„Haus der Geister“ von John Boyne – Spoooky…

Buch: „Haus der Geister“ (2014)

Autor: John Boyne

Verlag: Piper

Ausgabe: Taschenbuch, 333 Seiten

Der Autor: John Boyne, geboren 1971, ist ein renommierter irischer Schriftsteller – von dem ich bislang trotzdem nicht das Geringste gehört hatte. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben in Dublin und Norwich. Mittlerweile hat Boyne 14 Romane veröffentlicht, sein bekanntester und erfolgreichster war „Der Junge im gestreiften Pyjama“ (2006). Der Autor lebt in Dublin.

Das Buch: Im Jahre 1867 lebt die junge Eliza Caine mit ihrem Vater zusammen in London. Sie ist Lehrerin, Anfang 20 – und unverheiratet, denn Eliza ist leider alles andere als attraktiv. Dennoch fühlt sie sich wohl im Hause ihres Vaters und geht gerne ihrer Arbeit nach. Plötzlich jedoch erkrankt dieser schwer und stirbt in kürzester Zeit. Noch in der Zeit der größten Trauer erfährt Eliza, dass das Haus, in dem sie mit ihrem Vater lebte, nur gemietet war, sie war jedoch immer davon ausgegangen, dass es ihrem Vater gehöre. Allein sieht sie sich außerstande, das Haus weiter zu finanzieren und muss sich etwas einfallen lassen.

Daher bewirbt sie sich aufgrund einer Zeitungsannonce eines gewissen „H. Bennet“ auf die Stelle eines Kindermädchens im Anwesen Gaudlin Hall in der Grafschaft Norfolk. Ohne zu einem Vorstellungsgespäch eingeladen worden zu sein, erhält sie eine Zusage, mit der Aufforderung, sich zu einem bestimmten Termin am Bahnhof Norfolk einzufinden, der Kutscher werde sie abholen.

Eliza bricht ihre Londoner Zelte ab und nach Norfolk auf. Dort angekommen, sieht sie sich mit dem mürrischen Kutscher Mr. Heckling konfrontiert. Er bringt sie zwar nach Gaudlin Hall, ist ansonsten aber ungewöhnlich schweigsam und beantwortet nur widerwillig ihre Fragen nach ihrem neuen Arbeitgeber „H. Bennet“. Dennoch erfährt Lisa, dass es keinen Mr. Bennet gebe und dass „Bennet“ der Nachname ihrer Vorgängerin sei. Überhaupt gebe es zurzeit keinen Hausherrn auf Gaudlin Hall. Für alles Organisatorische sei der Anwalt Mr. Raisin zuständig.

Irritiert erreicht Eliza das Anwesen und lernt dort auch bald ihre Schützlinge kennen, die zwölfjährige Isabella und den achtjährigen Eustace. Um sie soll sie sich von nun an kümmern.

Während ihr Eustace als ein zwar schüchterner aber freundlicher Junge vorkommt, erscheint ihr Isabella als nachdenkliches, irgendwie seltsames Kind…

Als auch nach Tagen weder der Vater noch die Mutter der Kinder auftaucht, um ihr neues Kindermädchen zu begrüßen, macht sich Eliza auf den Weg zum Anwalt Mr. Raisin, um dort Antworten einzufordern. Schließlich erfährt sie dort einerseits, was in der Vergangenheit Schreckliches in Gaudlin Hall passiert ist und andererseits, dass es dort seit Anfang des Jahres bereits fünf Kindermädchen gab, von denen vier durch „unglückliche Unfälle“ ums Leben kamen.

Und von nun an ist sich auch Eliza ihres Lebens auf Gaudlin Hall nicht mehr sicher…

Fazit: „Haus der Geister“ ist eine Leihgabe einer weiteren der zauberhaften Personen, die mir immer wieder Bücher zukommen lassen. An dieser Stelle nochmal einen herzlichen Dank an die edle Spenderin.

„Eine unheimlich gute Geistergeschichte“ steht auf dem Buchrücken. Und ja, ich bin geneigt, mich dieser Meinung anzuschließen. Grundsätzlich mag ich es, wenn ein Autor sich mit einem relativ aus der Mode gekommenen Genre beschäftigt, in diesem Fall der viktorianischen Gruselgeschichte. Und wenn man es dann so gut macht, wie John Boyne, dann gibt es relativ wenig zu meckern, bis auf die eine oder andere Kleinigkeit.

