„Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zafón – Concordia lumine maior

Buch: „Der Mitternachtspalast“ (1994, Auflage 2014)

Autor: Carlos Ruiz Zafón

Verlag: S. Fischer

Ausgabe: Taschenbuch, 332 Seiten

Der Autor: Carlos Ruiz Zafón, geboren 1964 in Barcelona, ist ein spanischer Schriftsteller. Nach einer Tätigkeit bei einer Werbeagentur verlegte sich Zafón 1994 aufs Schreiben. Neben seinen Romanen schreibt er Drehbücher und ist als Journalist für zwei Tageszeitungen tätig. Hierzulande wurde Zafón vor allem durch seine Romane zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ bekannt: „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“.

Das Buch: Kalkutta 1916: Leutnant Peake irrt nachts durch die Stadt, auf der Flucht vor mehreren Verfolgern, die es auf sein Leben abgesehen haben. Und vor allem auf das der zwei kleinen Babys, die Peake in Sicherheit zu bringen versucht. Endlich erreicht er das Haus von Aryami Bosé, der Großmutter der beiden Kleinen. Er muss ihr ausrichten, dass für Aryamis Tochter, die Frau die Leutnant Peake innig geliebt hat, jede Hilfe zu spät gekommen ist. Nun sollen wenigstens die Kinder gerettet werden. Da der Vater der Kinder ebenfalls tot ist, entscheidet Aryami, den Jungen ins Waisenhaus zu geben und das Mädchen selbst groß zu ziehen.

16 Jahre später. Ben ist im Waisenhaus groß geworden. Dort hat er mit seinen Freunden Isobel, Roshan, Siraj, Michael, Seth und Ian die „Chowbar Society“ gegründet, die sich häufig heimlich in einer verlassenen Ruine, dem „Mitternachtspalast“ trifft. Eine Art Club, dessen Gründung vor allem zwei Gründe hat: Erstens, jedem der Mitglieder „die Hilfe, den Schutz und die bedingungslose Unterstützung der anderen zuzusichern, unter allen Umständen, jeder Gefahr und Widrigkeit zum Trotz“. Und zweitens, „um das Wissen zu teilen, das jeder von uns erwarb, und es für den anderen zur Verfügung zu stellen, so dass wir für den Tag gewappnet wären, an dem jeder von uns sich alleine der Welt stellen muss“. Und dieser Tag liegt nicht mehr fern für Ben und seine Freunde, denn wer 16 Jahre alt wird, der muss das Waisenhaus bald verlassen..

Dann plötzlich tauchen die Verfolger von einst wieder auf und bringen Aryami und ihre Enkelin Sheere erneut in Gefahr. Die beiden begeben sich ins Waisenhaus, denn Aryami möchte erfahren, ob auch Ben bedroht wird. Dabei lernen sich die beiden Zwillinge erstmals kennen. Nach kurzer Zeit erfahren sie, dass sie Bruder und Schwester sind – und sie erfahren mehr über die Geschichte ihrer Familie und die Bedrohung der sie ausgesetzt sind. Um sich ihren Feinden in den Weg zu stellen, begeben sie sich bis in die Ruinen des ausgebrannten Bahnhofs „Jheeter´s Gate“…

Fazit: Ja, ich gebs ja zu: Ich mag lateinische Überschriften für meine Rezensionen. Ich habe keine Ahnung, wieso… Aber kommen wir zum Buch:

Zu Beginn seiner literarischen Karriere hat C. R. Zafón verstärkt Jugendbücher geschrieben. Das hätte ich mal wissen müssen. Dann wäre ich entweder mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen oder hätte es vielleicht ganz im Regal stehen lassen…

Seinerzeit bin ich freundlicher- und glücklicherweise von einer ganz zauberhaften Person auf Zafón aufmerksam gemacht worden und habe daher „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ gelesen. Zwei wirklich, wirklich schöne Bücher. Damit kann „Der Mitternachtspalast“ leider nicht mithalten. Allerdings scheitert das Buch zugegenermaßen für mich eher an meiner Erwartungshaltung als an mangelnder Qualität.

Die Geschichte um die beiden Zwillinge Ben und Sheere sowie ihre Freunde ist düster und geheimnisvoll. Eine Geschichte, die mich sicherlich begeistert hätte – wenn ich ein paar Dutzend Jahre jünger wäre. Ben und Sheere tauchen im Laufe der Geschichte tief in das dunkle Geheimnis ihrer Familie ein und erfahren, wer ihnen da nach dem Leben trachtet, und warum. Dennoch erinnerte mich das Ganze irgendwie an „5 Freunde“, und das KANN nicht im Sinne des Autors gewesen sein! Von Zeit zu Zeit merkt man auch, dass Zafón mehr schreiben kann ( und vielleicht gerne auch mehr geschrieben hätte) als „nur“ so etwas wie ein Jugendbuch: Wenn zum Beispiel unser Protagonist Ben meint, Schach sei die zweitunsinnigste Art, die menschliche Intelligenz zu vergeuden, die Philosophie jedoch die unsinnigste, dann regt das doch fast schon an, darüber nachzudenken. (Und sobald ich das tue, sehe ich mich gezwungen, Ben in beiden Fällen vehement zu widersprechen!)

Somit sind wir dann auch schon bei den Charakteren. Alle haben sie irgendwie unterschiedliche Talente. Isobel plant eine Karriere als Schauspielerin und wirkt sehr überzeugend auf ihre Mitmenschen, Roshan ist lange Jahre in den Straßen Kalkuttas aufgewachsen und kann sehr schnell laufen und hat ein Talent zum Schlösser knacken, Siraj ist asthmatisch, dafür aber sehr intelligent und so weiter und so würg. Wie in einer Boyband: Der Schöne, der Kluge, der Introvertierte, usw…

Seine Stärken hat das Buch eindeutig im stilistischen Bereich. Damit hat es Zafón geschafft, dass ich es trotz aller „5 Freunde Atmosphäre“ gerne gelesen habe. Aber im Vergleich lagen auch da  „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ noch weilenweit vorne.

Nun, alles in allem ein Buch, das man am besten mit „ganz nett“ in seiner positiven Bedeutung beschreiben kann.

Wertung:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 5 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Spannung: 7,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Teufelsengel“ von Monika Feth. Ein Buch, dessen Rezension ich bereits im Dezember mal angekündigt hatte, bevor diverse Weihnachtsgeschenke für eine Planänderung sorgten. Ich fürchte, ich habe es zu recht verschoben…

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3 Kommentare zu „„Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zafón – Concordia lumine maior

  1. Danke, sehe es ähnlich. Hatte zuerst auch die beiden anderen angeführten Bücher von Zafon gelesen und dementsprechend hoch, war auch meine Erwartungshaltung, welche sich leider nicht erfüllte. Brach es mittig ab..vllt lese ich es bei Gelegenheit mal weiter, im Moment zieht es mich jedoch noch nicht dazu. Danke für diese Rezension- LG Herta

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    1. Vielen Dank, gerne doch! 😉

      Tja, mit zunehmender Zahl der von einem Autoren gelesenen Bücher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mal eines dabei ist, das man nicht so toll findet. Trotzdem freue ich mich riesig auf das im März erscheinende „Das Labyrinth der Lichter“. 😉

      Gefällt 1 Person

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