„Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer – Rasante Space Opera

Buch: „Die Krone der Sterne“

Autor: Kai Meyer

Verlag: Fischer

Ausgabe: Paperback, 461 Seiten

Der Autor: Kai Meyer ist ein 1969 in Lübeck geborener Autor. Nach einem Studium – Film, Theater und Philosophie – arbeitete Meyer als Volontär bei einer Tageszeitung und schrieb während dieser Zeit an seinem ersten Buch. „Der Kreuzworträtsel-Mörder“ erschien dann 1993.

Der Durchbruch gelang Meyer im Jahr 1994 mit seinem Roman „Die Geisterseher“ und vor allen Dingen mit „Die Alchimistin“. International erfolgreich war der Autor erstmals mit „Die fließende Königin“, dem ersten Teil der Merle-Trilogie.

Meyers Romane haben mittlerweile Millionen-Auflagen erreicht und erscheinen in über 30 Sprachen.

Der Autor lebt mit seiner Familie am Rande der Eifel.

Das Buch: Das galaktische Reich Tiamande steht unter der Herrschaft des Hexenordens und der allmächtigen Gottkaiserin. In regelmäßigen Abständen werden ihr junge Mädchen aus entlegenen Welten als Bräute zugeführt. Die Mädchen werden nie wieder gesehen, ihr weiteres Schicksal ist ungeklärt.

Diesmal fällt die zweifelhafte Ehre, als Braut der Gottkönigin zugeführt zu werden, auf die junge Iniza, die als Tochter eines Barons auf Koryantum lebt. Doch Iniza hat einen Plan: Zusammen mit ihrem Geliebten Glanis, der ihr mit anderen Soldaten als Eskorte zugeteilt wurde, unternimmt Iniza einen Fluchtversuch. An der Seite des Kopfgeldjägers Kranit flieht das junge Paar von der Raumkathedrale des Hexenordens.

Wenig später gelangen sie an Bord der „Nachtwärts“, des Schiffes der Alleshändlerin Shara Bitterstein. Zusammen versucht die Gruppe, den Plan des Hexenordens, Iniza wieder in seine Gewalt zu bringen, zu vereiteln und sieht sich kurz darauf mit einer Bedrohung konfrontiert, die selbst die Gottkaiserin harmlos erscheinen lässt.

Fazit: „Was, Karl May“? Das war gegen Ende der 90er/Anfang der 2000er die häufigste Reaktion meines jeweiligen Gegenübers, wenn ich nach meinem Lieblingsautoren gefragt wurde. Nein, dabei handelte es sich natürlich nicht um Karl May, sondern eben um Kai Meyer, wie ich dann immer klarstellen musste. Denn – ob man es glaubt oder nicht – damals kannte den Schriftsteller, salopp gesagt, gefühlt keine Sau.

Aus meiner Sicht war und ist das natürlich vollkommen unverständlich, hatte besagter Meyer mir zu diesem Zeitpunkt doch schon mit Büchern wie „Die Alchimistin“, der „Nibelungengold“-Reihe und vor allem mit „Das Haus des Dädalus“ unvergessliche Leseerlebnisse beschert.

Und diese Begeisterung für Meyers Bücher hielt auch so etwa bis „Das Buch von Eden“ und „Herrin der Lüge“ an. Und dann, tja dann, entschied sich Meyer aus unterfindlichen Gründen, sich einem jüngeren Lesepublikum zuzuwenden, dem ich mich nicht mehr zugehörig fühlte, eben weil ich ihm nicht mehr zugehörig war. So ließ mich die „Merle“-Trilogie ziemlich kalt, die folgenden „Wellenläufer-„, „Wolkenvolk-“ und „Sturmkönige“-Trilogien noch sehr viel kälter.

Nachdem ich mich auch mit seinem „Arkadien“-Dreiteiler nicht wirklich anfreunden konnte und ich „Phantasmen“ lediglich der Kategorie „ganz nett“ zuordnen konnte, hatte ich mich innerlich schon mit der schweren Entscheidung abgefunden, mich vom Werk meines einstigen Lieblingsautors abzuwenden.

