„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek – Spannung und Fäkalwitze

Buch: „Passagier 23“

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Sebastian Fitzek, 1971 in Berlin geboren, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der letzten Jahre. Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt mittlerweile bei rund 6 Millionen verkaufter Bücher weltweit.

Nach seinem Abitur studierte Fitzek Tiermedizin, wechselte allerdings später zu Jura. Dieses Studium beendete er 1996 mit einer Doktorarbeit zum Thema „Urheberrecht“. Anfang der 2000er begann Fitzek, Bücher zu schreiben. Sein erstes Buch, „Die Therapie“, wurde bereits ein großer Erfolg, trotz einer bescheidenen Erstauflage von gerade mal 4.000 Stück. Mittlerweile hat Fitzek 13 Psychothriller veröffentlicht und zu weiteren 5 Büchern Kurzgeschichten beigetragen.

Das Buch: Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt …

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm… (Quelle: Knaur)

Fazit: Ich gebe zu, ich habe eine seltsame Angewohnheit! Jetzt werden alle, die mich persönlich kennen und hier lesen, auflachen und sagen: „Ja, sicher: eine!“  Daher muss ich präzisieren und sagen: Was den Kauf von Büchern angeht, habe ich eine seltsame Angewohnheit. Und zwar verhält es sich so, dass ich von meinen Lieblingsautoren und Autorinnen – exemplarisch seien hier mal Katzenbach, Eschbach, Mitchell und eben Fitzek genannt – ungerne alle bereits erschienenen Bücher besitze. Viel lieber ist mir, wenn es da noch ein oder zwei Bücher gibt, die ich noch nicht kenne.

Das Ganze hat den einfachen Hintergrund, dass ich dann jederzeit so etwas sagen könnte wie: „Ach, mir wäre mal wieder nach Eschbach!“ Und dann könnte ich losziehen und mir das noch fehlende Buch kaufen. Wenn ich aber eben schon alle erschienenen Bücher kenne, wäre ich in diesem Fall gezwungen, auf die Veröffentlichung eines neuen Buches zu warten. Ein grausamer Zustand!

So geht es mir eben auch mit Sebastian Fitzek. Daher scheute ich lange vor dem Kauf von „Passagier 23“ zurück, weil ich eben alle anderen Thriller – Bücher, die in Zusammenarbeit mit anderen Autoren entstanden sind, mal ausgenommen – von ihm schon kenne. Trotzdem konnte ich irgendwann nicht widerstehen und griff zu „Passagier 23“. Und das war – so viel kann ich vorwegnehmen – eine ausgesprochen gute Entscheidung.

Und das, obwohl ich bei „Passagier 23“ durchaus das Eine oder Andere zu kritisieren habe. Am wenigsten trifft das noch auf den Stil zu. Zwar wird Fitzek wohl nicht mehr der größte Stilist der Literaturgeschichte werden, der mit eloquenten, ausgefeilten Satzkonstruktionen nur so um sich wirft, aber so wirklich notwendig ist das ja auch nicht. Manchmal driftet „Passagier 23“ zwar arg ins Umgangssprachliche ab, aber damit kann ich umgehen. Die gewohnt kurzen Kapitel erzeugen den selben Effekt wie eine Partie „Civilization“, bei der man trotz vorgerückter Stunde sagt: „Ach komm, eine Runde noch!“, nur um kurz danach erstaunt festzustellen, dass draußen bereits die Sonne aufgeht. Fans von Sid Meier werden wissen, was ich meine. Und so geht es dem Leser auch hier. Immer wieder unterbricht Fitzek seine kurzen Kapitel an einer Stelle, die einen verleitet, eben „nur noch das nächste Kapitel“ weiter zu lesen. Bis zum Morgengrauen…

