„Um Leben und Tod“ von Michael Robotham – Schnörkelloser Thriller

Buch: „Um Leben und Tod“ (2015)

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 475 Seiten

Der Autor: Michael Robotham, geboren 1960 in New South Wales, ist ein australischer Schriftsteller. Er arbeitete in Sydney als Journalist und ging später nach London, wo er unter anderem für „The Daily Telegraph“, „Daily Mail“ und „Sunday Times“ schrieb. 1993 verabschiedete er sich vom Jounalistendasein und schrieb stattdessen als Ghostwriter Biografien für Prominente, unter anderem für Geri Halliwell. Die Älteren werden sich erinnern: Spice Girls, „Girl Power“ und so! Na ja… Durch den Erfolg der von ihm verfassten Biografien ermutigt, entschloss sich Robotham zum Wechsel in die fiktive Literatur. Im Jahr 2005 erschien sein erster Roman „Adrenalin“ (engl. „The suspect“) und wurde ein großer Erfolg. Seitdem erschienen noch neun weitere Romane, häufig mit dem Psychologen Joe O´Loughlin und dem Detective Inspector Vincent Ruiz als Protagonisten. Diese beiden tauchen in „Um Leben und Tod“ allerdings nicht auf.

Robotham lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Avalon bei Sydney.

Das Buch: Seit nunmehr 10 Jahren sitzt Audie Palmer im Gefängnis. Er wurde damals wegen eines bewaffneten Überfalls auf einen Geldtransporter verurteilt, bei dem vier Menschen ums Leben kamen und sieben Millionen Dollar spurlos verschwanden. Jeder Häftling geht davon aus, dass Audie weiß, wo sich das Geld befindet. Deshalb geht er im Gefängnis durch die Hölle. Die Mithäftlinge drangsalieren und schikanieren ihn, er wird verprügelt und mit dem Tode bedroht. Alles, damit er das Versteck der Beute verrät. Audie jedoch erträgt die Qualen stoisch und schweigt.

Nach 10 Jahren soll er endlich entlassen werden. Und was tut Audie? Wenige Stunden vor seiner offiziellen Entlassung bricht er aus dem Gefängnis aus! Die Aufregung ist groß, und niemand kann sich einen Reim darauf machen, was Audie Palmer vor hat.

Das FBI schaltet sich in den Fall ein und beauftragt Special Agent Desiree Furness damit, Palmer wieder einzufangen.

Aber nicht nur die Polizeibehörden haben ein Interesse daran, dass Audie wieder festgenommen wird. Zwielichtige Typen sorgen für die Freilassung von Moss Webster, Audies lebenslang inhaftierten Zellennachbarn. Moss wird eine Begnadigung in Aussicht gestellt, wenn er Audie Palmer vor Special Agent Furness findet.

Die Jagd auf Audie und die verschwundenen sieben Millionen Dollar beginnt…

Fazit: Im Gespräch mit der Buchhändlerin meines Vetrauen plauderten wir darüber, dass Frank Schätzings „Breaking News“ mittlerweile als Taschenbuch erschienen ist, ich aber mit Schrecken feststellen musste, dass ich die damals zum Veröffentlichungsdatum gekaufte gebundene Fassung noch immer nicht durchgelesen habe. Genau wie den Vorgänger „Limit“! Der Grund: Einfach zu viel Text! Und wenn ich das schon sage, dann muss das was heißen! Besagte Buchhändlerin reagierte umgehend, griff zu „Um Leben und Tod“ und sagte sinngemäß: „Dann sollten Sie das hier lesen, der hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf.“ Ja, sie hatte recht. Also, nun weg von Schätzing, hin zu Robotham:

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie die Bücher dieses Autors über zehn Jahre so völlig an mir vorbei gehen konnten. Ich sollte mich schämen, gelobe aber Besserung! 😉

Nach Audies Flucht teilt der Autor die Handlung in mehrere Stränge auf. So erfährt der Leser unter anderem in Rückblenden mehr über die Vergangenheit von Audie Palmer und stellt sich zunehmend deutlicher die Frage, wie aus diesem jungen, friedvollen Mann, der von seinem Zellennachbarn als „eine Mischung aus Gandalf und Yoda“ bezeichnet wird, ein verurteilter Schwerverbrecher werden konnte. Denn eigentlich ist Audie ein harmloser Mensch, der erfolgreich studiert und versucht, sich ein ebenso erfolgreiches Leben aufzubauen. Dann jedoch kommt alles anders. Mit Audie Palmer ist Robotham ein Protagonist gelungen, der zu Herzen geht und mit dem man mit leidet.