Und dann, tja, dann erschien 2014 „Die Seiten der Welt“! Und auch wenn sich dieses Buch wohl ebenfalls eher an eine jüngere Leserschaft wendet, konnte es mich vollkommen überzeugen. Ich sah wieder einen Silberstreif am literarischen Horizont. Umso gespannter war ich darauf, was mich bei „Die Krone der Sterne“ erwarten würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich sagen: Ich bin erleichtert! Sehr, sehr, Erleichtert! 😉

Meine anfängliche Skepsis angesicht solcher im Klappentext vorhandenen Begriffe wie „Hexenorden“ und „Raumkathedrale“, die ich schon mit einem resignierten „Oh, bitte!“ kommentierte, löste sich nach relativ kurzer Zeit in Wohlgefallen auf.

Meyer wirft den Leser gleich zu Beginn ohne große Einleitung direkt in die Handlung. Und diese besticht vor allem durch Tempo und Action. Die Protagonisten geraten von einer brenzligen Situation in die nächste. Dabei gelingt es dem Schriftsteller sehr gut, dem Leser neben den temporeichen Geschehnissen den Handlungsrahmen – manche würden wohl auch „Setting“ dazu sagen – näher zu bringen und somit Begriffe und Zusammenhänge besser zu verstehen und zu erkennen.

Neben der actionreichen Handlung punktet „Die Krone der Sterne“ vor allem durch seine Charaktere. Kranit und Shara gewinnen bei mir Sympathiepunkte in erster Linie durch ihre Schlagfertigkeit. Sie sind aber auch die Charaktere, deren Hintergrundgeschichte am intensivsten beleuchtet wird, Iniza und Glanis fallen diesbezüglich etwas ab, was mich ein wenig irritierte, denn eigentlich ist Iniza ja die Hauptperson, um die es in erster Linie geht. Aber hier hat der Autor ja noch genug Zeit, daran etwas zu ändern, denn eine Fortsetzung ist bereits in Umsetzung begriffen.

Aber auch ohne detaillierte Hintergrundgeschichte hat Meyer mit Iniza und Glanis zwei überzeugende Charaktere geschaffen, deren Liebesgeschichte segenswerterweise ohne allzu viel Kitsch auskommt. Lediglich eine Charakterentscheidung – über die ich natürlich nicht im Detail sprechen kann, ohne zu spoilern – nehme ich Herrn Meyer wirklich, wirklich übel. Das ist aber ein rein subjektiver Eindruck, der Autor wird für seine Entscheidung stichhaltige Gründe gehabt haben – welche auch immer das sein mögen…

Und, fast hätte ich es vergessen, obwohl ich mich ansonsten relativ selten zur optischen Gestaltung eines Buches äußere – und wenn ich das doch tue, ist das meistens ein relativ schlechtes Zeichen für das Buch -, hier muss ich es doch tun. Denn „Die Krone der Sterne“ beinhaltet eine Reihe wirklich schöner Zeichnungen, unter anderem der „Nachtwärts“, von Jens Maria Weber, die sehr schön anzuschauen sind. Gute Arbeit, Herr Weber!

Alles in allem hat Kai Meyer eine rasante, bildgewaltige Space Opera geschrieben, die mich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Daher warte ich auch schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Wenn alles gut läuft, muss ich auch nicht mehr allzu lange darauf warten: Vorgestern twitterte der Autor, er sei bei „Die Krone der Stern 2“ jetzt etwa in der Mitte angekommen. In Teil 2 solle „alles eine Nummer größer“ werden, „mehr Plot, mehr Handlungsebenen, mehr Action, mehr kosmische Rätsel. Es wird komplexer.“, so der Autor. Man darf also gespannt sein.

Und wer es nicht so lange aushalten kann, dem sei gesagt, das bereits Ende August Meyers neuestes Buch „Die Spur der Bücher“ erscheint. Dabei handelt es sich um einen magischen Detektivroman im viktorianischen London und um ein Prequel zu „Die Seiten der Welt“. Vorgeschichte! Ich meinte natürlich Vorgeschichte! 😉

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Hier gibt es zeitnah entweder die Rezension zum Krimi „Der Schneegänger“ von Elisabeth Herrmann oder die zum Thriller „Die Anatomie des Teufels“ Jordi Llobregat.

