„Ich finde dich“ von Harlan Coben – Schnitzeljagd

Buch: „Ich finde dich“ (2015)

Autor: Harlan Coben

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch

Der Autor: Harlen Coben, geboren 1962 in Newark, New Jersey, ist ein amerikanischer Thriller-Autor. Nach dem Studium der Politikwissenschaften und einer Tätigkeit in der Reisebranche, begann er in den 90er Jahren mit dem Schreiben und zeichnet für die erfolgreiche Buchreihe um den Sportmanager Myron Bolitar verantwortlich. Der deutschen Leserschaft besser bekannt wurde er mit anderen Thrillern, unter anderem dem hier im Jahr 2004 erschienenen “Kein Sterbenswort”. Darauf folgten weitere erfolgreiche Thriller. Mittlerweile hat der Erfolgsautor ca. 25 Bücher veröffentlicht, die in insgesamt 33 Sprachen übersetzt wurden.

Coben lebt mit seiner Frau und vier Töchtern in Ridgewood, New Jersey.

Das Buch: Während eines Aufenthaltes in einem Schriftsteller-Refugium, einer Art Workshop, möchte Jake Fisher seine Dissertation fertigstellen. Dort trifft er auf Natalie. Sofort ist für Jake klar: Sie ist die eine große Liebe seines Lebens. Die beiden verbringen drei traumhafte Monate miteinander. Dann jedoch geht alles ganz schnell: Natalie beichtet Jake, dass sie wieder mit ihrem Ex-Freund Todd zusammen sei und die beiden auch noch heiraten wollen. Auch wenn für Jake eine Welt zusammenbricht, so hält er sich doch tapfer. Sogar bei Natalies Hochzeit ist er dabei! Im Anschluss an die Trauung bittet ihn Natalie in einem persönlichen Gespräch: „Versprich mir, dass Du uns in Ruhe lässt! Versprich mir, dass Du uns nicht folgst, nicht anrufst und nicht mal eine E-Mail schickst!“

Erneut ist Jake mächtig vor den Kopf gestoßen. Da er jedoch nur das Wohlergehen seiner Angebeteten im Kopf hat, der Mann weiß halt, was sich gehört, verspricht er Natalie das alles. Und er hält sich auch daran. 6 lange Jahre!

In der Zwischenzeit ist Jake Professor an der Universität Lanford. Als er die Homepage seiner Uni öffnet, fällt sein Blick auf eine dort veröffentlichte Todesanzeige mit Foto des Verstorbenen. Irgendwie kommt Jake dieser Mann bekannt vor. Dann fällt ihm auf: Es handelt sich um Todd, Natalies Ehemann. Offensichtlich war er früher ein Student in Lanford, sogar ein begnadeter Student und talentierter Sportler.

Ohne genau zu wissen, warum, bucht Jake einen Flug, um sich auf den Weg zu Todds Beerdigung zu machen. Dort angekommen, ist er allerdings ziemlich verwirrt darüber, Natalie nicht anzutreffen. Und auch niemanden aus ihrer Familie. Erst glaubt Jake an ein Missverständnis, vielleicht hat er sich ja einfach geirrt und der Verstorbene war gar nicht Todd!? Dennoch versucht er weiter, etwas über Natalie heraus zu finden. Daher ruft er ihre Schwester an. Doch die behauptet, gar keinen Jake Fisher zu kennen! Jakes Verwirrung steigt weiter. Er beschliesst, in das Schriftsteller-Refugium zu fahren, in dem er Natalie erstmals begegnet ist. Dort wird er jedoch umgehend von zwei eher unfreundlichen Polizisten in Empfang genommen, die schwören, dass es so etwas wie dieses Schriftsteller-Refugium an diesem Ort niemals gegeben habe!

Jake gibt nicht auf: Er beauftragt eine Kollegin an der Uni, die aufgrund ihres beruflichen Werdegangs Beziehungen zu diversen Geheimdiensten hat, etwas über Natalie heraus zu bekommen. Das Ergebnis ist, wie erwartet, ernüchternd: Nichts! Absolut gar nichts ist über Natalie zu finden, keine Papiere, keine behördlichen Einträge, nicht mal im Internet taucht ihr Name auf!

Jake ist verzweifelt. Wie, und vor allen Dingen warum, kann ein Mensch so spurlos verschwinden? Er weiß nur eins: Er muss sie finden…

Fazit: Er sei „einer der wenigen Autoren, von dem ich jeden Thriller kaufe, ohne mir auch nur die Inhaltsangabe durchzulesen“ sagt Sebastian Fitzek über Harlan Coben. Mir geht es da ähnlich. Denn so richtig falsch liegen kann man bei Coben eigentlich nicht, wenn man Thriller mag. Auch nicht mit „Ich finde dich“.

Dennoch hat das Buch auch die eine oder andere Schwäche:

Coben schreibt seine Thriller gerne aus der Perspektive eines Ich-Erzählers, so auch in diesem Fall. Dagegen ist ja auch erst mal nichts einzuwenden. Die Hauptfigur erzählt da also ihre eigene Geschichte, so weit, so gut. Allerdings tut das dann jede Hauptfigur im fast identischen Stil, in Cobens eigenem Stil halt. Jake Fisher aus „Ich finde dich“ hat die fast identische Art zu schreiben bzw. zu erzählen wie z. B. Matt Hunter aus „Kein Friede den Toten“. Das macht die Hauptfiguren dann eben auch irgendwie austauschbar. Sie sind deswegen nicht schlechter, nur beliebiger.

Da wäre es schon schön, wenn Mr. Coben doch in Zukunft mal dazu übergehen könnte, jedem Ich-Erzähler eine persönlichere Note zu geben, einen individuellen, charakteristischen Stil eben.

Von dieser Meckerei auf zugegebenermaßen hohem Niveau abgesehen, liest sich „Ich finde dich“ allerdings ziemlich gut. Kommen wir also von diesen zu vernachlässigenden Schwächen beim Stil und den Charakteren hin zu der großen Stärke, die seine Bücher meistens auszeichnet, nämlich, so banal das klingt, der Handlung als solche. Coban denkt sich immer wieder spannende und verwirrende Geschichten aus und ist in der Lage, den Leser so lange wie möglich im Unklaren über die Zusammenhänge zu lassen. Die Frage nach Natalies Schicksal führte einerseits dazu, dass ich mir die wildesten Theorien zusammengesponnen habe (alle verkehrt!) und andererseits dazu, dass ich plötzlich erstaunt feststellen musste, dass ich schon fast am Ende des Buches angekommen war.

Thriller-Fans im Allgemeinen und Coben-Fans im Speziellen können in diesem Fall bedenkenlos zugreifen. Im Moment steht das Buch auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste im Bereich „Taschenbücher“. Ich bin mit meiner Meinung also nicht alleine! 😉

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog:

Offensichtlich scheint ein Interesse daran zu bestehen, dass ich tatsächlich zeitnah das Buch „Die Königin der Schatten“ rezensiere. Dazu müsste ich es ja allerdings auch lesen. Und nach bisher durchgequälten 138 Seiten hätte ich eigentlich lieber Lust, mich geißelnd durch heimische Fußgängerzonen zu bewegen als dieses Machwerk durchzuackern. Aber was tut man nicht alles für seine Leserschaft!? Und wer weiß, vielleicht werden die restlichen 400 Seiten ja richtig gut…

Also, kurz gesagt, demnächst gibt es hier „Die Königin der Schatten“ von Erika Johansen.

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