„Der Jesus-Deal“ von Andreas Eschbach – Nichts für Hypochonder und Ungeduldige

Buch: „Der Jesus-Deal“ (2016)

Autor: Andreas Eschbach

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 724 Seiten

Der Autor: Andreas Eschbach, 1959 in Ulm geboren, ist ein deutscher Bestseller-Autor. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik, wechselte aber noch vor seinem Abschluss in die EDV-Branche und war von 1993 bis 1996 geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.

Bereits während dieser Tätigkeit widmete sich Eschbach der Schriftstellerei. Eine wirklich gute Entscheidung! 1995 erschien sein erster Roman “Die Haarteppichknüpfer”, der mit dem Literaturpreis des Science Fiction-Clubs Deutschland ausgezeichnet wurde. Spätestens mit dem 1998 erschienenen Bestseller “Das Jesus Video” konnte sich der Autor ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren und veröffentlicht seitdem in schöner Regelmäßigkeit weitere Bestseller. Nun erschien mit „Der Jesus-Deal“ die langersehnte Fortsetzung von „Das Jesus-Video“.

Seit 2003 lebt Eschbach mit seiner Frau in der Bretagne.

Bis 2007 war er über viele Jahre leitender Referent bei Schreibseminaren. Einen Überblick über die ihm während dieser Tätigkeit am häufigsten gestellten Fragen – natürlich inklusive der Antworten – sowie weitere generelle Tipps zum Schreiben finden sich übrigens auf seiner Homepage, was ich persönlich sehr spannend finde. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, literarisch tätig zu werden, sollte dort nachschauen. Die Tipps eines Bestsellerautors können nicht die schlechtesten sein.😉

Das Buch: Samuel Barron ist Unternehmer, Milliardär und dennoch weitgehend unbekannt. Er versucht, in den Klatschspalten der Regenbogenpresse ebenso wenig aufzutauchen wie in den Listen der reichsten Menschen der Welt. Barron ist außerdem christlicher Fundamentalist, für den der Text der Bibel das Maß aller Dinge und die Grundlage jeglichen Handelns darstellt.

So erzieht er auch seine beiden Söhne Isaak und Michael.

Vor Jahrzehnten hatte Barron ein Erlebnis, das sich nur dadurch erklären lässt, dass Zeitreisen geundsätzlich möglich sind. Durch seine Beschäftigung mit diesem Thema erfährt Barron auch von den Geschehnissen rund um „Das Jesus-Video„. Daraufhin entwickelt er einen tollkühnen Plan: Er will mit Hilfe eines loyalen Wissenschaftlers selbst eine Zeitmaschine entwickeln und ein Team junger Leute, darunter seinen jüngeren Sohn Michael, in die Vergangenheit – genauer: in die Zeit Jesu – reisen lassen. Ziel dieser Reise ist, Jesus nach dessen Auferstehung mit in die Gegenwart zu nehmen, um die Worte der Offenbarung des Johannes hinsichtlich Jesu Wiederkunft zu erfüllen.  Allerdings müssen verschiedene Voraussetzungen dafür erfüllt sein, unter anderem Armageddon! Aber auch dafür hat Samuel Barron bereits einen Plan.

Fazit: In meiner letzten Rezension habe ich mich unter anderem leidvoll über das alte Problem mit Fortsetzungen beklagt, nämlich, dass sie qualitativ selten bis nie an das Original heranreichen. In diesem Zusammenhang hat mir eine ganz zauberhafte Person den Tipp gegeben, den Versuch zu unternehmen, eine Fortsetzung als einzelnes Buch ohne Bezug zum Vorgänger zu sehen und so zu bewerten, als gäbe es diesen Vorgänger nicht. Unabhängig davon, dass ich mich zu dieser Betrachtungsweise nicht imstande sehe, hätte dieses Vorgehen der Bewertung von „Der Jesus-Deal“ nicht gut getan.

