„Die Unglückseligen“ – von Thea Dorn – Das Leben ist der Güter höchstes nicht

Buch: „Die Unglückseligen“ (2016)

Autorin: Thea Dorn

Verlag: Knaus

Ausgabe: Gebunden, 552 Seiten

Die Autorin: Theo Dorn, 1970 in Offenbach geboren, ist eine deutsche Autorin und Fernsehmoderatorin. Nach ihrem Abitur in Frankfurt folgte ein Studium der Philosophie und Theaterwissenschaft in Frankfurt, Wien und Berlin. Nach ihrem Magister in Philosophie wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin bevor sie am Schauspielhaus Hannover tätig war.

Neben ihrer literarischen Karriere arbeitet Dorn auch für das Fernsehen und ist seit 2003 regelmäßig als Moderatorin zu sehen, so unter anderem in der Sendung „Literatur im Foyer“.

Neben Krimis gehören auch Essays, Sachbücher, Theaterstücke und Drehbücher zu ihren Werken.

Das Buch: Johanna Mawet ist Molekularbiologin und befasst sich beruflich mit der Erforschung der Unsterblichkeit von Zellen. Aufgrund der diesbezüglichen gesetzlichen Einschränkungen in Deutschland, forscht Johanna mehrere Monate im Jahr an einem Institut in den USA.

Bei einem dieser Aufenthalte lernt sie einen seltsamen Mann unbestimmbaren Alters kennen. Dieser Mann behauptet von sich, der Pysiker Johann Wilhelm Ritter zu sein. Das einzige Problem an dieser Behauptung: Der Physiker Ritter wurde im Jahre 1776 geboren und starb bereits 1810! Doch nimmer nicht sei er tot, behauptet der seltsame Mann. Seit 240 Jahren wandele er auf Gottes weiter Erde.

Johanna tut all das als Spinnerei ab. Letztlich mehren sich aber die Hinweise, dass Ritters Äußerungen vielleicht doch nicht ganz aus der Luft gegriffen sind. Sie lässt Ritters DNA untersuchen. Und das Ergebnis verschlägt ihr die Sprache. Mit dieser DNA-Analyse und Ritters Hilfe will sie der Unsterblichkeit des Physikers auf den Grund gehen.

Fazit: Wohlan nun, und nimmer nicht verzagt, itzo gilt´s, zu schreiben ein paar Zeilen zu diesem veritablen Stück Literatur!

Einige Zeit ist´s her, seit ich in einem Geräte, das vielerorts TV genannt, der Autorin Thea Dorn angesichtig wurde, die mit einem gewissen Herrn Denis Scheck auf´s Angenehmste über ihr neuestes Werk parlierte.Welch glücklich Fügung!  Gewiss war´s von da an, dass auch ich früher oder später dieses Buch musst lesen!

Frau Dorns dramatis personae erzählen die Handlung aus dreierlei unterschiedlicher Sicht in dreierlei unterschiedlichen Idiomen. Zum Einen das der Johanna Mawet, das wohl heut´gen Gepflogenheit angepasst. Zum Anderen das des Johann Wilhelm Ritter, welches ans 18. Jahrhundert eher gemahnt, und dessen Verwendung ich mich in diesen Zeilen so unvollkommen zu befleißigen versuche. Frau Dorn möge mir die ungeheure Anmaßung – die keine sein soll – verzeihen. Lediglich versuche ich auf diese – wiewohl verglichen unbeholfene – Art, dem Leser aufzuzeigen, dass „Die Ünglückseligen“ nichts für ihn, wenn er oder sie sich schon sieht außerstand, auch nur den meinen Zeilen zu folgen! Wenn dem so sei, geneigter Leser, dann lass umgehend ab von diesem Werke. So Du aber gewillt sein solltest, Frau Dorn, Johanna Mawet und dem Ritter durch diese Sprachlandschaft zu folgen, so sei willkommen, es wird Dein Schaden nicht sein!

Dem kund´gen Leser nicht verborgen ward geblieben, dass oben angeführte Handlung an das Werk „Faust“ des großen Goethen gemahnt. So fügt sich denn auch erwähntes drittes Idiom ein: die diesbezügliche Person beliebt, sich einer Art Versmaß zu bedienen, welches teils nah an dem verwendeten des großen Frankfurters bzw. Weimarers.

