„Teufelsgold“ von Andreas Eschbach – Literarisches Pyrit?

Buch: „Teufelsgold“ (2016)

Autor: Andreas Eschbach

Verlag: Lübbe

Ausgabe: Gebunden, 510 Seiten

Der Autor: Andreas Eschbach, 1959 in Ulm geboren, ist ein deutscher Bestseller-Autor. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik, wechselte aber noch vor seinem Abschluss in die EDV-Branche und war von 1993 bis 1996 geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.

Bereits während dieser Tätigkeit widmete sich Eschbach der Schriftstellerei. Eine wirklich gute Entscheidung! 1995 erschien sein erster Roman “Die Haarteppichknüpfer”, der mit dem Literaturpreis des Science Fiction-Clubs Deutschland ausgezeichnet wurde. Spätestens mit dem 1998 erschienenen Bestseller “Das Jesus Video” konnte sich der Autor ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren und veröffentlicht seitdem in schöner Regelmäßigkeit weitere Bestseller.

Seit 2003 lebt Eschbach mit seiner Frau in der Bretagne.

Bis 2007 war er über viele Jahre leitender Referent bei Schreibseminaren. Einen Überblick über die ihm während dieser Tätigkeit am häufigsten gestellten Fragen – natürlich inklusive der Antworten – sowie weitere generelle Tipps zum Schreiben finden sich übrigens auf seiner Homepage, was ich persönlich sehr spannend finde. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, literarisch tätig zu werden, sollte dort nachschauen. Die Tipps eines Bestsellerautors können nicht die schlechtesten sein. 😉

Das Buch: Hendrik Busske arbeitet als Banker für WCM Trust und hält Seminare zum Thema Anlageberatung. Vor einem dieser Termine besucht Hendrik ein Antiquariat. Dort gerät ihm ein Buch in die Hände, das unter anderem eine Geschichte über Alchemie und den Stein der Weisen enthält.

Inspiriert von diesem Buch, schwafelt Hendrik beim gemeinsamen Abendessen mit den Seminarteilnehmern etwas von Alchemie. Überraschenderweise sind die Teilnehmer derartig begeistert, dass Hendrik eine Idee ins Auge fasst und später in die Tat umsetzt: Er macht sich mit eigenen Seminaren unter dem Motto „Alchemie des Reichtums“ selbständig und verdient damit selbst sehr viel Geld.

Und er beschäftigt sich auch weiter mit Alchemie und dem Stein der Weisen. Dadurch gerät er mit ganz besonderen Personenkreisen in Kontakt, so zum Beispiel mit einem Schlossbesitzer, der selbst Alchemist ist und zu Hendriks Förderer wird. Immer intensiver befasst sich Hendrik mit der Thematik, findet weitere Bücher, die die Geschichte des oben genannten Buches fortführen und Hinweise darauf geben, dass der Stein der Weisen tatsächlich existiert und weit mehr kann, als unedle Metalle in Gold zu verwandeln. „Er ist des Schlüssel zu einer anderen Daseinsform, einer Welt der Vollkommenheit, einer Ektase jeglicher Vorstellungskraft.“ (Klappentext)

Als durch archäologische Funde eine erste wirklich ernst zu nehmende Spur zum Stein der Weisen auftaucht, macht sich Hendrik auf die Suche danach. Aber er und sein Mentor sind nicht die Einzigen, die des Steins habhaft werden wollen.

Fazit: Wer mich näher kennt oder meinen Blog seit längerer Zeit aufmerksam verfolgt, der weiß vielleicht, dass ich die Bücher von Andreas Eschbach sehr gerne mag. Und das ist noch eine maßlose Untertreibung! Daher habe ich mir auch „Teufelsgold“ quasi reflexhaft gekauft, ohne mich auch nur im Ansatz damit zu beschäftigen, worum es dabei eigentlich geht. Erst als ich mir später zu Hause die Zeit nahm, mir den Klappentext genauer durchzulesen, kam mir spontan ein altes „Star Wars“-Zitat in den Kopf: „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl!“

Warum? Nun, wenn ein Bestseller-Autor heutzutage ein Buch zum Thema „Stein der Weisen“ schreibt, dann ist das, meiner bescheidenen Meinung nach, ungefähr so, als würde ein bisher ernst zu nehmender Student der Geschichtswissenschaften sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, seine Magisterarbeit doch tatsächlich zum Thema „Der Schatz der Templer“ zu schreiben. In beiden Fällen sollte man eines tun: Man sollte ihm abraten!

