„Blindwütig“ von Dean Koontz – Weltfremde Albernheiten

Buch: „Blindwütig“ (2012)

Autor: Dean Koontz

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 432 Seiten

Der Autor: Dean Koontz ist ein 1945 in Everett, Pennsylvania, geborener amerikanischer Schriftsteller. Bereits im Alter von acht Jahren schrieb er seine ersten Kurzgeschichten und verkaufte sie an Freunde und Verwandte. 1965 gewann er mit einer Kurzgeschichte einen Preis bei einem Schreibwettbewerb einer Tageszeitung.

Der erste wirkliche Erfolg stellte sich allerdings erst 1981 mit „Flüstern in der Nacht“ ein, als er es erstmals auf die Bestsellerliste der „New York Times“ schaffte.

Nach eigener Aussage arbeitet Koontz bis zu 14 Stunden täglich und etwa 70 – 80 Stunden in der Woche an seinen Büchern. Das erklärt wenigstens teilweise, dass er es geschafft hat, bis heute über 70 Bücher zu veröffentlichen. Seine Werke wurden bislang in 38 Sprachen übersetzt und mehr als 400 Millionen Mal verkauft. Pro Jahr kommen ca. 17 Millionen weitere verkaufte Exemplare dazu.

Das Buch: Cubby Greenwich ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Seine Frau Penny lebt als Kinderbuchautorin ebenfalls vom Schreiben. Zusammen mit ihrem sechsjährigen hochbegabten Sohn Milo und dem Hund Lassie lebt die Familie ein ruhiges, beschauliches Leben.

Dann ändert sich jedoch alles. Cubbys neuestes Werk „One O´Clock Jump“ wird von Shearman Waxx rezensiert, einem der renommiertesten aber auch gnadenlosesten Literaturkritiker der Gegenwart. Und Waxx zerreißt Cubbys Buch förmlich in der Luft.

Cubby beschließt anfangs, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Schließlich jedoch kann er der Versuchung nicht widerstehen, in Waxx´ Stammlokal zu gehen, um wenigstens einen Blick auf den Menschen zu werfen, der da so gedankenlos Cubbys Buch verrissen hat.

Dabei gerät er kurz mit dem Kritiker aneinander. Und dem gefällt das überhaupt nicht. Er zischt Cubby das Wort „Verdammnis“ entgegen und verschwindet, nur um kurz danach wieder aufzutauchen – in Cubbys Haus. Von da an macht der Kritiker der Familie Greenwich das Leben dermaßen zur Hölle, dass sie gezwungen wird, das Haus zu verlassen und sich auf die Flucht zu begeben.

Aber Shearman Waxx folgt ihnen…

Fazit: Gerade überkommt mich wieder mal der Gedanke, als Fazit lediglich zu schreiben: „NEIN! Einfach nur: NEIN!“. Denn dabei könnte man es im Großen und Ganzen belassen. Aber ich versuche dann wohl doch, die Gründe für meinen Unmut genauer darzustellen.

Ich habe dieses Buch aufgrund seiner eigentlich recht spannenden Rahmenhandlung ziemlich zügig gelesen – und frage mich nun ernsthaft, warum nur! Die Geschichte, die mich entfernt an Stephen Kings „Misery“ erinnerte, bietet wirklich genug Möglichkeiten, einen hochspannenden Thriller zu erzählen. Warum Mr. Koontz sich dagegen entschieden hat, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Dabei geht das Ganze eigentlich recht gut los. Koontz beschreibt Cubby Greenwichs Geschichte aus der Ich-Perspektive und auf eine launige und sehr humorvolle Art. Das gefiel mir eine Weile ganz gut. Ab dem Punkt, an dem die vermeintlich dramatische Handlung einsetzt, sollte es mit dem humorigen Stil aber dann auch vorbei sein, sollte man meinen. Aber nicht mit Dean Koontz! Seine Charaktere, dieses amerikanische Vorzeige-Ehepaar mit dem ätzenden Klugscheißerkind, das einem nach sehr kurzer Zeit fürchterlich auf den Geist geht, seine Charaktere also, können mit sämtlicher Unbill der Welt konfrontiert werden, trotzdem kann man sicher sein, dass sie sich „spaßige“ Wortgefechte liefern! Man kann ihnen sogar ihr Haus in die Luft sprengen, Cubby Familie reagiert relativ gefasst. Reeespekt!

