„Cry Baby“ von Gillian Flynn – Schräge Frauen, schwache Männer

Buch: „Cry Baby“ (2015)

Autorin: Gillian Flynn

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch

Die Autorin: Gillian Flynn ist eine 1971 in Kansas City, Missouri, geborene amerikanische Autorin. Sie wuchs als Tochter zweier „community college“-Professoren auf, ihre Mutter unterrichtete Literatur, ihr Vater Film. Das führte dazu, dass die junge Gillian ihre Zeit intensiv mit Büchern verbrachte und sich Filme wie „Alien“ oder „Psycho“ bereits im Alter von etwa sieben Jahren ansah…

Nach ihrem Schulabschluss studierte Flynn an der University of Kansas Englisch und Journalismus. Anschließend war sie einige Jahre für „Entertainment Weekly“ tätig, unter anderem als TV-Kritikerin.

Ihr erster Roman „Cry Baby“ erschien im englischen Original bereits 2006. Drei Jahre später folgte „Dark Places“. Spätestens mit ihrem dritten Roman „Gone Girl“, 2012 erschienen und mit Ben Affleck erfolgreich verfilmt, hat Gillian Flynn weltweit den Durchbruch geschafft.

Das Buch: Camille Preaker ist Anfang 30 und als Journalistin bei einer kleinen Zeitung in Chicago beschäftigt. Als ihrem Chefredakteur Frank Curry die Nachricht über den Mord an zwei kleinen Mädchen in der Kleinstadt Wind Gap zu Ohren kommt, schickt er Camille mit dem Auftrag dorthin, in dieser Geschichte Recherchen zu betreiben.

Camille ist deswegen für den Job prädestiniert, weil sie selbst in Wind Gap aufgewachsen ist. Allerdings hat sie ihre Heimatstadt bereits vor vielen Jahren aus guten Grund verlassen: Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, von ihrer Mutter wurde sie stets kalt und lieblos behandelt und ihre kleine Schwester Marian starb, als Camille 13 Jahre alt war. Daraufhin begann Camille, sich zu ritzen. Sie schneidet sich über einen langen Zeitraum immer wieder einzelne, unzusammenhängende Worte in die Haut. Im Laufe der Zeit entwickelt sie auch einen großen Hang zum Alkohol.

Erst mit Anfang 30 entschließt sie sich zu einer Therapie und ist seit sechs Monaten trocken, als Frank Curry sie nach Wind Gap schickt. Dort führt Camille nicht nur Recherchen durch, sondern ist auch gezwungen, sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu konfrontieren.

Fazit: Reden wir mal von Hauptfiguren: Ich erwähnte schon mal, dass ich gerne an anderer Stelle nachlese, ob andere Menschen über die von mir gelesenen Bücher genau so denken wie ich. Vorzugsweise auf der Internetseite des großen Onlineversandhandels mit A am Anfang und angeblich zweifelhaften Arbeitsbedingungen. Da gibt es dann allgemein Rezensenten, die behaupten, sie hätten das Buch xy einfach nicht zu Ende lesen können – fühlen sich aber dann doch bemüßigt, eine Rezension über das von ihnen nicht gelesene Buch zu schreiben. Das ist ungefähr so, als wenn ich bei einem Fußballspiel nach 60 Minuten beim Stande von 0:0 das Stadion verlasse und in meinem Artikel in der Lokalzeitung am nächsten Tag behaupte, dass Spiel sei beschissen gewesen – obwohl es noch 4:4 ausging…

Und im Fall von „Cry Baby“ bemängeln viele Leser, dass die Hauptfigur ihnen so gar nicht sympathisch gewesen sei, es in diesem Buch an sich überhaupt keine Figuren gäbe, die sympathisch sind. Das mag sein, nein, das IST sogar so, aber wer sich daran stört, der kann mit den Büchern von Gillian Flynn einfach nichts anfangen. Egal, ob in „Gone Girl“, „Dark Places“ oder eben wie hier in „Cry Baby“: So ganz rund laufen die Protagonisten bei Flynn alle nicht. Ich persönlich finde das nicht sonderlich schlimm. Oder fand irgendjemand Hannibal Lecter seinerzeit sonderlich sympathsch? Na, eben! 😉

Mir ist viel wichtiger, dass die Figuren und ihre Handlungen authentisch wirken. Und in „Cry Baby“ tun sie das. Obwohl sie alle nicht ganz normal sind und zwischendurch Dinge tun, die ich so nicht getan hätte – vielleicht aber auch gerade deswegen – mag ich Flynns Charaktere.

