Abgebrochen: „Natchez Burning“ von Greg Iles

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe am gestrigen Abend eine revolutionäre Entscheidung getroffen. Das tue ich nicht oft. Also, Entscheidungen treffen. Und revolutionäre noch sehr viel seltener.

Jedenfalls, ich habe mich entschlossen, ganz entgegen meiner Natur zu handeln und die Lektüre von Büchern tatsächlich zu unter- bzw. gegebenfalls sogar ganz abzubrechen, wenn es dafür Gründe gibt. Ganz allgemein gibt es für diese Entscheidung allein schon mehrere Gründe:

Erstens bin ich zu alt, um meine Zeit mit Büchern zu vergeuden, die mich nicht begeistern können.

Zweitens habe ich einen überwältigend großen SuB, was mich – ich erwähne das gelegentlich – tatsächlich stresst. Ich mag dieses Gefühl von „Wenn ich das alles gelesen habe, haben wir schon 2018 – mindestens“ einfach nicht. Mir ist es unbegreiflich, wie Menschen im Besitz von unzähligen ungelesenen Büchern sein und trotzdem noch ruhig schlafen können. 😉 Jedenfalls, gelegentlich ein Buch abzubrechen, dürfte zur Verkleinerung meines SuB beitragen – solche Optionen muss ich nutzen. 😉

Und drittens habe ich eigentlich gerade genug andere Dinge im Kopf, als dass ich mich auch noch mit Gedanken wie: „Du musst Dich jetzt da durchquälen, Du wolltest schließlich drüber schreiben“ beschäftigen möchte.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich nun in Zukunft jedes Buch abbreche, wenn es mir nicht gefällt. Es gibt Bücher, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Und es gibt Bücher, die sind so schlecht, dass sich ein herrlicher Verriss über sie schreiben lässt. In beiden Fällen werde ich sicherlich nicht abbrechen. 🙂

Schreiten wir also nunmehr zur Tat und beschäftigen uns mit dem Premieren-Abbruch: „Natchez Burning“ von Greg Iles. Zu Beginn muss ich gleich mal festhalten, dass es sich dabei nicht um ein schlechtes Buch handelt, wirklich nicht. Die Handlung dreht sich um mehrere durch eine Splittergruppe des Ku-Klux-Klans begangene Morde an Schwarzen im Amerika der Rassentrennung in den 60er Jahren. Das Thema interessiert mich durchaus.

Und dennoch deutet die Tatsache, dass ich seit dem 24.05. an diesem Buch lese und es in diesen knapp zwei Wochen nur bis etwa Seite 400 dieses mehr als 1.000 Seiten umfassenden Wälzers geschafft habe, darauf hin, dass mich irgendwas nicht begeistern konnte. Der Schuldige ist schnell gefunden: Es ist das Erzähltempo! Nach etwa 400 Seiten sind innerhalb der Handlung gerade mal knappe 24 Stunden vergangen. Diese Proustschen Ausmaße störten meines Lesefluss empfindlich.

Und auch inhaltlich dreht sich auf diesen 400 Seiten viel im Kreis: So erfährt der Leser im Prolog, was damals in den 60ern in Natchez passiert ist. Anschließend erzählt die damals beteiligte Person A der Person B, was damals in Natchez passiert ist, ergänzt um wenige Details. Der Leser weiß das aber ja bereits aus dem Prolog. Dann erzählt Person B dem Protagonisten Person C, was er im Gespräch mit Person A erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog und dem Gespräch zwischen Person A und Person B. Person C nun, man ahnt es bereits, erzählt zu Hause seiner bald Angetrauten, Person D, was er im Gespräch mit Person B erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog, dem Gespräch zwischen Person A und Person B sowie dem Gespräch zwischen Person B und Person C. Ihr könnt mir noch folgen? An diesem Punkt war ich soweit, dass ich aufspringen und rufen wollte: „Ja, trefft euch doch alle zusammen mal zu einem Kaffee und erzählt es einmal, verdammte Axt!“

Na, an diesem Punkt war es das dann für mich mit „Natchez Burning“. Irgendwann hole ich die fehlenden Seiten mal nach. Vielleicht im Winter…

Gehabt euch wohl!

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11 Kommentare zu „Abgebrochen: „Natchez Burning“ von Greg Iles

  1. Haha – niemals wieder wirst Du dieses Buch anfangen, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Dazu gibt es doch viel zu viele andere Bücher – und gib doch zu, eigentlich hast Du mit dem Ding schon abgeschlossen.
    Aber warte, ich frag mal kurz A was B so denkt, damit C Dir sagen kann, warum D das Buch auch nicht zu Ende lesen wollte….
    Ich muss mich mal kurz wegschmeißen vor lachen… bin gleich zurück.

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    1. 🙂

      Nun, eigentlich hatte ich schon vor, das Buch irgendwann noch zu Ende zu lesen. In die Handlung finde ich sicherlich schnell wieder hinein – sie wird ja oft genug wiederholt! 😉

      Sobald sich A, B, C und D geeinigt haben, sag Bescheid… 🙂

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      1. Also, ich drück die Daumen – ich nehm mir das auch immer vor, dass ich Bücher die ich abbreche, weil sie mir grade nicht liegen aber doch ganz gut sind, irgendwann noch lese, aber bisher klappt das eher schlecht als recht. Aber vielleicht bist Du ja disziplinierter als ich (ganz bestimmt sogar!).
        A, B, C und D sind sich noch nicht einig, da E und F ganz anderer Meinung sind… 😀

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  2. Mir fällt es immer schwer ein Buch „abzubrechen“. Weiß ich doch, wie viel Arbeit drin steckt. Aber, wie bei dir, ist Zeit knapp bemessen. Da lohnt es sich einfach nicht, diese mit Dingen zu verschwenden, die man nicht mag.
    Wenn ein Roman mich also nicht packt, und ich gebe dem deutlich weniger Seiten um mich zu überzeugen, dann lese ich nicht weiter.
    Gerade erst mit so einem Bestseller passiert. Irgend so ’ne Autorin, die wie am Fließband schreibt. Es hätte mich stutzig machen sollen, dass ihre Romane bereits vom ZDF verfilmt wurden. Der Roman strotzte von Klischees (da waren sie wieder), was mich in diesem Fall aber wirklich gestört hat.

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  3. Sinnvolle Entscheidung, ich habe letztes Jahr auch das eine oder andere Buch einfach weggelegt, weil ich schier nicht vom Fleck kam. Allein der Anblick im (bei mir stets virtuellen) Bücherregal war einfach nur noch lästig. Das befreite Gefühl danach war sensationell.

    Anders bei einem Buch, das eine Zeit lang einfach nicht auf meiner Wellenlänge war, nun seit ein paar Tagen wieder voll angesagt ist: „Glas“ (der vierte Teil des „Dunkler Turm“-Zyklus) von Stephen King. Als ich voll auf dem Sci-Fi-Trip war, konnte ich dieses Fantasy-Epos nicht ertragen, jetzt ist es eine willkommene Abwechslung.

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    1. Ja, ich bin mit der Entscheidung wirklich ganz zufrieden. 😉 Ein gewisses Gefühl der Befreiung macht sich jetzt schon breit.

      Hinsichtlich „Der dunkle Turm“ bin ich aber völlig raus. Das habe ich nur bis zu Teil 2 ertragen. Ich sage immer, das las sich, als ob Stanley Kubrick und Quentin Tarantino während eines gemeinsamen Drogenrauschs eine bespiellose Gewaltorgie erdacht haben, um dann Stephen King mit vorgehaltener Waffe zu zwingen, diese aufzuschreiben. 😉

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