Buch-Date # 5: „Das Walmesser“ von C.R. Neilson

 

Hallo, liebe Leserinnen  und Leser,

mit einer leichten Verspätung aufgrund widriger Umstände, die ich zu entschuldigen bitte – die Verspätung, nicht die Umstände – gibts zur fünften Ausgabe des Buch-Dates nun auch meine Rezension. Während ich meinerseits die Ehre hatte, dem lieben Zeilenende einige Lektüre-Vorschläge zu machen, kamen die Vorschläge für mich diesmal zu meiner großen Freude von wortgeflumselkritzelkram, der ich an dieser Stelle nochmal dafür danke und herzliche Grüße in das aktuelle Urlaubsdomizil sende. 🙂

Zur Wahl standen für mich diesmal nicht nur drei, sondern sogar vier Bücher, wortgeflumselkritzelkram hat nämlich zusätzlich noch eine Art Zusatzjoker aus dem Hut gezaubert. Erfreulicherweise orientieren sich die Vorschläge ausschließlich an meinen literarischen Vorlieben – und deren genauem Gegenteil. Die Vorschläge lauteten im einzelnen:

„Das Walmesser“ von C.R. Neilson, ein auf den Färöer-Inseln spielender Krimi.

„Gefährtin des Lichts“ von Barbara Hanley, ein Fantasy-Roman rund um die Geschichtsstudentin Gil, die plötzlich in die Rettung des Fantasy-Reichs Darwarth involviert wird.

„Das Elfenportal“ von Herbie Brannan, ein Fantasy-Roman in dem der junge Henry im Garten den auf Schmetterlingsgröße geschrumpften Pyrgus Malvae findet. Zusammen stellen sich die beiden der Bedrohung durch den Dämonenfürsten

und schließlich der Zusatzjoker, „Der Jäger der Nacht“ von Andrew Fukuda. Ein Vampirbuch! Ja, genau! 🙂

Rollen wir das Feld hinsichtlich meiner Entscheidungsfindung mal von hinten auf:

Den Vorschlag „Der Jäger der Nacht“ habe ich wohl ausschließlich meiner wiederholt geäußerten Abneigung gegenüber der Darstellung der Spezies Vampir in der modernen Fantasy- und/oder Thriller-Literatur zu verdanken. JA, ich gebe zu, ich bin in diesem Bereich etwas dogmatisch. Unter dem Oberbegriff „Vampir“ lasse ich nur durchgehen: Erstens Bram Stoker, zweitens Brad Pitt und Tom Cruise sowie drittens Kate Beckinsale. Und Letztere erscheint in dieser Auflistung ausschließlich aus ästhetischen Gründen…

Jedenfalls, vor diesem Hintergrund war dieser Vorschlag recht schnell aus der Verlosung verschwunden. Dass es zusätzlich noch unter Jugendliteratur läuft, tat das sein Übriges.

„Das Elfenportal“ hatte im Grunde genommen ähnliche Probleme, in die engere Wahl zu kommen, denn: Ja, ich halte moderne Vampire in der Fantasy-Literatur für völlig verzichtbar. Leider folgen aber in meiner persönlichen Abneigungsrangliste umgehend Elfen jedweder Couleur. Ob Tolkien, Hennen oder wer auch immer, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle. Unabhängig davon sprach gegen „Das Elfenportal“ aber auch, dass es ein Jugendbuch sowie ein Mehrteiler ist und die Inhaltsangabe insgesamt etwas zu brav und niedlich für mich klingt. Die Elfen waren also auch draußen.

„Die Gefährtin des Lichts“ erschien eigentlich recht interessant und kam in die engere Wahl. Letztlich habe ich mich aber dann doch dagegen entschieden, weil ich es irgendwie nicht mag, wenn Fantasy-Romane teilweise in der realen Welt spielen oder die Protagonistin plötzlich in eine Fantasy-Welt versetzt wird, z. B. durch Kleiderschränke oder was auch immer. Man ersetze die Fantasy-Welt durch Schottland und hat einen handelsüblichen Diana-Gabaldon-Roman. Brrrrr… 🙂 Jedenfalls, die reale Welt hat aus meiner Sicht nichts in Fantasy-Büchern verloren. Das ist bei mir so eine Immersions-Sache. 🙂

Da blieb also noch „Das Walmesser“ welches glücklicherweise auch meine vollste Zustimmung fand. Schreiten wir also zur Tat und begeben uns auf eine weite Reise in den hohen Norden:

Buch: „Das Walmesser“

Autor: C. R. Neilson

Verlag: Heyne

Ausgabe: Paperback, 510 Seiten

Der Autor: C. R. Neilson ist das Psedonym des schottischen Schriftstellers Craig Robertson, geboren am 22.04.1962 in Dunfermline, Schottland.

