„Spectrum“ von Ethan Cross – Django zahlt nicht, Django hat Monatskarte!

Buch: „Spektrum“

Autor: Ethan Cross

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 510 Seiten

Der Autor : Ethan Cross ist das Pseudonym eines amerikanischen Thriller-Autors, der mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Shih Tzus in Illinois lebt. Nach einer Zeit als Musiker nahm Ethan Cross sich vor, die Welt fiktiver Serienkiller um ein besonderes Exemplar zu bereichern. Francis Ackerman junior bringt seitdem zahlreiche Leser um ihren Schlaf und geistert durch ihre Alpträume. Mittlerweile ist Ethan Cross nicht nur internationaler Bestsellerautor, sein blutrünstiger Serienkiller Ackerman junior hat auch Gesellschaft bekommen: 2017 veröffentlichte Ethan Cross Spectrum, den ersten Thriller um den autistischen FBI-Berater August Burke. Auch dieses Buch wurde zum Bestseller und begeistert Leser weltweit. Neben der Schriftstellerei verbringt Ethan Cross viel Zeit damit, sich sozial zu engagieren, wobei ihm vor allem das Thema Autismus sehr am Herzen liegt. (Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch: August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank – das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur – und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern. (Quelle: Bastei Lübbe)

Fazit: Wie befinden uns auf Seite 18 des Thrillers „Spectrum“. Zu diesem frühen Zeitpunkt der auf Seite 7 beginnenden Handlung haben bereits 300 Bewohner eines Squatter-Camps in Südafrika ihr Leben sowie ihre Köpfe und Gliedmaßen verloren und einem unbescholtenen Banker – soll es ja geben -, ausgestattet mit einer nur kurzen Sprechrolle, werden auf unschöne Art und Weise ein Daumen und ein Augapfel entfernt. Die Frage, ob es für diesen Vorgang auch eine schöne Art und Weise gibt, lasse ich einfach mal im Raum stehen. Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls denkt sich der leicht verstörte Rezensent: „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl. Ob das jetzt immer so weiter geht?“ Nun, nein, glücklicherweise nicht, aber wirklich überzeugen konnte mich „Spectrum“ leider trotdem nicht. Und was ein Squatter-Camp ist, musste ich googeln…

Beginnen wir aber zunächst mal mit dem Positiven, mit dem Protagonisten. August Burke ist tatsächlich anders. Erfrischend anders. Burke hält nicht viel vom Umgang mit „normalen“, oder besser: neurotypischen Menschen. Er versteht sie nicht, er findet sie anstrengend und er fühlt sich durch sie unter Druck gesetzt. Andererseits ist Burke aber auch hochintelligent und damit wie geschaffen für eine Beratertätigkeit für das FBI. Die innere Zerrissenheit des Protagonisten, der seine Mitmenschen für alles andere als normal hält, sich aber auch immer wieder gezwungen fühlt, sie zu studieren, um selbst ein „passendes“ Verhalten an den Tag zu legen und keinen allzu seltsamen Eindruck zu machen, all das wird von Ethan Cross überraschend gut dargestellt. Denn, machen wir uns nichts vor, vielschichtige (Ermittler-)Figuren mit Tiefgang sind sonst die Sache des Thrillers nicht.

Cross verzichtet folgerichtig in seinen restlichen dramatis personae auch weitgehend auf einen solchen Tiefgang. Da hätten wir zum Beispiel den SWAT-Chef Nic Juliano, der eigentlich noch am wenigsten stört. Lediglich sein erstes Auftauchen, der Leser befindet sich auf Seite 19, sorgte für Stirnrunzeln, als der junge Mann mit seinem schwarzen Maserati GranTurismo MC Stradale (sic!) nicht einfach so um die Kurve fährt, nein er driftet. Kurz macht sich im Rezensenten die Befürchtung breit, bei „Spectrum“ so etwas wie eine Mischung zwischen einen handelsüblichen Quentin-Tarantino-Film und „Fast and Furios 39“ vor sich zu haben. Eine Sorge, die glücklicherweise unbegründet ist. Aber wie gesagt, Nic ist eigentlich, abgesehen von seinem ersten Auftritt, noch ganz gut erträglich.

Schwieriger wird es da schon mit dem Söldner namens Krüger. Krüger heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Idris Madeira und ist ein unbescholtener Familienvater. Um die Familie über Wasser zu halten, mordet er halt ein wenig. Krüger könnte ein spannender Charakter sein, denn einerseits hat er einen sehr individuellen Moralbegriff. So blickt er mit Verachtung auf Geschäftshochhäuser, in denen ja Umsätze erzielt werden, mit denen man in Afrika viele Familien versorgen könnte – findet aber auch nichts wirklich Schlimmes am Töten. Darüber hinaus ist auch Krüger/Madeira ein innerlich zerrissener Charakter. Cross macht deutlich, dass Madeira fürchtet, seine Killer-Identität könne irgendwann einmal die Oberhand über ihn gewinnen. So eine Art „Jekyll and Hyde“-Problematik. Das ist eigentlich ein spannender Ansatz. Leider wird diese innere Zerrissenheit immer und immer und immer wieder wiederholt, in gefühlt jeder zweiten Szene, in der der Killer auftaucht, so dass man als Leser irgendwann nur noch grummelt: „Alter, ich weiß es!“

Völlig ins Abseits geschossen hat Cross seine Charaktere dann aber mit der südafrikanischen Polizistin Isabel Prize. Die junge Frau ist nach dem eingangs erwähnten Massaker im Squatter-Camp auf einer Art Rachefeldzug. Ein bisschen wie Django – nur dass sie keinen Sarg hinter sich herzieht… Und so klingt sie dann auch: „(…) wenn ich schon untergehe, dann werde ich diesen Hurensohn, der meinen kleinen Jungen auf dem Gewissen hat, mit in die Hölle nehmen. (S. 123) Oder: „Du bist ein guter Mann und sogar noch ein viel besserer Vater. Aber ich bin nicht wie du. Ich vergesse und ich vergebe nicht.“ (S. 181)

Diese und ähnliche Sätze gaben mir immer wieder das Gefühl, mich in einem ganz schlechten Actionfilm der 80er zu befinden. Eigentlich ist das Buch sogar recht gut geschrieben, aber der gewollt harte Ton zieht es irgendwie dann doch leicht ins Lächerliche. Da werden Frauenwitze gemacht. Da werden Schwulenwitze gemacht. Und den Satz, den ich jetzt partout nicht wiederfinde, der aber sinngemäß lautete: „Erklären Sie es uns, als wären wir zwei geisteskranke Vierjährige.“, den muss man wohl auch nicht verstehen.

„Spectrum“ bemüht sich, gerade im sprachlichen Bereich bzw. den Dialogen, ganz dolle hart und cool zu wirken. Dabei hätte es das gar nicht nötig, die Geschichte um die Geiselnahme in einer Bank und das, was die Bankräuber darin gesucht haben, verdient zwar keine Innovationspreise, ist aber durchaus phasenweise spannend. Mit dem Großteil des Personals und mit dem Stil sorgt Cross aber leider dafür, dass „Spectrum“ für mich mehr Ärgernis als spannendes Leseerlebnis war.

Wertung:

Handlung: 7 von  10 Punkten

Charaktere: 6 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Spur der Bücher“ von Kai Meyer.

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