„Dark Zero“ von Douglas Preston – Auf der Suche nach den Spuren von Stanley Kubrick

Buch: „Dark Zero“ (2015)

Autor: Douglas Preston

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 475 Seiten

Der Autor: Douglas Preston, geboren 1956 in Cambridge, Massachusetts, ist ein amerikanischer Autor. Vor seinem Studium der englischen Literatur studierte er in Kalifornien bereits Astronomie, Geologie, Chemie, Anthropologie, Physik, Biologie und Mathematik. Nun ja…

Neben einer Anstellung in einem Museum übte Preston eine Lehrtätigkeit in Princeton aus. In besagtem Museum lernte er Lincoln Child kennen. Seither sind die beiden als Autorenduo weltbekannt und haben zusammen über 20 Bücher verfasst, weitere 12 verfasste Preston allein.

Das Buch: Die NASA plant eine Mission zum Saturnmond Titan. Dort soll eine Raumsonde zur Erkundung des Trabanten eingesetzt werden. Das KI-Programm zur Steuerung der Sonde wurde von einem vielköpfigen Progammierer-Team unter der Leitung von Melissa Shepard erstellt. Melissa nennt das Programm liebevoll „Dorothy“. Bei „Dorothy“ handelt es sich um eine sogenannte „starke KI“, die selbständig in der Lage ist zu lernen, Situationen zu erfassen und so etwas wie Emotionen zu entwickeln.

Bei einem abschließenden Test der mit „Dorothy“ ausgestatteten Raumsonde kommt es jedoch zu einem folgenschweren Unfall: Als die Sonde durch einen Greifarm aus dem mit flüssigem Methan gefüllten Testbehälter entfernt werden soll, fasst die KI das als Angriff auf, schaltet in den Verteidigungsmodus, und die Sonde versucht, sich aus dem Behälter zu schneiden. Das Ergebnis ist eine gigantische Explosion, bei der sieben NASA-Mitarbeiter zu Tode kommen.

Für „Dorothy“ bedeutet es jedoch nicht das Ende. Die KI hat sich unmittelbar vor der Katastrophe ins Internet gerettet. Und von dort aus macht sie Jagd auf ihre Schöpferin Melissa.

Fazit: Im englischen Original heißt das Buch „The Kraken Project“. Was lag da näher, als es für die deutsche Übersetzung mit einem vollkommen schwachsinnigen und dazu noch englischen Alternativtitel auszustatten!? Aber über Übersetzungen von Buchtiteln aus dem Englischen habe ich mich schon so oft aufgeregt, dass ich das an dieser Stelle einfach mal sein lasse.

Ich habe schon andere Bücher von Douglas Preston gelesen, was mich zu der Vermutung brachte, ich könne mit „Dark Zero“ nichts falsch machen. Ich konnte, denn zu viele Dinge in diesem Buch wirken einfach nicht „rund“.

Am wenigsten auszusetzen habe ich noch am Stil des Buches, der eher einfach gehalten ist. Bei einem Actionthriller erwarte ich allerdings auch nichts anderes. Bei „Terminator“ reicht schließlich auch: „I´ll be back!“,  da erwarte ich von einem KI-Programm wie „Dorothy“ jetzt auch nicht, dass es darüber sinniert „obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden, oder sich waffnend gegen eine Seele von Plagen , durch Widerstand sie enden?“ – Obwohl das auf eine merkwürdige Art passend gewesen wäre, wie mir gerade auffällt…

Bei den Charakteren jedoch, da überfällt mich dann schon eher das große Gruseln. Melissa Shepards persönlicher Hintergrund wird nur kurz beleuchtet. Ganze 15 Zeilen liegen zwischen der Information, dass sie in ihrer Jugend „Autoradios geklaut“ hatte, „um Drogen zu kaufen“ und  ihrem „Magister in Computerwissenschaft am Cornell-College“. Das muss als Beschreibung reichen. Dazu sieht sie auch noch umwerfend aus, kann reiten, Tiere erlegen, ist Bergsteigerin und was nicht sonst noch alles. Absolut glaubhaft!

Wyman Ford, ihr Begleiter – und eigentlich von der Regierung beauftragt, die auf der Flucht vor „Dorothy“ befindliche Melissa wieder einzufangen – passt sehr gut zu ihr. Auch er ist ohne Fehl und Tadel, und auch über ihn erfährt man praktisch nichts.

