„Das verschollene Reich“ von Michael Peinkofer

Buch: „Das verschollene Reich“ (2015)

Autor: Michael Peinkofer

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 556 Seiten

Der Autor: Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, ist ein deutscher Autor, Filmjournalist und Übersetzer.

Er studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften. Bereits während dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Texte unter Pseudonym. Nach seiner Arbeit für diverse Filmmagazine unternahm er zwischen 1991 und 2001 ausgedehnte Reisen in die USA und war als Reiseberichterstatter tätig. Seinen literarischen Durchbruch feierte er mit dem im Jahr 2004 erschienenen historischen Roman „Die Bruderschaft der Runen“.  Den Fantasy-Fans ist er durch seine Romane um „Die Orks“ ein Begriff.

Gemäß seines Eintrags in dem großen Online-Lexikon mit W hat Peinkofer unter diversen Pseudonymen bisher etwa 180(!) Romane geschrieben. Berücksichtigt man die Mindestzahl an Seiten, die ein Werk haben sollte, um als Roman zu gelten und Peinkofers Geburtsjahr, dann halte ich die Zahl von 180 für, nun ja, ähm, diskussionswürdig. Aber da ich einem meiner Lieblingsautoren nicht Unrecht tun möchte, gehe ich einfach mal von einer eher großzügigen Definition des Wortes Roman aus. Aber Roman hin oder her: 180 Bücher zu schreiben, das ist schon mal eine beachtliche Leistung.

Das Buch: Ende des 12. Jahrhunderts: Sir Robert der Morvaie ist Sheriff des Königs und Vater des jungen Rowan. Rowans Mutter jedoch ist eine Gemeine, weswegen sich Sir Robert nur einmal herablässt, seinen Sohn zu besuchen: Um ihn der Obhut seiner Mutter zu entreißen und zur Ausbildung in ein Kloster zu geben.

Rowan jedoch gibt sich widerspenstig, ein vorblidlicher Mönch wird aus ihm nicht werden. Er wird von Kloster zu Kloster, von Mönch zu Mönch weiter gereicht. Sonderlich gut behandelt wird er eigentlich nie. Irgendwann, in einem Kloster in Ascalon, im Königreich Jerusalem, sitzt Rowan mal wieder im Karzer. Und dort trifft er auf den alten Benediktinermönch Cuthbert, der ihn gerne in seine Dienste nehmen möchte. Cuthbert war vor Jahren Berater des Königs Amalric von Jerusalem, überwarf sich jedoch mit diesem und möchte erst jetzt, nach Amalrics Tod und auf Geheiß von dessen Tochter, Königin Sibylla, nach Jerusalem zurückkehren. Und Rowan soll ihn begleiten. Der junge Novize ist ist Feuer und Flamme, hat er doch die Heilige Stadt noch nie gesehen.

Erst später erfährt er die Gründe für Cuthberts und seinen Besuch bei Königin Sybilla: Johannes Presbyter, ein sagenumwobener Herrscher eines unbekannten christlichen Landes weit, weit im Osten, hat einen Brief an den Kaiser von Byzanz geschickt, schon vor Jahren. Eine Abschrift dieses Briefes ist nun auch Königin Sibylla in die Hände gelangt. Johannes Presbyter beschreibt sein Land und seine Macht in den leuchtendsten Farben. So ist dort zu lesen: „Unser Land ist die Heimat von Centauren, Faunen, Satyrn und Pygmäen; von Giganten die vierzig Ellen hoch sind, von Zyklopen und ebenso gearteten Frauen, sowie von dem Vogel der Phönix heißt.“ Beeindruckend, oder!? Diesen Herrscher und dieses Land möchte Königin Sibylla gerne kennenlernen.

Vor allen Dingen, weil es in dem Brief weiter heißt: „Mit mächtigem Heere, wie es dem Glanze unserer Majestät geziemt, das Grab des Herrn zu besuchen, die Feinde des Kreuzes Christi zu demütigen und zu bekämpfen (…) haben wir gelobt.“

Und eine solche christliche Unterstützung könnte Sibylla gerade mal wirklich richtig gut gebrauchen. Nicht nur, dass die Muslime im Osten anscheinend wieder ein Heer zur Rückeroberung der Heiligen Stadt zusammenstellen, auch die Kreuzfahrerstaaten untereinander liegen im Streit. Da könnte ein mächtiger und christlicher Verbündeter wirklich nicht schaden.

