„Das Tribunal“ von John Katzenbach – Was macht eigentlich Tom Cruise…?

Buch: „Das Tribunal“ (2002, Ausgabe 2015)

Autor: John Katzenbach

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 700 Seiten

Der Autor: John Katzenbach, geboren 1950 in Princeton, New Jersey, ist ein amerikanischer Thriller-Autor. Er ist der Sohn einer Psychoanalytikerin und eines früheren US-Justizministers und war vor seiner Autorentätigkeit Gerichtsreporter für zwei amerikanische Zeitungen. Dieser familiäre und berufliche Hintergrund erklärt dieses Buch bereits hinreichend. Auf der Liste seiner auf deutsch erschienenen Bücher stehen mittlerweile 15 Titel seit 1987. Einige davon erschienen allerdings bereits mehrfach, davon später mehr. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Amherst, Massachusetts.

Das Buch: 1943: Im 2. Weltkrieg verrichtet Lieutenant Thomas Hart seinen Dienst an Bord des amerikanischen B-25-Bombers „Lovely Lady“. Seine überdurchschnittliche Sehkraft prädestinierte den jungen Mann für einen Platz bei der US Air Force. Und auch bei seinem letzten Einsatz, bei dem sich die Crew mit ihrem Flugzeug eigentlich schon wieder auf dem Rückweg befindet, lässt ihn sein gutes Auge nicht im Stich. Er erspäht ein vermeintlich lohnendes Angriffsziel und macht seinen Captain darauf aufmerksam. Die „Lovely Lady“ geht zusammen mit der „The Randy Duck“ und der „Green Eyes“ zum Angriff über. Ein folgenschwerer Fehler. Die Maschinen werden abgeschossen, nur Thomas Hart überlebt verletzt.

Er kommt in das deutsche Kriegsgefangenenlager für Luftstreitkräfte „Stalag Luft 13“. Nach einiger Zeit hat sich Hart weitestgehend mit dem Lagerleben arrangiert, soweit das überhaupt möglich ist. Während andere Gefangene permanente Fluchtversuche durch Tunnel planen, kommt dieser Weg für ihn nicht in Frage: In dunklen, engen Räumen kann er sich seit eines Erlebnisses in der Kindheit einfach nicht mehr aufhalten. Stattdessen lässt er sich vom Roten Kreuz juristische Fachliteratur ins Lager schicken, da er bei Beginn seines Militärdienstes mitten im Jurastudium war. So widmet er sich ausgiebig der Literatur dieser Bücher und juristischen Fachgesprächen mit seinen im angrenzenden nördlichen Lager inhaftierten britischen Kollegen Pryce und Renaday.

Dann erreicht ein neuer Kriegsgefangener das Lager: Lincoln Scott, ein schwarzer Pilot eines abgeschossenen Jagdflugzeugs. Schwarze Piloten sind eine Seltenheit, und nicht gerade willkommen unter den Mitgefangenen. Unverhohlene Ablehnung und Rassismus muss Scott über sich ergehen lassen. Ganz besonders übel geht „Trader Vic“ mit ihm um, ein amerikanischer Gefangener, der einen blühenden Tausch- und Schwarzhandel im Lager betreibt und sich dadurch seinen Namen erworben hat. Obwohl sich Lincoln Scott in weiser Voraussicht weitgehend von den Mitgefangenen fernhält, kommt es dennoch mehrfach zur Eskalation zwischen ihm und Trader Vic.

Wenige Tage später wird eben jener Trader Vic tot auf dem Abort aufgefunden. An Scotts Kleidung findet man Blutspuren und schon scheint der Schuldige eindeutig identifiziert. Daraufhin setzen der Oberkammandierende des Lagers, von Reiter, sowie der ranghöchste Gefangene Col. McNamara einen Gerichtsprozess an. Und Thomas Hart soll aufgrund seiner juristischen Vorbildung auf Druck von Reiters und McNamaras die Verteidigung des schwarzen Piloten übernehmen. Kann er seine Unschuld beweisen, auch wenn der Fall so eindeutig scheint? Oder ist Lincoln Scott tatsächlich ein Mörder, auch wenn er beharrlich seine Unschuld beteuert?

