„Totengleich“ von Tana French – Trügerisches Idyll

Buch: „Totengleich“ (2014)

Autorin: Tana French

Verlag: Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 778 Seiten

Die Autorin: Tana French, geboren 1973, ist eine amerikanisch-italienische Krimi-Autorin. Sie wuchs in Irland, Italien und Malawi auf. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin absolvierte French eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitete für Theater, Film und Fernsehen. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Dublin. Seit 2008 hat French insgesamt 5 Bücher veröffentlicht, für die sie bereits vielfach ausgezeichnet wurde. Vollkommen zu Recht!

Das Buch: Cassie Maddox ist 26 Jahre alt und hat gerade vor einem Jahr die Polizeischule abgeschlossen. Da bietet sich ihr eine große Chance: Der Polizist Frank Mackey, Leiter der Undercoverabteilung, sucht für eine verdeckte Ermittlung eine Polizistin, die für Anfang 20 durchgeht und Universitätserfahrung hat. Cassie hat einige Semester Psychologie studiert, bevor sie sich entschloss, zur Polizei zu wechseln. Sie bekommt den Job.

Zusammen erfinden die beiden Cassies neue Identität: Lexie Madison. Ein kompletter Lebenslauf, ein familiärer Hintergrund und weitere Details werden ausgearbeitet. Cassie beginnt, als Lexie Madison zu ermitteln. Einige Zeit später wird der Einsatz erfolgreich abgeschlossen, auch wenn Cassie dabei verletzt wird, und die fiktive Person „Lexie Madison“ verschwindet in den Polizeiakten.

Einige Jahre später: Nach einer kurzen Tätigkeit im Morddezernat arbeitet Cassie mittlerweile im DHG, im Dezernat für häusliche Gewalt. Umso erstaunter ist sie, als ihr Freund Sam, ebenfalls Polizist und im Morddezernat tätig, sie bittet, an den Tatort eines Mordes zu kommen. Schließlich ist sie für solche Fälle nicht mehr zuständig. Letztlich lässt sie sich überzeugen und macht sich auf den Weg.

Am Ort des Verbrechens, einem abgelegenen alten Cottage, erwartet sie gleich ein doppelter Schock: Das Mordopfer, eine junge Frau, gleicht Cassie bis aufs Haar! Und aus den Ausweispapieren der Toten geht hervor, dass es sich bei ihr um eine gewisse Lexie Madison handelt!

Frank Mackey versucht zu ergründen, wie es zu diesem offensichtlichen Identitätsdiebstahl an einer nichtexistenten Person gekommen sein kann. Zuletzt hat das Mordopfer zusammen mit vier Freunden in einem großen Herrenhaus, Whitethorn House, gewohnt, das einer der Freunde geerbt hat. Mackey beschliesst, ihren Freunden gegenüber zu behaupten, Lexie habe überlebt und ziehe in Kürze wieder in Whitethorn House ein. Dann überredet er Cassie, nochmal undercover zu arbeiten und so zieht sie schließlich als „Lexie Madison“ in das Herrenhaus ein, um heraus zu finden, ob einer der Mitbewohner für den Mord verantwortlich ist. Oder vielleicht doch jemand der Einwohner des nahegelegenen Dorfes Glenskehy, die so gar nicht gut auf die jungen Leute vom Whitethorn House zu sprechen sind?

Fazit: Im Verleich zu den anderen Büchern, die ich von Tana French bisher gelesen habe, ist „Totengleich“ immer ein bisschen weniger. Ein bisschen weniger düster als „Schattenstill“, ein bisschen weniger deprimierend als „Sterbenskalt“ und ein bisschen weniger temporeich als „Geheimer Ort“. Aber insgesamt ist es immer noch ein guter Krimi. Sie kann es halt, die Tana.

Stilistisch unterscheidet sich „Totengleich“ naturgemäß nicht von ihren anderen Krimis. French fängt die typisch irische Stimmung, die ihre Bücher häufig ausmachen, wie immer sehr gut ein. Ich finde zwar die lineare Erzählweise irgendwie unglücklich, da ich lieber Handlungen habe, die mal von Ort zu Ort und von Handlungsstrang zu Handlungsstrang springen, wie z.B. in „Geheimer Ort“, aber das ist in diesem Fall dem Plot geschuldet und sei daher verziehen. Alles wird eben aus Cassies Sicht erzählt und die wohnt nun mal mit „ihren“ Freunden in Whitethorn House, da sind Ortswechsel nur schwer möglich bzw. ergeben keinen Sinn.

HANDLUNG!!!! Ich meinte natürlich „Handlung“ und nicht „Plot“!!! Da hätte ich doch fast einen unnützen Anglizismus benutzt,…pfui,… ich fühl mich so schmutzig…! 😉 Lassen wir das und kommen zu einer der größten Stärken der Autorin: Den Charakteren.

Verglichen mit anderen Größen des Krimigenres sind die Charaktere in Frenchs Büchern immer ausgesprochen detailliert ausgearbeitet. Das gilt in erster Linie für die Protagonistin Cassie, die anfangs einfach ihre Ermittlung erfolgreich bestreiten will, sich aber später durch die Harmonie und die Idylle, die im Haus und zwischen den Bewohnern herrscht, emotional sehr mit den anderen verbunden fühlt. Eine Art Stockholm-Syndrom light.

Auch ihre Mitbewohner sind gut getroffen: Der extrem schüchterne Justin, der eher extrovertierte Rafe, Daniel, der eine Art Anführerrolle in der Gruppe übernommen hat, schließlich hat er das Haus auch geerbt, und schließlich Abby, schwer verliebt in Daniel.

Die Handlung hat jedoch sicherlich die eine oder andere Länge. Anfangs habe ich mich einige Zeit gefragt, was das Ganze denn nun soll. Und es dauert dann nochmal eine ganze Weile, bis die Handlung so richtig in Gang kommt. Nach knappen 200 Seiten, wenn Cassie in Whitethorn House einzieht, dann allerdings weiß „Totengleich“ wirklich zu überzeugen. Na, bis auf einen kurzen sehr kitischigen Exkurs gegen Ende des Buches, aber auch das sei ihr verziehen.

Insgesamt fühlte ich mich von „Totengleich“ recht gut unterhalten und stelle betrübt fest, dass es lediglich ein weiteres Buch von French gibt, das ich noch nicht gelesen habe. Ich will doch schwer hoffen, sie schreibt möglichst schnell möglichst viele weitere!!!

Wertung:

Handlung: 7,5 von 10 Punkten

Charaktere: 8,5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die Königin der Schatten“ von Erika Johansen. Ein erneuter Ausflug ins Fantasy-Genre. Ich hoffe, dieser impulsive Spontankauf hat sich gelohnt…

Ooooder aber „Ich finde Dich“ von Harlan Coben. Der geht eigentlich immer!

Mal schauen, ich bin Entscheidungsneurotiker…

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