„Ostfriesen Killer“ von Klaus-Peter Wolf – Lokalkolorit

Buch: Ostfriesen Killer

Autor: Klaus-Peter Wolf

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Klaus-Peter Wolf ist ein 1954 in Gelsenkirchen geborener deutscher Drehbuchautor und Schriftsteller. Nach seinem Schulabschluss leistete Wolf den Zivildienst ab und begann recht früh mit dem Schreiben, sodass er im Alter von 25 Jahren bereits stattliche zehn veröffentlichte Bücher vorweisen konnte.

Wolfs Vita kann man durchaus als sehr spannend bezeichnen, sie ist allerdings auch zu abwechslungs- und umfangreich, um sie hier in ein paar Zeilen angemessen wiederzugeben. Als Beispiele seien hier nur seine Zeit in Nicaragua während des Contra-Kriegs oder auch seine Teilnahme an einem Runden Tisch in Moskau zum Thema Weltfrieden genannt, an dem unter anderem auch Hanna Schygulla, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt sowie Norman Mailer teilnahmen.

Wolfs literarisches Werk ist ebenfalls sehr umfangreich, es umfasst allein etwa drei Dutzend Kinder- und Jugendbücher, sowie zahlreiche Romane und Drehbücher. Seine Reihe der Ostfriesen-Krimis begann Wolf im Jahr 2007 mit „Ostfriesen Killer“. Die Reihe umfasst mittlerweile elf Krimis von denen sich die ersten 10 über 4 Millionen Mal verkauften.

Zusammen mit seiner Frau, der Liedermacherin Bettina Göschl, lebt Wolf in Norden, Ostfriesland.

Das Buch: Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen macht schlimme Zeiten durch. Ihr Mann hat eine Affäre, wird von ihr zur Rede gestellt und verlässt sie daraufhin kurz danach zusammen mit dem gemeinsamen Sohn.

Als wäre das noch nicht genug, muss Klaasen auch noch in einem Mordfall ermitteln: Ulf Speicher, der Vorsitzende des „Regenbogen-Vereins“, eines Vereins zur Betreuung Behinderter, wird während eines One-Night-Stands in seiner Wohnung erschossen. Klaasen und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel,

Erst als ein zweites Mitglied des Vereins ermordet wird, zeigen sich erste Zusammenhänge. Klaasen ermittelt innerhalb des Vereins und in dessen Umfeld und schließlich stellt sich heraus, dass nicht alles eitel Sonnenschein im Regenbogen-Verein war. Neben Animositäten der Vereinsmitglieder untereinander gibt es auch zahlreiche andere Menschen, die dem Verein negativ gegenüberstehen und für die Taten infrage kommen.

Und schließlich gerät Ann Kathrin Klaasen selbst ins Visier des Täters.

Fazit: Bereits vor geraumer Zeit wurde ich von einer ganz zauberhaften Person auf Klaus-Peter Wolfs Krimireihe aufmerksam gemacht, verbunden mit dem Wunsch, sie doch mal zu lesen und darüber zu schreiben. Gesagt, getan.

„Ostfriesen Killer“ überzeugt in erster Linie im Bereich der Handlung sowie der Schilderung des norddeutschen Lokalkolrits, weist aber abgesehen davon einige Schwächen auf, die ich teilweise nicht mal genauer begründen kann, es ist halt einfach mein Eindruck.

Der Einstieg in das Buch gelingt ziemlich gut. Im späteren Verlauf aber empfand ich den Stil des Buches phasenweise irgendwie als holperig, was ich, wie eben erwähnt, nicht genau begründen kann. Dennoch hat das meinen Lesefluss gestört.

Die Handlung allerdings bietet keinen großen Anlass zur Kritik. Das Buch bleibt bis zum Ende spannend. Es wartet zwar nicht mit spektakulären Plottwists auf, dafür ist die Lösung des Falles aber herrlich unvorhersehbar. Zumindest für mich.

Den größten Kritikpunkt sehe ich im Bereich der Charaktere. Ann Kathrin Klaasen vernachlässigt durch ihren Beruf die Familie, was ihren Mann dazu veranlasst, eine Affäre mit einer jüngeren Frau zu beginnen. Da sich ihr Sohn ebenfalls vernachlässigt fühlt, verlässt er Klaasen mit seinem Vater.

