„Kein Friede den Toten“ von Harlan Coben – So schnell kann es gehen…

Buch: „Kein Friede den Toten“ (2011)

Autor: Harlan Coben

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 479 Seiten

Der Autor: Harlen Coben, geboren 1962 in Newark, New Jersey, ist ein amerikanischer Thriller-Autor. Nach dem Studium der Politikwissenschaften und einer Tätigkeit in der Reisebranche, begann er in der 90er Jahren mit dem Schreiben und zeichnet für die erfolgreiche Buchreihe um den Sportmanager Myron Bolitar verantwortlich. Der deutschen Leserschaft besser bekannt wurde er mit anderen Thrillern, unter anderem dem hier im Jahr 2004 erschienenen „Kein Sterbenswort“. Darauf folgten weitere erfolgreiche Thriller. Mittlerweile hat der Erfolgsautor 25 Bücher veröffentlicht, die in insgesamt 33 Sprachen übersetzt wurden.

Coben lebt mit seiner Frau und vier Töchtern in Ridgewood, New Jersey.

Das Buch: Matt Hunter ist 20 Jahre alt und Student. Er arbeitet auf eine Anwaltskarriere hin und auch wenn er immer etwas hinter den Besten seines Jahrgangs rangiert, so sind seine Zukunftsaussichten durchaus rosig. Eines Abends jedoch fährt er mit seinem Kumpel Duff zu einer Riesenparty einer angesagten Studentenverbindung. Bei dieser Feier gerät Duff in einen Streit mit anderen Gästen, der in einer handfesten Prügelei endet. Da es danach aussieht, als würde Duff dabei mächtig unter die Räder geraten, versucht Matt einzuschreiten und seinem Kumpel zu helfen. Er gerät in eine Rangelei mit einem anderen Studenten, Stephen McGrath. Beide stürzen zu Boden, Steven jedoch schlägt unglücklich mit dem Hinterkopf auf und ist sofort tot.

Matt kommt vor Gericht, wird schuldig gesprochen und zu 9 Jahren Haft verurteilt.

Gut 9 Jahre später: Matt wurde aus dem Gefängnis entlassen. Auch wenn ihm durch seine Vorstrafe eine Anwaltstätigkeit verwehrt bleibt, so schafft er es dennoch, als Sachbearbeiter in der Kanzlei anzufangen für die auch sein Bruder tätig ist. Er ist glücklich verheiratet mit Olivia, die Beiden erwarten Nachwuchs. Wider Erwarten hat sich doch noch alles zum Guten gewendet für Matt.

Bis er eines Tages ein Video zugespielt bekommt, auf dem seine Frau eindeutig in einem Hotelzimmer mit einem anderen Mann zu sehen ist. Für Matt bricht eine Welt zusammen. Kurz darauf bemerkt er, dass ihn ein Mann verfolgt, obwohl er keine Ahnung hat, warum eigentlich. Er beauftragt eine befreundete Detektivin damit, seinen Verfolger nun selbst zu beschatten. Es ist der Mann aus dem Video mit seiner Frau. Und kurz darauf wird dieser tot aufgefunden. Und Matt fragt sich: In was, um alles in der Welt, ist seine Frau Olivia da eigentlich hinein geraten?

Fazit: Nachdem mein Nachbar in den vergangenen zwei Tagen wiederholt versucht hat, mir mittels Einsatz eines Rasenkantenschneiders, eines Rasenmähers und unzähliger anderer, meist benzinbetriebener, Geräte den Verstand zu rauben, dachte ich mir, ich schreibe nochmal eben schnell eine Rezension, bevor es ihm gelingt…

Zur Sache: Die Bücher von Harlan Coben habe ich in der Vergangenheit eigentlich immer ausnahmslos mit viel Begeisterung gelesen. Besonders „Kein Sterbenswort“ und ganz besonders „Das Grab im Wald“ kann ich z. B. wärmstens empfehlen. Bei „Kein Friede den Toten“ wollte der Funke jedoch nicht so recht überspringen, was, wie ich vermute, an meiner Erwartungshaltung lag, denn ein gutes Buch ist es allemal.

Die Handlung des Romans ist zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen die Nachforschungen von Matt Hunter, auf der anderen Seite die Ermittlungen im Mord an einer Nonne. Und ich habe mich beim Lesen lange, lange Zeit gefragt, was diese beiden Handlungsstränge denn nun miteinander zu tun haben könnten. Coben verrät aber auch nicht ein Wort zuviel, das dem Leser vielleicht helfen könnte, die folgenden Ereignisse zu erraten. Wenn ich als Leser lang im Dunkeln gelassen werde, gefällt mir das immer gut.

Stilistisch ist bei „Kein Friede den Toten“ alles wie immer bei Harlan Coben. Kein Grund zur Euphorie, kein Grund zur Kritik, Cobens Stil ist dem Genre angemessen und lässt sich angenehm lesen.

Im Bereich der Charaktere fallen einem natürlich besonders Olivia und Matt ins Auge. Und wie die Beiden am Anfang des Buches miteinander umgehen – man muss sie einfach gern haben. Als die Handlung des Buches dann so richtig losgeht, hatte sich bei mir bereits ein Gefühl harmonischen Wohlbefindens breitgemacht, so dass ich mich fast geärgert habe, dass dieses Familienidyll so jäh durcheinander gerät. Aber schließlich ist es ja ein Thriller und keine Rosamunde-Pilcher-Schnulze.

Alles in allem hat der Autor also wenig verkehrt gemacht, und die Tatsache, dass das Buch in meiner Wahrnehmung nicht über das Mittelmaß hinauskommt, liegt wahrscheinlich daran, dass es eben viiiiel bessere Bücher dieses begnadeten Thriller-Schriftstellers gibt.

Was letztlich bleibt ist mein erneuter Ärger über den Titel eines Buches, denn: Da man der deutschen Leserschaft weiterhin nicht zutraut, sich den Namen eines bestimmten Autors zu merken, sind die Verlage in Deutschland auch bei Harlan Coben dazu übergegangen, die auf einen erfolgreichen Thriller folgenden Werke möglichst ähnlich zu benennen, um einen Bezug zum dazugehörigen Schriftsteller herstellen zu können. Auf „Kein Friede den Toten“ folgten „Kein Lebenszeichen“, „Keine zweite Chance“, „Kein böser Traum“ usw. Das erinnert wieder mal an „Die Wanderhure“, „Das Vermächtnis der Wanderhure“, „Die Tochter der Wanderhure“, „Die Rache der Wanderhure“, „Die List der Wanderhure“, „Der seit 17 Jahren auf einer Chiliplantage im guatemaltekischen Dschungel verschwundene und nun plötzlich aufgetauchte Schwippschwager der Wanderhure“ usw.  So wird aus dem Originaltitel „The Innocent“ eben „Kein usw.“

Ja, ich weiß, ich habe darüber schon öfter geschimpft, aber es ärgert mich halt…

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 7 von 10 Punkten

Stil: 7 von 10 Punkten

Spannung: 6 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 6,75 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Tabu“ von Ferdinand von Schirach

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