Freitagsfragen # 8

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die nächste Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog steht an. Da lasse ich mich doch nicht lange bitten. Heute harren folgende Fragen ihrer Beantwortung:

1. Du gründest eine Partei. Wofür steht sie, was macht sie aus und was unterscheidet sie von anderen Parteien?

2. Welches Lied macht Dich glücklich?

3. Was war das beste Essen, an das Du Dich erinnern kannst?

 

Antwort zu 1.:

Schwierige Frage. Zwar bin ich durchaus ein politisch interessierter Mensch, aber ich denke, aus den verschiedensten Gründen würde ich eigentlich davon absehen, eine Partei zu gründen.

Zum Einen informierte mich die Tageszeitung von heute – die Älteren erklären den Jüngeren bitte, was das ist – darüber, dass im schönsten Bundesland der Welt – also, Niedersachsen natürlich – bei der bevorstehenden Bundestagswahl ganze 18 Parteien zur Wahl stehen werden. Selbst wenn man den ganzen Parteien, die schon per Namensgebung einen eher monothematischen Eindruck machen, vielleicht kritisch gegenübersteht, sollte da trotzdem für Jeden irgendwas dabei sein.

Darüber hinaus scheint es innerhalb einer Partei aus der Mode gekommen zu sein, unterschiedliche Meinungen zu haben und diese auch zu vertreten. Man orientiert sich einfach an der von der Parteispitze geäußerten Meinung zum Thema XY, Stichwort Fraktionszwang. Ich würde also meine Parteimitglieder unterschwellig ihrer Meinung berauben, was sich schwerlich mit meinem Gewissen vereinbaren ließe.

Und letztlich diese ganzen Verpflichtungen! Sitzungen, Parteitage, Eröffnungen von Schützenfesten und Baumärkten – nein, das wäre nichts für mich.

Sollte ich aber dennoch irgendwann mal eine Partei gründen, läge die Ursache dafür genau darin begründet, in der auch die Ursache für mein politisches Interesse begründet liegt: In meiner Fähigkeit, mich grenzenlos aufzuregen! Meine Partei würde sich in programmatischer Hinsicht also in erster Linie mit Dingen beschäftigen über die ich mich aufrege. Als da wären (ein nur sehr kurzer Auszug, dessen, was anzuführen ich in der Lage wäre):