Er ist glücklicherweise nicht der einzige Charakter, der mich überzeugen konnte. Special Agent Desiree Furness gefällt mir ebenfalls. Mit gerade mal 1,50 m Größe muss sie öfter Sprüche über sich ergehen lassen wie: „Waren Sie nicht in „Herr der Ringe“? 😉 Desiree erträgt das alles mit Geduld und erfrischendem Sarkasmus.

Der Stil des Buches erinnerte mich durchgehend an Bücher von John Katzenbach. Wer weiß, dass ich so ziemlich alle Bücher von Katzenbach sehr gut finde, der kann erahnen, dass die Erzählweise dann ebenfalls meine völlige Zustimmung findet.

Neben diesen ganzen Pluspunkten kann „Um Leben und Tod“ besonders in der wichtigsten Kategorie punkten: Mit der Handlung. Zu den erwähnten Fragen des Lesers, wie Audie letztlich trotz seines soliden Lebenswandels im Gefängnis landen konnte, kommen im Laufe der Zeit eine Fülle weiterer Fragen: Was genau ist damals bei dem Raubüberfall eigentlich passiert? War Audie wirklich daran beteiligt? Und welche Rolle spielte sein Bruder Carl bei den Ereignissen? Und so weiter und so fort. Letztlich natürlich noch die Frage: Wohin ist das Geld verschwunden?

Während man im Laufe des Buches die Lösung auf einige dieser Fragen bereits erahnen kann, bleibt immer noch genug im Dunkel verborgen, um die Spannung bis zum Ende des Buches aufrecht zu erhalten.

Alles in allem: Von den Thrillern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ist „Um Leben und Tod“ einer der besseren.

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 7,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Der Hof“ von Simon Beckett. Eigentlich hätte ich ja mal wieder Lust auf ein richtig schlechtes Buch, um es nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen zu können! 😉 „Der Hof“ wird aber wahrscheinlich kein solcher Kandidat sein. Beckett geht nämlich eigentlich immer! Wir werden sehen…

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3 Kommentare zu „„Um Leben und Tod“ von Michael Robotham – Schnörkelloser Thriller

  1. Huhu Fraggle,
    klar kann er schreiben. Mein erstes Buch war der Schwarm und bis auf die biologischen Erklärungen fand ich es so super. Mordshunger habe ich auch gelesen. Hat mir auch gefallen. Ich würde auch nicht sagen, dass ich Limit sehr schlecht fand, aber so einen Wälzer mit soviel wissenschaftlichen Erklärungen verlangt mir schon einiges ab. Ich habe ja bis jetzt jedes Buch ausgelesen was ich angefangen habe, da habe ich schon einen gewissen Ehrgeiz, aber bei Schätzing werde ich in Zukunft vorsichtig sein.
    Ich wünsche Dir ein traumhaftes Wochenende.
    Übrigens habe ich immer hier so meine Probleme meinen Kommentar zu finden um wiederum Deinen dazu zu finden, aber es gibt schlimmes auf der Welt.
    Allerliebste Grüße
    Kenia

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  2. Huhu Fraggle, ich habe Limit von Schätzing gelesen. Mein Schwager meinte nach den ersten 200 Seiten wird es besser. Naja ich würde sagen nach den ersten 800 Seiten wird es besser. Ich glaube ich werde auf weitere Schätzings verzichten. Wenn ich ein Sachbuch lesen will, kaufe ich eins.

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    1. Hey Kenia,
      also, ich finde auch, dass Limit nach den ersten 200 Seiten besser wird. Aber es hat bei mir trotzdem nicht gereicht, um es durchzulesen. Dabei haben die Sachbuchpassagen noch nicht mal gestört. Klar, sowas muss man mögen, sonst kann man mit den neueren Büchern von Schätzing nichts anfangen.
      „Mordshunger“ oder „Tod und Teufel“ z. B. sind zwei ältere Titel, in denen nicht auf jeder zweiten Seite Wissen vermittelt wird.
      Vielleicht sagen die Dir ja eher zu. Den eines muss man ihm lassen, dem Herrn Schätzing: Schreiben kann er, nur eben manchmal zuviel! 😉

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