Während das Thema „Der Schatz der Templer“ noch nie wirklich für eine brauchbare Magisterarbeit getaugt hat, so ist der „Stein der Weisen“ als Sujet in der Literatur, nach meinem subjektiven Empfinden, seit irgendwann in den 90ern arg ausgenudelt!

Schrieb ich „Magisterarbeit“? Ich meinte natürlich „Bachelor“ oder „Master“ oder wie dieser sinnlos angeglichene neumodische Kram diese innovativen Studiengänge mittlerweile heißen. Ich werde alt! Egal, zurück zum Thema.

Wenn man sich also dennoch dieses Themas annimmt, dann macht man es idealerweise auf eine Art, die sich irgendwie von Anderen abhebt. Und eben das gelingt Andreas Eschbach in diesem Fall nicht. Dabei klingt das jetzt, wie so häufig, negativer als es eigentlich gemeint ist, denn vieles richtig macht Herr Eschbach eben auch.

In der Rezension zu einem seiner anderen Bücher schrieb ich über Eschbachs Stil sinngemäß, dass ich diesbezüglich noch nie etwas zu meckern gehabt habe. Und das gilt im vorliegenden Fall auch. Mit seiner Art zu erzählen, hielt mich der Autor lange in der Geschichte, in der Hoffnung, da käme dann bald mal was. Bisweilen driftet „Teufelsgold“ sprachlich zwar an der einen oder anderen Stelle arg ins Umgangssprachliche ab, aber das sei verziehen. Schließlich ist „Teufelsgold“ ja keine Magisterarbeit, oder wie das heißt…

Auch im Bereich das Charaktere kann ich Herrn Eschbach wenig vorwerfen. Hendrik Busske macht im Laufe der Handlung eine Verwandlung kafkaesken Ausmaßes durch, die sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben ist. Hinsichtlich der kafkaesken Verwandlung mag es Zufall sein, dass es auf Seite 389 heißt „Sein Mund fühlte sich staubig an. Seltsam. Ein Geschmack, als habe er versehentlich auf einen Käfer gebissen.“, es mag aber auch gewollt sein. Vielleicht interpretiere ich in diesem Satz auch einfach nur zuviel hinein. 😉

So weit, so gut also. Eigentlich! Denn, angelehnt an den schönen Satz: „Im Volksparkstadion ist die Stimmung super, aber dann spielt da der HSV !“, könnte ich in diesem Zusammenhang sagen: „“Teufelsgold“ könnte ein total tolles Buch sein, aber dann ist da diese Handlung!“ Denn die vermag mich ausnahmsweise mal so gar nicht zu begeistern.

Vielleicht bin ich ja aufgrund meines ganz miesen Gefühl etwas voreingenommen an die Lektüre herangegangen. Aber das wäre nicht das erste Mal, und oft konnten mich die Bücher dennoch überzeugen. „Teufelsgold“ kann das nicht. Es hat so seine Momente, ja. Es hat aber Handlungselemente, die in einer täglichen Seifenoper (ja, ich vermeide Anglizismen) besser aufgehoben wären, als in einem Eschbach-Roman. Und dann ist da dieses Ende, das… ich ja leider nicht genauer beschreiben kann, aber das, nun ja, also, ich möchte mal sagen, es bewegt sich irgendwo zwischen Kubrick und Pilcher. Was auch immer ihr mit dieser Information jetzt anfangt. 😉

Letztlich ist „Teufelsgold“ ein gut geschriebenes Buch mit einem überzeugenden Protagonisten, dessen Handlung jedoch den Anschein erweckt, als wäre sie eher für ein kürzeres Werk gedacht gewesen. Denn über 500 Seiten trägt sie einfach nicht.

