„Schweigende Sünde“ von Lieneke Dijkzeul – Een plezant misdaadroman

Buch: „Schweigende Sünde“ (2012)

Autorin: Lieneke Dijkzeul

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 335 Seiten

Die Autorin: Lieneke Dijkzeul, geboren 1950 in Sneek, ist eine holländische Autorin. Nach einer Fülle von Kinderbüchern, erschienen in den letzten Jahren zunehmend  Bücher für Erwachsene, die hierzulande jedoch relativ wenig Beachtung fanden, teilweise gar nicht übersetzt wurden. Bei unseren Nachbarn jedoch gehört L. Dijkzeul mittlerweile zu den Größen des Krimi-Genres.

Das Buch: Im Rahmen eines großen jahrgangsübergreifenden Klassentreffens geschieht ein Verbrechen: Der Lehrer Eric Janson wird tot vor dem Waschbecken der Schultoilette gefunden. Sofort wird die Polizei verständigt. Das Ermittlerteam, bestehend aus den Polizisten Brink, Talsma, der jungen Renée Petterson und dem Vorgesetzten Paul Vegter, beginnt umgehend mit der Arbeit.

Ist der Täter unter den ehemaligen Schülern wie Bart, David, Eric, Eva und Ingrid zu suchen? Oder kommt doch eher jemand aus Jansons Familie in Frage, eine seiner beiden Ex-Frauen etwa?

Fazit: Ich weiß, ich hatte an dieser Stelle das Buch „Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic angekündigt. Aber wie ein großer deutscher Politiker mal gesagt hat: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ 😉 Ich habe mich entschieden, das Buch vorerst nicht zu rezensieren, obwohl, oder vielleicht auch gerade weil, es mir wirklich hervorragend gefallen hat. Rückblickend fällt es aber dann doch zu sehr in den Bereich der Bücher über „Das Leben, das Universum und den ganzen Rest“, um es mal mit Douglas Adams zu sagen, die ich in letzter Zeit gelesen und auch nicht rezensiert, sondern für mich behalten habe. Vielleicht schreibe ich ein andermal drüber, wer weiß!?

Nun aber zum vorliegenden Werk: Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mal eine holländische Überschrift verwende, Fehler vorbehalten. 😉 Aber mal ehrlich: Was für eine poetische Sprache…! Krimi = misdaadroman! Herrlich, oder!? Hach, was müssen die Holländer für einen Spaß haben… 😉

So, nun aber wirklich in medias res! Mit „Schweigende Sünde“ habe ich meinen eigenen Rekord in Sachen „Täter-raten“ gebrochen: Auf Seite 23 hatte ich die Lösung gefunden!!! Zu diesem Zeitpunkt der Handlung war der oben erwähnte Lehrer noch nicht mal tot!!! Schade, wenn dann noch über 300 Seiten folgen. Aber, warum druckt der Verlag auf der Rückseite des Buches bedeutungsschwere Sätze ab, die in Verbindung mit den ersten Seiten des Buches für jeden, der schon mal einen Krimi gelesen hat, nur eine Schlussfolgerung hinsichtlich des Täters zulassen.

Traurig sowas, denn eigentlich ist „Schweigende Sünde“ wirklich „een plezant misdaadroman“, ohne mich jetzt aber aus den Latschen zu hauen. Bei den Charakteren hat die Autorin, deren erneute Verwendung ihres Namens ich mir im weiteren Verlauf dieser Rezension jedoch weitgehend verkneifen werde, weil ich immer wieder nachsehen muss, wie er sich schreibt, jene Autorin also hat bereits bei den Charakteren tief in die Krimi-Klischee-Kiste gegriffen. Da haben wir im Ermittlerteam einen talentierten Jungspund, den souveränen älteren Ermittler, die umwerfend attraktive Polizistin mit den kupferroten Haaren und deren Chef. Und der ist wie alle, wirklich alle, alle, alle Chefs von Ermittlerteams der Krimis, die ich in jüngerer Vergangenheit gelesen habe: Vegter befindet sich kurz vor der Pensionierung, seine Frau ist vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen, er wohnt allein mit seinem Kater (ebenfalls kurz vor der Pensionierung), seine Tochter kommt ihn selten besuchen. Warum, um alles in der Welt, erinnern die mich alle immer wieder entfernt an Wallander? Warum kann da nicht mal jemand kommen, der 25 Jahre jünger ist und noch nicht desillusioniert? Der vielleicht sogar so etwas Abgefahrenes hat wie eine Familie? Oder, Gott bewahre, vielleicht sogar ein glückliches Leben? Sowas soll es doch geben, habe ich gehört!

Na, sei´s drum! Wenigstens in die Bösewicht-Seite hat Frau, ääh, hat die Autorin mehr Zeit investiert, so dass dort dann wesentlich differenziertere Figuren herausgekommen sind. Auf die kann ich natürlich mal wieder nicht eingehen, Spoiler, und so. Ihr müsst wohl selbst bis Seite 23 lesen… Stilistisch erfindet die Autorin das Genre zwar nicht neu, schreibt aber recht angenehm. Auf eine unaufdringlich-unspektakuläre Art eben. Das passt schon! Tja, inhaltlich…Seite 23 eben…!

Das alles klingt jetzt irgendwie schlechter als es wirklich ist. Wer einen Krimi für zwischendurch sucht, kann sich „Schweigende Sünde“ durchaus gönnen. Ich gehe aber davon aus, dass dieser Krimi dem Leser dann ähnlich nachhaltig im Gedächtnis bleibt, wie Menschen, die man flüchtig kennt und dann auf der Straße trifft: „Ach, guck mal, der Dings, der Dings,… Mensch, wie hieß der noch…?“

Wertung:

Handlung: 4 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 23, äääh, nein, 3 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 4,875 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich widme mich bald mal wieder verstärkt dem lange von mir vernachlässigten Fantasy-Genre. Als erstes mit „Der Krieger und der Prinz“ von Liane Merciel.

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