„Der Krieger und der Prinz“ von Liane Merciel – Guter Einstand

Buch: „Der Krieger und der Prinz“ (2011)

Autorin: Liane Merciel

Verlag: blanvalet

Ausgabe: Taschenbuch, 445 Seiten

Die Autorin: Liane Merciel ist eine junge amerikanische Autorin, die zurzeit in Philadelphia lebt und dort als Anwältin tätig ist. Sie ist unter anderem in Deutschland, Korea und verschiedenen Orten in den USA aufgewachsen und hat an der renommierten Universität von Yale studiert. „Der Krieger und der Prinz“ ist ihr erster Roman.

Das Buch: Die Länder Eichenharn und Langmyr liegen seit Ewigkeiten miteinander im Streit. Auch außerhab offizieller Kriegszeiten kommt es immer wieder zu Übergriffen und Scharmützeln entlang des Grenzflusses Seivern. Daher beschließt Sir Galefrid von Bullenmark, Sohn des Eichenharner Königs und rechtmäßiger Thronfolger, zusammen mit seiner frisch angetrauten Frau, seinem neugeborenen Sohn Wistan und einem großen Gefolge, nach Langmyr zu reisen, um ein Zeichen des Friedens zu setzen und möglicherweise Verhandlungen über eine dauerhafte Aussöhnung der beiden Länder zu führen.

Im kleinen Ort Weidenfeld jedoch werden die Eichenharner während einer religiösen Zeremonie überfallen und getötet. Lediglich Brys Tarnell, mutiger aber mittelloser Ritter in den Diensten Galefrids von Bullenmark, überlebt den Angriff – und der kleine Wistan. Tarnell bringt das Kind aus dem Dorf und versucht einerseits, den Jungen nach Hause in die heimische Burg zu bringen und andererseits, herauszufinden, wer die Angreifer waren. Nicht ahnend, dass Galefrids eigener Bruder Leferic die Morde in Auftrag gegeben hat und sich zu diesem Zweck die Dienste einer Dorne (Hexe) gesichert hat, furchterregende und mächtige Geschöpfe!

Auch auf Seite Langmyrs ist dem dortigen König, Lord Eduin Inguilar, nicht an weiteren militärischen Auseinandersetzungen gelegen. Er nimmt daher einen Ritter der Göttin Celestia sowie dessen Gefährtin und Geweihte in seinen Dienst, Kelland und Bitharn. Sie sollen ebenfalls herausfinden, was genau in Weidenfeld passiert ist und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Und das möglichst, bevor ein weiterer Krieg zwischen den beiden Ländern unvermeidbar wird.

Fazit: Kürzlich sprach ich mit einer sehr geschätzten Leserin meines Blogs. Diese äußerte die Vermutung, dass wir doch einen merklich unterschiedlichen Buchgeschmack hätten. Sie habe z. B. „Der Schatten des Windes“ einfach nicht zu Ende lesen können und stattdessen eher eine Vorliebe für das Fantasy-Genre. Nachdem sich meine Empörung bezüglich „Der Schatten des Windes“ ein wenig gelegt hatte (echt jetzt, „nicht zu Ende lesen können“ unfassbar! 😉 ), bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich das von mir eigentlich ebenfalls heiß und innig geliebte Fantasy-Genre viel zu lange und unberechtigterweise mit Nichtbeachtung gestraft habe. Das wird nun hiermit geändert.

Nein, ich werde nicht länger als unbedingt notwendig darauf rumreiten, dass eine wörtliche Übersetzung des Originaltitels den deutschen Titel „Die Straße der Flußkönige“ ergeben hätte, was schön geklungen hätte. Ich wollte es nur mal erwähnen! Stattdessen hat man sich für das sehr viel banalere „Der Krieger und der Prinz“ entschieden. Das klingt weniger nach Fantasy. Das klingt, völlig wertfrei gemeint, mehr nach homoerotischem Mittelalter-Roman. Ein im Jahre 1246 spielendes „Fifty shades of gay“, geschrieben von E. L. James und Rosamunde Pilcher, oder so! 😉 Nun, dem ist nicht so.

„Der Krieger und der Prinz“ ist – für ein Erstlingswerk – sogar ein erstaunlich guter Fantasy-Roman, trotz aller Schwächen:

Es gibt wirklich wenige, wenige Charaktere in diesem Buch, die man sympathisch finden oder auch nur nachvollziehen kann. Brys Tarnell z. B. ist, Entschuldigung, ein wahrer Kotzbrocken! Ja, er rettet das Baby vor den Angreifern in Weidenfeld. Das tut er allerdings in erster Linie aus persönlicher Gewinnsucht. Bei seinen Nachforschungen zu den Drahtziehern des Überfalls bringt er in schöner Regelmäßigkeit beiläufig Menschen um, die im Normalfall bereits völlig wehrlos sind. Nee, also als Held und Identifikationsfigur taugt er nicht. Seine Begleitung, die aus Weidenfeld stammende Odosse ist irgendwie, nun ja, ein eher seichtes Gemüt und langweilig.

Dann hätten wir noch den Ritter in strahlend goldener Rüstung, und das ist wörtlich zu nehmen, und seine Begleitung, Kelland und Bitharn. Während Brys und der hinterlistige Leferic übertrieben böse sind, sind Kellen und Bitharn das genaue Gegenteil. Ein bisschen zu sehr schwarz und weiß im Bereich der Charaktere.

Stilistisch bin ich mit Frau Merciel allerdings ziemlich zufrieden. So in etwa sollte man Fantasy-Romane schreiben. Eine bildhafte Sprache, keine unnötig verschachtelten Sätze. Doch, da kann man nicht meckern.

Inhaltlich hat „Der Krieger und der Prinz“ wieder so einige Schwächen. Man weiß halt schon zu Beginn des Buches, wer für den Überfall in Weidenfeld verantwortlich ist, es steht nämlich auf der Rückseite des Buches! Dem Leser diese Information vorzuenthalten, wäre sicherlich klüger gewesen! So kommt zumindest in diesem Teil der Handlung wenig Spannung auf.

Gut, wenn der Stil ganz in Ordnung, die Charaktere ein wenig daneben und die Spannung überschaubar ist, warum hat mir das Buch dann so gut gefallen? In erster Linie wegen der Geschichte hinter der Geschichte. Liane Merciel versteht es, durch die Schilderungen geschichtlicher Ereignisse oder Legenden aus grauer Vorzeit, ihrer Welt Leben einzuhauchen und eine erstaunliche Tiefe zu verleihen. Wenn man z. B. simpel schreibt, dass Land A und Land B im Krieg miteinander sind, dann ist das schön und gut. Mir wäre aber als Leser wichtig, zu wissen, WIESO die sich im Krieg befinden. Und genau solche Informationen gibt die Autorin ihren Lesern. Und das ermöglicht es mir als Leser, mich besser in das Buch und die Geschichte zu vertiefen.

Also, wie gesagt, für ein Erstlingswerk eine beachtliche Leistung.

Mittlerweile ist bereits der zweite Teil der Reihe erschienen. Und der wird sich sehr, sehr bald in meinem Besitz befinden! 😉

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog:  „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ von Luca di Fulvio. Seine ersten beiden historischen Romane waren mindestens großartig, ich will mal hoffen, dass der dritte da mithalten kann…

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