„Das Lied des Blutes – Rabenschatten 1“ von Anthony Ryan – Und wieder eine Trilogie…

Buch: „Das Lied des Blutes – Rabenschatten 1“

Autor: Anthony Ryan

Verlag: Klett-Cotta

Ausgabe: Gebunden, 774 Seiten

Der Autor: Anthony Ryan ist ein 1970 in Schottland geborener Autor. Er war lange Zeit im öffentlichen Dienst tätig, bevor er durch den Erfolg seines Buches „Das Lied des Blutes“ die Gelegenheit bekam, sich vollständig aufs Schreiben zu konzentrieren. Neben Fantasy-Romanen schreibt Ryan auch Science-Fiction-Bücher sowie Sachbücher.

Sehr viel mehr Informationen über den britischen Schriftsteller schein auch sein deutscher Verlag nicht zu haben. Wer sich intensiver mir Ryan und seinen Büchern auseinandersetzen möchte, dem sei seine Website empfohlen.

Das Buch: Vaelin Al Sorna ist der Sohn des Kriegsherrn seiner Majestät König Janus, Herrscher über die Vereinigten Königslande. Der König plant, ihn später mit seiner Tochter, Prinzessin Lyrna, zu verheiraten.

Doch Vaelins Vater, der Kriegsherr, hat andere Pläne. Im Alter von 10 Jahren wird der Junge in die Obhut des 6. Ordens übergeben. Während sich die anderen Orden z.B. mit der Heilkunst oder der Frage nach dem „Dunklen“ – andere würden es Magie nennen – beschäftigen, ist es die Aufgabe des 6. Ordens, die Königslande gegen die Feinde des Glaubens zu verteidigen.

Vaelin und seine „Brüder“ werden daher einer harten und entbehrungsreichen Ausbildung unterzogen, an dessen Ende sie alle zu fähigen Kämpfern geworden sein sollen – zumindest die, die diese Ausbildung überleben.

Nach seiner Ausbildung – Vaelin hat sich mittlerweile einen gewissen Ruhm im Umland erarbeitet – gelingt es König Janus dennoch, den Ordensbruder mittels umfangreicher Intrigen in seine Dienste zu bekommen. Vaelin wird geadelt, er wird ein „Schwert des Königs“, bekommt ein eigenes miltärisches Kommando und einen Auftrag: Er soll an einem großen Feldzug der Vereinigten Königslande gegen das Alpiranische Kaiserreich teilnehmen.

Dort bekommt er die Gelegenheit, sich intensiver mit dem „Lied des Blutes“ zu beschäftigen, eine Fähigkeit, mit der er schon zu Zeiten seiner Ausbildung erste Erfahrung gemacht hat und die man als eine Art übersinnlicher Wahrnehmung beschreiben könnte. Vaelin möchte die Ursache des Liedes erfahren. Ist vielleicht der geheimnisumwitterte 7. Orden dafür verantwortlich, der eigentlich bereits vor Jahrhunderten aufgelöst wurde, aber im Geheimen angeblich weiter existierte?

Vaelin Al Sorna versucht einerseits, Licht ins Dunkel rund um die Stimme des Blutes zu bekommen und andererseits, den Kampf gegen das übermächtige Heer des Kaiserreichs zu gewinnen – oder wenigstens zu überleben.

Fazit: Fantasy-Bücher haben in den allermeisten Fällen eine Gemeinsamkeit: Es gibt sie in mindestens 3 Teilen, manchmal auch in 4, 6, 9, 10 oder 12! Das birgt mindestens zwei Probleme. Das erste ist ganz banaler, weil finanzieller Natur: Sollte ich das Verlangen haben, mir alle 3 Teile von Anthony Ryans „Rabenschatten“-Trilogie in gebundener Version kaufen zu wollen – und sei es nur, weil es im Bücherregal so hübsch aussieht – dann kostet mich das satte 75,- €! Das finde ich dann schon ein bisschen happig! Dafür überlässt mir der Diogenes Verlag schon die Hälfte von Bernhard Schlinks Belletristik-Gesamtwerk in der Taschenbuchversion – was im Übrigen weder eine Werbung für den genannten Verlag noch den besagten Schriftsteller sein soll, sondern lediglich ein Beispiel. Tja, lesen als Hobby sollte keine Frage des Geldes sein, aber machen wir uns nichts vor: Manchmal ist es das doch!

Für mich als Rezensenten sorgt die Aufteilung in mehrere Teile aber noch für ein ganz anderes Problem. Wenn ich die gesamte Trilogie rezensiere, erzähle ich möglicherweise zuviel von der Handlung, rezensiere ich nur den ersten Teil, kann ich möglicherweise nicht genug von der Handlung erzählen, schließlich ist sie dann noch nicht abgeschlossen, klingt vielleicht langweilig und weist – wie im vorliegenden Fall – allerlei lose Fäden auf, die im nächsten Teil hoffentlich wieder aufgegriffen und weitergesponnen werden. Aber da niemand gesagt hat, dass das Leben als Rezensent ein einfaches wäre, versuche ich mich trotzdem mal an einer Beurteilung von Anthony Ryans Trilogie-Auftakt.