Die Geschichte beginnt, wie im Klappentext versprochen, an der Stelle, an der „Das Jesus-Video“ aufhört. Und tatsächlich schadet es zum Verständnis des Buches nicht, wenn man den Vorgänger bereits gelesen hat. An vielen Stellen lebte die Spannung des Buches aus meiner Sicht sogar davon, dass ich die Geschehnisse des Vorgängers kannte und mich fragte, wann, um alles in der Welt, Andreas Eschbach denn gedenkt, darauf Bezug zu nehmen. Denn anstelle von Bezug nimmt sich Eschbach zu Beginn des Buches Zeit – viel Zeit!

Die Handlung teilt sich zu Beginn in zwei Stränge auf. Im ersten erfährt der Leser detailiert etwas über das Leben der Familie Barron und über den religiösen Fundamentalismus, der in Teilen der US-amerikanischen Bevölkerung herrscht – und auch über den beängstigenden politischen Einfluss, den dieser Fundamentalismus dort hat, Stichwort „Intelligent Design“ im Schulunterricht. Gerade der Bereich, der sich mit Religion beschäftigt, ist dabei noch recht interessant zu lesen. Leider überwiegt hinsichtlich des Umfangs die Schilderung der Familie Barron, weshalb dieser Teil des Buches vor allem eines ist, nämlich deutlich zu lang.

Und dann wäre da ja noch der zweite Handlungsstrang, in dem der Leser etwas über das Leben des ehemaligen Medienmoguls und einem der Protagonisten aus „Das Jesus-Video“ John Kaun erfährt und dessen neuer Familie. Und auch dort zeichnet sich die Beschreibung der Ereignisse vor allem durch ihre unnötige Länge aus.

Darüber hinaus fehlt es der ersten Hälfte des Buches durch die detailierte Schilderung der Barrons und der Kauns vor allem an wirklicher Spannung. Dieses fehlende Element hat Eschbach durch Emotionen, Drama und Schicksalsschläge ersetzt. Gefühlt jede zweite Hauptfigur ist schwer krank, da trifft man auf Herzinfarkt-Patienten, auf Hepatitis, auf HIV-Infizierte und auf ein an Leukämie erkranktes fünf Jahre altes Mädchen. Das ist in der Fülle nicht ganz einfach zu ertragen und die erste Hälfte des Buches ist auch nichts für Leser, die, wenn sie etwas über eine bestimmte Erkrankung hören, sehen oder lesen, sofort davon überzeugt sind, selbst entsprechende Symptome aufzuweisen.

Irgendwann muss Herrn Eschbach beim Schreiben die Erkenntnis gekommen sein: „So wird das nix!“ Denn der Roman nimmt in der zweiten Hälfte, kurz bevor er in pilchereske Dimensionen abgleitet, deutlich an Fahrt auf und verdient sich auch endlich die Bezeichnung „Thriller“.

Wäre das ganze Buch so, wie die zweite Hälfte, dann wäre es hervorragend! Denn abseits der Handlung macht der Autor eigentlich alles richtig. Die aus dem Vorgänger bereits bekannten Charaktere wie John Kaun oder Stephen Foxx – der übrigens auf dem Klappentext im zweiten Satz erwähnt wird, in der Handlung aber erstmals auf Seite 461 auftaucht (!) – werden überzeugend weiterentwickelt, neue Charaktere wie Samuel Barron mit seiner fundamentalistischen Einstellung sowie sein von Zweifeln geplagter Sohn Michael werden ebenso überzeugend gezeichnet.

Stilistisch habe ich bei den Büchern Eschbachs noch nie etwas zu meckern gehabt, und so ist das auch hier.

Wenn, ja wenn, man die erste Hälfte des Buches deutlich eingedampft hätte, dann wäre  ein wirklich spannendes, actiongeladenes, temporeiches Buch dabei herausgekommen. Da die zweite Hälfte allerdings für vieles entschädigt, kann ich Eschbach-Lesern „Der Jesus-Deal“ immer noch guten  Gewissens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Psychiater“ von John Katzenbach.

 

 

 

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Ein Kommentar zu „„Der Jesus-Deal“ von Andreas Eschbach – Nichts für Hypochonder und Ungeduldige

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