Craig Robertson kann auf eine 20-jährige Karriere als Journalist bei der Glasgow Sunday Post zurückblicken. Er hat drei Prime Minister interviewt, berichtete über 9/11, Dunblane, das Verschwinden von Madeleine McCann, war der Erste, der Susan Boyle interviewte, verbrachte Zeit in einer Todeszelle in den USA und verteilte Medikamente gegen Polio in Indien. Sein erster Roman Und Rache solltst du nehmen erschien 2011. „Das Walmesser“ wurde im englischen Original im Jahr 2014 veröffentlicht. (Quelle: Heyne)

Das Buch:  Der Schotte John Callum reist auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit auf die Färöer-Inseln, um dort in Ruhe einen Neuanfang zu starten. Er lebt sich langsam ein, gewöhnt sich an das raue Leben auf den Inseln und bändelt schließlich sogar mit einer jungen Inselbewohnerin an.

Nach einer durchzechten Nacht ändert sich alles. Callum wird morgens wach und findet sich auf dem Hafengelände wieder. Er kann sich an den Vorabend nur noch teilweise erinnern. Benommen wankt er nach Hause, greift in seine Jackentasche und damit in die Klinge eines „Grindaknívur“, eines traditionell zum Schneiden von Walfleisch genutzten Messers. Auf der Klinge befindet sich Blut. Aber es ist nicht sein eigenes.

Als kurz danach die Runde macht, dass ein allseits bekannter Färinger erstochen wurde, muss sich Callum die Frage stellen, ob er vielleicht einen Mord begangen hat.

Fazit: Der Einstieg in „Das Walmesser“ gelingt C.R. Neilson wesentlich leichter und besser als mir der Einstieg in diese Rezension. Ich hoffe dennoch, dass ich all das, was ich zu diesem Roman zu sagen habe, in eine halbwegs strukturierte Form bekomme.

Der Einstieg also. Neilson schildert die Ereignisse in „Das Walmesser“ durch seinen Protagonisten und beginnt mit dessen Flug auf die Färöer-Inseln. Dabei zeichnet sich Callum gelegentlich durch eine Art trockenen sakastischen Witz aus, der mir ausgesprochen gut gefiel, der aber leider im Laufe der Handlung vollkommen auf der Strecke bleibt. Und das ist leider nicht der einzige, aber der unwichtigste Punkt, der mir hinsichtlich seiner Charakterentwicklung unangenehm aufgefallen ist. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass Callum Schottland aus gutem Grund verlassen hat. Er floh vor Schwierigkeiten, in die er aufgrund seines aufbrausenden Wesens geraten ist. Eigentlich doch Grund genug, es fortan besser zu machen. Aber er macht es nicht besser. Im Verlauf des Buches hätte ich ihm gerne ein Anti-Aggressions-Training empfohlen.

Auch weitere Aspekte seines Handelns konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Dem Einen oder Anderen wird es schon mal passiert sein, am Morgen nach einer durchzechten Nacht einen „Filmriss“ gehabt zu haben. Eine wohl sehr unangenehme Situation, muss man seinen am Vorabend anwesenden Freunden doch glauben, wenn sie einem erzählen, dass man in der Kneipe im Baströckchen gewandet und Konfetti werfend zu Musik von Helene Fischer auf der Theke getanzt hat – man weiß es schließlich nicht besser. Eine normale Reaktion wäre, sich zumindest vorzunehmen, so etwas in der Folge nicht wieder passieren zu lassen. Umso schlimmer wäre es doch, wenn da anstelle des erwähnten Baströckchen-Tanzes ein möglicher Mord im Raume stünde. Ich würde als erste Amtshandlung die berühmten Worte „Nie wieder Alkohol“ von mir geben, Callum bechert aber fröhlich weiter.

Darüber hinaus ist Callum nicht der einzige Charakter, mit dem ich so meine Probleme habe. Die meisten zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie fast alle die gleiche Angewohnheit haben, zu der ich später komme. Lediglich Callums Freundin Karis ist ein wirklich spannender, vielschichtiger Charakter.

In stilistischer Hinsicht sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Neilsons großartige Beschreibungen der Natur und der Landschaft auf den Inseln vermitteln intensive Bilder vor dem inneren Auge des Lesers und erweckte in mir fast schon den Wunsch, diesem rauen Landstrich selbst einen Besuch abzustatten. Ja, es muss wirklich schön sein da oben. Auch sonst ist dem Autoren in diesem Bereich wenig bis nichts vorzuwerfen. Die durch seine Schilderungen erzeugt raue Atmosphäre überträgt sich auch auf die Handlung und zieht sich gekonnt durch den ganzen Roman.

Besagte Handlung bietet eigentlich auch wenig Ansatz zur Kritik, lediglich eine Sache ist mir aufgefallen. Es mag nur mir so gehen, aber bereits beim Lesen stolperte ich über ein bis zwei Textstellen, die für die Lösung des Mordfalls von elementarer Wichtigkeit sind und die dem Leser irgendwie schon plakativ vor die Füße geworfen werden, damit er oder sie es ja nicht übersehe. Das hätte mich allerdings deutlich mehr enttäuscht, wenn der Autor da am Ende nicht doch noch diesen unvorhergesehenen Story-Twist eingebaut hätte…

Mein größter Kritikpunkt betrifft eine Sache, die sich sehr auffällig durch den ganzen Roman zieht: Es wird unheimlich viel getrunken! Eigentlich muss man sagen: Es wird dauernd gesoffen! Und das ist auch das, was, wie oben erwähnt, erschreckend viele Charaktere miteinander gemeinsam haben. Callums Freundin Karis: säuft! Callums Kumpel Tummas Barthel: säuft! Callum selbst: Sorgt dafür, dass der durchschnittliche Alkoholverbrauch auf den Inseln sprunghaft ansteigt. Ja, sogar die eingeflogenen dänische Frau von der Spurensicherung kippt sich einen in die Rübe.

