„Ein Buchladen zum Verlieben“ von Katarina Bivald – In einer kleinen Stadt

Buch: „Ein Buchladen zum Verlieben“ (2014)

Autorin: Katarina Bivald

Verlag: btb

Ausgabe: Taschenbuch, 446 Seiten

Die Autorin: Katarina Bivald ist eine schwedische Autorin. Sie war zehn Jahre lang in einer Buchhandlung tätig, bevor sie 2013 ihr erstes Buch „Ein Buchladen zum Verlieben“ veröffentlichte, das mittlerweile in 25 Ländern erschienen ist.

Sie lebt mit ihrer Schwester und unzähligen Bücherregalen zusammen in Stockholm.

Mehr Informationen über die junge Autorin gab auch der schwedische Wikipedia-Eintrag nicht her – schätze ich, denn mein schwedisch ist relativ überschaubar…

Das Buch: Sara Lindquist ist 27 Jahre alt, Schwedin und derzeit arbeitslose Buchhändlerin. Sie hat eine rege Brieffreundschaft mit der 65 Jahre alten Amerikanerin Amy Harris aus Broken Wheel, Iowa, USA.

In einem ihrer Briefe lädt Amy Sara zu einem Besuch bei sich ein. Also kratzt die junge Frau ihr Erspartes zusammen und macht sich auf in die USA. Dort angekommen erhält sie gleich schlechte Nachrichten: Amy ist in der Zwischenzeit verstorben. Da Sara nicht weiß, wo sie nun hin soll, ermuntern sie die Bewohner des heruntergekommenen Städtchens Broken Wheel, doch einfach in Amys Haus zu wohnen.

Im Laufe der folgenden Wochen lernt sie Stadt und Leute näher kennen. Und sie fasst einen Entschluss,denn: Broken Wheel fehlt ein Buchladen! Sie bringt die alten Geschäftsräume, die sich noch in Amys Besitz befinden, auf Vordermann, bestückt sie mit Tausenden Büchern aus Amys Privatbeständen und eröffnet das Geschäft.

Weitere Wochen später hat sich Sara in Broken Wheel gut eingelebt. Und auch die Bewohner des Städtchens haben sie ins Herz geschlossen. Nur leider läuft Saras Visum bald ab. Um Sara den dauerhaften Aufenthalt in ihrer Stadt zu ermöglichen, greifen die Einwohner von Broken Wheel zu ungewöhnlichen Mitteln…

Fazit: Eigentlich greife ich bei Büchern, deren Titel das Wort „Buchhandlung“ oder „Buchladen“ beinhalten, reflexartig zu und verschiebe rationales Denken auf später. Bei Büchern, die die Formulierung „zum Verlieben“ beinhalten, greife ich entschieden seltener zu. Daher befand ich mich hier beim Buchkauf in der Zwickmühle. Letztlich verschob ich das Denken, wie üblich, auf später und griff zu.

Erst später – als halt eben das Denken einsetzte – wurde mir bewusst, dass auf der Vorder- und Rückseite des Buches Textauszüge von Rezensionen der Zeitschriften „Femina“ und „emotion“ zu lesen waren. Unmittelbar auf diese Erkenntnis folgte das diffuse Gefühl, dass ich jetzt vielleicht nicht so unbedingt zu Katarina Bivalds Zielgruppe gehöre…

Das befürchtete „Was-tue-ich-mir-denn-da-an?“ blieb allerdings zu meiner Überraschung glücklicherweise weitgehend aus. Dennoch wird mir „Ein Buchladen zum Verlieben“ nicht länger als unbedingt nötig im Gedächtnis bleiben, also ziemlich genau bis zum Ende dieser Rezension. Zu viele Dinge stören mich dann doch.

So ist die Handlung der 446 Seiten insgesamt doch arg überschaubar. Sara eröffnet halt ihren Laden, freundet sich mit Land und Leuten an, hat eine Romanze, selbst die schicksalshafte Wendung, mit der die Protagonistin sich in solchen Büchern für gewöhnlich konfrontiert sieht, fällt recht unaufgeregt aus. Auch die zwei, drei Nebenhandlungen sind nicht sonderlich komplex. Darüber hinaus gibt es immer mal wieder Stellen über die man einfach nicht nachdenken sollte, so z.B. über das wirtschaftliche Gefüge der Stadt. Da wird z.B. erwähnt, dass ein Ladenbesitzer praktisch nie seine Angelruten verkauft, aber dafür müsse er ja auch nie nachbestellen und habe dementsprechend niedrige Kosten. o.O Ja, das mag sein, dennoch bleiben die Umsätze bei diesem innovativen Geschäftsmodell ebenfalls bei null, was die Deckung der üblichen Lebenshaltungskosten doch enorm erschweren dürfte…

Stilistisch bietet Bivalds Erstlingsroman ebenfalls leichte Kost, was aber wiederum gut zur Handlung passt. Wenn man eine seichte, humorvolle Geschichte lesen möchte, dann möchte man wohl kaum mit Proustschem Stil belästigt werden.