Doch noch immer ist nimmer nicht genug gesagt über die Sprache, derer sich Thea Dorn auf so virtuose Art bedient. Nimmer gab´s derart´ge Vielfalt der Sprache denn in diesem Buch. Der englischen Sprache gar muss der Leser kundig sein, auch Latein zu beherrschen, würde sein Schaden nicht sein. Ebenso der bayerischen sowie pfälzischen Mundart Kenntnisse sind vonnöten, möchte man der Handlung vollumfänglich folgen. Ich, als Leser, wage das auf bescheid´ne Art zu kritisieren, dürfte das Beschriebene in summa doch weite Teile der Leserschaft eher von der Lektüre abhalten.

Nun, werte Leserschaft, verlassen wir das weite Feld der Sprache. Wenden wir unseren Blick auf Johanna und ihren Ritter und dieser beiden Glückes Geschick. Johanna sucht, was Ritter längst gefunden, doch schon lange Zeit verflucht. Durch beider unterschiedlicher Ansicht zum Tode ergeben sich gar zu erquickliche Dispute philosphischer Natur, deren genaue Betrachtung Freude macht. Aus dem Blicke ihrer unterschiedlichen Ansichten ward ein jeder einer persönlichen Entwicklung unterworfen, die dem kund´gen Leser nicht vollkommen überraschend ankommt, wiewohl sie dadurch aber zu großen Teilen nachvollziehbar bleibt. Lediglich des Ritters deutlich hervortretende Weltfremdheit erscheint verfehlt, wird doch ein Mensch der seit 240 Jahren auf Gottes weiter Erde wandelt – so abgeschieden er das auch tun mag – doch sicherlich Kunde davon haben, was es mit den Geräten mit dem angebiss´nen Apfel auf sich hat.

Wenden wir uns abschließend den Geschehnissen um Johanna und ihren Ritter zu. Des großen Goethen „Faust“-Thema nimmt sich Frau Dorn auf gar liebevolle Art an, sodass sie immer wieder den Leser zu überraschen vermag, wiewohl die Richtung, wie das Ganze vermöcht verlaufen, eigentlich doch recht klar sein mag. „Die Unglückseligen“ dürft auch Leser moderner  Zeiten gar nimmer nicht langweilen!

Mit dieser Erkenntnis verlasse ich das sprachliche Dickicht, in das ich mich unbedachterweise begeben und verfalle wieder in gewöhnlichere Töne!

Also, in der Kurzversion könnte man sagen, dass Thea Dorn einen sprachlich höchst anspruchsvollen, virtuos formulierten Roman geschrieben hat – ich hoffe, ich konnte das schon bis hierhin irgendwie deutlich machen, sonst war die ganze Mühe umsonst -, der der Frage nach der möglichen Unsterblichkeit, des Sinns oder Unsinns der Existenz des Todes nachgeht. Die beiden Protagonisten disputieren über dieses Thema häufiger, dabei fällt auf, dass Frau Dorn sich einer eigenen Meinung enthält. Die erwähnten Streitgespräche gewinnt also niemand, sie dienen lediglich als Meinungsaustausch.

Wer sich letztlich an der gewählten Sprache nicht stört, dem kann ich „Die Unglückseligen“ nur empfehlen. Bezüglich der besagten gewählten Sprache gebührt Frau Dorn übrigens mein größter Respekt. Sobald man versucht, ähnlich zu formulieren, stellt man fest: Das ist erstens gar nicht so einfach, und mir deshalb zweitens – verglichen mit meinem eigenen Anspruch – auch nur unbefriedigend gelungen! Chapeau, Frau Dorn!:-)

Bei diesem Buch bietet es sich wie sonst nur selten an, die Rezension mit meinem Lieblingszitat zu beschließen, in dem Ritter sagt:

„Wie wollt ihr je lieben“, fragte er so leise, dass Johanna ihn kaum hören konnte. „Wie wollt ihr je lieben, wenn ihr ewiglich an euch selbst genug habt?“

Wertung

Handlung: 9,0 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Charaktere: 9,0 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwerung: 9 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Geschichte der Baltimores“ von Joel Dicker.

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6 Kommentare zu „„Die Unglückseligen“ – von Thea Dorn – Das Leben ist der Güter höchstes nicht

  1. Habt Dank edler Wolf, auf dass Ihr dieses Werk nicht mit Euren Zähnen zerreißen möget, sodass ich es hienieden beizeiten verschlingen möge. Nicht mit dem Munde, sondern mit den Sehwerkzeugen, von welchen mir der gnädige Gott zweie in seiner wohlwollendsten Güte hat zukommen lassen.

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    1. Seid bedankt, getreuer Freund! Mich dünkt, dass jenes Werk ein gar trefflich Plaisir für Euch zu sein vermag. Und seid ebenfalls bedankt für das gerüttet Maß an Zeit, welches Ihr der Lektüre meiner unwürdigen Schriften zukommen ließet!

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