Im Bereich der Charaktere bietet sich da schon mehr Ansatz zur Kritik. So halte ich den Protagonisten Martin Schwartz zwar im Grunde genommen durchaus für gelungen, seine selbstzerstörische Art und seine – mit Verlaub – „scheißegal-Einstellung“ allerdings empfinde ich schon irgendwie deutlich überzeichnet, auch wenn diese mit seiner Lebensgeschichte und seinem Gefühl, nicht mehr wirklich etwas zu verlieren zu haben, erklärt wird. Trotzdem konnte mich Fitzek mit seinem Protagonisten weitgehend überzeugen, ich nahm durchaus Anteil an seinem Schicksal. Die Nebenfiguren gefallen mir ebenfalls – mit einer verheerenden Ausnahme, zu der ich Herrn Fitzek gerne mal befragen würde: An Bord der „Sultan of the Seas“ befindet sich nämlich unter anderem Gerlinde Dobkowitz, eine ältere Dame, so möchte ich sie mal nennen. Diese weit über 70 Jahre alte Frau zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, des Öfteren mehr oder weniger unangebrachte Fäkalwitze und ähnlichen Unsinn von sich zu geben. Gut, in Fitzeks Büchern tauchen öfter mal eher seltsame Charaktere auf, Gerlinde Dobkowitz ist aber schlicht und einfach wirklich zu viel des Guten.

Die Handlung wiederum überzeugt mich voll und ganz. Ich gehe sogar soweit, dass sich diese in meiner persönlichen Rangliste der Fitzek-Bücher gleich nach „Die Therapie“ und „Der Seelenbrecher“ einreiht. Sie überzeugt durch anhaltende Spannung und ist sowohl tempo- als auch wendungsreich. Bis, ja, bis zum Schluss, als eigentlich alles schon geklärt ist, Herr Fitzek aber wohl meinte, er müsste noch einen obendrauf setzen und die Mutter aller überraschenden Wendungen einbauen. Das war dann aber eben auch zu viel des Guten und ohne diesen Abschluss hätte mir „Passagier 23“ noch besser gefallen.

Trotz und alledem: Ein richtig gutes Buch!

Den Interessierten sei gesagt, dass bereits am 25.10.2017 Fitzeks neues Buch „Flugangst 7a“ erscheint. Für mich, der noch nie freiwillig geflogen ist und im unwahrscheinlichen Falle eines irgendwie gewonnenen USA-Urlaubs die Option „schwimmen“ ernsthaft in Betracht zieht, ist das eigentlich wieder ein Pflichtkauf. Aber dann stünde ich ja wieder vor dem eingangs geschilderten Problem…

Hach, das Leben kann manchmal wirklich schwierig sein! 😉

Wertung:

Handlung: 9,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

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7 Kommentare zu „„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek – Spannung und Fäkalwitze

  1. Oh. Da hatte wer Geburtstag? Dann herzlichen Glückwunsch nachträglich (?) 🙂 Zu Fitzek … es gibt nur ein einziges Buch von Fitzek, welches ich dann auch tatsache durchgelesen habe und welches mir gefallen hat. Und das war der Augensammler. Ansonsten haben mich weder die Protagonisten noch die Story jemals fesseln können. Ich fand es immer sehr durchschaubar, vorhersehbar und damit langweilig -.-! Aber so geht es mir mit Katzenberger auch. Wobei ich den einfach nur für zu laaaaaaaaaaaaangaaaaaaaaaaaaatmig befinde ^^ Die Beiden sind wohl einfach nicht mein Fall. Hoch lebe McFadyen! Huurrray!

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    1. Ja, da hatte jemand Geburtstag. 😉 Vorgestern.

      Vielen, lieben Dank!

      Tja, ich wiederum mag Fitzeks und Katzenbachs Bücher, McFadyen finde ich dafür laaaaaaangweilig. 🙂 Gut, dass wir nicht alle einer Meinung sind. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Fraggle, ich fand den Schluss auch sehr merkwürdig. Mir kam es so vor als wenn er nicht wusste wie er das Buch enden lassen sollte. Mir gefiel er nicht, weil irgendwie sehr weit hergeholt. Daher landet das Buch bei mir nicht unter den Lieblingsbüchern von Herrn Fitzek. Hast Du schon Achtnacht gelesen ? Und vor allem hast Du meinen Glückwunsch erhalten ?
    LG Kenia

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    1. Hey, liebste Kenia! Ja, Deinen Glückwunsch habe ich erhalten – vielen, lieben Dank -, ich kam aber eben erst darauf, mal meine Mails von gestern zu checken. 😉 Gestern war dafür irgendwie keine Zeit…

      Und ja, AchtNacht habe ich gelesen und ich hätte es auch rezensiert, wenn ich es nicht in einem Akt des Altruismus fast sofort verliehen und noch nicht wieder bekommen habe. 🙂

      Na, wie beschrieben, hat mich der Schluss auch gestört, aber ansonsten fand ich „Passagier 23“ inhaltlich eben schon sehr gelungen.

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