„Flut der Angst“ von Hannes Nygaard – Mal Ebbe, mal Flut…

Buch: „Flut der Angst“ (2014)

Autor: Hannes Nygaard

Verlag: emons:

Ausgabe: Taschenbuch, 275 Seiten

Der Autor: Hannes Nygaard, 1949 in Hamburg als Rainer Dissars-Nygaard geboren, ist ein deutscher Krimi-Autor.

Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und anschließend ein BWL-Studium. Mehrere Jahrzehnte war Nygaard als Unternehmensberater tätig, bevor er mit dem Schreiben begann.

Bereits 2004 erschien sein erster „Hinterm Deich Krimi“ um das Husumer Ermittlerteam Johannes, Mommsen und Große Jäger bzw. um Lüder Lüders von der Kieler Polizei. Neben den „Hinterm Deich Krimis“ hat Nygaard mittlerweile eine zweite Krimiserie rund um die beim LKA in Hannover tätige Frauke Dobermann begonnen.

Zum zehnjährigen Bestehen der „Hinterm-Deich-Krimis“ erschien als insgesamt 19. Band der mittlerweile zwanzigbändigen Reihe „Flut der Angst“ in dem die Protagonisten aus Husum, Kiel und Hannover zusammen ermitteln.

Der Autor hat nach eigener Aussage sein „halbes Leben in Schleswig-Holstein zugebracht“. Nach einiger Zeit in Münster lebt Nygaard nun auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand.

Das Buch: In Husumer Hafenbecken wird die Leiche eines Mannes entdeckt. Der Tote heißt Maurizio Archetti und war Mitarbeiter bei der EU-Komission in Brüssel. Archetti hielt sich in Husum auf, um mit Gegnern und Befürwortern der Elbvertiefung Gespräche zu führen.

Ungefähr zur selben Zeit wird der eigentlich zu lebenslanger Haft verurteilte Mafioso Dottore Alberto Carretta ermordet. Der Dottore befand sich in einem Boot auf der Oste, in der Nähe von Cuxhaven, als er von Unbekannten erschossen wurde. Bei sich hatte der Mafioso eine Kamera, auf der sich Aufnahmen verschiedenster Containerschiffe befinden.

Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass beide Mordopfer mit der selben Waffe erschossen wurden, dem Scharfschützengewehr M40. Ursprünglich für die US-Marines hergestellt, ist diese Waffe eine eher ungewöhnliche Wahl für einen Doppelmord im beschaulichen Norddeutschland.

Wer ist für den Tod der beiden Männer verantwortlich? Wollte EU-Mann Archetti sich in Brüssel für die Förderung der Elbvertiefung stark machen und wurde dadurch militanten Umweltschützern ein Dorn im Auge? Aber wie passt dann der Mafiaboss ins Bild? Nach intensiven Ermittlungen der Husumer Polizei, ihren Kollegen aus Hannover sowie dem Kieler Lüder Lüders stellt sich heraus, dass die Bedrohung noch weit über die Ermordung Archettis und Carrettas hinausgeht: Unbekannte wollen durch einen Terroranschlag die Elbe blockieren, die Lebensader für den gesamten Norden.

Nun ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Ermittlerteams bei der Suche nach den Drahtziehern des geplanten Anschlags gefordert.

Fazit: Nygaards 19. „Hinter-Deich-Krimi“ wurde mir freundlicherweise von einer wirklich ganz zauberhaften Person zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Irgendwie empfinde ich es allerdings als etwas undankbare Aufgabe, Bücher wie „Flut der Angst“ zu rezensieren. Warum? Ganz einfach: Wenn ich ein Buch richtig schlecht finde, dann gibt es genügend Argumente, mit denen ich meine Meinung – meistens im Rahmen eines launigen Verrisses – kundtun kann. Gefällt mir ein Buch dagegen richtig gut, so habe ich ebenfalls wenig Probleme damit, ausführlich auf die Stärken des Werkes einzugehen und zu erläutern, warum es mir gefällt.

Wenn ein Buch allerdings – so wie in diesem Fall –  für mich zur Kategorie „ganz okay“ gehört, dann wird es schon schwieriger, das plausibel zu begründen. Ich versuche es, wie üblich, dennoch.

Ich habe bereits vor geraumer Zeit das erste halbe Dutzend der „Hinterm Deich Krimis“ gelesen und war davon nicht nur schwer begeistert, sondern halte die Reihe für eine der besten in der deutschen Krimilandschaft, zumindest des mir bekannten Teils besagter Krimilandschaft. Insofern war ich relativ überzeugt davon, dass ich auch von „Flut der Angst“ begeistert sein würde. Doch das war ich leider nicht.

Die frühen Hintern-Deich-Krimis um die Polizisten Johannes, Mommsen und Große Jäger spielten sich größtenteils in und um Husum herum ab und lebten von der typisch norddeutschen Atmosphäre, den bodenständigen Krimihandlungen mit begrenztem Ermittlungsumfeld und den gut getroffenen Charakteren, allen voran Wilderich Große Jäger, eine der skurrilsten und sympathischsten Figuren, die mir beim Lesen je begegnet sind. Diese Krimis vermittelten das gemütliche Gefühl einer Folge „Neues aus Büttenwarder“ – nur eben mit Leichen.

Von dieser Art Erfolgsrezept rückt Nygaard mit seinem Jubiläumskrimi nun deutlich ab. Einmal, indem er das überschaubare Husumer 3-Mann-Team mit den Beamten des LKA Hannover und mit Lüder Lüders zusammenarbeiten lässt. Und zum zweiten, indem er mit der Handlung die Bühne des beschaulichen Städtchens Husum verlässt und sie mehr in Richtung Weltpolitik führt. Das kann man machen! Und in diesen Passagen merkt man auch, wie gut recherchiert dieser Roman ist. Er wirft Fragen auf. Mit welcher Legitimation sitzen eigentlich diese ganzen Leute im EU-Parlament? Wie genau funktionieren die EU-Fördermaßnahmen? Und nicht zuletzt: Wie anfällig ist Deutschland für Terroranschläge der anderen Art?

Hinsichtlich der Handlung, der Charaktere und des Stils kann man zusammenfassend sagen: Die Handlung als solche bietet durchaus eine gewisse Spannung, war aber weit davon entfernt, mich durchgehend zu fesseln. Die mittlerweile liebgewonnen Charaktere dagegen wissen auch in „Flut der Angst“ voll zu überzeugen, lediglich die Dialoge klingen im Vergleich mit den früheren Krimis irgendwie seltsam gezwungen, teilweise albern. Und an die Angewohnheit Nygaards, seine Charaktere mit seltsamen Nachnamen zu versehen (Große Jäger, Dobermann, Putensenf) werde ich mich wohl nie gewöhnen. Abgesehen von den Dialogen ist der Krimi aber gewohnt gut geschrieben.

Letzten Endes scheitert „Flut der Angst“ für mich persönlich ganz klar an den falschen Erwartungen, die ich an das Buch hatte. Daher möchte ich aber auch nicht verschweigen, dass andere Rezensionen wahre Lobhudeleien auf den Krimi ausbringen. Vielleicht liege ich mit meiner Meinung diesmal auch daneben, aber: Ich hätte gerne „mein“ Husum wieder und dazu noch eine ganz „normale“ Mordermittlung! Geht das, Herr Nygaard?

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,25 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Todesengel“ von Andreas Eschbach. Dazu habe ich dann auch wieder mehr zu sagen und die Rezension wird mir leichter fallen. 😉

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