Jetzt mag es ja sein – ich kann das nicht beurteilen -, dass man auf den Färöer-Inseln überdurchschnittlich viel trinkt. Möglicherweise ist das auch eine Angewohnheit, um 300 Regentage im Jahr und gelegentliche händisch durchgeführte Massaker an Grindwalen angemessen zu verarbeiten. Aber die Art und Weise, wie sich diese Sauferei durch das Buch zieht – völlig unwidersprochen und als völlig normales Handeln dargestellt -, nee, Mr Neilson, das geht so nicht!

Wertung:

Handlung: 8 bon 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,25 von 10 Punkten

 

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18 Kommentare zu „Buch-Date # 5: „Das Walmesser“ von C.R. Neilson

  1. Hm, ob Deiner Rezension bin ich nun neugierig auf die Landschaftsbeschreibungen. Ob die Handlung an sich was für mich ist, kann ich noch nicht wirklich beurteilen. Habe aber aktuell eh anderen Lesestoff auf’m Schirm. Sommer heißt für mich leichte Kost, Hirn abschalten und von irgendwas Seichtem berieseln lassen. Also nicht wirklich Krimitime. Aber der nächste Herbst steht ja bevor. Kann also noch was werden.

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  2. „Der Einstieg in „Das Walmesser“ gelingt C.R. Neilson wesentlich leichter und besser als mir der Einstieg in diese Rezension.“ Herrlich :)! Der Einstieg mag Dir schwer gefallen sein, der Rest lief dann überaus gut. Ich bin interessiert! Prost!

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  3. Da kommt mir doch spontan ein Liedtext der Streuner in den Kopf:
    „… Wasser verdirbt, die Leber und den Darm,
    drum tinke Wein, trinke Wein, trinke Kamerad.
    Leere aus auf einen Zug und fülle wieder nach.
    Trinke Wein, trinke Wein, trinke Kamerad.
    Leere aus auf einen Zug und fülle wieder nach.
    …. “
    Ich gehe aber davon aus, dass die Faröer eher Bier saufen, was?

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    1. Also, ich zähle mal kurz nach:

      In dem Buch wird Bier in rauen Mengen, Whisky – vorzugsweiser britischer Machart -, Wein, Aquavit und noch irgendwas, was ich jetzt vergessen habe, getrunken. 🙂 Aber ja, in erster Linie Bier.

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  4. Ein Säuferroman … Ich habe alles vergessen, was du sonst so über das Buch geschrieben hast, aber die leben meinen Traum. Ich will in dieses Buch! 😀
    Ansonsten sage ich dazu nur: Butterbier und Feuerwhiskey … Und danke für die vielen Lacher schon vor der Besprechung … Diana Gabaldon … Hihihi.

    Gefällt 2 Personen

    1. Nun ja, der Preis für diese regelmäßigen Saufgelage wäre aber, dass Du 300 Regentage im Jahr über Dich ergehen lassen und – als echter Färinger – regelmäßig Grundwale töten müsstest… Also, meine Träume sehen anders aus. 🙂

      „Butterbier“ musste ich googeln, ich hab doch keine Ahnung, von Harry Potter… XD

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  5. Hm…. 8,25 von 10…. Das werte ich mal als Erfolg (und ich hatte mir schon so meine Gedanken gemacht, als gestern kein Beitrag von dir kam…😉). Mich haben die Landschaftsbeschreibungen auch total mitgenommen – vielleicht etwas weit, um dort ein Bloggertreffen abzuhalten 😊 und witzigerweise habe ich das mit den ganzen Besäufnissen gekonnt ignoriert – was sagt das jetzt über mein Alkoholverhalten aus? 😉😎🍹🍷 ganz liebe Grüße vom Urlaubsdomizil und ich bin gespannt, ob du beim nächsten Buch-Date mitmachst (bezügl. des Themas *flöt*) 😊

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    1. Das kannst Du durchaus als Erfolg werten, mir hat´s gefallen. 🙂

      Dass gestern kein Beitrag kam, lag schlicht an den unzähligen Überstunden in der letzten Arbeitswoche vor meinen zwei Urlaubswochen und der einen oder anderen Geburtstagvorbereitung.

      Die Besäufnisse hätte ich auch gerne ignoriert, aber irgendwie ging das nicht. 😉 Mich hat das wirklich empfindlich gestört. Auf gefühlt jeder zweiten Seite sitzt jemand in der Kneipe… 🙂

      Ob ich beim nächsten Buch-Date dabei bin, hängt ganz entscheidend vom Thema ab. Gib mir doch mal einen Tipp! 😉 Sollte das Motto „Vampire im Laufe der Zeit“ sein, bin ich raus! 😉

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