings immer nur kryptisch als die „zauberhaften Personen“, die sie sind, gedenke jetzt aber nicht, eine einzelne davon näher zu beschreiben oder gar an das Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Abseits der mir nahestehenden Menschen fällt mir gerade aber auch spontan niemand ein, der eine solche Ehrung verdient hätte. Ich bin sogar eher der Ansicht, dass die Anzahl der weltweiten Idioten in den letzten Jahren geradezu sprunghaft angestiegen ist.

Also, würde ich für die Ehrung und das Preisgeld einfach mal ganz unbescheiden mich selbst ins Spiel bringen, auch wenn ich mich im Rahmen meines Bundespräsidentenamtes selbst ehren müsste Aber hey, was Napoleon konnte…!

Was denn? Ich habe gerade die Menschheit gerettet, schon vergessen!? Okay, und Affleck. Und Willis. Wo immer der auch sein möge, der hat nach der zweiten Weltenrettung nie wieder angerufen. Und Affleck spricht nicht drüber. Ach, dem geht’s bestimmt gut…

Antwort zu 4.: Auch die Frage scheint direkt meinem Leben zu entstammen. Denn erstens verabscheue ich es zutiefst, unterbrochen zu werden. Wirklich, es macht mich rasend! Andererseits finde auch ohne Einfluss eines Fremden selten Sachen wieder, das bin ich also gewöhnt. In Anbetracht dieser Tatsachen entscheide ich mich also für Letzteres, auch wenn mir der Gedanke, eine mir fremde Person könnte meine Sachen durchwühlen, irgendwie unangenehm ist.

 

Soviel zu den heutigen Freitagsfragen. Ich wünsche allseits einen schönen Restfreitag und einen guten Start ins Wochenende.

Gehabt euch wohl!

 

16 Kommentare zu „Freitagsfragen #12

  1. Sehr tolle Antworten! Die verschönern mir glatt den Einsteig in die Woche. Und die Erwähnung von Matchbox 20 (ich bin ein großer Fan und lasse „LEt’s see how far we’ve come“ gerade laufen) ist das Sahnehäubchen obendrauf :-)

    LG Gabi

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    1. Oh, vielen lieben Dank! Deine lieben Worte wiederum verschönern mir wiederum den Einstieg in die Woche. :-)

      Und ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass es da draußen noch andere Menschen außerhalb meines Umfeldes gibt, die Matchbox Twenty kennen. ;-) Ich warte ja sehnsüchtig auf ein neues Album, „North“ ist auch schon wieder 5 Jahre her…

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    1. Gerne! Und der Dank ist ganz meinerseits!

      Tja, wenn man jemand neben den „Freitagsfragen“ so etwas wie die „Montagsmeckerei“ ins Leben ruft, bin ich vielleicht dabei. ;-) Auch wenn das die thematische Gewichtung meines Blogs dann in gefährliche Schieflage brächte. :-)

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  2. Versuche gerade meinen Lachflash wieder einzudämmen. Gott sei dank sitze ich heute alleine im Büro, insofern fällt es jetzt nicht so gravierend auf. Nee, was herrlich! Aber davon ab, sag‘ mal wo bitte wohnst Du denn? Einen cholerischen Nachbarn mit ’ner Wumme?! Da letzteres ohne Waffenschein in unserem wunderbaren Staat verboten ist, gibt mir das ein wenig zu denken? Oder ist er einer von der dunkelblauen Sorte, die das Teil eigentlich zum Schutze der Bevölkerung tragen darf? Hm. Und ganz ehrlich, die Wumme würde mich in dem Fall doch eher abhalten, denn wer sagt mir denn, dass ich bei der Hilfe alles richtig mache? Die Sorge über’n Haufen geknallt zu werden, nur weil der Kaffee nicht die richtige Temperatur hat, wäre mir definitv zu hoch. Oder ich stelle zur Bedingung für meine Hilfe, dass ich während der Zeit die Wumme haben darf.
    Gottchen, was für Gedanken! :)