In erster Linie kann der Roman mit seinen Charakteren und seinem Handlungsrahmen punkten. Die Ansammlung teils skurriler Kleinstadtbewohner hat ihren eigenen Charme, sei es die erzkonservative Caroline, die eine Art moralischer Instanz der Stadt darstellt, quasi die Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Oder Grace, die Inhaberin des örtlichen Diners, die eine Kirche während des Gottesdienstes schon mal angetrunken und mit einer Schrotflinte betritt. Und auch wenn einige Charaktere, beispielweise Tom – oben erwähnte Romanze – in sich nicht immer ganz logisch und nachvollziehbar dargestellt sind, hat „Ein Buchladen zum Verlieben“ hier eindeutig seine Stärke.

Eine weitere Stärke sind die Passagen, in denen Sara über Autoren und deren Bücher sowie über die Literatur im Allgemeinen spricht. Nicht, dass Katarina Bivald ihre Protagonistin an diesen Stellen irgendwelche revolutionären Erkenntnisse verbreiten lässt – dass Dan Brown z.B. seit Jahren eigentlich das selbe Buch nur mit wechselndem Titel schreibt, ist mir auch klar – aber man kann als Leser dadurch vielleicht die eine oder andere Anregung bekommen, welches Buch oder welche Autorin bzw. Autor man mal nachholen sollte.

Ein bisschen verströmt „Ein Buchladen zum Verlieben“ mit seiner Stadt Broken Wheel und den Bewohnern den gemütlichen Charme einer Folge „Gilmore Girls“ und Stars Hollow. (Jedenfalls bevor man aus Alexis Bledels Rolle diese furchterregende, nervtötende „Nein-ich-kann-nicht-auf-die-geilste-Party-des-Jahrhunderts-auf-der-sich-alle-Studenten-der-USA-befinden-und-sich-bewusstlos-trinken-gehen-weil-ich-lernen-muss-Yale-Streber-Studentin“ gemacht hat)

Kurz: Man nehme die alte Sat 1-Soap „Verliebt in Berlin“, addiere „Gilmore Girls“, füge „Der Pferdeflüsterer“ hinzu, subtrahiere die Pferde und addiere einen Buchladen – fertig ist „Ein Buchladen zum Verlieben“. Wäre das Buch vor 10 Jahren erschienen, hätte ich auf eine Verfilmung mit Sandra Bullock und Hugh Grant gewettet. Wer meint, dass ihm oder ihr diese Mischung zusagen könnte, der kann bedenkenlos zugreifen. Alle anderen lassen es lieber sein.

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Spektrum“ von Sergej Lukianenko. Science-Fiction.

 

 

 

8 Kommentare zu „„Ein Buchladen zum Verlieben“ von Katarina Bivald – In einer kleinen Stadt

  1. Also diese mathematische Formel am Ende des Beitrags muss ich mir merken! Einfach köstlich! Und sehr originell! Musste echt lachen. Ich habe auch dieses Buch schon gelesen, ist allerdings länger her – aber ich stimme deiner Rezension auch zu. Und deine Formel definiert es ganz genau! Laaaach… Herrlich!!

    Ich fühle mich durch Buchtitel über Buchläden oder Bücher auch generell angezogen und greife auch immer wieder zu! Ich kann es einfach nicht lassen!

    Hast du schon mal dieses Buch gelesen: „Die Buchliebhaberin“ von Tom Petsinis ?
    Mir hat es recht gut gefallen – ich habe zwei Links zur Rezension mit Zitaten aus dem Buch (der 2. Link) gefunden und poste sie hier, falls du Interesse für das Buch haben solltest:

    https://literaturschock.de/literatur/belletristik/gegenwartsliteratur/die-buchliebhaberin
    http://www.buecherlei.de/fab/autor/np/petsinis.htm

    Was mir noch gut gefiel:

    „Das Haus der vergessenen Bücher“ von Christopher Morley
    „Bücherwahn“ von Gustave Flaubert
    „Die Überlebensbibliothek“ von Rainer Moritz (mit sehr vielen Buchtipps, ich stöbere immer wieder sporadisch darin)
    „Risiken und Nebenwirkungen“ von Enrique Vila-Matas (noch nicht gelesen)

    Deinen Blog habe ich übrigens über eine Verlinkung im Blog von Andreas Kückl gefunden https://andreaskueckleselust.com/2019/01/16/du-dein-blog/ 😊