Die Handlung hat neben dem eingangs beschriebenen noch einige Nebenhandlungsstränge – die unvermeidliche Romanze habe ich z.B. einfach mal nicht erwähnt – und weiß von vorne bis hinten durchgehend zu unterhalten. Gut, zu Beginn des Buches wird recht ausführlich die Ausbildung Vaelins im Orden erläutert – was mich als Laien ohne diesbezügliche Kenntnisse ganz leicht an Harry Potter erinnerte. Nur ohne Quidditch und Muggels, dafür aber in brutal! Aber auch schon in diesem Teil des Buches weiß der Autor mit der einen oder anderen Idee zu überzeugen, die den Leser über das ganze Buch begleiten wird.

Und zum Ende des Buches wird das „Lied des Blutes“ thematisch wirklich ein wenig überstrapaziert. Ja, es ist für den ersten Teil auch namensgebend, aber trotzdem…

Die Charaktere in Ryans Erstling sind erfeulich gut gezeichnet. Vaelin ist zwar ein begnadeter und durch das Lied des Blutes nahezu unkaputtbarer Kämpfer, aber auch ihm gelingt nicht alles, auch er muss manchmal einsehen, nur Spielball der Mächtigen zu sein und seinem Schicksal nicht entfliehen zu können. Dazu kommen der ein oder andere Charakter, über den man seine Meinung im Laufe der Handlung gänzlich revidieren muss. Je weiter man allerdings in den Bereich der Nebencharaktere hineinkommt, umso schwieriger wird es. Während es bei Vaelins fünf Mitbrüdern noch relativ einfach fällt, sie auseinanderzuhalten, wird das bei einigen Adligen schon schwieriger. Des öfteren hatte ich ein Gefühl von „Wer-war-das-noch-gleich?“. Hätte ich den „Anhang I – dramatis personnae“ am Ende des Buches nicht erst ca. ab Seite 700 entdeckt, hätte ich damit weniger Schwierigkeiten gehabt… Aber ich habe halt die komische Angewohnheit, Bücher von vorne anzufangen, so! 😉

Auch stilistisch kann man Ryan wenig vorwerfen. Mein Eindruck war, dass er sich anfangs noch zwischendurch Zeit für längere Sätze nimmt und gegen Ende, als die „Action“ deutlich anzieht und die Zeitsprünge zwischen den Kapiteln häufiger werden, auch den Stil anpasst. Sollte es tatsächlich so sein, ist ihm das gut gelungen. Sollte das nur mein persönliches Empfinden sein, gefällt es mit trotzdem. 😉

Abschließend kann man sagen, dass mit „Das Lied des Blutes“ ein guter Einstieg in die „Rabenschatten-Trilogie“ gelungen ist und ich mich zeitnah aufmachen werde, um den zweiten Teil in meinen Besitz zu bringen. Im August erscheint dann Teil drei. Dann bin ich um eine hoffentlich gleichbleibend gute Trilogie, die sich super in meinem Bücherragel macht, reicher – und um ca. 75,- € ärmer…

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8 ,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Vergiftet“ von Thomas Enger. Ein norwegischer Krimi.

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4 Kommentare zu „„Das Lied des Blutes – Rabenschatten 1“ von Anthony Ryan – Und wieder eine Trilogie…

  1. Wie stets sehr schön und trefflich formuliert; ich kann Dir nur in allen Belangen zustimmen. Mittlerweile bin ich beim dritten Band und muss sagen, dass die Trilogeritis wieder nervt: Zwei und Drei werden noch sehr viel brutaler, unendlich viele Schlachten – zwei Teile hätten definitiv ausgereicht. Außerdem steigt die Zahl der Personen noch um ein Vielfaches an – wirklich nichts für Leseweicheier: Das muss man schon sehr zügig durchlesen, sonst weiß man nit mehr wer was und wieso … Bin gespannt auf Deine Nachfolgerezis!

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  2. Wer liest denn schon Bücher von vorn nach hinten? Gott, du bist so oldschool, dass der iPod (der große weiße, der nur Musik spielen kann) neben dir modern ist. 😆
    Aber ehrlich gesagt, macht mir „Öffentliche Dienst Fantasy“ irgendwie Angst. Das klingt verstörend. Harry Potter in Paragraphenform.

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    1. iPod, pfff…, mein letzes tragbares Gerät zum Musik abspielen war ein Walkman! Und die Rückspultaste war kaputt! Wollte man ein Lied zwei mal hören, musste man die Kassette umdrehen und zurückspulen, jawohl! Wir hatten ja nichts…! 😉 Also, ja, ich BIN oldschool! 🙂

      Das mit dem öffentlichen Dienst hat mich auch verstört! 🙂

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