Also schickt Sibylla Cuthbert und Rowan zusammmen mit der Seherin Cassandra los, um das Reich des Johannes Presbyter zu finden…

Fazit: Es wird niemanden ernsthaft verwundern, dass ich nicht alle von Peinkofers, ich sage mal „angeblichen“, 180 Romanen gelesen habe… Aber doch einige. Und die meisten davon, wie auch „Das verschollene Reich“ gefielen mir richtig gut. Und selbst wenn sie mir mal nicht so gut gefielen, zuletzt z. B. habe ich „Das Buch von Ascalon“ gelesen, (ähnliches Setting, hundert Jahre früher, manchmal etwas langatmig), selbst dann waren sie noch okay.

Peinkofers Stil ist sehr bildhaft und insofern genau das, was man für einen historischen Roman meiner Meinung nach braucht. Personen, Orte, Situationen werden dadurch nun mal sehr viel leichter vorstellbar für den Leser. Auch seine Dialoge sind gut gelungen.

Die Handlung teilt der Autor in zwei Handlungs- bzw. Zeitstränge. Auf diese Weise erfährt man erst, wie die Seherin Cassandra überhaupt aus ihrem Heimatdorf in Frankreich nach Jerusalem gelangt ist. Ein Handlungsteil, den ich, um den Rahmen nicht zu sprengen, einfach mal nicht näher beschrieben habe. Obwohl er durchaus seine Reize hat, beinhaltet er doch einige der faszinierendsten Charaktere des Buches, den Templer Kathan zum Beispiel. Aber das würde wirklich zu weit führen! 😉

Überhaupt, die Charaktere: Ganz großes Kino, finde ich, zumindest für einen historischen Roman. Die Entwicklung Rowans, des einstmals widerspenstigen Novizen, die Seherin Cassandra, die Ereignisse aus der Zukunft sieht, sich an ihre eigene Vergangeheit aber ironischerweise nicht mehr erinnern kann, und vor allem der zynische und sarkastische Benediktiner Cuthbert! Sie alle habe ich wirklich gemocht! Bei Cuthbert hatte ich immer das Bild von Ben Kingsley vor Augen, und seine deutsche Synchronstimme Peter Matic im Ohr. Keine Ahnung, warum. Aber bei einer etwaigen Verfilmung wäre das eine gute Besetzung!

Dass mir dieses Buch so gut gefallen hat, liegt vielleicht auch daran, dass ich diese „So-könnte-es-gewesen-sein-Geschichten“ sehr mag. Man nimmt sich ein/e/n existierende/n/s Person/Ereignis/Dokument aus der Weltgeschichte, und macht etwas Fiktionales daraus ( denn diesen Brief des ominösen Johannes Presbyter hat es wirklich gegeben!). Kai Meyer konnte das, so bis vor ca. 10 Jahren, sehr gut! Und Michael Peinkofer kann das offensichtlich auch sehr gut!

Abschließend lässt sich sagen: Wer schon mal Bücher von Peinkofer gelesen hat, und wem diese dann auch gefallen haben, der kann, meiner Meinung nach, unbesorgt zugreifen. Und wer gerne historische Romane voller Abenteuer und mit prägnanten Hauptfiguren liest, der auch.

Wer nicht, der lässt es eben! Und verpasst dann halt was! 😉

Wertung:

Handlung: 8 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten, besonders wegen Cuthbert

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Atmosphäre: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,375 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog:

Ich weiß durchaus, dass die meisten meiner Leser und Innen sehr viel mehr Spaß an einem zünftigen Verriss haben als an meinen sonstigen Rezensionen, Das sei ihnen auch gegönnt. Tragischerweise neige ich ich jedoch momentan tatsächlich dazu, mir eher Bücher zu kaufen, von denen ich ausgehe, dass sie mir auch GEFALLEN! Eine Unverschämtheit, ich weiß! 😉  Der nächste Verriss wird also wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen. Ich sag´ dann schon Bescheid.

Bis dahin jedenfalls gibts demnächst:

„Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s