    Auf Andreas‘ Blog bin ich über Reni’s Blog bei den Kommentaren zum Beitrag: Bin ich büchersüchtig? (https://renisbooks.wordpress.com/2019/04/01/bin-ich-buechersuechtig/) gestoßen, weil ich dort meinen ursprünglichen Kommentar zum Reni`s Beitrag mit einer heutigen Entdeckung ergänzen wollte. Ich hatte übrigens keine Ahnung gehabt, dass meine Definition (Büchersüchtig) über unser Leseverhalten (Reni, ich und noch viele andere Bücherwürmer) so eine Runde machen würde, denn Andreas Kückl hat gleich nach Reni auch einen Beitrag diesbezüglich verfasst 😉.

    Dein Blog gefällt mir sehr gut, ich werde mal ein paar Buchtipps von dir holen, ergo öfters hier vorbeischauen; du hast hier irrsinnig viel auf Lager!! Für mich sind die Bücher in der Kategorie „Roman“ interessant. Fantasy geht für mich gar nicht und Krimis, Thriller eher nicht – ja, früher, da las ich diese noch eher und gar nicht so wenig davon. Aber nicht nur Menschen, auch Geschmäcke ändern sich mit der Zeit, und das ist gut so!

    LG Sella

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    1. Ach, wo fange ich denn da mit Antworten an …? :-)

      Zunächst mal vielen lieben Dank fürs Lesen. Und fürs Folgen natürlich. Und fürs Lob allgemein, das tut meinem Ego erstaunlich gut. ;-)

      „Die Bücherliebhaberin“ sagt mir persönlich jetzt erst mal nichts. Anhand der Textstellen – danke auch dafür – würde ich spontan sagen, dass mich der Stil jetzt nicht unbedingt umhaut, aber vielleicht schaue ich es mir ja mal an.

      Die anderen Tipps passen da wohl besser, die schaue ich mir definitiv mal an.

      Das Thema „Bücher in Büchern“ ist generell nur selten ausreichend, um ohne weiteres Nachdenken zuzugreifen. Und trotzdem tue ich es. :-) Dabei kann man dann Glück haben und so etwas wie Markus Zusaks „Die Bücherdiebin“ bekommen oder man hat eher Pech und gerät an „Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra“ von Robin Sloan.

      Freut mich wenn Dich mein, nennen wir es mal Portfolio, dazu bewegt, öfter hier reinzuschauen. Dass ich so „irsinnig viel auf Lager“ – danke auch dafür – habe, liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich das schon eine ganze Weile mache.

      Und ja, Du hast ganz Recht, der Geschmack ändert sich im Laufe der Zeit. Was Fantasy angeht, so gab es beispielsweise eine Zeit vor und nach Stephenie Meyer. Spoiler: Vorher war besser! ;-) Seitdem lese ich auch vergleichsweise weniger Fantasy.

      Für Thriller gilt das in ähnlicher Form, die sind mit heute oft zu blutrünstig und unnötig gewallttätig geworden.

      Aber hey, es gibt jedes Jahr x-tausend Neuerscheinungen, da sollte auch bei verändertem Lesegeschmack das Passende dabei sein.

      LG
      Frank

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      1. Hallo Frank,
        vielen Dank für deine ausführliche Antwort – es hat mich sehr gefreut!
        Ja, so ist es – bei dieser Flut von neuen Büchern von Jahr zu Jahr fühlt man sich regelrecht überfordert! Mein SUB wächst und wächst … dabei schreibe ich auch noch so gerne, was heißt gerne, ich liebe das Schreiben, deshalb auch mein Blog. Das Komische ist auch: wenn ich lese, dann möchte ich schreiben, weil mich gerad etwas in dem Buch inspiriert hat; und wenn ich schreibe, dann möchte ich augenblicklich lesen! Tja, beides gleichzeitig geht leider nicht! Manchmal habe ich das Gefühl, vom Tatendrang innerlich zerrissen zu werden 😊!

        Aufgrund so vieler Bücher, Bücherblogs, Lyrik-Blogs denke ich oft: Wer soll das alles lesen? Und vor allem wann? Der Tag mit nur 24 Stunden ist mir einfach zu wenig! Schlaf wird sowieso überbewertet! Müssen auch 6 Stunden ausreichen, dann hat man mehr Zeit zu lesen! Ich liebe Worte, ich liebe Bücher, ich liebe das Schreiben – ohne geht es gar nicht. Ich brauche die Worte, wie Brot und Wasser. Sonst würde ich verdursten, verhungern! So, jetzt ist es raus! 😀

        Liebe Grüße
        Sella

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