„Oneiros“ von Markus Heitz – No sleep till Brooklyn

Buch: Oneiros (2014)

Autor: Markus Heitz

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 624 Seiten

Der Autor: Markus Heitz ist ein 1971 in Homburg/Saar geborener deutscher Schriftsteller. Nach seinem Abitur an einer katholischen Privatschule und dem anschließenden Wehrdienst, studierte Heitz Germanistik und Geschichte auf Magisterabschluss.

Nach seinem Studium war er als freier Journalist bei der Saarbrücker Zeitung tätig, bevor im Jahr 2003 sein erstes Buch „Die dunkle Zeit – Schatten über Ulldart 1“ erschien. Dafür erhielt Heitz den Deutschen Phantastik-Preis für das beste Romandebüt. Besagten Preis gewann er in verschiedensten Kategorien auch in den Jahren 2005 – 2007 sowie 2009 – 2012.

Seit seinem großen Erfolg mit seinem Buch „Die Zwerge“ ist Heitz ausschließlich als freier Autor tätig.

Das Buch: Konstantin Korff ist einerseits Inhaber eines Bestattungsinstituts und andererseits der renommierteste Thanatologe Europas: Er präpariert Leichen für die Aufbahrung vor Beerdigungen und bringt sie in einen optisch ansprechenden Zustand, damit niemand am offenen Sarg aus den Latschen kippt.

Aber Konstantin ist noch viel mehr als das. Er ist ein sogenannter Todesschläfer. Das sind Menschen, die vom Tod nicht gefunden werden können, sie sind im Grunde unsterblich. Sie verletzen sich normal, erkranken normal, aber der Tod als solcher kann einen Todesschläfer einfach nicht finden.

Von ihnen geht allerdings eine ungeahnte Gefahr aus, da sie unter einem alten Fluch leiden: Schläft ein Todesschläfer ein, so wird dadurch der Tod angelockt. Da dieser den Todesschläfer aber nicht finden kann, beendet Gevatter Tod frustriert jedes erreichbare Leben von Mensch und Tier im Umkreis. So jedenfalls schildert Konstantin seine Vorstellung hinsichtlich der Todesschläfer.

Nach einer Zeit als Söldner in einer der größeren Todesschläfer-Organisationen die sich weltweit gebildet haben, hat Konstantin von diesem Leben die Nase voll und beginnt, sich in Leipzig mit seinem Bestattungsinstitut eine neue Existenz aufzubauen.

Dann jedoch bekommt er Besuch von einem alten Bekannten: Commander Darling vom MI6. Darling ist auf der Suche nach einem entflohenen Todesschläfer, der unter Narkolepsie leidet und daher ein großes Risiko für seine Mitmenschen darstellt. Darling bittet Konstantin, sich auf die Suche nach diesem Mann zu machen. Als Gegenleistung gewährt er Konstantin Einblick in die Forschung, die er unternommen hat, um die Todesschläfer von ihrem Fluch zu befreien.

Korff willigt ein, denn ein Heilmittel gegen die tödliche Gefahr, die von ihm ausgeht, wünscht er sich momentan mehr als alles andere. Denn er hat sich in die junge Musikerin Iva verliebt, aber sein Fluch macht ein gemeinsames Zusammenleben unmöglich.

Fazit: Eine ganz zauberhafte Person hat mich im Rahmen der Wunschrezensionen anlässlich meines Blog-Jubiläums gebeten, „Oneiros“ zu rezensieren, wohlwissend, dass ich schon einiges vom Herrn Heitz gelesen habe. An dieser Stelle herzlichen Dank!

Wie gesagt, ich habe schon einiges von Markus Heitz gelesen. An die Zwerge-Reihe z. B. denke ich heute noch gerne zurück und die Ulldart-Reihe gehört meiner Meinung nach immer noch zum Besten, was es an deutscher Fantasy bis heute gibt. Auch „Ritus“ und „Sanctum“ haben mir, zumindest teilweise, gut gefallen. Dann gab es aber auch solche Bücher wie die „Judas-Trilogie“, die mich nicht so wirklich begeistern konnten. Entsprechend gespannt war ich, was mich denn nun bei „Oneiros“ erwarten würde.

Kurz: In Anlehnung an das Sprichwort „Schuster, bleib bei Deinem Leisten“ möchte ich in diesem Fall mal sagen: Markus, bleib bei deinen Zwergen!

Am wenigsten zu kritisieren habe ich bei „Oneiros“ glücklicherweise bei der Story. Hey, das ist immerhin die Hauptsache. Die Geschichte um die Todesschläfer ist wenigstens mal etwas anderes als das was es sonst über Unsterbliche zu lesen gibt. Auch wenn ich zugeben muss, die Handlung manchmal etwas albern gefunden zu haben.

