„Dark Places“ von Gillian Flynn – Düster, aber gut!

Buch: „Dark Places“

Autorin: Gillian Flynn

Verlag: Fischer Scherz

Ausgabe: Broschiert, 461 Seiten

Die Autorin: Gillian Flynn wurde 1971 in Kansas City, Missouri, geboren und ist eine erfolgreiche amerikanische Schriftstellerin. Bereits mit Ihrem Debüt „Sharp Objects“ aus dem Jahr 2006, das hierzulande unerklärlicherweise unter dem Namen „Cry Baby – Scharfe Schnitte“ erscheint, gewann sie einige kleinere Preise. Mit ihrem zweiten Buch, „Dark Places“ wurde sie einer breiteren Öffentlicheit bekannt. Auch hier konnten die deutschen Übersetzer nicht widerstehen und verpassten ihm sicherheitshalber mal einen deutschen Untertitel: „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“. Das klingt für mich alles immer ein bisschen nach Sat 1 – FilmFilm, aber sei es drum. Spätestens mit ihrem dritten Roman „Gone Girl“ (deutsch: „Gone Girl – Das perfekte Opfer…), dessen Verfilmung mit Ben Affleck, Neil Patrick Harris u. a. bereits in den deutschen Kinos lief, gelang Gillian Flynn auch in Deutschland der Durchbruch.

Das Buch: Libby Day ist Anfang 30 und hat in Ihrem Leben bereits einiges durchgemacht. Als sie 7 Jahre alt war, wurde fast ihre gesamte Familie umgebracht, ihre Mutter Patty ebenso wie ihre Schwestern Michelle und Debby. Libby kann entkommen. Ihr älterer Bruder Ben wird für die Morde verantwortlich gemacht, landet vor Gericht und wird verurteilt, auch aufgrund der Aussage von Libby, die ihn in der Nacht gehört und gesehen haben will. So ein Schicksal hinterlässt Spuren: Libby trinkt, ist depressiv, antriebslos, bekommt kleinste Kleinigkeiten nicht hin, ist kleptomanisch veranlagt und alles in allem ziemlich verkorkst. Nachdem ihr mit Beginn ihrer Volljährigkeit eine große Spendensumme ausgezahlt wurde, bestand für sie aber auch nie die Notwendigkeit, ihrem Leben eine bestimmte Richtung zu geben. Die finanzielle Sicherheit führte dazu, dass Libby einfach in den Tag hinein lebt. Umso größer ist ihr Ärger, als ihr Vermögensverwalter ihr mitteilt, dass das Geld mittlerweile fast aufgebraucht ist, und es nun zeitnah vorbei sein wird mit „dolce vita“ und Libby in Zukunft doch tatsächlich gezwungen sein wird, zu arbeiten. Brrrr… Na, das kommt für Libby doch überhaupt nicht infrage…

Da trifft es sich dann umso besser, dass ihr der junge Lyle begegnet, Mitglied des sogenannten Kill-Clubs, einer ziemlich schrägen Vereinigung von Leuten, die sich mit berühmten Serienmördern, unaufgeklärten Morden oder auch zu Unrecht inhaftierten Mördern beschäftigt. Libby erklärt sich bereit, dort vorbei zu kommen – gegen Bezahlung natürlich. Am Versammlungsort wird sie dann mit den anderen Mitgliedern des Clubs konfrontiert, die alle der Meinung sind, dass ihr Bruder Ben zu Unrecht im Gefängnis sitzt und Libby damals ihre Aussage mehr oder weniger in den Mund gelegt bekam. Sichtlich aufgebracht verlässt sie die Veranstaltung. Dann beginnt sie aber dennoch nachzudenken: Denn so richtig gesehen hat sie ihren Bruder damals ja eigentlich nicht… Und die Stimme, die sie in der Mordnacht gehört hat, ja zugegeben, die könnte auch von jemand anderem sein.

Libby beginnt, die Vergangenheit aufzuarbeiten und das Rätsel um den Mörder ihrer Familie zu lüften…

Fazit: Falls jemand einen Roman voller fröhlicher Menschen sucht, ist er bei „Dark Places“ am völlig falschen Platz, sozusagen. Irgendwie stehen praktisch alle Beteiligten eher auf der Schattenseite des Lebens. Libbys Vater, Runner, hat einst mitgeholfen, die Farm finanziell vor die Wand zu fahren, machte sich dann aber aus dem Staub und verließ die Familie. Seitdem versinkt er in einer Mischung aus Alkohol und Selbstmitleid.

Libbys Mutter, Patty, ist eigentlich schwer depressiv und mit der Versorgung ihrer vier Kinder mehr als völlig überfordert. Aber sie kann sich halt einfach nicht aufraffen, einen Strich zu machen, die Farm zu verkaufen und die Lebenssituation so für alle zu verbessern

Michelle, Libbys große Schwester, ist ein intrigantes kleines Biest, das darauf erpicht ist, Geheimnisse ihrer Geschwister zu erfahren, um sie damit zu erpressen.

Ihr großer Bruder Ben möchte eigentlich gerne zu den coolen Kids gehören, wirkt aber auf diese eher wie eine widerstandslose Lachnummer. Und auch seine – im Gegensatz zur Familie Day – finanziell auf Rosen gebettete Freundin Diondra leidet unter der Nichtbeachtung durch ihre Eltern und flüchtet sich, mit gerade mal 17 Jahren, in Alkohol, Drogen und Schwangerschaft.

Dies alles vermittelt eine wirklich düstere Stimmung, die ich schon in „Gone Girl“ so empfunden habe. Insofern ist das Buch jetzt vielleicht nicht unbedingt etwas für den trüben Dezembernachmittag – aber es ist wirklich gut!

Erzählerisch wechseln sich die Kapitel über Libbys heutige Spurensuche mit Rückblenden-Kapiteln ab, in denen man erfährt, was sich in den letzten 24 Stunden vor den Morden zugetragen hat. Das ist nicht innovativ, das ist aber spannend, weil es die Möglichkeit für den einen oder anderen Cliffhanger bietet. Gillian Flynns Stil ist dabei einfach gehalten, er ist dem Milieu, in dem sich die Figuren befinden, angemessen.

Die Charaktere und deren Psyche werden erfreulich detailliert und für einen „einfachen“ Thriller unheimlich gut beschrieben. Auch wenn sich eigentlich keine Figur findet, die man als Leser spontan mögen kann. Gerade Libby macht es einem da nicht leicht, ich konnte und kann sie bis jetzt wirklich überhaupt nicht leiden!  Dennoch erfüllen die Charaktere eines der wichtigsten Kriterien, die Personen in solchen Büchern meiner Meinung nach erfüllen sollten: Sie wirken authentisch!

Auch wenn „Dark Places“ nicht unbedingt ein „Wohlfühl-Buch“ ist, es ist ein wirklich gelungener Roman. Mir fallen spontan mehrere meiner Leser und Innen ein, die diesen Thriller durchaus mögen dürften. Mir jedenfalls hat es sehr gut gefallen und mir wird nichts anderes übrig bleiben, als ziemlich bald auch „Cry Baby“ zu lesen. 😉

Wertung: 8,5 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Teufelsengel“ von Monika Feth. Ein deutscher Thriller. Sagt mir nichts, schaun mer mal!

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