„Die Anatomie des Teufels“ – Vergleiche und ihre Auswirkungen

Buch: „Die Anatomie des Teufels“

Autor: Jordi Llobregat

Verlag: blanvalet

Ausgabe Paperback, 608 Seiten

Der Autor: Jordi Llobregat interessiert sich leidenschaftlich für Geschichte, im Besonderen für die Entwicklung von Städten. Neben dem Schreiben arbeitet er in einer Firma, die sich mit Stadtentwicklung befasst. Außerdem ist er der Direktor des Noir-Fiction-Festivals Valencia Negra. Er hat bereits mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht und ist Mitglied der Autorengruppe El Cuaderno Rojo. Llobregat lebt in Valencia, hatte aber zu Barcelona schon immer eine enge Verbindung, da seine Familie mütterlicherseits dort ihre Wurzeln hat. »Die Anatomie des Teufels« ist sein erster Roman. (Quelle: blanvalet)

Das Buch: 1888: Der junge Gelehrte Daniel Amat führt in London, fernab seiner spanischen Heimat, ein beschauliches Leben. Er ist Dozent an der Universität und mit der Tochter des Rektors verlobt. Die Hochzeit steht kurz bevor.

Da erreicht ihn eine Depesche aus Barcelona, die ihn vom Tod seines Vaters informiert. Schockiert reist Daniel nach Spanien ab, um sich dort um die Nachlassangelegenheiten zu kümmern. Nach der Beerdigung wird er vom Journalisten Bernat Fleixa angesprochen. Fleixa ist davon überzeugt, dass Amats Vater einem Mord zum Opfer gefallen ist.

Zusammen beginnen die Beiden, dieser Vermutung auf den Grund zu gehen. Und als Amat ein Notizbuch seines Vaters in die Hand fällt, das auf ein altes Manuskript verweist und und in Barcelona immer häufiger Frauenleichen aufgefunden werden, stellt sich Daniel die Frage, ob sein Vater einem Mörder auf den Fersen war.

Fazit: Die spanische „El Periodico“ findet: „Die Fans von Carlos Ruiz Zafón werden den Roman von Jordi Llobregat lieben.“ Das möchte ich gar nicht mal kategorisch ausschließlich. Ich frage mich nur immer, ob diese Vergleiche zu bekannten Schriftstellern und/oder Bestseller-Autoren sein müssen. Und welche Gründe zu Vergleichen wie diesem führen.

Gut, beide Autoren sind Spanier. Vor dem Hintergrund könnte man Llobregat aber auch mit Miguel de Cervantes vergleichen. Ja, die Bücher beider Autoren spielen in Barcelona. Vor diesem Hintergrund würde sich aber ein Vergleich mit Jürgen Benvenuti ebenso gut anbieten. Und selbst in der Kategorie „spanischer Schriftsteller, dessen Bücher in Barcelona spielen“ könnte man andere Vergleiche heranziehen, namentlich beispielsweise zu Jaume Cabré oder Ildefonso Falcones.

Natürlich ist mir klar, was man damit bezweckt. Man will mit dem großen Namen punkten und im Idealfall die Leserschaft des berühmten Vorbildes dazu bringen, auch dieses Buch zu lesen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass damit Erwartungen geweckt werden, die nur selten auch in vollem Umfang erfüllt werden.

Dabei gibt sich Llobregat redlich Mühe und hat wirklich kein schlechtes Buch abgeliefert. Der Einstieg gelingt schnell und ehe man sichs versieht, ist der Leser mittendrin in dieser düsteren Geschichte rund um einen Serienmörder in Barcelona. Das ist sicher auch  Llobregats Stil geschuldet, der sich in erster Linie durch gut geschriebene Dialoge und seine phasenweise bildhafte Sprache auszeichnet. Seine Schilderungen des Kanalsystems Barcelonas erinnerten mich irgendwie entfernt an das Reich des „Phantoms der Oper“, tief unter der Pariser Oper. Und ich meine das Buch, nicht das Musical. 🙂 Sehr lesenswert übrigens!

Diese Assoziation hatte ich zwar wahrscheinlich exklusiv, trotzdem entstand dadurch beim Lesen eine ganz besondere Atmosphäre.

Leider kann Llobregats Roman die Stärken in Stil und Atmosphäre in anderen Bereichen nicht ganz erreichen. So gelingt ihm mit Bernat Fleixa zwar ein denkwürdiger Charakter, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist und auch der Protagonist Amat weiß wenigstens noch in Teilen zu überzeugen.

