„Saubere Verhältnisse“ von Marie Hermanson – Vorstadt-Idyll?

Buch: „Saubere Verhältnisse“ (2005)

Autorin: Marie Hermanson

Verlag: Insel

Ausgabe: Taschenbuch, 243 Seiten

Die Autorin: Marie Hermanson ist eine 1956 in Göteborg geborene schwedische Autorin und Jounalistin. Sie wuchs als Kind eines Lehrer-Ehepaares in Sävedalen nahe Göteborg auf.

Sie besuchte die Journalistenschule und studierte an der Universität Göteborg Literaturwissenschaften und Soziologie. Nach Abschluss ihres Studiums, das sie sich unter anderem durch eine Tätigkeit als Pflegerin in einer psychiatrischen Einrichtung finanzierte, war Hermanson als Journalistin für verschiedene Tageszeitungen tätig.

Ihr erstes literarisches Werk „Es gibt ein Loch in der Wirklichkeit“ mit Erzählungen, die auf skandinavischen Märchen und Mythen als Motiv basieren, erschien bereits 1986. Einer weiteren Leserschaft in Schweden wurde sie mit dem Buch „Die Schmetterlingsfrau“ bekannt, wofür die den schwedischen August-Preis erhielt. Den internationalen Durchbruch erreichte sie 2002 mit „Muschelstrand“.

Hermanson lebt und arbeitet mit ihrem Mann und zwei Kindern in Sävedalen.

Das Buch: Yvonne Gärstrand ist Anfang 40 und eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihr gehört die Consultingfirma „Deine Zeit“, die sich – wie der Name verrät – mit Zeitmanagement beschäftigt und Fortbildungen, Vorträge und Seminare zu diesem Thema anbietet. Die wirkliche Arbeit wird mittlerweile allerdings zu großen Teilen von ihren Mitarbeitern erledigt, so dass sie selbst zu viel Zeit hat.

Auf dem Weg von einem Auswärtstermin bei einem Kunden gibt Yvonnes Auto den Geist auf. Da sie die etwa zwei Stunden, die die Reparatur in Anspruch nimmt, nicht in der schmutzigen Werkstatt verbringen möchte, nutzt sie die Zeit zu einem kleinen Spaziergang. Dabei gerät sie in eine Siedlung des Vorortes, die ihr besonders gut gefällt. Die idyllische Ruhe lenkt sie von ihren sonstigen Schwierigkeiten ab, z.B. der Tatsache, dass ihr Mann ihr notorisch untreu ist.  Nach ihrem kurzen Ausflug fühlt sich Yvonne entspannt und erfrischt.

In der Folgezeit denkt sie immer wieder an ihre entspannende Exkursion zurück. Schließlich gibt sie ihrem Verlangen nach und fährt wieder dorthin, um ziellos durch die Straßen zu wandern. Und wieder. Und wieder. Im Laufe der Zeit weiß sie durch genaue Beobachtung, welche Anwohner zu welchem Haus gehören, wer weg- oder neu zugezogen ist. Bei einem ihrer Ausflüge stößt sie im Orchideenweg auf eine Anzeige an einer Anschlagtafel. Der Bewohner des Hauses Nr. 9, Bernhard Ekberg, sucht eine Hilfe für Haushaltsarbeiten.

Yvonne sieht auf diese Weise die Chance, nicht immer nur einen oberflächlichen Blick in das Leben „ihres“ Vorortes zu bekommen. Einmal nur möchte sie das Haus Nr. 9 betreten. Den ausgeschriebenen Job würde sie natürlich ablehnen.

Aber dann entwickeln sich die Dinge nicht wie gewünscht. Sie nimmt die angebotene Stelle an. Im Laufe der Zeit findet sie heraus, dass irgendetwas im Hause von Bernhard Ekberg nicht stimmt. Wo zum Beispiel ist seine Frau, von der Ekberg behauptet, sie sei verreist, die aber auch Wochen und Monate später nicht wieder auftaucht?

Schließlich findet sich Yvonne in den Verstrickungen eines begangenen Verbechens wieder und versucht, die Hintergründe aufzuklären.

Fazit: Ich habe mich beim Kauf des Buches mal wieder von der Optik leiten lassen, das muss ich zugeben. Auf dem Cover sieht eine dunkelhaarige Frau an einer zugezogenen Gardine vorbei aus einem Fenster. Neben ihr ist ein undefinierbarer Schatten im beleuchteten Raum zu sehen. Das Schriftbild darüber erinnert mich an das aus irgendeiner Fernsehserie, möglicherweise „Charmed“. Oder „Buffy“? Oder „Medical Detectives“? Ich weiß es nicht genau, wenn es mir einfällt, tue ich es kund. Kurz gesagt: das Buch ist schon mal schön gestaltet. Auch die Inhaltsangabe gefiel.

Schon auf den ersten Seiten allerdings stellte sich für mich heraus, dass ich mit dem Stil des Buches nicht sehr gut zurechtkomme. Ich stellte mir spontan die Frage: „Oha, geht das jetzt immer so weiter?“ Nun – ja, das tut es. Dabei kann ich noch nicht mal konkrete Kritik anbringen, was genau mich da jetzt so gestört hat, daher möchte ich das auch nicht überbewerten und als rein subjektives Empfinden abtun, aber angenehm zu lesen war „Saubere Verhältnisse“ für mich eher nicht.

Die Handlung des Buches plätschert in der ersten Hälfte des Buches auch eher so dahin. Das permanente Gefühl des „Kommt da jetzt noch was?“ stellte sich alsbald ein. Gut, ja, da kam noch was, aber so richtig begeistern konnte mich das nicht. Für den Tathergang des oben genannten Verbrechens gibt es eigentlich genau zwei Möglichkeiten. Einmal die im Buch behauptete, und dann eine andere. Und mal ehrlich, haben wir der erstbesten Behauptung in einem Buch hinsichtlich eines Tathergangs jemals geglaubt? Genau, also ist es dann wohl die andere. Auch die „überraschende“ Wendung, die es am Schluss netterweise noch gibt, ist aus meiner eben eher weniger überraschend.

Eine große Stärke hat das Buch aber wenigstens, und das sind seine Charaktere. Yvonne Charakterentwicklung, der Versuch, dem Leser zu verdeutlichen, wie sie zu der wurde, die sie ist, ist gut gelungen. Noch wesentlich besser allerdings gefiel mir der zweite Protagonist Bernhard Ekberg. Konnte ich den Mann anfangs noch nicht so ganz einschätzen, so konnte ich mich später nicht entscheiden, ob ich nun bemitleidenswert oder doch eher verabscheuungswürdig finden sollte. Beides sind jetzt nicht unbedingt erstrebenswerte Charakterzüge.

Letztlich ist „Saubere Verhältnisse“ zwar kein Buch, das mich noch länger beschäftigen wird oder an dessen Handlung ich mich in einem Jahr noch erinnern können werde. Aber als kleine Lektüre für zwischendurch, die man mal eben an einem Samstag Nachmittag lesen kann, eignet sich das Buch trotz aller Schwächen durchaus.

Wertung:

Handlung: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Feinde“ von Simon Rich

Advertisements

Ein Kommentar zu „„Saubere Verhältnisse“ von Marie Hermanson – Vorstadt-Idyll?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s