„Der Mann im Park“ von Pontus Ljunghill – Starkes Debüt

Buch: „Der Mann im Park“ (2015)

Autor: Pontus Ljunghill

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 558 Seiten

Der Autor: Pontus Ljunghill ist Kriminologe und arbeitet als Journalist für verschiedene Zeitungen. Der Autor lebt in Stockholm. „Der Mann im Park“ ist sein erster Roman und wurde in Schweden – völlig berechtigterweise – hoch gelobt.

Das Buch: 1928: Die achtjährige Ingrid Bengtsson fasst schnell Vertrauen zu dem Mann, den sie im Park kennenlernt. Kein Wunder, behauptet dieser doch, Ingrids Vater zu kennen, den sie selbst nie kennengelernt hat, und ihn sogar zu ihr bringen zu können. Das wird Ingrid zum Verhängnis. Auf dem verlassenen Gelände der aufgegebenen Djurgardswerft wird das Mädchen ermordet aufgefunden.

John Stierna, junger aufstrebender Komissar der Kriminalpolizei, ermittelt in dem Fall. Er garantiert der verzweifelten Mutter des Mädchens, den Täter zu fassen. Die Ermittlungen schreiten routiniert voran, große Erfolge sind aber nach einigen Tagen und auch nach Wochen nicht zu verzeichnen. Und obwohl Stierna immer wieder das Gefühl hat, ganz nah am Mörder dran zu sein, wird dieser doch nie gefasst…

Knapp 25 Jahre später: Stierna hat sich mittlerweile aufgrund einer im Dienst erlittenen Schussverletzung, aber auch überdrüssig von der permanenten Konfrontation mit sinnloser Gewalt, die sein Beruf mit sich führte, in das Polizeimuseum versetzen lassen und feiert dort den letzten Tag seiner Dienstzeit.

Er nimmt sich anschließend für längere Zeit ein Zimmer in einem Gasthaus abseits jeglichen Trubels. Bei sich hat er die wichtigsten Unterlagen zum Fall Ingrid Bengtsson. Denn in wenigen Tagen läuft die Frist von 25 Jahren seit dem Mord ab, der Zeitraum nach dem ein Mord in Schweden verjährt ist…

In diesem Gasthaus spürt ihn der Journalist Börje Grönwall auf, der ein Buch über aufsehenerregende ungelöste Kriminalfälle schreibt und bittet Stierna, ihm vom Fall Ingrid Bengtsson zu erzählen. Stierna lässt die damaligen Ermittlungen Revue passieren. Wurde damals etwas übersehen? Vielleicht ist es ja doch noch möglich, den Täter zu fassen? Doch die Zeit wird langsam knapp…

Fazit: Mit Buchhändlern und Innen verhält es sich für mich wie mit Hausärzten oder Anwälten – sie sind Vertrauenssache. Da meine Buchhändlerin mein unumstößliches Vertrauen besitzt, habe ich bei diesem Buch zugegriffen, das ich ansonsten unter Garantie im Regal hätte stehen lassen. Zu mittelmäßig waren meine Erfahrungen mit teils hochgelobten skandinavischen Krimiautoren manchmal. Glücklicherweise habe ich es nicht im Regal gelassen.

Pontus Ljunghill hat wirklich ein beachtliches Erstlingswerk hingelegt:

Die Hauptfigur Komissar John Stierna unterscheidet sich leider herzlich wenig von anderen Vertretern des Genres, irgendwie sind sie alle grimmig, desillusioniert, frustriert. Allerdings arbeitet er ja auch in der Abteilung für Gewaltverbrechen, das geht dann sicherlich nicht spurlos an einem vorbei… Auch, dass Stierna so viel Zeit mit seiner Arbeit verbringt, dass er häufig erst spät abends oder gar nach Mitternacht nach Hause zu seiner Frau kommt, und das natürlich Auswirkungen auf die Ehe hat, das ist auch kein neuer Krimi-Kunstgriff. Dennoch schafft es Ljunghill, mich mit der Figur des Stierna wenigstens nicht zu nerven, das ist doch schon mal was. Da gab es in jüngerer Vergangenheit schlimmere Protagonisten, die ich über mich ergehen lassen musste…

Dennoch liegen die Stärken des Buches eindeutig in anderen Bereichen, im Stil und in der Handlung als solche. Stilistisch ist der Roman wirklich beeindruckend. Der Autor schreibt nüchtern, zweckmäßig, eingängig, stark. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dieser Bereich nicht unbedingt eine Stärke der Krimis ist. Auch da habe ich ja in letzter Zeit so einiges ertragen müssen…

Die Handlung selbst ist für mich aber der Star des Buches. Ljunghill beschreibt die damaligen Ermittlungen im Mordfall Ingrid Bengtsson wirklich spannend und obwohl ich ja wusste, dass diese Ermittlungen erfolglos verlaufen sind, war das Buch für mich an keiner Stelle langweilig, ich wollte immer wissen, wie es weiter geht, wie eng sich die Schlinge der Polizisten um den Mörder zieht. Und ob er nicht doch noch gefasst werden kann…

Auch aus dessen Sicht werden die Ereignisse an manchen Stellen geschildert, so erfährt man trotz der gescheiterten Polizeiarbeit etwas über die Hinter- und Beweggründe des Täters.

Einer der größten Pluspunkte des Buches ist für mich aber, dass der Autor es schafft, trotz des bedrückenden Szenarios, dem Mord an einem kleinen Mädchen, keine dauerhaft übertrieben bedrückende Atmosphäre zu schaffen, die den Leser zusehends deprimiert werden lässt. Zumindest ging mir das so. Auch dass er auf unnötige Gewaltdarstellungen, die über die Schilderung des Mordes hinausgehen, verzichtet, finde ich erfreulich. In diesem Buch überwiegen nicht Blut und Depression, sondern die Spannung!

Ich freue mich jetzt schon auf das zweite Buch des talentierten Schweden, auch wenn das noch eine ganze Weile dauern dürfte!

Wertung:  9 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Das Haus der Geister“ von John Boyne. Eine im viktorianischen Zeitalter in England spielende Geistergeschichte. Mal etwas anderes…

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