Die weiteren Charaktere bleiben leider aber eher blass und ein oder zwei handelnde Personen scheinen mir nur eingeführt worden zu sein, um so etwas wie eine überraschende Wendung oder ein emotionales Drama einbauen zu können. Funktioniert hat das bei mir leider nicht so richtig gut.

Bleibt letztlich noch die Geschichte selbst. Diese gliedert sich in zwei Stränge auf, Während sich der Autor einerseits mit den Ermittlungen des Duos beschäftigt, wird im anderen die Hintergrundgeschichte von Daniel Amat näher beleuchtet und irgendwann erklärt, warum der junge Mann möglichst weg von seiner Heimat gegangen ist. Diese beiden Stränge werden dann im Verlauf der Geschichte völlig logisch zusammengeführt.

Hinsichtlich des Endes möchte ich zwar nicht spoilern, kann aber sagen, dass „völlig logisch“ auch hierfür gilt. Im Grunde ist das Ende sogar so logisch, dass ich mich gefragt habe, wie ich darauf nicht kommen konnte… Aber im Raten von Handlungsverläufen bin ich ja ohnehin eher schlecht. Der größte Kritikpunkt bezüglich des Endes ist aber, dass es einem als passionierter Leser sicherlich schon mal hier oder dort in recht ähnlicher Form begegnet ist. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Was bleibt, ist ein grundsolider historischer Thriller, der ohne allzu viel Blutvergießen auskommt, und den man Liebhabern des Genres guten Gewissens empfehlen kann. Geblieben ist aber auch ein (wieder mal) unsinniger Vergleich, der mich kurz glauben ließ, den Heiligen Gral der spanischen Literatur in den Händen zu halten. Und das ist „Die Anatomie des Teufels“ dann doch eher nicht.

Übrigens, irgendwie erinnern mich solche Vergleiche immer an das von mir bei Kino-Trailern leidenschaftlich verabscheute „Von den Machern von…“. Was soll mir das sagen? Als ob das ein Qualitätsmerkmal wäre. Wenn es in der nächsten Kino-Vorschau heißt „Von den Machern von „Der Herr der Ringe“ kommt ab Donnerstag im Kino: „Minesweeper – Der Film““, dann weiß ich, dass ich mir das trotzdem nicht antun muss. 🙂

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

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9 Kommentare zu „„Die Anatomie des Teufels“ – Vergleiche und ihre Auswirkungen

  1. Hm, was bitte ist ein Mauskript? 🙂 Ja, ich weiß, wer Rechtschreibfehler findet, der darf sie behalten. Aber danke für die Rezension; ich hatte mir das Buch als Hörbuch gekauft und bin dennoch gespannt. Irgendwelche Vergleiche interessieren mich eher weniger, da achte ich nicht drauf.

    Gefällt 1 Person

    1. Huch! Ähm, ich meine, das „Mauskript“ war natürlich Absicht! Da fehlt nur ein Bindestrich. Eigentlich sollte es „Mau-Skript“ heißen, quasi ein qualitativ mäßiges Skript. Ein Skript, das also eher mau ist.

      Ich könnte auch „Maus-Kript“ anbieten. „Kript“ ist – und das habe ich mir gerade ergoogelt – ein Eisplanetoid aus dem Warhammer-Universum. Also handelt es sich hier um einen von Mäusen bewohnten Eisplanetoiden.

      Oder…, ach, lassen wir das. 🙂

      Ich hoffe, dass Dir das Hörbuch gefällt und würde mich über entsprechendes Feedback freuen. Habe ich gerade „Feedback“ geschrieben? Ich meinte natürlich „Rückmeldung“! 🙂

      Gefällt mir

      1. Meine Herrn, Du schaffst mich echt immer wieder! 🙂 Und schon wieder was gelernt! Wenn ich endlich in der Lage sein werde das Hörbuch runterzuladen (zu geringe Empfangsstärke, ich liege mit dem Provider im Clinch), um es mir anzuhören, werde ich gerne eine Rückmeldung dazu geben. Vielleicht gewinnt der Roman als Hörbuch ja genauso wie es der „Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg…“ es tat.

        Gefällt 1 Person

  2. Hört sich doch sehr gut an – Danke für den Tipp, den spanisches lese ich immer gerne. Und ja, diese Vermarktung schadet oft mehr als dass sie nutzt – denn ein enttäuschter Leser wird das nächste Buch nicht kaufen …
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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