„Tiefe Narbe“ von Arno Strobel – Rasanter Auftakt

Buch: „Tiefe Narbe“ (2017)

Autor: Arno Strobel

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 364 Seiten

Der Autor: Arno Strobel ist ein 1962 in Saarlouis geborener deutscher Schriftsteller. Strobel studierte Versorgungstechnik und Informationstechnologie und war einige Jahre als IT-Unternehmensberater tätig. Anschließend arbeitete er in Luxemburg im Bereich Internet und Intranet bei einer großen deutschen Bank.

Strobel begann als eine Art Spätberufener erst mit fast 40 Jahren mit dem Schreiben, er schrieb Kurzgeschichten für Internetforen. Diese fanden immer häufiger den Weg in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien,  so reifte der Entschluss, einen ersten Roman zu schreiben.

Nachdem er von den zwanzig größten Verlagen Deutschlands ausschließlich Absagen bekam, gründete Strobel mit zwei Freunden trotzig einen Verlag und verlegte seinen Erstlingsroman „Magus – Dir Bruderschaft“ in einer Auflage von 1.000 Stück selbst. Durch glückliche Fügung gelangte er damit schließlich doch in das Visier der Verlage und entschied sich im Jahr 2014, hauptberuflich als Autor tätig zu sein.

Strobel veröffentlichte bisher 12 Bücher, dazu zwei Jugendbücher und eine Reihe Kurzgeschichten.

Der Autor lebt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Trier.

Das Buch: Auf dem Düsseldorfer Polizeipräsidium taucht ein über und über mit Blut verschmutzter Mann auf. Er kann sich nicht erinnern, was ihm seit dem Vorabend passiert ist. Schnell ist einerseits geklärt, dass es sich bei ihm um den Journalisten Harry Passeck handelt und andererseits, dass es sich bei dem Blut nicht um sein eigenes handelt, sondern um das der seit zwei Jahren verschwundenen Schauspielerin Dagmar Martiny.

Hat Passeck die junge Frau ermordet? Und wenn ja, wo hat Dagmar Martiny die letzten zwei Jahre gesteckt?

Max Bischoff, ein junger Kriminalbeamter, der noch recht neu bei der Mordkommission ist, und sein erfahrener Kollege Horst Böhmer beginnen mit den Ermittlungen.

Als kurz darauf eine zweite Frauenleiche am Rheinufer gefunden wird, ist für die Ermittler klar, dass dieser Fall wesentlich schwieriger zu lösen sein wird, als anfangs gedacht.

Fazit: Vor ein paar Jahren las ich Strobels Buch „Das Skript“ – und muss gestehen, dass ich es wirklich grenzwertig widerlich fand. Gerne hätte ich dem Autor damals die Frage gestellt, mit der sich Sebastian Fitzek nach eigener Aussage so häufig konfrontiert sieht, nämlich: „Wie muss man drauf sein, um so etwas zu schreiben?“

Aber nach Abstand von einigen Jahren dachte ich, ich könnte doch mal wieder zugreifen. Und ich muss zugeben, dass ich über weite Strecken positiv überrascht war. Wenn man mal von einer Ausnahme absieht, zu der ich später komme.

Strobel erzählt die Geschehnisse, indem er abwechselnd die Ermittlungen beschreibt und dazwischen in kursiv geschriebenen Kapiteln die Gedankenwelt des Täters wiedergibt. Diese Vorgehensweise transportiert die Spannung sehr gut, auch wenn die kursiven Kapitel schon nach kurzer Zeit für deutliches Unwohlsein meinerseits sorgten… Ebenso wie die Erzählweise überzeugt der Stil des Buches. In diesem Zusammenhang sind die, meiner Meinung nach, wirklich sehr gut gelungenen Dialoge besonders hervorzuheben.

Auch an das Ermittlerduo Bischoff und Böhmer hatte ich mich sehr schnell gewöhnt. Die Konstellation aus Neuling und Veteran wird von Strobel gut umgesetzt. Der junge Max Bischoff musste sich im Zuge seiner Ausbildung mit einer Reihe moderner Ermittlungsmethoden befassen, über die sich Böhmer regelmäßig abfällig und belustigt äußert. Er, Böhmer, verlässt sich da eher auf Dinge wie Instinkt und Spürnase. Die diesbezüglichen verbalen Scharmützel verwendet Strobel glücklicherweise just ab dem Moment seltener, als sie begannen, mir ein wenig auf den Geist zu gehen. Lediglich über die Hintergrundgeschichte der beiden Kriminalbeamten hätte ich gerne noch ein wenig mehr erfahren, auch wenn es hier bei Max Bischoff durchaus schon erste Einblicke gibt. Da der Autor aus den Erlebnissen von Bischoff allerdings eine Trilogie macht, erfährt der Leser in den folgenden Büchern hier sicher mehr.

