“ Die letzten Tage der Nacht“ von Graham Moore – Der Letzte macht das Licht aus

Buch: „Die letzten Tage der Nacht“

Autor: Graham Moore

Verlag: Eichborn

Ausgabe: Hardcover, 461 Seiten

Der Autor: Graham Moore, 1981 in Chicago, Illinois, USA, geboren, ist ein amerikanischer Drehbuchautor und Schriftsteller. Moore schloss sein Studium an der University of Chicago Laboratory School 1999 ab. Einem anschließenden Studium der Religionswissenschaften an der Columbia University folgte eine Tätigkeit als Toningenieur, bevor er sich komplett auf das Schreiben konzentrierte.

Er verfasste ein Drehbuch für die Serie „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ sowie den Deütroman „The Sherlockian“, der 2010 veröffentlicht wurde.

Größere Bekanntheit erlangte Moore spätestens mit seinem Drehbuch für den Film „The Imitation Game“, das er bereits 2011 verfasst und das 2014 mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley in den Hauptrollen verfilmt wurde.

Moores Drehbuch wurde für den Golden Globe nominiert und gewann einen Oscar.

Der Autor lebt heute in Los Angeles.

Das Buch: USA, 1888: Paul Cravath ist ein junger Anwalt, der vor einer großen Zukunft stehen könnte. Als Bester seines Universitäts-Abschlussjahrgangs bekommt er eine Anstellung in der renommierten Anwaltskanzlei Carter, Hornblower & Burne. Kurz darauf entzweien sich die Firmengründer und Pauls Chef Mr. Carter betreibt fortan mit einem Kollegen die Kanzlei Carter, Hughes & Cravath. Plötzlich ist Paul in seinen jungen Jahren bereits Teilhaber.

Dann passiert das, was Pauls Karriere einen entscheidenden Schub geben oder sie bereits ganz zu Beginn vernichten könnte: Er wird vom Industriellen und Erfinder George Westinghouse kontaktiert. Westinghouse steht im juristischen Clinch mit Thomas Alva Edison, dem weltbekannten Erfinder der Glühbirne. Denn Westinghouse produziert ebenfalls Glühbirnen und wird darauf von Edison verklagt – dreihundertzwölfmal! Und Paul soll den Industriellen juristisch vertreten.

Es entbrennt ein wahrer „Stromkrieg“ zwischen den beiden Erfindern, der ein für alle mal klären soll, wer die Glühbirne wirklich erfunden hat.

Fazit: Da mir gerade keine weitschweifige Einleitung einfällt, kann ich auch direkt damit herausrücken, dass ich „Die letzten Tage der Nacht“ in so vielen Bereichen loben kann, dass das Buch für mich eines der Lesehighlights des bisherigen Jahres war!

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte wird von Graham Moore mittels eines auktorialen Erzählers in 72 zumeist recht kurzen Kapiteln erzählt. Die Kapitel wiederum werden von Zitaten berühmter Erfinder, Philosophen oder IT-Größen wie Alexander Graham Bell, Karl Popper oder Steve Jobs eingeleitet. Die Zitate sind in ihrer Mehrzahl zwar recht unterhaltsam, unterbrechen aber aufgrund der Kürze der Kapitel, zumindest in meiner Wahrnehmung, immer wieder unangenehm den Lesefluss. Das ist aber auch so ziemlich das einzige, was mich an „Die letzten Tage der Nacht“ gestört hat.

Moore erzählt seine Geschichte in einem lebhaften, bildhaften Stil, der intensive Bilder vor dem inneren Auge der Leser erscheinen lässt. Zusätzlich dazu kann „Die letzten Tage der Nacht“ durch sehr gut geschriebene Dialoge überzeugen. Hier blitzt eindeutig Moores Tätigkeit als Drehbuchautor hervor.

Unter anderem die Dialoge sind es auch, die die Charaktere so nachvollziehbar und detailiert gezeichnet erscheinen lassen. Sei es der manchmal ernste, manchmal zynische, sarkastische, manchmal auch humorvolle George Westinghouse („Etwas in mir empfindet fast ein gewisses Maß an Befriedigung, dass Sie mich endlich um etwas naturwissenschaftliche Bildung bitten. Aber der Großteil von mir will einfach nur, dass Sie den Mund halten!“, S. 76) oder auch der verschrobene Nikola Tesla, der in seiner holprigen Art zu reden irgendwie an „Asterix bei den Briten“ erinnert („Mr. Paul Cravath, es ist erfreulich, Sie zu visagieren.“ S. 339), Moores Charaktere hinterlassen durch die Bank einen sympathischen Eindruck, selbst, wenn sie es nicht mal sind.

Auch an der Handlung habe ich nichts zu kritisieren. Die Schilderung der Geschehnisse rund um die beiden Erfinder-Giganten überzeugt auf ganzer Linie. Darüber hinaus ist mir in Romanen, die auf historischen Tatsachen beruhen, eigentlich immer wichtig, dass diese gut recherchiert sind. Und soweit ich das, nach ausgiebigem Googeln im Anschluss an die Lektüre, beurteilen kann, sind sie es. In seiner Detailtreue erinnert Moores Buch ein wenig an – das übrigens ebenfalls sehr empfehlenswerte – „Intrige“ von Robert Harris. Außerdem ist es immer ein gutes Zeichen, wenn ich nach dem Lesen eines historischen Romans zu googeln beginne. 🙂

„Die letzten Tage der Nacht“ kann man guten Gewissens als eine Mischung aus John Grisham und Frank Schätzing bezeichnen. Allerdings ohne so trocken wie der Erstgenannte oder so dozierend und weitschweifig wie Letzterer zu sein. Im Grunde verbindet Moore das Beste dieser beiden Autoren und macht es zu etwas sehr überzeugendem Eigenen.

Klare Leseempfehlung!

Wie bereits weiter oben erwähnt, merkt man dem Buch die Drehbuchautorentätigkeit des Schriftstellers an. Und auch dieses Buch könnte man sehr, sehr gut verfilmen. Mir schwebt eine Verfilmung mit Eddie Redmayne als Paul Cravath, Anthony Hopkins als George Westinghouse und Benedict Cumberbatch in der Rolle des wunderlichen Nikola Tesla vor. In der Nebenrolle der Agnes Huntington könnte ich mir Josefine Preuß gut vorstellen. Einmal, damit ich, als jemand der die Handlung des Films schon kennt, trotzdem einen Grund habe, ihn mir anzusehen. 😉 Und zum Zweiten, damit die Gute mal von diesem grausligen Sat1-Film-Film-Mittelalter-Gedöns wegkommt. 🙂 Alternativ würde ich mich mit Sophie Turner oder Jennifer Lawrence aber auch zufrieden geben…

Man darf gespannt sein…

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 10 von 10 Punkten

Stil: 9,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ostfriesen-Killer“ von Klaus-Peter Wolf.

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