„Ulldart – Die komplette Saga 1“ von Markus Heitz – Wie man Fantasy-Romane schreibt

Buch: „Ulldart – Die komplette Saga 1“

Autor: Markus Heitz

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 1419 Seiten

Der Autor: Markus Heitz ist ein 1971 in Homburg/Saar geborener deutscher Schriftsteller. Nach seinem Abitur an einer katholischen Privatschule und dem anschließenden Wehrdienst, studierte Heitz Germanistik und Geschichte auf Magisterabschluss.

Nach seinem Studium war er als freier Journalist bei der Saarbrücker Zeitung tätig, bevor im Jahr 2002 sein erstes Buch „Die dunkle Zeit – Schatten über Ulldart 1“ erschien. Dafür erhielt Heitz den Deutschen Phantastik-Preis für das beste Romandebüt. Besagten Preis gewann er in verschiedensten Kategorien auch in den Jahren 2005 – 2007 sowie 2009 – 2012.

Seit seinem großen Erfolg mit seinem Buch „Die Zwerge“ ist Heitz ausschließlich als freier Autor tätig.

Das Buch: Auf dem Kontinent Ulldart liegt das Königreich Tarpol, das vom „Kabcar“ Grengor regiert wird. Dessen Sohn Lodrik soll einmal die Königswürde übernehmen. Schade nur, dass der Junge so gar nicht den Vorstellungen seines Vaters entspricht. Weder an den Staatsgeschäften, noch an körperlicher Ertüchtigung oder einer Ausbildung im Schwertkampf ist Lodrik sonderlich interessiert. Sein vorrangiger Fokus liegt fast ausschließlich auf der möglichst umfangreichen Nahrungsaufnahme.

Grengor braucht dringend eine Idee, wie er seinen Sohn doch noch zu einem würdigen Thronfolger machen kann. In dieser Situation kommt ihm sehr gelegen, dass der Mönch Caradz eine seiner wiederkehrenden Visionen hat, die seine Ordensbrüder so interpretieren, dass beim Tode Lodriks die längst vergessene „Dunkle Zeit“ wiederkehren soll.

Die Mönche informieren den Kabcar Grengor, der in der Vision wiederum die Lösung für seine Probleme liegt. Er entscheidet, dass Lodrik in der weit entfernten Provinz Granburg den Posten des Gouverneurs übernehmen soll. So ist der Junge einerseits fern vom intriganten Hofe und möglichen Attentätern, die die „Dunkle Zeit“ wieder anbrechen lassen wollen, andererseits muss sich Lodrik notgedrungen erstmals wirklich mit den Staatsgeschäften auseinandersetzen. An der Seite seines Leibwächters Waljakov und seines Beraters Stoiko macht sich Lodrik auf den Weg, nicht ahnend, welche Gefahren ihm in seinem neuen Amt drohen.

Fazit: Wer meine Rezensionen aufmerksam verfolgt, weiß es vielleicht bereits, anderen sei es an dieser Stelle nochmal gesagt: Ich habe ein eher gespaltenes Verhältnis zu Markus Heitz. So sehr ich auch seine Bücher aus dem Bereich der „klassischen“ Fantasy mag – „Ulldart“, „Die Zwerge“ und „Wédora“ beispielsweise – so sehr habe ich allerdings auch Schwierigkeiten mit vielen seiner anderen Bücher, die ich allgemein eher despektierlich als „Untoten-Gedöns“ zusammenfasse.

Umso begeisterter war ich, als ich nun sah, dass die ersten drei Bände von „Ulldart – Die dunkle Zeit“ in einem Einzelband erschienen sind. Dass ich da sofort zugriff, wird nicht verwundern. Und das, obwohl ich den Großteil der Reihe vor über 10 Jahren bereits schon mal gelesen habe. Menschen, die mit unserer schönen Sprache ähnlich pfleglich umgehen, wie Pete Doherty mit seiner Gesundheit, würden diesen Vorgang der erneuten Lektüre wohl einen „reread“ nennen, ich sehe allerdings davon ab.