Die Tatsache, dass der Roman auf ein Manuskript aus dem Jahr 1997 zurückgeht, gibt auch Anlass für Spekulationen. Möglicherweise hat sich die Entstehungsgeschichte von „Teufelsgold“ daher auch so abgespielt:

„Yo, Andreas, ich bin´s, Dein Agent! Du weißt schon, der Typ, den Du bezahlst, damit er Dich daran erinnert, dass Du mal wieder ein Buch schreiben musst! Nun, um es kurz zu machen: Du musst mal wieder ein Buch schreiben! Der Verlag gibt Dir drei Monate“

„Wie denn? Was denn? Schon? Ich dachte, nächstes Jahr!? Tja, ich habe gerade leider so gar keine Idee…“

„Hmmm, hast Du nicht noch irgendwas Altes, was Du bearbeiten kannst?“

„Nja, ich hab hier noch irgendwo ein Manuskript für eine Novelle aus dem Jahr 1997…“

„Prima, nimm das!“

Der langen Rede kurzer Sinn: Es tut wirklich, wirklich leid, Herr Eschbach, wirklich, aber diesmal bin ich doch enttäuscht! Trotzdem wird mich nichts davon abhalten, Ihr nächstes Buch wieder reflexartig zu kaufen, ohne mich groß darum zu kümmern, worum es eigentlich darin geht!“ 😉

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Angstmann“ von Frank Goldammer.

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10 Kommentare zu „„Teufelsgold“ von Andreas Eschbach – Literarisches Pyrit?

    1. Vielen, lieben Dank!

      Gute Entscheidung! Also, den Nichtkauf des Buches meine ich. Von Eschbach gibt es sehr viel bessere Bücher!

      Was den Verzehr des Bernsteinzimmers angeht, so habe ich dabei allerdings so meine leisen Befürchtungen, ob das dem menschlichen Körper nicht doch in irgendeiner Weise abträglich sein könnte… Ich harre in atemloser Spannung auf einen entsprechenden Erlebnisbericht! 😉

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    1. Herzlichen Dank!

      Ja, da isser wieder! Technisch gesehen war er gestern schon wieder da. 😉 Tja, es ist immer das selbe: Man hat ein paar Wochen frei, nimmt sich vor, viele Bücher zu lesen, genau so viele Rezensionen zu schreiben und außerdem die Festplatte ein wenig leerer zu daddeln. Und geschafft hat man von diesem Vorhaben letztlich: Nichts! 😉

      Viel Vergnügen beim Schreiben der Doktorarbeit. Das Ergebnis würde mich ja wirklich interessieren. 🙂

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  1. Ich habe das Buch gelesen, mir gefällt es sehr gut. Wahrscheinlich liegt es an meiner Liebe zu Sience Fiction und Fantasy im Allgemeinen. Es ist wahrlich nicht das einzige Buch, das ich von ihm gelesen habe. Für mich ein typischer Eschbach.
    Ich könnte mir vorstellen, dass nach ein paar Büchern desselben Autors eine Art Gewöhnung eintritt und die Unvoreingenommenheit darunter leidet.
    Gerade deine Rezension würde mich aber zum Lesen verführen! 🙂

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    1. Vielen, herzlichen Dank!

      Ich habe ja auch einen kleinen Hang zur Science Fiction und einen sehr großen zur Fantasy, und ich habe auch fast alle Bücher von Eschbach gelesen, aber trotzdem wurde ich mit „Teufelsgold“ nicht warm.

      Aber die Geschmäcker sind ja glücklicherweise verschieden! 😉

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  2. Katzengold, ja, herrliche Überschrift. Mir geht’s bei Eschbach ähnlich: Immer wieder haut er Bücher raus, die ich nicht toll finde, dann aber wieder richtig gute Sachen. „Teufelsgold“ lag irgendwo im unteren Bereich, ohne dass ich sagen könnte: Ich hatte keinen Spaß beim Lesen. Den hatte ich schon, ich fand den, hm, merkwürdigen Schluss eigentlich auch ganz passend zu dieser Märchenstory. Meinen Dank für die Rezi!

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    1. Vielen herzlichen Dank! Tja, also für mich war der merkwürdige Schluss irgendwie von allem zu viel.

      Übrigens gebe ich bei aller Bescheidenheit zu, die Überschrift selbst auch kurz gefeiert zu haben! 😉

      Nun ist mir allerdings nicht mehr nach Feiern zumute: Irgendwie hat WordPress meine Sparkline gefressen, also das Balkendiagramm, das die Aufrufe der letzten 48 Stunden anzeigt und das immer am oberen Bildschirmrand neben „Reader“ auftauchte. Also, bis eben jedenfalls… Keine Ahnung, wo das Problem liegt, aber es ist ärgerlich! 😉

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