Fazit: Augen auf beim Bücherkauf, sage ich immer wieder. Nicht weil man sonst zu schlechter Literatur greifen könnte, das passiert schon mal. Sondern weil Verlage immer mehr dazu übergehen, in der Vergangenheit bereits erschienene Bücher neu aufzulegen und diese wie eine Neuerscheinung aussehen zu lassen. Eine Unsitte, meiner Meinung nach! Dann soll man doch „Neuauflage“ auf die Titelseite schreiben, verdammt. Mit dem Katzenbach-Thriller „Der Sumpf“ ist mir so etwas passiert. Dieses Buch hatte ich vor gefühlten 10 Jahren einmal gelesen, ohne den Titel noch im Kopf zu haben. Voller Freude, dass es ein „neues“ Katzenbach-Werk gibt, habe ich mir den Thriller gekauft. Und während der Lektüre nach ca. 50 Seiten das diffuse Gefühl im Kopf, das alles doch irgendwann schon einmal gelesen zu haben…

Ähnlich war es auch hier: Gekauft, aufgeschlagen, festgestellt, dass die deutsche Erstausgabe des Buches bereits 2002 erschienen ist, und geärgert. Aber immerhin wurde der Roman für diese Ausgabe „vollständig neu übersetzt“. Na, Wahnsinn… Zumindest hatte ich diesmal das Buch vorher noch nicht gelesen. Zurück zum Wesentlichen:

Bücher wie „Das Tribunal“ muss man nicht mögen: Nachdem klar ist, dass Hart die Verteidigung für den Angeklagten übernimmt, besteht der Roman an vielen Stellen aus Gerichtsverhandlungen, unterbrochen von Passagen in denen Lincoln und Reneday ermitteln und ihre Verteidigung anhand neuer Beweise oder Zeugen vorbereiten. Für viele mag das trockenes Juristen-Bla-Bla im Stile eines John Grisham sein. Und tatsächlich liest sich das Buch weitgehend wie ein Grisham.

Ich persönlich allerdings, ich finde das großartig! Ich habe in den Achtzigern schon „Matlock“ gemocht und später solche Filme wie „Eine Frage der Ehre“. Daher gefiel mir Katzenbachs Thriller sehr gut. Vielleicht auch, weil er alles macht wie immer:

Sein Stil, soweit man den in einer Übersetzung überhaupt beurteilen kann, selbst wenn diese für den Roman nochmal völlig neu…ach, lass gut sein jetzt!! Sein Stil jedenfalls lässt sich einfach flüssig lesen, so wie in seinen bisherigen Büchern auch. Die 700 Seiten des Buches fielen mir daher gar nicht weiter groß auf. Es hätten ruhig noch mehr sein können!

Die Charaktere sind weitgehend gut getroffen. Der von Selbstvorwürfen wegen des Todes seiner Crew geplagte Hart ebenso wie der undurchschaubare Gestapo-Mann Visser, Col. McNamara oder Oberst von Reiter. Herausragende Personalie der Geschichte allerdings ist Lincoln Scott, um den geht es schließlich auch. Ein wirklich gut dargestellter Charakter, mit dem man bereits bei den ersten Beleidigungen im Lager mitleidet. Und später, bei der genaueren Betrachtung seiner bisherigen Lebensgeschichte, erst recht. So umfassend und nachhaltig beschrieben, werde ich Mr. Scott noch längere Zeit im Kopf behalten.

Inhaltlich habe ich ja vieles bereits gesagt: Viel Gerichtsverhandlung, viel Ermittlung, viel Prozessvorbereitung – und trotzdem eine Menge Spannung. Wer damit kein Problem hat, wird „Das Tribunal“ mögen. Wer einen Thriller erwartet, bei dem jemand mit lautem „Buuuh“ und einem Hackebeilchen hinter einer Hecke hervorgesprungen kommt, um Spannungsmomente zu erzeugen, der sollte lieber die Finger davon lassen!

Da ich vorhin von „Eine Frage der Ehre“ sprach. Sehr früh im Buch war mir klar, dass man diese Geschichte gigantisch gut verfilmen könnte! Sofort dachte ich da an Tom Cruise in der Rolle des Lieutenant Hart. Okay, man hätte halt das Alter der Figur ein paar Jahrzehnte nach oben setzen müssen, dann hätte der Tom das bestimmt gut machen können. Nur leider sind naturgemäß schon vor mir Leute auf die Idee mit dem Film gekommen, der 2003 erschien. In der Rolle des Lieutenant Hart: Colin Farrell…

Also, nichts gegen Colin Farrell persönlich, der hat bestimmt auch schon gute Filme gemacht, zum Beispiel,…,äääh… hier…, den…äääh, Dingens, sach schnell…, na, viele halt! Das ist aber nichts gegen Tom „Daniel Kaffee“ Cruise!!! 😉 Aber was solls!?

Wertung:

Handlung: 9 von 10 Punkten, subjektiv versteht sich

Charaktere: 8 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 8,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Ohne jeden Zweifel“ von Tom Tob Smith

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