Darüber hinaus haben mir an „Oneiros“ aber viele Kleinigkeiten und größere Kleinigkeiten nicht gefallen. Nehmen wir mal die Hauptfigur. Schon in „Ritus“ und „Sanctum“ ging mir Herr Heitz mit seiner Hauptfigut Eric von Kastell mächtig auf den Geist. In „Oneiros“ schafft er das wieder. Konstantin Korff ist ein Phänomen, das menschliche Äquivalent zum Schweizer Taschenmesser, er kann einfach alles: Er beherrscht asiatische Kampfsportarten, er ist Profi in der Sportart „Parcour“ und einiges andere. Völlig egal, mit welchen Situationen er konfrontiert wird, mit Hilfe seiner besonderen Fähigkeiten kommt er aus allem wieder heraus. Mal verprügelt er Diebe mittels Aikido, mal läuft er dank seiner Parcour-Fähigkeiten in höchstem Tempo über Markisen und Hausdächer, in Höchstform rutscht er sogar unter Zuhilfenahme seines Gürtels an Stromleitungen entlang (S. 455)! Ich fühlte mich beim Lesen phasenweise wie im Computerspiel „Mirror´s Edge“ und hatte permanent die Titelmusik von „Indiana Jones“ im Hinterkopf…

Ach ja: Und ausgesprochen gut riechen kann er auch noch. Als er das Parfüm seiner Freundin Iva riecht, heißt es: „Er bemerkte Spuren von Bergamotte, Jasmin, Rosen und Patchouli.“ (S. 107) Ja, nee, is klar.

Rosen, okay! Aber Jasmin ist für die meisten Männer ein weiblicher Vorname, ob nun mit oder ohne „e“ am Ende. Patchouli? Ich kenne Nico Patschinski, ehemals Fußballer bei St. Pauli und Eintracht Trier und jetzt beim FC Schnelsen tätig (aber wer will das wissen…), aber ich kenne keinen Kerl, der mir sagen könnte, wie Patchuli riecht. Und Bergamotte könnte für viele eher ein geflügeltes Gebirgsinsekt sein! Ich weiß auch nicht, warum mir die Stelle so sauer aufstößt, aber meiner Meinung nach ist Heitz mit seinem Mozart der olfaktorischen Wahrnehmung aber mal weit über´s Ziel hinausgeschossen.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Stellen die mich stören. Auf seiner Seite, die ich jetzt partout nicht finden kann heißt es „…für die Frau in die er verliebt war und die er ganz sicher liebte.“ Hä? Ich denke jetzt noch über den Satz nach und frage ich, ob der einfach seltsam formuliert ist oder ob ich ihn möglicherweise  nur nicht begriffen habe.

Auch der eine oder andere Logikfehler nervt. Wenn eine Person vor einigen Tagen noch genug Geld hatte, um ein Schmuckstück für einen sechsstelligen Betrag zu kaufen, der Kauf aber nicht zustande kam, und die Person sich wenige Tage später aber das Geld für eine Zugfahrt erbetteln muss, fragt man sich schon: „Was hat der mit der Kohle gemacht? Black Jack? Texas Hold`em?“

Am störendsten empfand ich allerdings eine absolut überflüssige Sexszene, die derartig grottig geschrieben ist, dass sich sogar Diana Gabaldon dafür geschämt hatte. Und das will was heißen! Kleiner Spoiler: Übrigens handelt es sich nicht um Sex mit seiner angebeteten Iva, die einem vorher 400 Seiten lang regelmäßig ins Gedächtnis gerufen wurde und die er ja „ganz sicher liebte“. Nein, da geht es um eine andere Person, die spannenderweise wenige Stunden vor den sexuellen Ausschweifungen  einen Rippenbruch erlitten hat… Spoiler Ende

Insgesamt hätte bei „Oneiros“ ein sehr viel besseres Buch herauskommen können, wenn Markus Heitz nicht so demonstrativ versucht hätte, ein ganz dolle cooles Buch abzuliefern.

Sobald Markus Heitz wieder anfängt, Fantasy zu schreiben, fange ich auch wieder an, ihn zu lesen. Bis dahin ist allerdings erstmal Sense, fürchte ich.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 6,5 von 10 Punkten

Stil: 6,5 von 10 Punkten

Spannung: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: In Kürze folgt hier die letzte der Wunschrezensionen bezüglich meines Blog-Jubiläums. Es handelt sich um eines meiner Lieblingsbücher von einem meiner Lieblingsautoren!

 

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4 Kommentare zu „„Oneiros“ von Markus Heitz – No sleep till Brooklyn

  1. Lieber Reisswolf,
    was den Geruch von Patchouli betrifft, würde Dir lediglich die Mittelalter- und Gothik-Szene widersprechen. Aber sind in Deutschland ja nicht so viele 🙂

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  2. Jaaa, der Heins Zorro, der war schon nicht schlecht! 😉

    Ach, und Bergamotte ist eine Zitrusfrucht, ja!? Na, da habe ich ja mal wieder was gelernt. Wie die riecht, weiß ich aber immer noch nicht… 😉 Na, vermutlich irgendwie zitronig. 😉

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    1. Huhu Fraggle, ich weiß auch nicht wie die Frucht riecht, aber ehrlich gesagt bezweifele ich etwas, dass sie zitronig riecht. Denn Zitrone am Tee mag ich gar nicht. Aber es heißt halt immer Bergamotte ist ein Zitrusfrucht. Meine Erinnerung sagt das jedenfalls, aber ich Google das mal.

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  3. Ich muss schon wieder laut lachen. Bergamotte ist ein Zitrusfrucht und ist im Earl Grey Tee, den ich gerne trinke. Und jetzt werde ich bei jeder Tasse an ein Gebirgsinsekt denken. Genauso wie immer noch an Zorro.
    Ich wurde als mal wieder köstlich an gute alte Zeiten erinnert.
    Soooo schade dass diese vorbei sind.

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