„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan – Große Erwartungen

Buch: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ (2015)

Autor: Robin Sloan

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 429 Seiten

Der Autor: Robin Sloan ist ein 1979 in der Nähe von Detroit geborener amerikanischer Autor und Wirtschaftsinformatiker. Er studierte an der Michigan State University Wirtschaftswissenschaften und war Mitbegründer eines Literaturmagazins namens „Oats“. Er arbeitete nach seinem Studium unter anderem für den Fernsehsender „Current TV“, die Online-Plattform „Poynter“ und für „Twitter“.

„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist Sloans erster Roman, der in den USA bereits 2012 veröffentlicht und  ein Bestseller wurde.

Sloan lebt in San Francisco.

Das Buch: Nach seinem Studium an der Kunstakademie findet Clay Jannon einen Job als Designer bei „NewBagel“, einem von zwei Ex-Googlern gegründeten angehenden Bagel-Imperium. Von der Gestaltung der Speisekarten bis hin zur Internetpräsenz liegt alles in Clays Verantwortungsbereich. Dann jedoch schlägt die Rezession unbarmherzig zu. „NewBagel“ muss schließen, Clay verliert seinen Job, darf aber zumindest das Firmen MacBook und den Twitter-Account @NewBagel behalten…

Bei seiner erneuten Jobsuche kommt Clay an einer Buchhandlung vorbei, die damit wirbt, 24 Stunden am Tag geöffnet zu haben – und die eine Aushilfe für die Nachtschicht sucht. Er bekommt den Job. Von nun an arbeitet er von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in der „Buchhandlung Penumbra“.

Bereits relativ schnell wird Clay Jannon klar, dass irgendwas an dieser Buchhandlung nicht stimmt. Im vorderen Bereich des Ladens sind die Bücher untergebracht, die wirklich verkauft werden. Der nächtliche Umsatz mit diesen Büchern reicht allerdings hinten und vorne nicht, um auch nur Clays Lohn zahlen zu können.

Im hinteren Bereich befinden sich die „Ladenhüter“ wie Clay sie nennt. Bücher, von deren Autoren er niemals gehört hat, und in einer Aufmachung, die auf Unikate und/oder im Selbstverlag erschienene Werke hindeutet. Diese „Ladenhüter“ werden nicht verkauft, sondern verliehen. Häufig kommen kauzige Gestalten um einerseits einen Ladenhüter zurückzubringen und einen anderen neu auszuleihen.

Schließlich stellt sich heraus, dass diese kauzigen Gestalten versuchen, einen jahrhundertealten Code zu entschlüsseln, der sich in den Ladenhütern versteckt. Ein Code, der letztlich zur Unsterblichkeit führen soll…

Fazit: Eigentlich bin ich niemand, der ein Buch wegen des Covers kauft. Oder, sagen wir, nicht nur wegen des Covers. In diesem Fall war das anders: Wenn ein Buchtitel, so wie hier, das Wort „Buchhandlung“ enthält und auf dem Cover ein Bücherregal abgebildet ist, dann braucht man mir dieses Werk nicht mehr groß anzupreisen. Ich verfalle dann ganz von selbst in den „Shut-up-and-take-my-money“-Modus. Erwartet habe ich allerdings etwas ganz anderes…

Der Beginn des Buches lässt sich so gut wie erhofft an. Sloan hat eine lockere Schreibe und sein Protagonist Clay war mir von der ersten Seite an sympathisch. Nachdem sich herausstellt, dass ein jahrhundertealter Orden an der Entschlüsselung eines Codes arbeitet und auch Clay beschließt, sich daran zu beteiligen, verspricht das Buch eine geheimnisvolle Spannung. Nur leider biegt die Handlung an diesem Punkt irgendwie falsch ab…

Clay verliebt sich in die attraktive Kat und gemeinsam arbeiten beide an der Entschlüsselung der Codes. Kat jedoch arbeitet bei Google, daher findet die Arbeit am Code nicht in Kellern bei Kerzenschein unter Verwendung von Bleiftift und Papier statt, sondern am Monitor unter Verwendung von 3-D-Modellen, Grafik-Engines und Quellcodes. Spätestens hier stellt sich heraus: Wer ein bibliophiles Werk erwartet hat, der liegt mit „Die Buchhandlung des Mr. Penumbra“ gänzlich falsch. Es richtet sich eher an die Generaton Google. Folglich stellt Clay nach einer Erläuterung seines 3-D-Modells der Bibliothek klar: „Wen das jetzt beeindruckt, der ist über dreißig.“ (S. 59)

Im Laufe der Geschichte versäumt es der Autor dann auch nicht, Kats Arbeitsplatz, also Google, detailliert zu schildern. Dabei drängte sich mir als Leser dann irgendwann der Gedanke auf, bei „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ handele es sich um eine als Roman getarnte und von Sundar Pichai (CEO bei Google) in Auftrag gegebene Werbebroschüre für den Internetriesen. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Bevor aber der Eindruck entsteht, bei Robin Sloans Romandebüt würde es sich um ein schlechtes Buch handeln: Nein, das ist es wahrlich nicht. Ich hatte eben nur, wie eingangs erwähnt, eine andere Erwartungshaltung. Sloanes Schreibstil und seine Hauptfigur haben mich dennoch zum weiterlesen animiert und sollte ich dann irgendwann einmal über einen weiteren Roman dieses Autors stolpern, werde ich ihn sicherlich auch lesen. Allerdings würde ich mich freuen, wenn der nächste Roman nicht als Mogelpackung daherkommt.

Entgegen meinen Gewohnheiten möchte ich diese Rezension einmal mit meinem Lieblingszitat aus „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ abschließen: „Kat hat sich eine New York Times gekauft, aber nicht herausbekommen, wie man sie bedient, darum fummelt sie an ihrem Handy herum.“ (S. 158) 😉

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Humor: 7 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Circle“ von Dave Eggers.

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3 Kommentare zu „„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan – Große Erwartungen

  1. Das erste Drittel des Romanes hatte ich gelesen. Dann habe ich es zur Seite gelegt. Das Problem mit der falschen Erwartungshaltung hatte ich auch. Das Buch fängt so toll an und flacht dann so ab oder wie du schreibst, die Handlung biegt falsch ab. Irgendwie konnte ich das Buch bisher aber auch noch nicht verkaufen. Mal sehen, ob ich es nicht doch irgendwann einmal fertig lese.

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    1. Ja, das Wecken der falschen Erwartungshaltung ist eindeutig das größte Problem, das dieses Buch hat! Neben einigen kleineren. 😉

      Es geht halt inhaltlich eher in die Richtung solcher Bücher wie „Der Circle“ von Dave Eggers. Das ist ja auch nicht schlimm, und hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es mir vielleicht trotzdem gekauft. Aber wenn, was draufsteht, so sehr von dem abweicht, was drinsteht, dann ist das irgendwie übel!

      Gefällt 1 Person

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