  • Ich rege mich immer noch darüber auf, das Bildungspolitik Ländersache ist. Und dass man das Studienmodell hierzulande zugunsten eines anderen aufgegeben hat, das sich in erster Linie durch fancy Bezeichnungen für state-of-the-art-Abschlüsse und die Verkürzung der Studienzeiten auszeichnet. Damit man als Studentin oder Student bloß nicht mehr in die Verlegenheit kommt, außeruniversitäres Leben kennen zu lernen. Damit man möglichst frühzeitig lernt, mit Druck umzugehen. Damit man der Wirtschaft möglichst früh zur Verfügung steht. Damit – ach, lassen wir das.
  • Ich rege mich auch immer noch über die Entwicklung im Bereich der Pflegeberufe auf. Oben erwähnte Tageszeitung enthielt einen Artikel, aus dem hervorging, dass in Kliniken verstärkt Zeitarbeitskräfte tätig seien. Und dass in der Pflege tätige Festangestellte zunehmend ihre Jobs kündigten, um als Zeitarbeitskraft tätig zu sein. Die Vorteile dabei sind schlicht: In der Pflege finden die Zeitarbeitskräfte immer einen Job, sparen sich den betrieblichen Druck, weil sie nach ihrer kurzen Anstellung eh wieder weg sind und sie werden in vielen Fällen auch noch besser bezahlt als die Stammbelegschaft. Irgendwas läuft doch da verkehrt.
  • Eine weitere Fehlentwicklung in Pflege- und Sozialpolitik hat Frau Nahles mit ihrem Bundesteilhabegesetz und dem Pflegestärkungsgesetz 3 – muhaha, „Stärkung“ – eingeleitet. Eine Auswirkung dieses Gesetzes ist in meiner heimischen Pampa fast vor der Haustür zu finden. Dort hat die Paritätische Lebenshilfe seit geraumer Zeit ein Gebäude für mehrere Millionen Euro hochgezogen, in dem unter anderem 15 oder 16 behinderte Menschen im Rahmen einer betreuten WG einziehen sollten. Dafür waren Zuschüsse des Landes eingeplant, weil diese Einrichtung sonst nicht zu finanzieren ist. Nun aber haben sich Juristen der Lebenshilfe mit den Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes – oder wie ich es mittlerweile nenne: „Die Goldene Bulle der Sozialpolitik“ – auseinandergesetzt und sind dabei auf Probleme gestoßen. Es kann nämlich sein, dass diese WG-Unterbringung seitens der zuständigen Behörde aufgrund des hohen Pflegebedarfs der WG-Bewohner mit einer Heimunterbringung gleichgesetzt werden kann bzw. als solche angesehen wird. Und dafür gibt es dann eben keine Zuschüsse. In anderen Bundesländern hat es schon einige Einrichtungen gleicher Art gegeben, denen in diesem Jahr aus eben diesem Grund die Zuschüsse von heute auf morgen gestrichen wurden. Das geplante Projekt geht also nicht an den Start, die eine Hälfte der potenziellen WG-Bewohner wohnen weiterhin zu Hause bei den Eltern, die andere Hälfte bleibt in Heimunterbringung. Eine klassische lose-lose-situation. Außer für die Behörde natürlich…
  • Und, wie Otto Walkes immer so schön sagte: „Ein´ hab´ ich noch!“. Ich rege mich in letzter Zeit auch wieder zunehmend über das Politikersprech auf. Vorhin, zum Beispiel, da wurde ein CDU-Mitglied zum Thema der Fahrverbote in Stuttgart befragt und sagte, dass es sich dabei nicht um „Fahrverbote“ handele, sondern um „innerstädtische Durchfahrtsbeschränkungen“. In solchen Momenten möchte ich den Fernseher einwerfen! Generell habe ich nichts gegen virtuosen Umgang mit unserer schönen Sprache, im Gegenteil. Aber irgendwann ist es doch mal gut. Da man aber den rhetorisch geschulten Politikern nicht vorschreiben kann, wie sie zu reden haben, könnte man aber trotzdem an anderer Stelle ansetzen. Beispielsweise bei Behördenschreiben und Antragsformularen. Manche Behördenschreiben und nahezu alle mir bekannten Antragsformulare sind dermaßen kryptisch für den Otto-Normal-Sprachverwender formuliert, dass es mir eine wahre Freude wäre, das alles mal auf Normalniveau „einzudeutschen“. Darüber hinaus erschließt sich mir auch nicht, warum man eine Einkommensteuererklärung online ausfüllen kann – ja, muss – und dabei in den Genuss einer derart detailierten Hilfefunktion kommt, dass jeder mäßig begabte Golden Retriever diese ausfüllen könnte – sofern nicht 5-7 Einkunftsarten darin vorkommen -, dass man seinen ALG-II-Antrag aber auf Papier unter Zuhilfenahme unzähliger „Ausfüllhinweise“ – die praktischerweise ähnlich kryptisch wie das Formular geschrieben sind und im Umfang sämtlichen deutschen Steuergesetzen nur unwesentlich nachstehen – auszufüllen hat.

 

Ach ja, was lernen wir daraus: Zu Politik sollte man mich nicht befragen, weil man sonst Zeuge eines ausschweifenden Antwortversuches werden könnte…

 

Antwort zu 2:

Die meisten Sachen, die heutzutage im Radio gespielt werden, machen mich eher aggressiv. So leitet Lady Gaga ihre Lieder manchmal durch Worte(?) ein, die ich allerhöchstens von mir gebe, wenn ich mich nach durchzechter Nacht übergebe. „Ro mah ro-mah-mah, Gaga oh-la-la!“ und solche Weisheiten. Bei Sean Paul denke ich mir ebenfalls häufig: „Mach mal ´n Satz draus, Alter!“. Und ob ich bei Pharrell Williams „Happy“ freundlich mitwippe oder das Autoradio durch das geschlossene Fenster werfe, hängt ganz entschieden von meiner Tagesform ab.

Einzelne Songs, die mich in gute Stimmung versetzen, sind daher fast ausschließlich älteren Datums. Da wären solche Nummern zu nennen wie „Mr. Jones“ von den „Counting Crows“, „Higher“ von „Creed“, „Alive“ von Pearl Jam oder „Parade“ von „Matchbox Twenty“.