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    1. Danke! Aber ich sage es ja immer wieder: Blogbeiträge im Büro lesen, kann dazu führen, dass man in Erklärungsnot gerät, weil man die durch unterdrücktes Lachen hervorgerufene Erstickungsgefahr erklären muss… ;-)

      Auch da wo ich wohne, ist der Waffenbesitz ohne Waffenschein verboten. Mein spinnerter Nachbar gehört mitnichten zu den dunkelblauen Sorte, er gehört vielmehr zu der Sorte, die, in forstwirtschaftliches grün gewandet, die Lizenz hat, auf possierliche Tierchen in Wald und Flur zu ballern. Die dafür zuständige Erlaubnis muss ihm jemand im Zustand geistiger Umnachtung erteilt haben!

      Dass mich mein Hilfsangebot durchaus in Lebensgefahr bringen kann, ist mir bewusst, aber was tut man nicht alles!?

      Liken

  3. Ein sehr erheiternder Beitrag mit Witz und Verstand, der mich gerade darüber nachsinnen lässt, ob ich wirklich noch großartig in Kryptos investiere oder lieber so viel Zeit wie möglich in meinen Bergen verbringen werde. Wie viel Sinn macht arbeiten, putzen, essen noch vor dem Hintergrund, dass täglich ein solches Ereignis eintreten könnte? Worüber reg ich mich eigentlich immer so auf?
    Ob besagte Retter wirklich Zeit haben, ist ja nicht wirklich geklärt. Auch ist unklar, inwieweit sie noch in der Realität weilen und dieses Angebot als das zu diesem Zeitpunkt beste ihres Lebens begreifen werden.
    Der letzte Absatz hat mich doch stark an die Zeit erinnert, als wir eine komplette siebenköpfige Familie waren, von denen es jeder einzelne hasste, unterbrochen zu werden. Bei den Kleineren haben wir schnell begriffen, dass wir das Ende ihres Redeschwalls lieber fußwippend abwarteten. Sonst sehr unterschiedlich hatten sie bis zum Alter von 10 Jahren nämlich allesamt die Angewohnheit, nach Unterbrechung wieder ganz von vorne zu beginnen.

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    1. Vielen Dank!

      Kryptos? Das ist eine Skulptur des amerikanischen Bildhauers James Sanburn! Oder sind Kryptowährungen gemeint? Dann kann ich diesbezüglich keinen Rat geben, weil ich bis heute nicht ganz verstanden habe, wie die funktionieren. Nein, ich muss korrigieren: Ich habe bis heute nicht im Geringsten verstanden, wie die funktionieren!

      Arbeiten, putzen und essen sind Notwendigkeiten, die uns aber nicht davon abhalten sollten, uns mit schönen Dingen zu beschäftigen, z.B. Zeit in den Bergen zu verbringen. ;-)

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      1. Ja es geht um Kryptowährungen. Seit ein Sohn in diese investiert und ich alles wissen/lernen will, was ich zur Kenntnis genommen habe, bekomme ich unendlich links zum Thema. Habe mich wirklich anstrengen müssen, aber eine Menge begriffen. Zwischendurch Knoten im Gehirn. Was mich daran fasziniert ist der Versuch, ein, man könnte sagen demokratisches, Geldsystem abseits der Banken zu entwickeln, anonym und dezentral, mit welchem man mittels blockchain sogar Verträge und Geschäfte abwickeln kann.

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  4. *ichbrülllautlosundprustedenkaffeüberdentisch* you made my day :-) Gerade noch hatte ich schlechte Laune, nun habe ich Kopfkino von dir und Liv Taylor and by the way: Darf ich mich zu Bruce und Ben gesellen? Ach – ich freue mich jeden Freitag auf deinen Beitrag und sage mal ganz laut DANKE :-)

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