„Ohne jeden Zweifel“ von Tom Rob Smith – Schwedenhappen

Buch: „Ohne jeden Zweifel“ (2014)

Autor: Tom Rob Smith

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 398 Seiten

Der Autor: Tom Rob Smith, geboren 1979, ist ein britischer Schriftsteller und Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters. Er hat in Cambridge und Italien studiert und war einige Zeit als Drehbuchautor tätig. Der hiesigen Leserschaft wurde er durch seine Trilogie um den russischen KGB-Agenten Leo Demidow bekannt, bestehend aus „Kind 44“, „Kolyma“ und „Agent 6“. „Kind 44“ wurde in sagenhafte 36 Sprachen übersetzt und bekam zahlreiche Auszeichnungen, darunter den renommierten „Ian Fleming Steel Dagger“.

Das Buch: Ein einziger Anruf bringt Daniels heile Welt ins Wanken: Sein Vater erklärt ihm am Telefon, dass es seiner Mutter nicht gut gehe, dass sie unter Wahnvorstellungen leide und sie in eine Klinik eingewiesen werden musste. Daniel versteht die Welt nicht mehr. Vor einiger Zeit sind seine Eltern nach Schweden gezogen, in das Heimatland seiner Mutter, um dort ihren Ruhestand zu genießen, einen kleinen Hof zu bewirtschaften und von dem zu leben, was ihnen der Verkauf ihrer Gärtnerei sowie diverser Häuser eingebracht hat. Der rege E-Mail-Kontakt zwischen Daniel und seinen Eltern ließ jedoch in keinster Weise darauf schließen, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte. Umso geschockter ist der junge Mann nun und wartet sehnsüchtig auf die Ankunft seines Vaters am Flughafen Heathrow.

Dann klingelt erneut sein Handy: Diesmal ist seine Mutter dran!!! Und sie erzählt ihm eine gänzlich andere Geschichte: Sein Vater sei in dunkle Machenschaften verstrickt, es gehe um den Mord an einem jungen Mädchen und er, Daniel, dürfe seinem Vater kein Wort glauben. Nach einigen Gesprächen mit den Medizinern sah man keinen weiteren Grund, sie in der Klinik zu behalten, sagt sie. Und sie befindet sich nun ihrerseits auf dem Weg und wird zeitnah in Heathrow landen… Wem soll Daniel Glauben schenken? Ist seine Mutter wirklich „verrückt“? Oder ist sein Vater tatsächlich am Mord an einem Mädchen beteiligt? So richtig möchte Daniel keine dieser Möglichkeiten gefallen…

Fazit: Wenn man dieses Buch aufschlägt, dann kann man die vordere Einbandseite nochmal aufklappen. Und dort sind dann Zeitungs-, Kritiker-, und Schriftstellermeinungen abgedruckt, die den Anschein erwecken, man hätte den Heiligen Gral der Spannungsliteratur in der Hand. So ist dort etwa zu lesen:

„Womöglich sogar noch besser als „Kind 44″“ (The Independent on Sunday) – Ganz ehrlich? Nö!!!

„Der beste fremdsprachige Schwedenkrimi des Jahres“ (Elmar Krekeler, „Die Welt“) – Nun ja, das mag sein, Herr Krekeler, aber es wird nicht wirklich viele fremdsprachige Schwedenkrimis geben, schätze ich…

„Sie würden das Buch nicht einmal dann aus der Hand legen, wenn man Ihnen eine Waffe an die Schläfe hielte!“ (Grazia) – Ääähm, mit Verlaub, aber: DOCH!!! Ganz entschieden: DOCH! Und das gilt für JEDES Buch! 😉

Bevor jetzt der Eindruck entsteht, bei „Ohne jeden Zweifel“ handele es sich um ein schlechtes Buch: Nein, so ist es nicht! Es ist eben nur nicht der Heilige Gral der Spannungsliteratur und man sollte es mit der ultimativen Lobhudelei eines Buches halt einfach nicht übertreiben!

Vieles in diesem Psychothriller gefiel mir sogar recht gut:

Daniel lebt in London mit einem Mann zusammen, hatte aber nie den Mut, seinen Eltern auch zu sagen, dass er schwul ist. Stattdessen herrschte daheim immer eine Art von Harmonie, die fast schon zum Würgen ist! Seine Eltern stritten nie, er wurde nie mit schlimmen Dingen konfrontiert, immer war alles das sprichwörtliche „Friede, Freude, Eierkuchen“. Im Gespräch mit seiner Mutter findet Daniel dann heraus, dass vieles eben doch nicht so war, wie es schien. Seine Homosexualität haben seine Eltern durchaus erahnt, die sind ja schließlich nicht blöd. Und Konflikte zwischen seinen Eltern wurden immer dann ausgefochten, wenn Daniel gerade nicht in der Nähe war.

Und im Grunde ist dieses „Es ist nicht immer alles, wie es scheint“ das Hauptmotiv des Buches. Und dieser Ansatz ist ja auch erstmal gut. Die Frage „Wer hat denn nun recht, sein Vater oder seine Mutter?“ hielt mich als Leser auch lange beschäftigt. Und trotzdem kam nie wirklich die Spannung auf, die ich mir anhand der ekstatischen Kritiken erhofft hatte.

T. R. Smith teilt das Schicksal vieler, vieler Autoren, die gleich zu Beginn ihrer literarischen Karriere einen Bestseller geschrieben haben. Die nächsten Werke erreichen nur in den seltensten Fällen die Qualität des Debüts. Das war bereits in der „Leo-Demidow-Trilogie“ zu bemerken. Während „Kind 44“ (lesen, wirklich unbedingt lesen!!!!)  ein absolut geniales Buch ist, das das beklemmende Gefühl und die Angst ganz normaler Menschen während der Stalin-Zeit beeindruckend einfängt, waren die Teile 2 und 3 dann eben „nur“ noch „ganz gut“ („Kolyma“) oder „geht so“ („Agent 6“).

Und „Ohne jeden Zweifel“ fügt sich da nahtlos ein: Geht so!

Wertung:

Handlung: 6 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 7,5 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,625 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das verschollene Reich“ von Michael Peinkofer. Einer meiner Lieblingsautoren! Außerdem mal wieder ein historischer Roman. Das wird auch mal wieder Zeit! 😉

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