Die Charaktere passen hervorragend in das Umfeld der Geschichte: Der mürrische und undurchsichtige Kutscher Heckling ist ein Charakter, den eine solche Geschichte unbedingt braucht. Die zwölfjährige Isabella ist wirklich unheimlich! Und Eliza Caine möchte man des öfteren zurufen: „Ja, dann hau da doch einfach ab, wenn´s für Dich zu gefährlich wird, Du dusselige…“ Aber sie ist eben eine Frau ihrer Zeit, mit einem gewissen Pflicht- und Verantwortungsgefühl für ihre Arbeit und die Kinder. In diesem Bereich ist alles soweit ganz stimmig also!

Der Stil von „Haus der Geister“ ist erfreulich leicht verdaulich und trug dazu bei, dass ich das Buch an zwei Abenden durchlesen konnte. Auch hier ist also alles im Lot.

Wenn ich schon etwas kritisieren könnte, dann im Bereich der Handlung. Zwar ist diese durchaus spannend und macht Spaß, allerdings ist sie über weite Strecken aber auch arg vorhersehbar. Jedenfalls ging mir das so. Aber „Das Haus der Geister“ ist eben nicht „Krieg und Frieden“, sndern eine Geistergeschichte, und zwar eine gute. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Besagte Geistergeschichte würde meiner Meinung nach übrigens als Film super funktionieren. Ich fühlte mich dauernd an einen bestimmten Fim erinnert, den ich mal gesehen habe – und dessen Titel mir seit Tagen partout nicht einfallen will… Sei es drum, eine Filmversion läge irgendwo zwischen „The Others“ und „Orphan“.

Die Buchversion ist etwas für einen lange dunklen Gewitterabend bei Kerzenlicht und passt im Bücherschrank gut zwischen „Das Bildnis des Dorian Gray“ und „Der Hund von Baskerville“.

Wertung:

Ich habe mir überlegt, im Wertungsbereich etwas zu verändern. Und zwar werde ich einzelne Punktzahlen für Handlung, Charaktere und Stil vergeben sowie ggf. für eine oder zwei weitere Kategorien, die abhängig vom Genre unterschiedlich sind. Im Idealfall führt das Ganze dann zu einer deutlich differenzierteren Wertung. Mich würde ja interessieren, was Ihr so davon haltet… Im vorliegenden Fall sähe das dann so aus:

Handlung: 7 von 10 Punkten

Charaktere: 9 von 10 Punkten

Stil: 8,5 von 10 Punkten

Gruselfaktor: 7,5 von 10 Punkten:

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl. Das habe ich schon seit Monaten hier liegen und freue mich seitdem drauf. Wenn das Buch nur halb so schön ist wie die Autorin, dann…

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5 Kommentare zu „„Haus der Geister“ von John Boyne – Spoooky…

  1. Dieses Buch hat mich nicht ganz so begeistert, wie ich erhofft hatte. Ich wollte noch etwas mehr Gruselfaktor.
    Trotzdem ließ es sich leicht lesen. Bücher, die im viktorianischen Zeitalter spielen, strahlen für mich irgendwie etwas Besonderes aus. Die obligatorische Prise Dickens ist fast allen gemein und ist irgendwie charmant. Tatsächlich war dieses Buch mein erster Boyne. Vielleicht nicht die beste Wahl, denn hiernach juckt es mir nicht gerade in den Fingern, einen weiteren Titel von ihm in Kürze zu lesen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, zugegeben, als Einstieg in das Werk von John Boyne gibt es bessere Bücher. Ich kann da zum Beispiel „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ oder „Das Vermächtnis der Montignacs“ wirklich wärmstens empfehlen. Die Bücher von Boyne gänzlich links liegen zu lassen, wäre schade. Denn schreiben kann er! 🙂

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  2. Hallo Fraggle,
    Danke für die schöne Rezension.
    Die Idee der Unterteilung finde ich nicht schlecht, der Gruselfaktor ist beim Krimi vermutlich die Spannung? Wie unterteilst du bei Fantasy oder anderen Genres? Danbin ich jetzt wirklich neugierig 🙂
    Sei lieb gegrüßt. Ich mag deinen Blog sehr!
    Kata

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    1. Hallo, Kata!
      Vielen Dank! Wie ich bei Fantasy und anderen unterteile? Nun, ich, ähm, ich, äh, ich hab noch keine Ahnung, bin mir aber sicher, dass sich im entsprechenden Moment ein Geistesblitz einstellt. Lassen wir uns überraschen… 😉

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