„Der Hof“ von Simon Beckett – Kommt da noch was…?

Buch: „Der Hof“ (2014)

Autor: Simon Beckett

Verlag: rororo

Ausgabe: Taschenbuch, 458 Seiten

Der Autor: Simon Beckett ist ein 1960 in Sheffield, Großbritannien, geborener englischer Autor und Journalist. Nach seinem Master of Arts der englischen Sprache war er einige Jahre als Immobilienhändler tätig. Anschließend ging er als Spanisch- und Englischlehrer nach Spanien. Auch Tätigkeiten als Hausmeister und Schlagzeuger stehen bereits in seinem Lebenslauf. Seit 1992 arbeitete er als freiberuflicher Journalist und schrieb unter anderem für „The Times“, „The Independent on sunday“ und „The Observer“.

Im Rahmen journalistischer Recherchen bekam er die Chance, die sogenannte „Body Farm“ zu besuchen, eine wissenschaftliche Einrichtung der University of Tennessee, in der postmortale Veränderungen an Menschen, sprich: Verwesungsprozesse an Leichen, erforscht werden. Ein gut gemeinter Rat: Was immer ihr tut, googelt NICHT „body farm“, nach Ansicht einiger Fotos ist der Tag gelaufen, wirklich! Ich mein´s nur gut!

Dieser Besuch jedenfalls inspirierte ihn zu seinen Romanen um den Forensiker David Hunter. Mich hätte diese Erfahrung lediglich dazu inspiriert, mich ausgiebig zu übergeben und anschließend monatelang Albträume zu haben…

Seit 1994 hat Beckett insgesamt 10 Romane veröffentlicht, fünf davon im Rahmen seiner David-Hunter-Reihe. Seine Bücher wurden bislang über 8 Millionen Mal verkauft und in insgesamt 29 Sprachen übersetzt.

Beckett ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Hilary in Sheffield.

Das Buch: Inmitten eines brütend heißen Sommers kommt Sean in Frankreich an. Kurz bevor sein Auto endgültig den Geist aufgibt, lässt er es einfach in einem kleinen Wäldchen stehen, nimmt seinen Rucksack, und geht zu Fuß weiter. Plötzlich durchfährt ein glühender Schmerz sein Bein. Sean ist in ein Fangeisen getreten. Sämtliche Versuche, die Falle wieder loszuwerden, scheitern, die Metallzacken sitzen zu tief im Fuß. Frustriert gibt Sean auf und bereitet sich darauf vor, unter Schmerzen die Nacht an Ort und Stelle zu verbringen. Am nächsten Morgen hat Sean Fieber, sein Fuß ist entzündet. Irgendwann verliert er das Bewusstsein und erwacht Tage später auf dem Dachboden einer Scheune.

Er befindet sich auf dem Bauernhof von Arnaud, der dort mit seinen Töchtern Mathilde und Gretchen sowie Mathildes kleinem Sohn Michel wohnt. Bereits nach kurzer Zeit bemerkt Sean, dass irgendwas an dieser Familie und diesem Hof nicht stimmt. Warum schließen ihn seine Gastgeber nachts auf dem Dachboden ein? Wo ist der Vater von Mathildes Sohn? Warum sind die Menschen im Dorf zu schlecht auf Arnaud zu sprechen?

Nach einiger Zeit der Genesung macht ihm Arnaud ein Angebot: Sean kann weiter am Hof bleiben, wenn er dafür einige anfallende Arbeiten erledigt. Allen voran die mittendrin abgebrochenen Ausbesserungsarbeiten an den Mauern des Bauernhauses. Sean erklärt sich dazu bereit, nichtsahnend, wohin ihn diese Entscheidung führen wird. Allerdings weiß er auch nicht, wo er sonst hin sollte, denn Sean ist ebenfalls kein Unschuldslamm und auf der Flucht vor der englischen Polizei.

Fazit: Zu Beginn seiner Danksagung weist Beckett darauf hin, dass er für den Roman „Der Hof“, selbst für seine Verhältnisse, ungewöhnlich lang gebraucht habe. Da stellt sich mir sofort die Frage: Aber warum denn nur? Mit Recherchen kann er die Zeit nicht verbracht haben, für „Der Hof“ gibt es nichts zu recherchieren. Und die Geschichte selbst ist weder so sonderlich vielschichtig noch so spannend, als dass man daran endlos hätte feilen müssen. Um es also vorweg zu nehmen: „Der Hof“ hat mich mächtig enttäuscht.

Zu Beginn des Buches baut Beckett eine subtile, atmosphärische Spannung auf. Der verletzte Sean befindet sich auf einem Hof, auf dem offenbar nicht alles mit rechten Dingen zugeht und wo ziemlich verschrobene Menschen leben:

Arnaud, der Besitzer des Hofes und Vater von Mathilde und Gretchen, der seinen Grund und Boden mit Fangeisen und Schusswaffen verteidigt und sich völlig im Recht fühlt.

Gretchen, ein vorlautes junges Mädchen mit einem Hang zu spontanen Wut- und Gewaltausbrüchen, ohne sich später daran erinnern zu können, sowie wohl auch einem Hang zur Promiskuität. (Jedenfalls, sobald sich auf dem abgelegenen Gehöft mal die Gelegenheit dazu bietet)

Georges, der für Arnaud die Schweine hütet und sich für nichts, aber auch wirklich nichts anderes auf der Welt zu interessieren scheint.

Einzig Mathilde, Arnauds ältere Tochter, vermittelt so etwas wie Normalität.

Seans Ausgangsposition, verletzt und nahezu bewegungsunfähig inmitten von Menschen, die alle nicht so wirklich rund laufen, sorgt, wie gesagt, für eine subtile Spannung und düstere Stimmung, die an Stephen Kings „Misery“ erinnert – nur eben ohne Schriftsteller und Kathy Bates, dafür aber mit Bauernhof. Das war es aber leider auch schon. Auf etwa 400 Seiten passiert in der Folge erstmal nahezu nichts. Und zum Ende hin werden alle „Geheimnisse“, die der Hof und seine Bewohner zu verbergen hatten, dem Leser innerhalb von gerade mal guten 30 Seiten vor die Füße geworfen. Schade nur, dass man als halbwegs des Denkens fähiger Leser diese Geheimnisse zu großen Teilen bereits selbst erraten konnte.

Nein, dieses Buch von Simon Beckett weiß leider weder durch seine eindimensionalen Figuren noch durch seine schwache Handlung zu überzeugen. Einzig der Stil und die diffuse Hoffnung, dass die Handlung bald richtig beginnen möge, konnten mich dazu motivieren, es zügig zu lesen. Und kaum beginnt die Handlung richtig, ist sie auch schon vorbei…

Der schon erwähnte Stephen King hätte an seinen guten Tagen eine höchstens 100 Seiten umfassende und sehr spannende Geschichte aus „Der Hof“ gemacht. (Gut, an schlechten Tagen hätte er daraus ein Epos mit 12 Bänden und 24000 Seiten sowie einer Art Cameo-Auftritt des Mannes in Schwarz gemacht…) Und auch Beckett hätte es gut getan, wenn er den Umfang des Romans einfach ein wenig eingedampft hätte.

Die lange Zeit, die er für das Buch gebraucht hat, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass er monatelang darüber nachgedacht hat, wie ,zum Geier, er daraus bitte eine spannende Geschichte machen soll. Und kaum ist es ihm eingefallen, nahte auch schon der Abgabetermin, so dass er eben noch schnell 30 Seiten hingeschludert hat. Aber das ist nur meine Theorie…

Wertung:

Handlung: 5 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 5,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan. Ein Romandebüt.

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