„Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach – Sehr durchdacht – schätze ich…

Buch: „Das Jesus-Video“ (1998, Ausgabe 2014)

Autor: Andreas Eschbach

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 700 Seiten

Der Autor:  Andreas Eschbach, 1959 in Ulm geboren, ist ein deutscher Bestseller-Autor. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik, wechselte aber noch vor seinem Abschluss in die EDV-Branche und war von 1993 bis 1996 geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.

Bereits während dieser Tätigkeit widmete sich Eschbach der Schriftstellerei. Eine wirklich gute Entscheidung! 1995 erschien sein erster Roman “Die Haarteppichknüpfer”, der mit dem Literaturpreis des Science Fiction-Clubs Deutschland ausgezeichnet wurde. Spätestens mit dem 1998 erschienenen Bestseller “Das Jesus Video” konnte sich der Autor ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren und veröffentlicht seitdem in schöner Regelmäßigkeit weitere Bestseller.

Seit 2003 lebt Eschbach mit seiner Frau in der Bretagne.

Bis 2007 war er über viele Jahre leitender Referent bei Schreibseminaren. Einen Überblick über die ihm während dieser Tätigkeit am häufigsten gestellten Fragen – natürlich inklusive der Antworten – sowie weitere generelle Tipps zum Schreiben finden sich übrigens auf seiner Homepage, was ich persönlich sehr spannend finde. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, literarisch tätig zu werden, sollte dort nachschauen. Die Tipps eines Bestsellerautors können nicht die schlechtesten sein.😉

Das Buch: Stephen Foxx ist einerseits Student und andererseits Softwareentwickler mit gut laufender eigener Firma. Die finanzielle Sicherheit gibt ihm die Gelegenheit, von Zeit zu Zeit zum reinen Vergnügen als Grabungshelfer bei archäologischen Ausgrabungen dabei zu sein, so auch bei der von Prof. Charles Wilton-Smith in Israel.

Dort entdeckt Foxx in Areal 14 in einem aus der Zeit Jesu stammenden Grab das Skelett eines Menschen. Das ist soweit nicht ungewöhnlich, jedoch ist das Gebiss des Toten mit modernen Füllungen versehen und ein Knochenbruch ist offensichtlich nach neuesten Behandlungsmethoden versorgt worden. Dennoch ergeben Untersuchungen eindeutig, dass der Tote zu Zeiten Jesu gestorben sein muss. Und damit noch nicht genug. Neben den sterblichen Überresten findet Foxx einen kleinen Leinenbeutel. Dieser enthält einige beschriebene Seiten Papier, die Foxx an sich nimmt, sowie die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll!

Der Grabungsleiter informiert den Medienmogul John Kaun, der die Ausgrabung finanziert. Kaun wiederum engagiert den Science-Fiction-Autor Peter Eisenhardt, der das Rätsel um den Fund in Areal 14 lösen soll.

Schnell entwickelt sich die Theorie eines Zeitreisenden, der mit seiner Videokamera Aufnahmen in Israel zu Zeiten Jesu gemacht hat. Möglicherweise von Jesus selbst? John Kaun ist sofort entschlossen, die zu der Anleitung gehörenden Kamera zu finden, den Medienhype eines Videos von Jesus persönlich kann und will er sich nicht entgehen lassen.

Stephen Foxx wiederum stellt eigene Nachforschungen an und macht sich, von seiner Kollegin Judith und ihrem Bruder Yehoshua unterstützt, ebenfalls auf die Suche nach der Kamera und dem Video.

Fazit: Trotz der Tatsache, dass ich ziemlich viele Bücher von Eschbach gelesen habe, ging „Das Jesus-Video“ bislang immer an mir vorbei. Zwei Gründe sprachen nun dafür, diese Wissenslücke zu schließen: Erstens fiel es mir als „preisreduziertes Mängelexemplar“ in die Hände. Und zweitens hat Andreas Eschbach mittlerweile – und von mir peinlicherweise völlig unbemerkt –  die Fortsetzung „Der Jesus-Deal“ geschrieben. Nach der Lektüre muss ich nunmehr, wie erwartet, feststellen, dass ich besagte Wissenslücke schon längst hatte schließen sollen!

Apropos Lücken: Wenn man eine Geschichte über Zeitreisen schreibt, dann hat diese Geschichte häufig so viele (Logik-)Lücken und Löcher wie die derzeitige Hintermannschaft von Hannover 96. Und so hatte auch ich den Eindruck, dass an ein oder zwei Stellen irgendwas in logischer Hinsicht nicht ganz passt. Andererseits bin ich im Bereich Logik keine Koryphäe und auch die Zeit als vierte Dimension ist für jemanden, der im Matheunterricht kompetenztechnisch ab der Vektorgeometrie ausgestiegen ist, nur schwer nachvollziehbar. Insofern gehe ich davon aus, dass ich besagte Stellen einfach nicht verstanden habe.

Unabhängig vom Sein oder Nichtsein etwaiger Logiklöcher hat Eschbach einen ausgesprochen spannenden Roman geschrieben. Die Geschichte legt ein ziemliches Tempo an den Tag, trotzdem ist der Autor noch in der Lage, dem Leser interessante Informationen über Israel, historische Begebenheiten und ähnliche Dinge zu vermitteln. Das Besondere an der Handlung ist, dass sich Eschbach nicht vor einem Schluss, den ich mal leicht untertrieben als „zufriedenstellend“ bezeichnen möchte, drückt. Häufig kommt es in Büchern, die Religion und irgendwelche religiösen Artefakte oder Schriften zum Inhalt haben – die laut Klappentext übrigens immerdie katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern“ werden – am Schluss vor, dass besagte Schriften oder besagtes Artefakt, meist durch die Unachtsamkeit irgendeiner Nebenfigur , verloren geht und der Leser nie erfährt, worum es sich dabei denn nun eigentlich gehandelt hat. Hier ist es etwas anders. Mehr verrate ich aber natürlich nicht! 😉

Lediglich eine Sache hat mir an der Handlung allerdings nicht so wirklich gefallen: Da hat John Kaun also einen archäologischen Fund, den er sich nicht so richtig erklären kann. Und wen holt er sich als Experten hinzu? Einen weiteren Archäologen? Einen Astrophysiker? Nein! Einen Science-Fiction-Autor! Also, meine erste Wahl wäre das nicht gewesen…

Wenn man berücksichtigt, dass es sich bei „Das Jesus-Video“ um einen Thriller handelt, muss man darüber hinaus konstatieren, dass sich Andreas Eschbach erfreulich viel Zeit für die Darstellung seiner Charaktere nimmt. Üblicherweise ist das ja nicht unbedingt die Stärke des Thriller-Genres. Besonders bezüglich der beiden Gegenspieler Foxx und Kaun erfährt der Leser relativ viel über den beruflichen und persönlichen Hintergrund.

Stilistisch hatte ich bei Eschbachs Büchern noch nie groß etwas zu kritisieren und habe es auch hier nicht. „Das Jesus-Video“ ist durchgehend flüssig zu lesen. Wenn ich als Leser mal hängenblieb, dann lag das an der Beschreibung des einen oder anderen Zeitparadoxons. Da sind wir dann wieder bei der Logik…

Abschließend sei gesagt: Wer mit den Büchern von Eschbach generell etwas anfangen kann und trotzdem noch nicht „Der Jesus-Deal“ gelesen hat oder wer einmal so etwas wie Michael Crichtons „Timeline“ lesen möchte – nur in gut – dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Deathbook“ von Andreas Winkelmann

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Ein Kommentar zu „„Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach – Sehr durchdacht – schätze ich…

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