Auch die düstere Atmosphäre, die sich durch „Cry Baby“ zieht, kennt der geneigte Leser schon aus ihren anderen Romanen. Flynns Bücher verbreiten keine gute Laune, man bekommt eher den Eindruck, als sei die Welt insgesamt ein schlicht und ergreifend kaputter Ort. Ich finde das super! 😉

Kurz gesagt: Wer schon mit „Gone Girl“ oder „Dark Places“ seine Freude hatte, der macht auch mit „Cry Baby“ nichts verkehrt. Und für die, die partout einen smpathischen Protagonisten brauchen, gibt es eben andere Bücher. „Arielle, die Meerjungfrau“ und dergleichen. 😉

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 Punkte

Demnächst in diesem Blog: In Kürze folgt hier die vorerst vorletzte Wunschrezension. Details verrate ich wie immer nicht. Aber wer Bücher von Markus Heitz mag, darf schon mal gespannt sein. Ooops… 😉

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6 Kommentare zu „„Cry Baby“ von Gillian Flynn – Schräge Frauen, schwache Männer

  1. Hallo Fraggle,
    natürlich lese ich hier weiter. Außerdem ist es doch gut wenn die Geschmäcker unterschiedlich sind. Es wäre ja langweilig wenn man immer nur schreibt. Ja finde ich auch. Genauso sehe das oder ähnliches.
    So gut habe ich die Feiertage nicht verbracht. Habe mich an einer Hand verletzt. Tut jetzt noch sehr weh. Auch Dir einen guten Rutsch in ein hoffentlich besseres Jahr.
    Knuddelgruß
    Kenia ♥

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  2. So jetzt habe ich Cry Baby gelesen. Ich muss leider sagen mir hat es gar nicht gefallen. Ich habe es so oft beiseite gepackt um dafür langweiliges im Fernsehen anzuschauen. Das hat mich schon stutzig gemacht. Vor allem weil es ja wieder mal Leute gibt, die das Buch überhaupt nicht aus der Hand legen konnten. Klebt es immer noch an denen ?
    Also mich langweilte die erste Hälfte und als so etwas Bewegung ins Ganze kam, dacht ich so die Schriftstellerin hat offenbar eine besondere Vorliebe für seelisch und psychisch kranke Menschen. Gut dass kann man vielleicht einem Teil von Mördern auch unterstellen, aber mich erinnerte es sehr an Go Girl, was mir wesentlich besser gefiel.

    Lange Rede gar kein Sinn, ich werde kein Buch mehr von Frau Flynn lesen. Mich interessiert einfach nicht ob sich einer sein Bein abschlägt weil er vielleicht meint es sei zu lang.

    Aber lieber Fraggle sei natürlich von Herzen gegrüßt und ich habe weiterhin immer Vergnügen Dich hier zu lesen.
    Kenia

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    1. Hallöchen, Kenia,

      ich hoffe, Du hast die Feiertage gut überstanden. Ich schon, überraschenderweise. 😉

      Tja, so unterschiedlich können die Geschmäcker sein, Ich mochte „Cry Baby“ richtig gerne, aber ich mag auch so ziemlich alles, was Gillian FLynn schreibt. Und ja, sie hat in der Tat eine Vorliebe für seelisch und psychisch kranke Menschen. Das gefällt mir auch! Das gefällt mir sogar richtig gut! 😉

      Ich gebe allerdings zu, dass „Gone Girl“ wesentlich zugänglicher war.

      Sei auch Du herzlich gegüßt, ich hoffe doch, dass du weiter hier lesen wirst, auch wenn mir mal unterschiedlicher Meinung sind. 😉

      Ich wünsche Dir einen guten Rutsch!

      Bis bald!

      Fraggle

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  3. Danke Dir lieber Fraggle, ich mach mich jetzt auf ins Wochenende und dann 3 Tage Urlaub. Ich sage Bescheid wie ich das Buch empfunden habe.
    Ich lese gerade Beute von Michael Crichton. Gefällt mir gut, was ich dem Titel gar nicht zugetraut habe.

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  4. *lool* Arielle, ich schmeiß mich weg Fraggle. Cry Baby hab ich mir letzten gekauft. Offenbar nicht umsonst, aber gelesen habe ich das Buch noch nicht. Im Moment fehlt mir irgendwie die Zeit.
    Ich grüß Dich ganz lieb und wünsche ein schönes Adventwochenende
    Kenia

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    1. Hey, Kenia!
      Etwas Abwegigeres als „Arielle“ ist mir nicht eingefallen. 😉

      Na, ich schätze mal, dass Du den Kauf von „Cry Baby“ nicht bereuen wirst. Nachdem Du es gelesen hast, würde mich mal Deine Meinung interessieren.
      Sei auch Du ganz lieb gegrüßt. Ich wünsche Dir ebenfalls ein ganz schönes Adeventswochenende!
      Fraggle

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