Auch hinsichtlich der Handlung habe ich wenig auszusetzen. „Tiefe Narbe“ ist hochspannend und temporeich, lediglich das Ende kommt für mich ein wenig zu abrupt. Zwar springt Bischoff jetzt nicht plötzlich drei Seiten vor Schluss mit einem „Heureka“ aus der Badewanne, um anschließend nackt auf die Staße zu rennen und den bösen kursiv denkenden Menschen zur Strecke zu bringen, dennoch hätte sich der Autor hier vielleicht ein wenig mehr Zeit nehmen können. Das ist allerdings Leiden auf recht hohem Niveau.

Das einzige Manko des Buches ist rein persönlicher Natur. So wie „Das Skript“ fand ich eben auch „Tiefe Narbe“ grenzwertig widerlich! Das ist aber sicherlich Geschmackssache. Ich würde mir halt mal wieder ein Buch im Thriller-Genre wünschen, in dem die Mordopfer nicht auf möglichst blutige und ekelhafte Weise vom Leben zum Tode befördert werden. Da muss es doch Alternativen geben. Warum wird ein Mordopfer nicht mal mit einem Mähdrescher… – blödes Beispiel. Na dann eben, was ist denn aus dem guten, alten Giftmord à la Agatha Christie geworden? So etwas scheint heute nicht mehr spektakulär genung zu sein, stattdessen muss es blutig und eklig zugehen. Aber wie gesagt, das ist Geschmackssache.

Wer damit, im Gegensatz zu mir, eher kein Problem hat, und wer vielleicht ohnehin schon Bücher von Strobel mit Freude gelesen hat, der kann auch mit „Tiefe Narbe“ nichts verkehrt machen!

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 9 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Berg“ von Dan Simmons. Momentan bin ich bei Seite 166 dieses 766 Seiten starken Wälzers angelangt. Man könnte also sagen, ich habe es gerade erst ins erste Basislager am Fuße des Berges geschafft. Das könnte also noch ein Weilchen dauern. 😉

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17 Kommentare zu „„Tiefe Narbe“ von Arno Strobel – Rasanter Auftakt

  1. Hm, Psychothriller a la Fitzek, Strobel und Co. mit Agatha Christie zu vergleichen, ist ein wenig wie Äpfel mit Birnen. Zwar ist alles Obst bzw. Krimi/Thriller, aber Agatha Christie Romane sind ja nun keine Psychothriller. Ich denke, die Blutorgie ist vom Subgenre fast schon vorgegeben – wäre es nämlich „nur“ ein Giftmord (oder wahlweise auch mehrere) wäre es eben ein Krimi. Der Standardleser von Psychothrillern würde bei einem Giftmord vermutlich nur gähnen und der/die Autor*in müsste üble Schmäh über sich ergehen lassen, weil er „sein/ihr“ Genre nicht bedient.

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    1. Also, wenn eine mittelschwere Blutorgie heutzutage Grundbestandteil des Psychothriller-Genres ist, bin ich in diesem Genre vielleicht einfach verkehrt. 😉 Mir fallen auch einige Bücher ein, die ich durchaus diesem Genre zuordnen würde, die aber vergleichsweise unblutig sind, bspw. Fitzeks „Die Therapie“ oder „Sie“ von King.

      Bei Psychothriller erwarte ich eben eine Art psychologischer Spannung, die nicht von einem übertriebenen Gewaltgrad abhängt. Aber davon scheint sich das Genre mittlerweile weg zu bewegen und hin zu Büchern, die sich in erster Linie durch Blut- und Gewaltorgien auszeichnen und durch nichts sonst. Ich finde das schade!

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      1. Stimmt schon – Spannung kann auch psychologisch ausgeklügelt dargestellt werden, leider ist das nicht mehr oft so im Genre „Psychothriller“ oder auch im allgemeinen Genre „Thriller“. Agatha Christie würde ich da aber trotzdem nicht drin sehen.
        Vielleicht wäre ja das Hardboiled / Noir Genre etwas für Dich? Spannend und hart, aber nicht so blutig. Vielleicht willste da ja mal reinschnuppern?

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    1. Das sehe ich auch so! Neben den erschreckenden Bildern, mit denen man in der Tagesschau konfrontiert wird, brauche ich dann nicht auch noch die nur um des Effektes Willen verwendeten, erschreckenden Bilder, von denen ein Schriftsteller meint, sie in meinem Kopf entstehen lassen zu müssen.

      Zumal es durchaus praktikable Alternativen gäbe, um sich psychisch abzuregen. 😉

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  2. Also definitiv keine Lektüre für mich. Mein Kopfkino ist leider zu ausgeprägt. Wobei ich so eine dumpfe Ahnung habe,dass ich Besitzerin zumindest eines seiner Bücher ungelesen in meiner Bibliothek stehen… Sollte ich wohl als Geschenk verwenden.

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  3. Nee, tut mir Leid, da muss ich Dir völlig Recht geben: Ich hab die Schnauze auch voll von zu viel Blutgespritze. Schon allein die Innenschau in die Gedanken der Durchgeknallten darf für mich nicht zu viel Raum einnehmen – da hab ich auch keine Lust mehr drauf … Meinen Dank!

    Gefällt 2 Personen

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