„Girl on the train“ von Paula Hawkins – Wer unter euch ohne Sünde ist,…

Buch: „Girl on the train“ (2015)

Autorin: Paula Hawkins

Verlag: blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 446 Seiten

Die Autorin: Paula Hawkins wuchs in Simbabwe auf, bevor sie 1989 nach England übersiedelte. Sie war 15 Jahre als Wirtschaftsjornalistin tätig. Unter dem Pseudonym Amy Silver hat sie bereits mehrere Liebesromane veröffentlicht. Diese wurden von der weltweiten Leserschaft allerdings geflissentlich ignoriert. Nun hat Hawkins das Genre gewechselt und mit „Girl on the train“ ihren ersten Thriller veröffentlicht.

Das Buch: Eigentlich ist Rachel ziemlich am Ende. Ihre Ehe mit Tom ging in die Brüche. Ursache dafür war größtenteils Rachels übermäßiger Alkoholkonsum. Und Ursache dafür wiederum war, dass Rachel und Tom gerne Nachwuchs gehabt hätten, Rachel aber anscheinend keine Kinder bekommen kann. Durch ihre Alkoholprobleme verliert sie auch ihren Job und durch die Scheidung von Tom auch das Haus. Nun, wie gesagt, Rachel ist eigentlich ziemlich am Ende.

Durch eine glückliche Fügung des Schicksals kann sie bei einer Freundin einziehen. Da diese aber nicht weiß, und nicht wissen soll, dass Rachel ihren Job verloren hat, versucht Rachel den Schein zu wahren und tut so, als ob sie weiterhin zur Arbeit fährt. Jeden Morgen steht sie auf, geht zum Bahnhof und fährt mit dem Zug nach London. Auf dem Weg dorthin trinkt sie die ersten Gin-Tonics aus der Dose. In London wandert sie meistens einige Stunden durch die Straßen, geht in einen Pub und fährt dann, meistens recht betrunken, wieder nach Hause.

Teil dieser morgendlichen Routine ist auch, dass Rachel mit dem Zug an der Straße vorbeikommt, in der sie früher mit Tom gewohnt hat. Üblicherweise hält der Zug dort auf der Strecke an einem Signal für einige Minuten. Rachel hat also genug Zeit, ihr ehemaliges Haus und die Nachbarschaft zu beobachten. Einige Meter von ihrem früheren Heim entfernt, fällt ihr immer wieder ein junges Paar auf, die auf Rachel einen sehr glücklichen Eindruck machen. Liebevoll nennt sie sie, unbekannterweise, „Jess und Jason“, eigentlich heißen die beiden Turteltauben Megan und Scott. Dann eines Tages fällt Rachel auf der Terasse von „Jess und Jason“ auf, dass ein fremder Mann an der Seite von „Jess“ sitzt – und sie sogar küsst. Rachel ist wütend, erinnert sie diese Szene doch an Tom, der sie damals für Anna verlassen hat.

Einige Tage später erfährt Rachel aus der Zeitung, dass „Jess“ spurlos verschwunden ist. Sie erinnert sich an den fremden Mann auf der Terasse und glaubt, der Polizei mit dieser Information vielleicht helfen zu können. Doch welcher Polizist glaubt schon einer Alkoholikerin? Rachel geht dennoch zur Polizei und tritt dabei Ereignisse los, mit denen sie in ihrem Leben nicht gerechnet hätte.

Fazit: Paula Hawkins hätte auf die Idee mit dem Genre-Wechsel schon vor einiger Zeit kommen sollen, dann hätte sie sicherlich bereits mehr Bücher unter die Leute gebracht als bisher. Tess Gerritsen ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: „Packend, spannend und absolut unvorhersehbar. Unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Nicht entgehen lassen!“ Wieder mal jemand, der Probleme hat, Bücher loszulassen… Jedenfalls, ganz so euphorisch sehe ich das jetzt nicht. Ja, packend und spannend trifft es ziemlich gut, „absolut unvorhersehbar“ ist das Buch aber leider nur bis ca. 150 Seiten vor Schluss. Insgesamt tut das der Sache aber kaum einen Abbruch.

Dabei erfindet die Autorin das Thriller-Genre nun wahrlich nicht neu. Man kann stattdessen sogar eine Reihe Vergleiche zu anderen Autoren und Innen feststellen.

Stilistisch erinnert mich „Girl on the train“ an Bücher wie „Schattenstill“ von Tana French oder „Dark Places“ von Gillian Flynn. Das Buch verbreitet eine ähnlich deprimierende Stimmung wie die erwähnte Beispiele, was aber gar kein Kritikpunkt sein soll, sondern eher für eine ansprechende Atmosphäre sorgt.

Inhaltlich liegen ebenfalls Vergleiche mit Gillian Flynn nahe, in diesem Fall mit „Gone Girl“. Sowohl in der Handlung als auch was den Titel angeht, sind Ähnlichkeiten nicht zu leugnen.

Und auch im Bereich der Charaktere liegen Vergleiche zu „Dark Places“ nah. Hier wie dort fällt es schwer, irgendeine Person wirklich zu mögen. Rachel bietet sich da schon gar nicht an. Aber auch ihr Ex-Mann Tom oder dessen neue Frau Anna sind alles andere als sympathisch. Die Ansammlung an Unsympathen passt ziemlich gut in düstere Atmosphäre.

Wer Thriller mag, deren Handlung sich auf eine Handvoll Personen und deren Interaktionen beschränkt, der wird von „Girl on the train“ sicherlich nicht enttäuscht. Und wer die oben angesprochenen Autorinnen mag, kann erst recht unbesorgt zugreifen.

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Nein, ich habe keine praktikable Möglichkeit gefunden, „Die Seiten der Welt – Nachtland“ von Kai Meyer zu rezensieren, ohne zuviel vom ersten Teil zu verraten. Bis jetzt noch nicht… Ich kann aber trotzdem jedem raten, es zu lesen. Als Alternative werde ich mich mit „Das Geisterspiel“ von Andrew Taylor beschäftigen – eine „gute, klassische Schauergeschichte“. Das klingt wie „Das Haus der Geister“ von John Boyne. Mal schauen, wie „Das Geisterspiel“ im Vergleich abschneidet…

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