Die Probleme, die die Hauptkommissarin mit dieser Situation hat, werden in der Folge auch anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Und dennoch erinnerte mich die Protagonistin viel zu sehr an diese desillusionierten Ermittler mit zerrütteten Familienverhältnissen, die man in skandinavischen Krimis so häufig findet. Und mit diesen Ermittlerfiguren habe ich langsam so meine Probleme. Einmal, nur einmal, möchte ich erleben, dass die leitende Ermittlerin oder der leitende Ermittler in stabilen Verhältnissen lebt, vielleicht sogar glücklich ist. Es mag ja durchaus sein, dass ein Job in der Mordkommission das Privatleben belastet, aber die permanente Verwendung der Kombination belastender Job + vernachlässigte Familie wirkt einfach nicht sonderlich abwechslungsreich.

Auch ein zwei andere Charaktere stören mich empfindlich. Der zuständige Staatsanwalt geht nach dem zweiten Mord doch tatsächlich von einem „Sniper“ aus, der Norddeutschlands Tiefebene unsicher macht. Dabei wurde das zweite Opfer nicht mal erschossen! In dieser Hinsicht stellt sich der Mann also schon irgendwo zwischen grenzdämlich und grenznaiv an.

Dazu verleitet wird der Mann allerdings von der einzigen Figur im Buch, die ich noch schlimmer fand. Klaasens Kollege Rupert startet auf dem Arbeitsrechner doch tatsächlich einen „Shooter“ – mutmaßlich „Counter-Strike“, es wird nicht namentlich genannt – um darauf hinzudeuten, dass auch jemand nach Spielen eines solchen Shooters durchgedreht sein könnte.

„Das ist doch nur ein Spiel.“

„Ja. Für Zigtausende. Und dann dreht einer durch und macht Ernst.“ (S. 79)

In der Folge ist dann von „Trainingslager und Inspiration zugleich“ die Rede. *seufz* Da werden übelste Erinnerungen an die „Killerspiel-Debatte“ wach, als sich Menschen wie Beckstein und Stoiber als Verteidiger des wahren Blödsinns aufspielten und pauschal sowie bar jeder Sachkenntnis Verbote jedweder Art forderten. Erinnerungen an den selbsternannten „Experten“ Christian Pfeiffer, der seinerzeit gravitätisch vor sich hinsalbadernd angeblich wissenschaftlich belegte Halbwahrheiten herausblubberte – und das bis heute tut.

Ein Shooter als Trainingslager für tatsächliche Morde… Das ist ungefähr so hilfreich wie eine Runde „Monopoly“ für eine Karriere im Immobilienhandel. Oder eine Runde „Fifa 2017“ für eine Bewerbung als Stürmer beim FC Bayern München – oder einem richtigen Fußballverein. Oder eine Runde „Total War: Warhammer“, um mittels einer Armee von Vampirfürsten die Weltherrschaft an sich zu reißen…

Aber lassen wir das, ich schweife ab, und echauffiere mich schon wieder. Zugegeben, das Buch erschien erstmals 2007, als die unsägliche Debatte mal wieder hochkochte, ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn man diesen Abschnitt zwischenzeitlich mal „rausgepatcht“ hätte. Sei´s drum.

Der langen Rede kurzer Sinn: Trotz einiger Stärken wollte der Funke bei „Ostfriesen Killer“ nicht so wirklich überspringen. Dennoch werde ich mal an der Serie dranbleiben, denn wenn eine Krimi-Reihe mittlerweile elf Teile hat und sich millionenfach verkauft, dann muss sie ja über einige Qualität verfügen, die sich mir vielleicht einfach nicht erschlossen hat. Vielleicht habe ich beim nächsten Versuch mehr Glück.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Under Ground“ von S.L. Grey

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11 Kommentare zu „„Ostfriesen Killer“ von Klaus-Peter Wolf – Lokalkolorit

