„Die Auftragsmörderin“ – von Sam Feuerbach – Treffen sich ein Klugsch*** und eine Zynikerin…

Buch: „Die Auftragsmörderin – Die Krosann Saga 1“ (2014)

Autor: Sam Feuerbach

Verlag: Selbstverlag

Ausgabe: Taschenbuch, 410 Seiten

Der Autor: Sam Feuerbach ist beruflich eigentlich im IT Business Consulting tätig, begann allerdings bereits mit 12 Jahren, eigene kleine Geschichten zu schreiben. Inspiriert durch Autoren wie Robert Asprin, George R.R. Martin und Joe Abercrombie, entwarf Feuerbach seine eigene Fantasy-Welt: Krosann. Nach Abschluss seiner „Krosann-Saga“ schreibt er mittlerweile an der „Königsweg-Trilogie“.

Das Buch: Karek ist der Sohn des Königs von Toladar, Tedore Marein. Irgendwann in der Zukunft soll Karek die Königswürde von seinem Vater übernehmen. Schlecht nur, dass der Prinz so gar nicht die Erwartungen seines Vaters erfüllt. Er ist zwar belesen, klug, schlagfertig, aber in erster Linie interessiert sich der junge Thronfolger vor allem für eines: Fürs essen! Politik und Schwertkampf erscheinen ihm zweitrangig. Letzterer vor allem deswegen, weil seine enorme Leibesfülle einer großen Karriere als Schwertkämpfer unwesentlich im Wege steht.

Eigentlich schon genug Sorgen für König Tedore, der sich fragt, wie man aus dem Jungen doch noch einen hoffnungsvollen Thronfolger machen kann. Zu allem Überfluss entgeht Karek dann auch noch im letzten Moment einem geplanten Attentat. Eine „Krähe“, Mitglied einer Art Assassinengilde, hat es auf das Leben Kareks abgesehen. Die „Krähen“ zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie einen einmal angenommen Auftrag auch ausführen.

Für Karek gibt es also keine andere Wahl: Er muss die Burg verlassen und wird unter falschem Namen zum Cousin des Königs geschickt, um dort eine militärische Ausbildung zu bekommen. Ein wahrer Albtraum für Karek, der sich eigentlich lieber in Bibliotheken oder Speisesälen aufhält. Viel lieber als mit dem Schwertkampf würde er sich mit der Frage auseinandersetzen, was es mit dem alten Pergament auf sich hat, das er aus der heimischen Burg mitgenommen hat und auf dem Worte in der Alten Sprache geschrieben sind, die schon seit Jahrhunderten niemand mehr spricht. Stattdessen verbringt er seine Zeit mit Gewaltmärschen und schmerzhaften Zweikämpfen.

Und irgendwo lauert ja auch noch die „Krähe“…

Fazit: Im Bereich deutscher Fantasy-Autoren fallen mir spontan solche Namen ein wie Hohlbein, Heitz, Hennen oder Meyer. Mit Sam Feuerbach erscheint nun ein relativ neues Gesicht am Fantasy-Himmel. Hat der Autor das Zeug, im Bereich der eben genannten Genre-Größen eine gewichtige Rolle mitzuspielen? Sofern man sich nach der Lektüre des ersten Teils dieser Trilogie eine Antwort erlauben kann, so lautet sie: „Jein“!

Einigen Stärken des Buches, zu denen ich später komme, stehen ebenso einige Schwächen gegenüber. Der Einstieg des Buches z.B. ist, sagen wir, alles andere als actionreich. Im Grunde erfährt der Leser auf den ersten paar Dutzend Seiten in regelmäßigen Abständen, so alle 3 bis 4 Seiten, dass der Prinz Hunger hat. Sein Nahrungsproblem hat man als geneigter Leser aber auch verstanden, ohne es noch vierzigfach erläutert zu bekommen. Feuerbach gehört nach eigener Aussage zu der Gruppe der „Outliner“-Autoren: Schriftsteller, die die grobe Handlung ihres Buches, inklusive Schluss, bereits im Kopf haben, und dann drauflos schreiben, um zu schauen, wohin sie der Weg führt. Der Anfang des Buches macht eher den Eindruck, als wusste Feuerbach in diesem Moment noch nicht so genau, wohin es ihn denn führen sollte. Daher erwähnt er halt lieber sicherheitshalber nochmal, dass der Prinz Hunger hat, das frisst ein bisschen Zeit und Zeilen…