Dazu kommt noch der vierzehnjährige Jakob, der einfach nur fürchterlich nervig ist und der der Handlung einen Schuss „E.T.“ verleiht, den diese weder gebraucht, noch irgendwie vedient hätte.

Eine Beschreibung der pösen, pösen Antagonisten würde nicht besser klingen, also lasse ich die einfach mal weg.

Auch die Handlung hat Schwächen und/oder Logiklücken. Ich bin im Informatikbereich wahrlich nicht besonders bewandert. Aber ein paar mehr Informationen, wie Melissa es nun geschafft hat, diese „starke KI“ zu programmieren, hätte der Glaubwürdigkeit der Handlung wirklich geholfen. Frank Schätzing hätte sich dazu etwas einfallen lassen. Gut, auf 400 zusätzlichen Seiten, aber er hätte sich etwas einfallen lassen. Zugegeben, auch Preston verrät irgendwann Melissas Programmiertrick, die aus einem instabilen Programm die Software „Dorothy“ werden ließ. Aber auch diese Erklärung ist dermaßen kurz und hanebüchen, dass man sie sich dann doch eher getrost ganz hätte sparen können.

Was man sich aber tatsächlich gespart hat, ist die Spannung. Dabei hätte die Ausgangssituation einer durchdrehenden KI im Internet – die gerade mal 2 GB groß ist, auf allen Plattformen lauffähig und jede Firewall überwinden kann – doch durchaus Potential für das eine oder andere Weltuntergangsszenario gehabt. Wer aber nun glaubt, Dorothy würde sich im Verlauf der Handlung damit beschäftigen, den DAX, Dow Jones, Nikkei und Hang Seng ins Bodenlose stürzen zu lassen, nordkoreanische Atomraketen nun doch zum Erstschlag auf die USA abzuschießen oder wenigstens, sich ins Sicherheitssystem des Hauses von Horst Seehofer einzuschleusen, damit dieses Sicherheitssystem den bayerischen Ministerpräsidenten zu unser Aller Wohl einschließt, nein, „Dorothy“ tut nichts dergleichen. „Dorothy“ ist immer nur auf der Flucht. Und Melissa auch. Und Wyman mit ihr. Und Jakob auch irgendwann.

Eine durchdrehende KI lässt Gedanken an Stanley Kubricks Film „2001-Odyssee im Weltraum“ aufkommen. Leider ist „Dark Zero“ vom berühmten Vorbild etwa soweit entfernt wie das Kennedy Space Center vom Saturn. Schade!

Wertung:

Handlung: 4,5 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 3 von 10 Punkten

Spannung: 4 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 4,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Unglücksseligen“ von Thea Dorn.

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2 Kommentare zu „„Dark Zero“ von Douglas Preston – Auf der Suche nach den Spuren von Stanley Kubrick

  1. Lieber fraggle,
    lieben wir nicht alle diese wunderbaren Mary Sues und ihre männlichen Pendants Gary Stue? 😀 Die sind einem immer so sympathisch 😉 Und vor wem fliehen sie alle? Sie fliehen ja quasi alle, aber ist dort auch jemand, der sie jagt oder denken sie nur, sie würden gejagt werden? Und wenn sie das denken, denken sie dann, sie würden von den offensichtlich anderen fliehenden Protagonisten/antagonisten gejagt?
    Hach ja, Fragen, die ich ganz sicher nicht durch das Lesen dieses anscheinend spannenden Romans beantwortet finden werde…da ich ihn mit ziemlicher Gewissheit nicht lesen werde 😉

    Eine schöne Rezension 🙂 Vielen Dank, dass du dich durch dieses Buch gekämpft hast, die Mary Sues und Gary Stues so bravourös hingenommen hast und uns deine Gedanken so wortgewand mitgeteilt hast 🙂 Ich freue mich immer, wenn du eine neue Rezension schreibst ♥

    FY

    Gefällt 1 Person

    1. Hallöchen! 😉

      Ich könnte Dir jetzt erläutern, wer da vor wem warum flieht, dann müsste ich aber weitere Teile der recht belanglosen Handlung erklären und am Ende wäre das Buch immer noch nicht besser! 😉 Überhaupt, das Ende…, dieses Ende, das… ach, ich rege mich nur wieder auf! 😉

      Ich freue mich, wenns Dir gefällt. Genau dafür lohnt es sich, sich mit Mary Sue und Gary Stue auseinanderzusetzen!

      Bis ganz bald, hoffe ich.

      FY

      Gefällt 1 Person

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