  1. Ich bin vor einigen Jahren auf die Reihe gestoßen, als ich für eine längere Zufahrt vergessen hatte, was zu lesen einzupacken und die Bahnhofsbuchhandlung bemühen mußte. Da lag „Ostfriesenmoor“ rum, ich fand den Titel so absonderlich und kaufte das Buch. Die Romane sind sicher keine große Literatur, aber ich finde sie überaus unterhaltsam und spannend. Und den Autor sehr liebenswert, habe ihn auf einer Lesung getroffen. Er liebt seine Figuren, das merkt man 😉
    Der aktuelle Band der Reihe allerdings hat mir nicht gefallen, inzwischen werden die Figuren für meinen Geschmack zu sehr überzeichnet (ins Klamaukhafte, weiß grad keine bessere Bezeichnung ). Den folgenden Band werde ich daher mit großem Vorbehalt lesen, und wenn der auch wieder so ist, endet dann meine Reise ins Reich der Verbrecher aus Norden und Umgebung 😊

    Gefällt 1 Person

    1. Na, dass der Autor seine Figuren liebt, ist dem ersten Band irgendwie nicht anzumerken, finde ich. 😉 Was jetzt böser klingt, als es gemeint ist.

      Früher oder später werde ich ihm aber sicher eine zweite Chance geben, denn so wirklich schlecht war das Buch auch wieder nicht. Man merkt, dass da einiges Potential in der Reihe steckt.

      Ich hoffe für Dich, dass Dir der nächste Band besser gefällt. 🙂

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  2. Ich bekenne mich schuldig inzwischen alle, wirklich alle Bände gelesen zu haben und kann Dir nur wärmstens empfehlen die weiteren Bände zu lesen. Spätestens – aber wirklich allerspätestens – ab Band 3 wird es auch Dich gepackt haben! Wenn ich jetzt hier was zu Klaasen, Rupert & Co. sage, nehme ich die Spannung und verrate zuviel, aber es werden geschätzte und gehasste Charaktere draus werden. Die weiteren Krimis gewinnen durchaus auch in der Spannung und in der Perfidie ihrer Ausführungen. Mein Einstieg in die Serie geschah urlaubsbedingt: wir waren in Weihnachtsurlaub in Timmel, mehr oder weniger einen Katzensprung von Norden entfernt. Nach der Hälfte der Serie wollte ich ins Café Tenkate (die Leute dort sind wirklich zauberhaft) und beim Spaziergang im Wald bei Norden mit unseren Hunden fuhr K.P. Wolf mit wehenden Haaren auf seinem Fahrrad vorbei. Nein, ich habe ihn nicht um ein Autogramm gebeten. ;D
    Mein Tipp: Bleib dran!

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    1. Okay, das klingt super!

      Und wenn man dann in dieser schönen Umgebung dem Urheber der Reihe begegnet, ist das auch nicht ganz uncool. 😉

      Ich werde mal sehen, was sich machen lässt. Aktuell habe ich eigentlich viel zu viele ungelesene Bücher hier liegen, aber früher oder später werde an Deine Worte denken und spätestens dann ist es Zeit für Band 2! 😉

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  3. Vielen Dank für die – wie stets – herrlichst zwischen Mäandern und Fokussieren pendelnde Rezi. Auch ich konnte mit dem Buch nicht wirklich viel anfangen und habe mich nie an die Folgebände gewagt. Auch bei mir lags an den Charakteren, die ich überkonstruiert und unglaubwürdig fand. Umso neugieriger bin ich, wie Dir der zweite Band gefallen wird. Liebe Grüße!

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    1. Ich danke! Und ja, ich gebe zu, ich mäandere häufig, wenn es einen Grund dazu gibt. Das muss sein! 😉

      Gut zu wissen, dass ich mit meiner Meinung über die Charaktere nicht alleine dastehe!

      Ich fürchte allerdings, dass zwischen mir und dem zweiten Band noch eine ganze Menge Zeit liegen wird, wenn ich mir betrachte, was hier noch so ungelesen herumliegt. Aber irgendwann… 😉

      Liebe Grüße zurück!

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    1. Ja, der Gute war vor gar nicht so langer Zeit hier in der Gegend zu einer Lesung- ob mit oder ohne Frau, kann ich nicht sagen. Das Buch habe ich allerdings erst nach der Lesung gelesen, es war ein Spontankauf, sonst hätte ich mir die Lesung mal gegönnt.

      Aber wenn der mal wiederkommt -Norddeutschland ist ja klein, der kommt wieder – vielleicht gehe ich dann mal hin. 🙂

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