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12 Kommentare zu „„Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer – Rasante Space Opera

  1. Hallo fraggle,

    danke für deine Rezension. Hochinteressant wie sehr Meinungen auseinander gehen können, ich fand das Buch alles Andere als gelungen, auch wenn die Action sicherlich gut geschrieben war.

    Warum dem so ist, lege ich hier dar: https://nerdfeuilleton.wordpress.com/2017/07/13/die-krone-der-sterne-kai-meyer-buchkritik/

    Bin gespannt auf deine nächsten Buchbesprechungen.

    Lieben Gruß vom NerdFeuilleton,
    Philipp

    Gefällt 2 Personen

  2. Klingt gut. Nur komme ich mir bei Deinem Lesetempo echt uralt vor. Woher nimmst Du die Zeit? Ich bilde mir ja ein zu den Schnelllesern zu gehören, aber Du übertriffst da echt alles!
    Apropos schnelles Lesen: GöGa gehört da eher zu den Schnecken. Und wenn ihn was nicht interessiert, dann fliegt das Buch auch in die Ecke. Es gehört zwar jetzt nicht hierher, aber er hat die K.P. Wolf-Reihe von Mitte November an bis gestern Abend in einem Rutsch und ohne schuldhaftes Verzögern durchgelesen. Alle 11 Bände. Vielleicht doch noch eine Überlegung wert?

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    1. Ach, das kommt ganz daruf an, womit man es vergleicht. Ich lese häufig Beiträge, in denen sinngemäß steht: „Hach, ich habe im Monat X nur 9 Bücher gelesen. Unglaublich, oder? Das ist für mich totaaaal wenig und uuuunbedingt wieder besser werden!“ Verglichen damit bin ICH die Schnecke! 😉

      Und ja, auf die K.P. Wolf-Reihe komme ich definitiv nochmal zurück. Nur nicht so bald, denn der gefühlte Kubikmeter an ungelesenen Büchern, der hier rumliegt, muss erstmal dezimiert werden. 😉

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  3. Ging mir mit Meyer („Karl May“ – köstlich) genauso, habe jetzt schon lange nichts mehr von ihm gelesen. Auch „Die Krone der Sterne“ werde ich wohl nicht anrühren, denn wenn ich recht verstehe, ist das schon wieder nur ein erster von (wahrscheinlich abermals mindestens drei – scheiß Trilogeritis) X Bänden. Oder ist die Story abgeschlossen? Meinen Dank und sonnige Grüße!

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    1. Du würdest aber wirklich etwas verpassen!

      Gut, nein, die Story ist nicht abgeschlossen, es kommen wohl noch mindestens 2 Teile.

      Aaaaber: Die Teile erscheinen wenigstens als Paperback und sind dementsprechend etwas günstiger als Hardcover. Und dreimal 14,99 € auszugeben, im Abstand von ein paar Monaten, das kann man schon mal machen! 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Geht mir weniger ums Geld als um die Warterei – und die verkaufstaktisch aufgeblasenen Storys. Meyers Jugend-Fantasy-Trilogien waren okay, aber eben JEDESMAL ca. einen Band zu lang. Aber ich lasse mich wirklich gerne überzeugen. Wenn Du von den Fortsetzungen ebenso begeistert bist, beuge ich mich Deinem Wort 🙂

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        1. Zugegeben, die Warterei ist nervig und ich kenne genug Menschen, die sich eine Trilogie, die ihnen gefallen könnte, dann kaufen: Wenn. Sie. Fertig. Ist. 😉

          Aber Meyer schreibt ja recht schnell – über 50 Romane mit gerade mal 47 Jahren -,insofern finde ich die Wartezeit diesmal erträglich.

          Wir werden sehen und ich werde Dich informieren! 😉

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  4. Ja, der Herr Meyer. Merkwürdigerweise haben mich „Die Seiten der Welt“ Bücher gar nicht mitgenommen, obwohl man das ja so von der Thematik meinen könnte. Vielleicht hatte ich auch nur einen schlechten Tag und sollte noch mal rein schauen. Aber „Die Krone der Sterne“ hat mich restlos überzeugt und mit einigem versöhnt.

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