Glücklicherweise kann man „Die Auftragsmörderin“ ziemlich zügig lesen, was dazu führte, dass pünktlich bevor die Nahrungssucht des Prinzen anfing, mir auf den Geist zu gehen, die eigentliche Handlung begann.

Auch den Stil Feuerbachs kann man kritisch beäugen. Feuerbach bedient sich nicht gerade eines elaborierten Codes, um mal einen Abstecher in die Lingusitik zu machen. Im Gegenteil, „Die „Auftragsmörderin“ ist sprachlich über weite Strecken schon recht einfach gehalten. Allerdings handelt es sich bei seiner Trilogie laut seiner Internetseite auch um „Fantasy für junge und ältere Erwachsene (ab 14 Jahren)“. Gut, unter dem Aspekt, nehme ich das mal so hin und der Stil sei ihm verziehen. Zumindest erklärt sich dadurch, warum ich mich öfter fühlte wie in einem „5 Freunde“-Buch.

Und nicht nur daran erinnert „Die Auftragsmörderin“. Wer einmal den Beginn der „Ulldart“-Serie von Markus Heitz gelesen hat, die ich soweit ich mich erinnern kann, auch wärmstens empfehlen kann, der entdeckt durchaus Parallelen. Karek entspricht eins zu eins dem „Keksprinzen“ aus Teil eins von Heitz´ Serie.

Nichtsdestotrotz hat das Buch auch einige große Stärken. Zum einen wären da die Charaktere. Karek ist ein wirklich sympathischer Kerl, manchmal ein wenig vorlaut, manchmal ein wahrer Klugsch***. Auch sein Sinn für Gerechtigkeit steigert seine Sympathiewerte bei mir. Und die „Krähe“ ist ebenfalls gut getroffen. Unbarmherzig und skrupellos zieht die ehemals als Attentäterin ausgebildete junge Frau zu ihrem eigenen, kleinen Rachefeldzug los. Und zwischendurch soll sie noch den Thronfolger umbringen… Mit diesen beiden Personen hat Feuerbach durchaus spannende Charaktere geschaffen. Was wäre das schön gewesen, wenn er ihnen etwas mehr Zeit gegönnt hätte. Wenn man ein, zwei der „Karek-hat-Hunger“-Eingangspassagen gestrichen hätte, wäre dafür durchaus die Möglichkeit gewesen. Nun, ich denke, im zweiten Teil nimmt sich der Autor mehr Zeit für die Beiden.

Zum anderen wäre da die Geschichte selbst. Nachdem diese nämlich einmal Fahrt aufgenommen hat, ist sie doch sehr kurzweilig. Ich zumindest möchte sehr bald wissen, wie es mit Karek und der Krähe weiter geht. Und da es sich bei diesem Buch um eine Leihgabe einer ganz zauberhaften Person handelt, schätze ich, dass ich mich dort bald mal wieder zum Kaffee einladen werde – und als netten Nebeneffekt die Teile zwei und drei mitnehme. 😉

Wertung:

Handlung: 8,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8.5 von 10 Punkten

Stil: 6 von 10 Punkten

Atmosphäre: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,375 Punkte

Demnächst in diesem Blog: „Die Todesliste“ von Frederick Forsyth. Klingt nach knallharter, kompromissloser Action…

Vielleicht aber auch „Wölfe“ von Hilary Mantel – passt doch gut zu meinem Blog! 😉 Ein über 750 Seiten langer historischer Roman – das dürfte dann länger dauern…

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