Es soll ja Menschen geben, die behaupten, das Fantasy-Genre habe nie Klassiker hervorgebracht. Zumindest im Bereich der deutschsprachigen Fantasy ist „Ulldart“ allerdings ein solcher, wenigstens für die Heitzsche Fangemeinde. Heitz schrieb die Reihe noch vor seinem riesigen Erfolg mit „Die Zwerge“, sie ist sein Erstlingswerk. Ein wenig merkt man das den Büchern auch an. Stilistisch hat Heitz im Laufe der Zeit einen Schritt nach vorne gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass „Ulldart“ schlecht geschrieben wäre. Es lässt sich erfreulich leicht lesen und ist damit auch für eine jüngere Leserschaft geeignet. Auch der, im Gegensatz zu seinen anderen Büchern, überschaubare Gewaltgrad trägt dazu bei. Die im Text manchmal auftauchenden Druckfehler verzeihe ich da ebenso gerne wie den im Buch immer wieder eingestreuten Humor, den ich allerdings nur selten als zündend und in manchen Fällen auch eher als albern bezeichnen würde. Eine Ausnahme bildet da die Szene, in der ein Hofnarr sich bei seinem König beschwert, dass man ihm während seiner Balljonglage eine Katze zugeworfen habe, um zu sehen, ob er in der Lage sei, diese zusätzlich zu den Bällen in der Luft zu halten. Ich habe eine blühende Fantasie, daher fand ich das durchaus komisch! Nicht? Na gut, man muss dabei gewesen sein…

Abseits des Stils habe ich an „Ulldart“ allerdings kaum etwas zu kritisieren. Heitz füllt seine Bücher, wie sich das für eine anständige Fantasy-Reihe gehört, mit einem großen Sammelsurium der unterschiedlichsten Figuren. Und trotzdem habe ich hinsichtlich der Personen immer den Überblick behalten und war nur ganz selten auf einen Blick in das Personenverzeichnis angewiesen. Heitz´ Charaktere weisen genug Eigenheiten auf, um sie jederzeit zuordnen zu können. Im Fantasy-Genre zeichnen sich die Charaktere ja häufig dadurch aus, dass sie erschreckend nichtssagend sind. Davon bietet „Ulldart“ glücklicherweise eine wohltuende Abwechslung. Lediglich der Antagonist könnte etwas detaillierter gezeichnet sein.

Inhaltlich bietet „Ulldart“ alles, was man sich von einer guten Fantasy-Reihe erwartet: Neid, Missgunst, Intrigen, Liebe, Verrat, Krieg und vieles mehr. Für Leser klassischer Fantasy-Romane ist der Kontinent Ulldart jederzeit eine literarische Reise wert. Schade, dass ich jetzt bis zum 01.03.2018 warten muss, bis Band 2 der Sammlerausgabe erscheint…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkte

Demnächst in diesem Blog: Entweder „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer oder „Niemandsland“ von Philip Dröge.

Advertisements

5 Kommentare zu „„Ulldart – Die komplette Saga 1“ von Markus Heitz – Wie man Fantasy-Romane schreibt

    1. Eine gute Idee! 😉 Wenn man klassische Fantasy mag, liegt man mit „Ulldart“ nicht so verkehrt. Allerdings ist das natürlich nur meine eigene höchst subjektive Meinung. Ich übernehme keine Gewähr, dass es Dir dann auch wirklich gefallen wird. 😉

      Gefällt mir

    1. Du könntest Dir ja den ersten Einzelband kaufen und wenn der Dir dann gefällt, den ersten Sammelband mit den Teilen 1-3 holen. Das ergibt zwar wirtschaftlich wenig Sinn, aber wenn Du schon nach Teil 1 merken solltest, dass es nichts für Dich ist, hast Du wenigstens keinen 1.400-Seiten-Wälzer im Regal stehen. 😉

      Hast Du eigentlich mittlerweile Teil1 der „Blausteinkriege“ gelesen, das habe ich jetzt nicht so auf dem Schirm!? Falls ja, und falls es Dir gefallen hat, dürfte „Ulldart“ Dir auch zusagen.

      Gefällt 1 Person

      1. Ich hatte „Blausteinkriege“ mit im Urlaub. Leider hat mich dort tatsächlich ein Anfall von „keinelustaufgarnix“ erwischt und seitdem lese ich schleppend. Kenne ich gar nicht von mir und bin vollkommen fassungslos😉😊insofern warten auch die blauen Kriege noch auf mich…..

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s