Gut, nach einer gewissen Zeit habe ich dann als Leser begriffen, dass Familie Greenwich in ihrer eigenen kleinen Märchenwelt lebt und verbuchte das Ganze unter: „Die sind eben so!“ Daher hab ich beschlossen, die skurrilen Charaktere skurrile Charaktere sein zu lassen und mich auf die Story zu konzentrieren. Denn „durchgeknallter Kritiker jagt Familie durch die USA“, das hat ja Potenzial. Und eine ganze Weile kann Dean Koontz die Spannung der Handlung auch aufrecht halten, so dass man die seltsamen Personen schon fast vergessen hat.

Dann jedoch, zum Ende des Buches, dann versaut er es wieder! Nachdem Waxx seine auserkorenen Stalking-Opfer über knappe 400 Seiten verfolgt hat, man sich als Leser fragt, wie der das schaftt, immer wieder zu wissen, wo die Greenwichs sind und in kürzester Zeit dort aufzutauchen, bereitet man sich innerlich auf einen furiosen Showdown vor. Was man stattdessen bekommt ist eigentlich nur seltsames Zeug, bis hin zu Hunden, die die Grenzen der Physik aushebeln. Die Begründung für den Hass den Waxx auf Cubby hat, ist absolut, ich möchte dieses schöne Wort mal benutzen, hanebüchen.

Letztlich gibt es für mich zwei mögliche Theorien, die die Entstehung dieses Buches hinlänglich erklären könnten:

Erstens: Es handelt sich um eine Satire. Dann habe ich das Buch nicht begriffen, was ich durchaus nicht ausschließen möchte. In diesem Fall wäre es aber nett gewesen, den Leser darauf vorzubereiten. Und weder Klappentext noch Covergestaltung tun dies hinreichend. Oooder,

zweitens: Wenn man es, so wie Dean Koontz ganz zweifellos, als Schriftsteller „geschafft“ hat und lange im Geschäft ist, dann wird es nachvollziehbarerweise von Buch zu Buch schwerer, gleichbleibende Qualität abzuliefern. Andererseits hat man sich auch eine gewisse Narrenfreiheit erarbeitet. Und die kommt hier, meine ich, deutlich zum Tragen. „Blindwütig“ erweckt den Anschein, als habe Mr. Koontz gedacht: „Hmmm, mal schauen, ob ich meine Leser gigantisch verkaspern kann und sie trotzdem mein Buch kaufen…“

So wie bei der Lektüre von „Blindwütig“ würde ich mich fühlen, wenn die „Rolling Stones“ Hape Kerkelings „Hurz“ aufführen würden, oder „Aerosmith“ mit Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ den Madison Square Garden rocken: Sehr irritiert, mit dem latenten Gefühl, verarscht zu werden. Nee, Mr. Koontz, das war nix!

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 2 von 10 Punkten

Stil: 3,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung:  4,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Schaun mer mal… 😉

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Ein Kommentar zu „„Blindwütig“ von Dean Koontz – Weltfremde Albernheiten

  1. 😀 ich konnte herzhaft lachen, bei deinen Vergleichen zum Schluss! Ich muss sagen, eine Vorstellungen von „Hurz“ gesungen von den Rolling Stones, würde ich mir sogar angucken 😀
    Eine schöne Rezension, auch wenn es mir um Dean Koontz und seine Romanqualität leid tut…und auch um deine Zeit, die du damit zugebracht hast, dieses Buch zu lesen 😉

    Gefällt mir

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