„Bittersweet“ von Miranda Beverly-Whittemore – Schönes Cover

Buch: „Bittersweet“ (2015)

Autor: Miranda Beverly-Whittemore

Verlag: Suhrkamp/Insel

Ausgabe: Taschenbuch, 417 Seiten

Die Autorin: Miranda Beverly-Whittemore, geboren 1976, verbrachte als Tochter eines Anthropologen einen Teil ihrer Kindheit in Senegal. Die Familie ließ sich in Vermont nieder, wo ihr Roman „Bittersweet“ verortet ist. 2007 wurde sie mit dem Janet Heidinger Kafka Prize ausgezeichnet. Miranda Beverly-Whittemore lebt mit ihrer Familie in Brooklyn.

(Quelle: Suhrkamp/Insel)

Das Buch: Die junge Mabel hat ein Stipendium an einem Privatcollege bekommen und ist mehr als erleichtert, den Großteil des Jahres von ihrer Familie entfernt zu sein. Mabel teilt sich das Zimmer mit Genevra „Ev“ Winslow, verzogener Spross einer schwerreichen Familie.

Monatelang nimmt Ev keinerlei Notiz von ihrer Zimmernachbarin. Dann erfährt sie, dass sich ihr Cousin Jackson das Leben genommen hat. Mabel steht ihr in ihrer Trauer bei, wodurch sich tatsächlich eine Art Freundschaft zwischen den beiden Mädchen entwickelt. Schließlich wird Mabel von Ev gefragt, ob sie nicht zusammen den Sommer in Winloch,  dem Landsitz der Familie Winslow in Vermont, verbringen wollen. Mabel ist von dem Angebot begeistert.

In Winloch angekommen, lernt sie die verschiedensten Mitglieder der riesigen Familie Winslow kennen, die alle auf dem riesigen Gelände von Winloch in eigenen Cottages wohnen. Für Mabel und ihre Gastgeberin ist das Cottage „Bittersweet“ vorgesehen. Im Laufe des Sommers gewöhnt sie sich an Land und Leute und fühlt sich zunehmend zugehörig.

Dann erfährt sie durch Evs Tante Indo etwas von einem mysteriösen Familiengeheimnis. Indo beauftragt sie, in den umfangreichen Archivunterlagen der Familie Nachforschungen anzustellen. Sollten diese erfolgreich sein, würde Mabel Indos Cottage geschenkt bekommen. Dieses Angebot kann sie nicht ablehnen. Nach einiger Zeit stößt sie tatsächlich auf Informationen die sich nach und nach zusammenfügen und auf ein lange zurück liegendes und peinlich genau gehütetes Geheimnis der Familie Winslow hindeuten…

Fazit: Manchmal streitet sich der emotionale Teil meines Hirns mit dem rationalen Teil, wenn ich in der Buchhandlung bin:

„Oh, wie schön. Was für ein idyllisches Cover! Das Buch nehmen wir mit!“, meldet sich dann der emotionale Teil.

„Hallo?“, antwortet ihm sein Pendant, „das Buch heißt „Bittersweet„, das muss totaaal kitschig sein!“

„Ja, aber,…  aber das Cover…!“, wendet der emotionale Teil ein.

„Ich wiederhole: „Bittersweet“! Und das Cover zeigt einen See mit Steg bei Sonnenuntergang! Ich bitte Dich!“, lässt sich die Rationalität nicht erweichen.

„Ja, aber,…aber das Cover…!“ Auch der emotionale Teil kann wiederholen.

„Ach“, resigniert die Vernunft, wohlwissend, dass sich die Diskussion sonst noch Stunden hinzieht, „dann nehmen wir´s halt mit! Aber komm´ mir nachher nicht und sag´, es hat Dir nicht gefallen!“

Hätte ich doch nur auf die Vernunft gehört…

Das Buch beginnt erschreckend unaufregend und bleibt über einen ziemlich langen Zeitraum auf dieser Linie. Mabel und ihre Freundin Ev sind in Winloch und gehen dort baden, mehrfach,  fahren mit dem Boot, mehrfach, haben belanglose Liebeleien, tun viele andere Dinge die man im Urlaub so tut und sonst passiert eigentlich erstmal nichts.

Zwischen diesen Aktivitäten ergeht sich die Autorin in ausgiebigen Beschreibungen der Schauplätze, der Lichtstimmungen und Ähnlichem . Zwischendurch fühlte ich mich dabei literarisch irgendwo zwischen Emily Bronte und Jane Austen. Es gibt Menschen, denen gefällt so etwas, ich kenne welche, aber mir war das dann doch ein wenig zuviel des Guten.

