„Into the Water“ von Paula Hawkins – Schlag ins Wasser

Buch: „Into the Water“

Autorin: Paula Hawkins

Verlag: blanvalet

Ausgabe: Paperback, 476 Seiten

Die Autorin: Paula Hawkins wuchs in Simbabwe auf, bevor sie 1989 nach England übersiedelte. Sie war 15 Jahre als Wirtschaftsjournalistin tätig. Unter dem Pseudonym Amy Silver hat sie bereits mehrere Liebesromane veröffentlicht. Diese wurden von der weltweiten Leserschaft allerdings geflissentlich ignoriert.

Im Jahr 2015 erschien mit „Girl on the train“ ihr erster Thriller und wurde zu einem weltweiten Erfolg. Im Mai dieses Jahres veröffentlichte Hawkins nun mit „Into the Water“ ihr neuestes Buch.

Das Buch: Seit Jahren schon hat Julia „Jules“ Abbott nicht mehr mit ihrer Schwester Danielle – „Nel“ – gesprochen. Nels in letzter Zeit häufiger werdende Anrufe hat sie beharrlich ignoriert. Nun ist Jules tot. Es heißt, sie sei von einer Klippe ins Wasser am sogenannten „Drowning Pool“ gesprungen.

Gezwungenermaßen kehrt Jules nach Beckford zurück, wo ihre Schwester gelebt hat, um sich um ihre Nichte Lena zu kümmern. Und um sich ihren Erinnerungen zu stellen, die mit diesem Ort verknüpft sind.

Und sie beginnt mit Nachforschungen zum Tod ihrer Schwester, denn Jules ist sich einer Sache sicher: Nel hätte sich niemals das Leben genommen!

Fazit: In ihrem neuen Roman macht Paula Hawkins im Vergleich zum Welterfolg „Girl on the train“ einiges anders, vieles besser und eine wesentliche Sache aber leider auch schlechter.

So stockt die Autorin die Anzahl ihrer handelnden Personen deutlich auf, was sich auch in der Erzählweise widerspiegelt, denn die Handlung von „Into the Water“ wird aus der Sicht von – falls ich mich nicht verzählt habe – elf unterschiedlichen Personen geschildert. Das macht einerseits Spaß zu lesen, weil man viele unterschiedliche Sichtweisen bekommt, andererseits ist diese Fülle an Erzählern aber auch schon irgendwie übertrieben.

Trotz dieser Zahl gelingt es Hawkins, den Leser nicht den Überblick verlieren zu lassen. Nur ganz selten mal habe ich mich gefragt, wer denn jetzt nun dieser oder jener Charakter wieder sein mag. Das alles spricht für das erzählerische Talent, dass ich auch schon in Form der Schilderung ihrer alkoholkranken Protagonistin Rachel in  „Girl on the train“ zu schätzen wusste.

Dieses Talent kommt im vorliegenden Buch auch noch auf andere Weise zum Vorschein. Auf diese kann ich leider nicht eingehen – und würde es wirklich gerne, weil mir dieser Aspekt am besten gefallen hat -, ohne zu spoilern. Nur so viel: Er hat mit dem deutschen Untertitel des Buches zu tun. Warum das Buch allerdings überhaupt einen deutschen Untertitel brauchte, ist wieder eine andere Frage, die ich diesmal aber dahingestellt sein lassen möchte, weil ich ansonsten wieder eine Grundsatzdiskussion mit mir selbst vom Zaun breche, von der letztlich niemand etwas hat! 😉

Nun, die eingangs erwähnte Anzahl an erzählenden Personen geht leider zu Lasten der Ausarbeitung der einzelnen Charaktere. Lediglich zu Jules konnte ich einen gewissen Bezug aufbauen, während die weiteren Figuren auf mich teils recht blass, teils belanglos, teils sogar etwas nervtötend – Lena, Louise – wirkten.

Das hat mich im Großen und Ganzen aber nicht wirklich gestört, weil ich es eben als Folge der Erzählweise ansehe und die wiederum hat mich ja weitestgehend überzeugt. Nein, „Into the Water“ hat für mich ein ganz anderes Problem, das ich teils auch schon im vorhergehenden Buch bemerkte und das auch der Grund ist, warum ich es nicht vollumfänglich empfehlen kann: Es ist leider fast von vorne bis hinten vorhersehbar. Bei „Girl on the train“ wusste ich etwa 150 Seiten vor dem Ende, wie das Buch in etwa ausgehen würde. Bei „Into the Water“ hatte ich noch erheblich früher den Fortgang der Handlung und ein Ende des Buches im Kopf, welches letztlich wirklich nur marginal vom tatsächlichen abwich.

Und, nur um das einzuordnen: Ich bin echt schlecht in so etwas! Es geschieht alle Jubeljahre mal, dass ich ungefähr ahne, wie ein Buch ausgeht. Wenn ich ein Talent dazu hätte Handlungen und Geschichten weiter zu spinnen, würde ich selbst schreiben! 😉 Wenn also selbst ich nach erschreckend kurzer Zeit weiß, wohin die ganze Handlung führt, spricht das nicht gerade für das Buch.

Dass ändert aber nichts daran, dass Paula Hawkins schreiben kann. Und wer einen Roman sucht, der zügig zu lesenist  und wer sich nicht daran stört, dass man vielleicht frühzeitig weiß, wie das Ganze endet, der macht mit „Into the Water“ wenig verkehrt.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer.

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5 Kommentare zu „„Into the Water“ von Paula Hawkins – Schlag ins Wasser

  1. Ich bin gespannt, was du zum Meyer sagen wirst 🙂 und „Into the water“ hatte ich jetzt etliche Male in der Hand, werde es aber nun doch endgültig sein lassen. Ich habe in letzter Zeit so viele vorhersehbare (nicht unbedingt schlechte) Bücher gelesen – das reicht erstmal 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Lass es ruhig sein! 🙂 Vom Aufbau her ist es halt gut gemacht, auch gut geschrieben, aber eben arg vorhersehbar!

      Und ich könnte Dir jetzt schon sagen, was ich zum Meyer sagen werde, aber das wäre ja langweilig… 😉

      Gefällt 1 Person

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