Antwort zu 3:

Essen ist für mich ein ziemlich vergängliches Vergnügen. Ich merke mir also so etwas selten über einen längeren Zeitraum und Sätze wie: „Weißt Du noch, dieser Nudelauflauf ´86 bei Giacomo?“ wird man von mir nicht hören. Aber ich befinde mich in der glücklichen Lage, eine ganz zauberhafte Person zu kennen, die in der Lage ist, ganz fantastische Rumpsteaks und eine Reihe anderer kulinarischer Wunder zu zaubern, ich schätze mal, dass eines davon die Antwort auf diese Frage wäre, ohne jetzt ein Einzelbeispiel nennen zu können.

Das war es auch schon wieder. Gehabt euch wohl!

 

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4 Kommentare zu „Freitagsfragen # 8

  1. Das zu lesen – ohne Einschränkung – war mit jetzt ein inneres Laubhüttenfest. Sehe ich mich doch sonst außerhalb meiner engsten Familie bei meinen – sehr ähnlichen- Ausbrüchen erschrockenen, entgeisterten oder belustigten Blicken gegenüber. Aber es gibt einfach Dinge, da bleibt mir meine ruhige Sachlichkeit im Halse stecken. Und diese Dinge haben es auch verdient, dass man sich mal so richtig aufregt – auch das Musikangebot im Radio.

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    1. Vielen Dank für die Zustimmung!

      Abgesehen davon, „inneres Laubhüttenfest“ merke ich mir, ich kannte allenfalls das „innere Blumenpflücken“! 😉

      Und ja, viele Dinge haben es verdient, dass man sich über sie aufregt, deswegen muss ich das von Zeit zu Zeit tun. Mein Eindruck ist halt nur, dass vielen Menschen die Fähigkeit, sich mal zünftig über etwas aufzuregen, abhanden gekommen ist. Und wenn sie es doch tun, dann über die unwichtigen Dinge, wie Konzertabbrüche von Justin Bieber oder volltrunkene Facebook-Videos von Nino de Angelo. Das bringt irgendwie niemanden weiter, setzt dafür auch keine Sachkenntnis voraus. 🙂 Das klingt jetzt schon wieder irgendwie gemeiner, als es beabsichtigt war…

      Aber wenn, so wie vorhin in den Nachrichten gesehen, eine Frau zum Thema „Fahrverbote für Diesel“ sagt: „Mir ist das egal, ich fahre keinen Diesel!, dann könnte ich – mit Verlaub – im Strahl kotzen! Man kann ja dafür oder dagegen sein – und für beides gibt es stichhaltige Argumente -, aber diese Indifferenz vieler Leute nach dem Motto: „Betrifft mich nicht, ist mir wurscht!“, die regt mich ganz besonders auf.

      Diese Indifferenz ist, meiner bescheidenen Meinung nach, auch ein Grund, warum sich kaum jemand über das Teilhabegesetz aufgeregt hat – außer den Betroffenen natürlich. Dass das aber ein Gesetz sein könnte, dass für jeden in jedem Moment des Lebens wichtig werden könnte, wenn ihr oder ihm etwas passiert, das hat niemand auf dem Schirm.

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      1. Gemein muss manchmal sein.
        Ja, so wie das Waldsterben bestreiten, weil die Birke im eigenen Vorgarten doch ganz gesund aussieht.
        Ich erlebe es immer wieder, dass alle automatisch davon ausgehen, dass ich für mich etwas haben will, wenn ich mich in Kommentaren für andere einsetze. Ich habe z. B. den Streik der Erzieher/innen unterstützt und verteidigt, bin für die Bürgerversicherung, für mehr Unterstützung Alleinerziehender und absolut gegen das System Hartz IV. Kaum jemand machte sich die Mühe, sich mit den Argumenten zu befassen. Mehr als drei Sätze werden meist eh als Zumutung empfunden.

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      2. Das war zu früh! Ich bekam zu hören, ich hätte ja was anderes lernen können, sei neidisch auf Beamte, zu faul um zu arbeiten, eine Schlampe usw. und die Gesellschaft solle nun für meine Unfähigkeit bezahlen. Ich bin Beamtin, halte das System mit Beihilfe aber für ungerecht – bin keine Erzieherin, halte die Bezahlung aber für einen Skandal – beziehe kein Hartz IV, will aber dieses abwertende, vernichtende System mit seinen Sanktionen nicht dulden.
        Ich glaube, durch die fortgesetzte verbale Polarisierung von Schichten und Gruppen haben die meisten das Gefühl, jeder andere wolle ihnen etwas wegnehmen. Dadurch wird erfolgreich verhindert, dass die Menschen solidarisch zusammenstehen.

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