Auch sonst fand ich „Bittersweet“ teilweise etwas holprig zu lesen. Unnötige Schachtelsätze und teils schwer verständliche Dialoge, bei denen ich des Öfteren dachte:“So redet doch kein Mensch…“ trugen dazu in erster Linie bei. Stilistisch konnte mich das Buch also schon einmal recht wenig überzeugen.

Im Bereich der Charaktere gibt es Licht und Schatten. Die Protagonistin Mabel ist zwar akut unsympathisch, aber vollkommen nachvollziehbar gezeichnet. Als ewige Außenseiterin ist sie, die nun endlich einmal dazugehört, ständig bestrebt, allen nach dem Mund zu reden und dafür zu sorgen, dass sie ihren neuen Status nicht wieder einbüßt. Man muss Mabel nicht mögen, als Charakter kann sie aber überzeugen. Die meisten anderen Charaktere werden allerdings in großer Zahl irgendwie seltsam und verschroben. Das kann so gewollt sein, es trägt nur nicht dazu bei, das „Bittersweet“ für mich zugänglicher wurde.

Die Handlung als solche hat ebenfalls Licht und Schatten. Während, wie eingangs erwähnt, über einen langen Zeitraum wenig bis gar nichts passiert, nimmt das Buch in der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt auf und kann tatsächlich so etwas wie Spannung entwickeln. Leider ist das vielzitierte Familiengeheimnis ziemlich vorhersehbar, spannender war für mich da z.B. die Frage, warum viele der Cottage-Türen in Winloch mit mehreren Sicherheitsschlössern gesichert sind, obwohl die Familie dort doch unter sich ist und keine Bedrohung zu erwarten hat. Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits in einer Art spannender Nebenhandlung eine Mischung aus Robert „Edward Cullen“ Pattinson und dem Saskatchewan (also so eine Art untoter Bigfoot) aus den nahegelegenen Wädern Vermonts den Sommersitz der Familie terrorisieren, wogegen sich diese eben mit einer Unzahl Sicherheitsschlösser zu wehren versucht. Nun, die letztendliche Auflösung beinhaltete nicht Robert Pattinson und war irgendwie wesentlicher unaufregender.

Was bleibt, ist letztlich ein Buch mit einer stimmigen Hauptfigur, aber mit einem Erzählstil, der mit nicht sonderlich gut gefallen hat, eine Handlung, die spät Fahrt aufnimmt, um dann unspektakulär zu verglühen – und die Erkenntnis, sich beim Bücherkauf in Zukunft wieder von seiner rationalen Seite lenken zu lassen.

Aber das Cover, also, das Cover ist wirklich schön!

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Dark Zero“ von Douglas Preston.

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7 Kommentare zu „„Bittersweet“ von Miranda Beverly-Whittemore – Schönes Cover

  1. Also, mir reichen Cover und Buchrücken! 😉 Aber ich verstehe, was Du meinst. Das Leben ist eigentlich zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen, oder welche, die den Leser einfach nicht fesseln.

    Übrigens habe ich gerade beschlossen, „Die fünf Tore“ und „Corpus Delicti“ einer näheren Betrachtung zu utnerziehen. Es geht nichts über Buchtipps am frühen Morgen, danke! 😉

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  2. Ich lese mittlerweile viel zu selten Bücher, sie haben mir tatsächlich zu viele Seiten. Hätte ich früher niemals gedacht. Jetzt lese ich nur noch alle möglichen Blogs. Aber vielleicht finde ich ja hier doch mal wieder ein Buch, dass mich so sehr fesselt wie damals zB Harry Potter 🙂

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    1. Harry Potter…njaaaa,… 😉

      Och, es gibt auch allerlei Bücher, die von der Seitenzahl her überschaubar sind. Spontan fallen mir da die Herren Suter und Schlink ein, die zwar gute, aber nicht zu lange Bücher schreiben.

      Ich absehbarer Zeit habe ich zwar wieder umfangreichere Sachen zu lesen, aber vielleicht ist ja trotzdem etwas für Dich dabei. Fantasy ist demnächst auch mal wieder dran, nur eben nicht Harry Potter! 😉

      Vielen Dank für´s Folgen!

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      1. Harry Potter ist natürlich nur ein Beispiel. Das bekannteste 🙂 Ich habe auch nichts gegen längere Bücher, das Problem ist nur dass mich kaum mehr eines so fesselt wie es früher der Fall war…da gab es Bartimäus, Die Kinder des Dschinn, Die fünf Tore…und…andere, deren Namen mir nicht mehr einfallen 😀

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      2. Zuletzt habe ich was gesellschaftskritisches wie Corpus Delicti gelesen, das ich normalerweise vermutlich nie angefasst hätte, mir im Nachhinein aber sehr stark zugesagt hat! Ich brauche also irgendeinen Anreiz, da reichen Cover und Buchrücken leider meistens nicht aus..^^

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