„Das Vermächtnis der Montignacs“ von John Boyne – Man kann nicht alles haben

Buch: „Das Vermächtnis der Montignacs“

Autor: John Boyne

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 502 Seiten

Der Autor: John Boyne, geboren 1971, ist ein renommierter irischer Schriftsteller. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der University of East Anglia, Norwich. Er veröffentlichte bereits neun Romane für Erwachsene sowie fünf für jüngere Leser. Neben seiner Autorentätigkeit ist Boyne als Literaturkritiker für „The Irish Times“ tätig. Darüber hinaus ist er derzeit Vorsitzender der Jury des „Scotiabank Giller Prize 2015“ in Kanada. Für seine Werke erhielt Boyne bereits zahlreiche Preise, unter anderem in diesem Jahr den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für sein Jugendbuch „Stay where you are & then leave“ (dt. „So fern wie nah“). Ebenfalls dieses Jahr wurde Boyne die Ehrendoktorwürde der University of East Anglia verliehen. Im Oktober erscheint sein neuer Jugendroman „The boy at the top of the mountain“.

Boyne lebt in Dublin.

Das Buch: Owen Montignac hatte es nicht immer leicht im Leben. Sein Vater wurde wegen einer Affäre mit einem französischen Dienstmädchen von der Familie verstoßen und enterbt und zog nach Frankreich. Dort fiel er im Ersten Weltkrieg. Nur wenige Wochen später kam Owens Mutter bei einem Unfall ums Leben. Daraufhin holt ihn sein Onkel Peter Montignac von Frankreich zurück nach England auf den Familiensitz Leyville. Dort soll Owen zusammen mit seinem Cousin Andrew und seiner Cousine Stella aufwachsen. Von nun an könnte alles gut sein, doch die Familie Montignac bleibt vom Pech verfolgt. Erst stirbt Owens Tante, dann kommt sein Cousin Andrew bei einem Jagdunfall ums Leben. Letztlich verlässt auch noch Stella, mit der ihn mittlerweile eine innige Freundschaft verbindet, den Familiensitz Leyville und geht auf ein Internat in der Schweiz.

1936: Owen ist mittlerweile Mitte 20 und arbeitet in einer Galerie. Er hat aber auch ein großes Laster: Er spielt sehr gerne, nur leider nicht sehr erfolgreich. Daher plagen ihn Spielschulden, hohe Spielschulden. Und sein Gläubiger ist nicht dafür bekannt, mit seinen Schuldnern besonders geduldig oder gar zartfühlend umzugehen.

Dann verstirbt Owens Onkel Peter und die Zukunft erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht. Denn das Erbe der Montignacs wird seit Generationen immer nur an männliche Erben weiter gegeben. Owen wähnt sich am Ziel seiner Träume: Erbe des Familiensitzes Leyville zu sein, einschließlich des damit verbundenen Reichtums. Er möchte nun endlich das bekommen, was seinem Vater aufgrund seiner französischen Affäre verwehrt blieb.

Dann jedoch der große Schock: Onkel Peter vererbt Stella das gesamte Vermögen, die Immobilien, den Grundbesitz. Owen geht vollständig leer aus. Und es nähert sich der Tag, an dem er seine Schulden zurückzahlen muss.

Einige Zeit später lernt Owen in einem Club den jungen Gareth Bentley kennen. Bentley wird nach seinem Jurastudium von seinem Vater gedrängt, in dessen Kanzlei einzutreten, Gareth jedoch möchte alles andere als das. Owen nimmt den jungen Mann unter seine Fittiche und stellt ihn in der Galerie ein. In der Zwischenzeit hat er nämlich einen Plan ersonnen, wie er trotz des nicht erhaltenen Erbes seine Spielschulden zurückzahlen kann. Und Gareth Bentley wird dabei eine gewichtige Rolle spielen…

Fazit: John Boyne nimmt sich als Grundlage des Romans eine historische Begebenheit, den Rücktritt König Eduards VIII. von England, und spannt drumherum eine Mischung aus Familiendrama und Kriminalroman. Der Autor erzählt die Geschichte in mehreren Handlungssträngen und springt dabei von Person zu Person. Eine ganze Weile erschließt sich dem Leser nicht, was diese Personen denn nun miteinander zu tun haben sollten. Erst ab ungefähr der Hälfte des Buches verknüpft Boyne die einzelnen Handlungsstränge zu einem logischen Ganzen. Und dieses logische Ganze hat es inhaltlich durchaus in sich. „Das Erbe der Montignacs“ ist ein vielschichtiger, spannender Roman, der immer wieder mit Überraschungen aufwartet.

Die Charaktere sind überzeugend dargestellt. Regelmäßig füttert der Autor den Leser mit Handlungshäppchen in Form von wenigen Rückblenden, in denen man etwas über die handelnden Personen und ihre Beziehung untereinander erfährt. Durch diese Rückblenden werden die Charaktere nachvollziehbarer und glaubhafter, weil sich dem Leser dadurch manchmal erst richtig erschließt warum, Charakter X dieses oder jenes tut, obwohl man selbst in der Situation vielleicht etwas ganz anderes getan hätte.

So wie in den bisherigen zwei Büchern, die ich von Boyne gelesen habe, so ist der Autor auch in diesem Roman stilistisch über jede Kritik erhaben. Die Dialoge finde ich absolut großartig, das Buch insgesamt ist „(…)stilistisch elegant“, wie der „Irish Independent“ urteilt. Es macht schlicht und ergreifend Spaß, „Das Vermächtnis der Montignacs“ zu lesen. Ich schätze, selbst wenn ich die Geschichte langweilig und belanglos gefunden hätte, das Lesen des Buches als solches hätte mir wahrscheinlich immer noch Spaß gemacht. Ich schätze weiterhin, dass John Boyne auf einem guten Weg ist, sich zu einem meiner Lieblingsautoren zu entwickeln. Vermutlich könnte er auch ein Buch herausbringen, in dem er den Text von „Hoch auf dem gelben Wagen“ in 97 Sprachen übersetzt – ich würde es wohl mit Begeisterung lesen! 😉

Erich Kästner soll mal gesagt haben: „Wer Bücher kauft, kauft Wertpapiere!“ Und in einer Zeit, in der VW-Aktien ohnehin nicht mehr viel wert sind, kann ich meiner Leserschaft nur raten: Inverstiert in John Boyne, es rentiert sich!

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 10 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9,125 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Hellhole“ von Gina Damico

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